Man kann Hannes Stein nur gratulieren: Lange habe ich kein Buch mehr gelesen, das so amüsant ist und dennoch an vielen Stellen, vorder- und hintergründig, ernste Töne beinhaltet, mit Aberwitz und Spott die prekären Stellen der Menschheitszüge abfährt und hervorhebt. In diesem Sinne ist „Nach uns die Pinguine“ ein Buch, das sich mit Werken von Douglas Adams oder Kurt Vonnegut vergleichen ließe.
Schon das erste Buch von Stein, „Der Komet“, gefiel mir gut (es sei an dieser Stelle empfohlen!). Wie auch dort, finden wir uns in „Nach uns die Pinguine“ in einer alternativen Geschichtsversion wieder. Oder besser gesagt: in einer Zukunftsversion (hoffentlich alternativ). Zunächst erscheint nur die Ortswahl etwas exzentrisch: die britischen Falklandinseln, etwa 400 Kilometer vor der Küste Argentiniens gelegen. Dann auch die Hauptfigur: ein mormonischer Jude. Wie soll das noch ein normaler Krimi werden?
Es wird keiner, so viel steht fest, denn neben Ort und Protagonist sind da noch diese „sehr betrüblichen Ereignisse“, über die niemand auf den Inseln gerne redet und die erst Stück für Stück vom Protagonisten enthüllt werden. So viel sei verraten: die pathologisch von verschiedenen Menschengruppen forcierte Feindschaft gegenüber anderen Menschengruppen ist ein bisschen aus dem Ruder gelaufen. Kein Grund, die britische Contenance zu verlieren und nicht weiterhin ein geregeltes Leben zu führen – und ein Verbrechen aufzuklären.
Neben dem Mordfall am Gouverneur der Inseln, der die Rahmenhandlung und den Spannungsbogen liefert, ist Steins Buch unter der Hand auch eine Schau eben jener menschlichen Tendenz, sich gegenseitig allerlei dumme Dinge anzutun, oft nur weil sie nicht so sind wie man selbst. Die Geschichten der Leute, die auf den Inseln leben und die Stein einbindet, haben oft etwas leicht Bizarres, leicht Komödiantisches, aber es werden doch allerlei ernstere Sachen wie Religion, Vertreibung, Genozide, etc. darin abgehandelt.
Ich mag es, wie das Buch sich dabei aber nicht zu wichtig nimmt und nicht zu weit ausholt. Es kommt nur immer wieder darauf zurück, stimmt durch seine leichthändigen Umgang damit nachdenklich (wie es eben auch bei Douglas Adams geschieht oder, wenn auch ungleich drastischer, bei Vonnegut).
Alles in allem: ein sehr gutes Buch, das menschlich und humoristisch beschwingt und unterhält, kurzweilig, aber in diesem Kurzweil durchaus ein- und nachdrücklich. Anregend, wie jemand hier bereits schrieb. Und vor allem: auf liebenswerte Weise komisch.
Hannes Stein
Lebenslauf
Quelle: Verlag / vlb
Neue BĂĽcher
Das Messias-Komplott
Alle BĂĽcher von Hannes Stein
Der Komet
Nach uns die Pinguine
Der Weltreporter
Enzyklopädie der Alltagsqualen
Endlich Nichtdenker
Endlich Nichtdenker!
TschĂĽss Deutschland
Das Messias-Komplott
Neue Rezensionen zu Hannes Stein
Die Menschheit hat sich selbst nahezu ausgerottet. Nur auf den abgelegenen Falklandinseln geht der Alltag weiter – bis der Gouverneur mit einer Churchill-Büste erschlagen wird ... Wer steckt hinter dem heimtückischen Mord? Und was ist das Tatmotiv? Joshua Feldenkrais, Moderator des Inselradios, ermittelt auf eigene Faust – und gerat dabei immer tiefer in einen Strudel aus Verschwörungen, finsteren Machenschaften und Pinguinen …
Hannes Steins skurriler Weltuntergangskrimi ist ein philosophisch-postapokalyptisches VergnĂĽgen.
Wenige Menschen sind unterwegs, denn es wütet eine Pandemie. Zwei, die immun sind, treffen an einer Hotelbar aufeinander – Julia und Bodo von Unruh. Der letztere ist ein Reisejournalist für das Hochglanzmagazin „Holzmann’s Weltspiegel“. Julia ist Philosophiestudentin und verdient ihr Geld mit Taxifahren.
Nun berichtet der Mann von Welt Bodo von Unruh in zwölf Berichten von seinen Reisen. Es sind fantastische Reisen, welche durch aus einen kritischen Blick auf die Politik und Gesellschaft werfen. Zwischen den Reportagen erfahren wir, wie es mit Julia und Bodo weitergeht.
Hannes Stein besteht darauf, dass er das Manuskript bereits Ende Januar 2020 abgegeben hat. Dass die Umstände im Roman mit der jetzigen Situation im realen Leben Ähnlichkeit habe, sei reiner Zufall. In einem Interview sagt er, dass er sich eher an „Der rote Tod“ von Edgar Allen Poe gehalten habe. Da bin ich raus, ich kenne das Buch nicht.
Ich habe das Buch voller Freude begonnen. Es ist flĂĽssig und humorvoll geschrieben. Jedoch mit der Zeit haben mich die immer skurriler werdenden Reiseberichte nicht mehr richtig interessiert. Auch die Liebesgeschichte zwischen Julia und Bodo wird immer blasser.
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