Hannes Wader

 3.9 Sterne bei 9 Bewertungen
Autor von Trotz alledem, Neue Bekannte und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Hannes Wader

Hannes Wader, geboren 1942 in Bethel bei Bielefeld in Ostwestfalen, widmete sich nach einer Lehre als Dekorateur und einem abgebrochenen Grafikstudium in Bielefeld und Berlin ganz der Musik. Der Komponist, Texter, Sänger und Gitarrist gehört zu den bekanntesten deutschen Songwritern. Er veröffentlichte 35 Studio- und Live-Alben, von „Hannes Wader singt“ (1969), „7 Lieder“ (1972), „Plattdeutsche Lieder“ (1974), „Es ist an der Zeit“ (1980) bis zu „Macht’s gut“ (2018). 2013 wurde er mit dem Echo für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Hannes Wader lebt in Kassel.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hannes Wader

Cover des Buches Trotz alledem9783328600497

Trotz alledem

 (6)
Erschienen am 28.10.2019
Cover des Buches Väterchen Franz und ich9783940274564

Väterchen Franz und ich

 (0)
Erschienen am 01.10.2015
Cover des Buches Daß nichts bleibt, wie es war9783885690153

Daß nichts bleibt, wie es war

 (1)
Erschienen am 01.10.1991
Cover des Buches Mal Angenommen0602537482979

Mal Angenommen

 (1)
Erschienen am 17.10.2014
Cover des Buches Und Es Wechseln Die Zeiten0602537482955

Und Es Wechseln Die Zeiten

 (0)
Erschienen am 17.10.2014
Cover des Buches Wünsche0602537482948

Wünsche

 (0)
Erschienen am 17.10.2014
Cover des Buches Sing, 1 Audio-CD0602547114730

Sing, 1 Audio-CD

 (0)
Erschienen am 06.02.2015

Neue Rezensionen zu Hannes Wader

Neu

Rezension zu "Trotz alledem" von Hannes Wader

Ein Leben im Zick-Zack-Kurs
Babschavor 2 Monaten

Das ist sie also, die lang erwartete Autobiografie von Hannes Wader, dem von mir sehr verehrten Liedermacher, heute bereits Endsiebziger, der uns vor allem mit seinen frühen unsterblichen Werken wie „Heute hier morgen dort“ oder „Unterwegs nach Süden“ beglückt hat. Lange hat er an seinem fast 600 Seiten langen Wälzer geschrieben, und was dabei herausgekommen ist, lässt mich allerdings etwas zwiespältig zurück.

 Zunächst mal ist unglaublich, wie Wader sein ganzes wechselhaftes und unstetes Leben bis in kleinste Verästelungen und Einzelheiten erinnert und rekapitulieren kann, und da wären wir auch schon beim ersten aus meiner Sicht spürbaren Manko des Buches. Wader hat lt. eigener Angabe das ganze Buch ausdrücklich selbst geschrieben und das vor allem, um für ihn selbst wichtige Dinge hervorzuheben und festzuhalten und andere, für ihn weniger relevante Fakten dabei nur zu streifen. Das ist absolut ok und nachvollziehbar und es geht hier ja schließlich auch um die Niederschrift seines Lebens, aber er verliert sich nach meinem Empfinden wiederholt, vor allem in der Schilderung seiner unerfreulichen Kindheit und Jugend im Nachkriegsdeutschland wie auch der Aufzählung seiner diversen Platten, Plattenfirmen und Konzerte, seiner im Laufe der Jahre unzähligen Bekannt- und Freundschaften (die man als Normalleser nur teilweise kennt) in für den Leser und Fan seiner Lieder einfach nicht so wichtigen Nebensächlichkeiten und Einzelheiten, was dann auf die Erzählungen wie eine permanent leicht getretene Bremse mit ziemlichem Ermüdungspotential wirkt. Überbordendes namedropping mag aus Autorensicht ja zur Vollständigkeit wichtig sein, um nichts und niemanden zu vergessen, dem Leser, für den das Buch ja auch geschrieben wurde, gibt es allerdings nicht so viel.

 Aber das Buch hat auch viel Licht neben den Schattenplätzen. Der Leser kann über die sehr authentisch und streckenweise packend geschriebenen Lebenserinnerungen Waders nochmal die ganzen Jahrzehnte von Kriegsende bis heute an sich vorüberziehen lassen, von den miefigen 50ern, den rebellischen 60ern, den durchwachsenen 70ern, in denen das neue Deutschland mit der RAF und sonstigem Terror seiner ersten massiven Belastungsprobe ausgesetzt war, wie auch den in allen Lebensbereichen sich massiv weiter entwickelnden Folgejahrzehnten.

 Wader macht in seinem Buch keinerlei Hehl aus seiner eigenen hochkomplizierten, teils leicht verschrobenen Persönlichkeit mit langjährigem Suchtverhalten zu Zigaretten, Alkohol usw., seiner Egozentrik, seinem Desinteresse an tausenden Dingen des täglichen Lebens, seiner teilweisen Naivität in Gelddingen und in der Beurteilung von Chancen und Risiken (mit den entsprechenden Folgewirkungen), was alles äußerst ehrlich und offen rüberkommt und eine runde Charakterstudie formt. Er ist eben, wie er ist. Und über allem stehen sowieso seine unvergänglichen Lieder.

 Insgesamt ein für Fans des Musikers lesenswertes Buch, das allerdings bei einer gewissen Straffung des Erzählflusses wie auch, zumindest aus meiner Sicht, mit noch ein bisschen reichhaltigeren Informationen zu den Personen aus seiner eigenen späteren Familie ein noch stringenteres Leseerlebnis und abgerundeteres Bild geboten hätte.

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Rezension zu "Trotz alledem" von Hannes Wader

Schon so lang' ...
Thomas_Lawallvor 2 Monaten

Als ob man es nicht schon immer geahnt hätte: Hans' Mutter sang oft und gerne. Erinnerungen an sie sind aber auch stets mit ihrem Pensum an Arbeit verbunden. Für Freizeit war in den Nachkriegsjahren wenig oder meist gar keine Zeit. Jede erdenkliche Tätigkeit, sei sie auch noch so schlecht bezahlt, wurde angenommen, um das Überleben der Familie zu sichern.

Zusätzlich und bis spät in die Nacht, oft bis zur völligen Erschöpfung, musste die Haus- und Gartenarbeit erledigt werden. Tränen flossen nur im Verborgenen, weshalb die Erinnerungen daran undeutlich bleiben, ganz im Gegensatz zu Mutters stattlichem Repertoire an unzähligen Liedern, mitunter auch an "Klassikern der sozialdemokratischen Arbeiterbewegung", die der kleine Hans alsbald auswendig konnte.

Wenn sich auch die Erinnerungen an das Kennenlernen des erst nach dem 2. Weltkrieg heimkehrenden Vaters ebenso diffus gestalten, bleiben immerhin jene erhalten, als er zur Mandoline griff, um den Gesang seiner Frau zu begleiten. Die Tristesse des grauen und arbeitsintensiven Alltags sowie die "emotionale Unterversorgung" durch die Eltern waren jedoch allgegenwärtig und prägend, die musikalischen Ablenkungsmanöver allenfalls zum tröstlichen Kaschieren der zahlreichen Entbehrungen geeignet.

In diesem Zusammenhang verwundert es nicht, wenn für Hans, den seine Kommilitoninnen einst, während seines Grafikstudiums, "Hannes" nannten, und er diese Namensänderung fortan übernahm, die Dinge, die ihn einst so belasteten, "in Verse gesetzt und gesungen" so etwas wie Erlösung bedeuten sollten:

"Ich schreibe und singe mir etwas von der Seele."

Als ob man es nicht schon immer geahnt hätte ... ist natürlich Unsinn. Wie sich alles wirklich zugetragen hat, steht auf einem ganz anderen Blatt. Welche Mühen es tatsächlich bedeutete, jene spärlichen Vorzeichen richtig zu deuten, ist nur schwer zu ermessen, ebenso wenig wie Waders Fähigkeit, seinen Werdegang im Nachhinein zu einem fast logischen Puzzle zusammenzusetzen. Allein seine Kindheit, die für ihn mit dem 13. Lebensjahr und dem Beginn einer Ausbildung als "Dekorationsgehilfe" in einem Bielefelder Schuhgeschäft endet, sind ihm 150 Seiten wert.

Doch damit ist es ja längst nicht getan. Nach der Armut der Kinderjahre folgten nicht minder schwere Zeiten. Das Berufsleben und die damit verbundenen leidigen Pflichten, Zwänge und Abhängigkeiten sind für Wader keine Zukunft, Auflehnung gegen das System deshalb zwangsläufig. Wohin das alles führen sollte, konnte er damals noch nicht wissen, eine feste Größe waren lediglich all die Dinge, die er NICHT wollte.

Die Berliner Jahre brachten zunächst ebenfalls wenig, außer der gelegentlichen Teilnahme am Grafikstudium, kurzfristigen Jobs als Arbeiter oder Barmusiker, unzähligen Kneipenbesuchen, oder "diffusen Träumen, mal irgendwann mit irgendwas groß rauszukommen". Immerhin halfen Kontakte und der Faktor Zufall, dass Hannes Wader von einem gewissen Burg-Waldeck-Festival hörte, welches ihm völlig unbekannt war ...

... aber schon seit 1964 veranstaltet wurde. Nichtsahnend, was ihn erwarten sollte, kam es zu einem ersten Auftritt 1966 mit einem Repertoire von ganzen vier Liedern. Die Publikumsreaktionen deutete Wader zunächst völlig falsch ... und jetzt wird es wirklich spannend! Und viel mehr als das, denn wenn dem Rezensenten, der damals erst neun Jahre alt war, eine Gänsehaut nach der anderen den Buckel rauf und runter wandert, dann wird erst richtig klar, was damals passierte und noch passieren sollte ...

Plötzlich sind sie wieder da, die ersten Lieder, die man so lange nicht hörte und damals, um einige Jahre zeitversetzt, auswendig konnte, ob sie nun "Das Loch unterm Dach", "Die Blumen des Armen", "Frau Klotzke" oder "Das Bier in dieser Kneipe schmeckt mir nicht mehr" heißen. Viel wichtiger jedoch ist das Wunder, das Lebensgefühl einer Zeit konserviert zu haben, die endgültig vorbei ist, die sich aber, dank der Kraft seiner Lieder, mühelos wieder zurückholen lässt.

Etwas, was in dieser Intensität vielleicht noch von keinem anderen Liedermacher erreicht wurde. Für all jene, die ohne Halt und Ziel zu leben gewagt haben gleichermaßen wie für diejenigen, die nur davon träumten. So ganz nebenbei hat er Sehnsucht und Melancholie endgültig definiert, was den Kollegen vielleicht mit dem einem oder anderen Lied ebenfalls gelungen sein mag, nicht aber mit deren jeweiligem Gesamtwerk!

Dass er nicht gerne schreibt, wie in der Einleitung "Vorweg" nachzulesen ist, mag man Hannes Wader jedoch nicht so recht glauben. Wundern darf man sich ebenfalls über die zahllosen Ereignisse, die er, ohne je Tagebuch geführt zu haben, aus seinen Erinnerungen hervorzaubern kann. Doch auch dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung ...

Am Ende des Buches, das man keineswegs herbeisehnt, fühlt man neben der größten Hochachtung auch so etwas wie Dankbarkeit für so viel Leben, die Bereicherung und die Erlaubnis, dass man ihn auf seinem langen Weg ein gutes Stück begleiten durfte.

Unentschlossene Leserinnen und Leser sollten sich im Zweifelsfall einfach das Inhaltsverzeichnis anschauen. Es ist erstaunlich karg und übersichtlich. Ein unzweifelhafter Hinweis darauf, dass Hannes Wader sich sehr klar und unmissverständlich ausdrückt, wie in seinen Texten und seiner Musik, die Reinhard Mey einst so treffend charakterisierte:

"... Melodien, die aus der Kindheit, vielleicht aus der Nacht der Zeiten in uns allen klingen."

Bewegend auch, dass er mit Selbstkritik nicht spart, und die ihm in Erinnerung gebliebenen Zeichnungen seines Lebens nicht mit grellbunten Farben ausfüllt und verfremdet. Das macht auf jeder Seite neugierig auf die jeweils folgenden - so wie diese kleine Besprechung hoffentlich auch.

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Rezension zu "Trotz alledem" von Hannes Wader

Zeichen eines Lebens
Nico-aus-dem-Buchwinkelvor 4 Monaten

„Ein Mann, ein Wort.“ Dieses ohnehin sexistische Sprichwort trifft sicher nicht auf den Liedermacher Hannes Wader zu, schließlich ist seine Autobiographie ganze 592 Seiten dick. Die Leser*in begleitet dabei nicht nur Wader auf seinem Lebensweg, sondern wird auch zur Zeitzeug*in deutscher Geschichte von der Nachkriegszeit bis in die 2000er.

Mir persönlich war Hannes Wader vor der Lektüre vor allem in Kombination mit Reinhard Mey und Konstantin Wecker ein Begriff, auch durch ihre deutsche Interpretation von „Bella Ciao“, das ja aktuell durch eine gewisse Fernsehserie eine ziemliche popkulturelle Relevanz bekommen hat. Ich dachte mir angesichts der Autobiographie also: Interessante politische Einstellung, auf dieses Leben bin ich neugierig. So machte ich mich ganz unverfangen an diesen dicken Schmöker.


(Persönliche) Geschichte

Hannes Wader wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf, Vater und Onkel kamen irgendwann – körperlich und geistig verwundet – aus dem zweiten Weltkrieg zurück. Seine prägenden Kindheitsjahre beschreibt Wader sehr ausführlich und es dauert, bis aus Wader der auf Bühnen tourende Liedermacher wird, als den ihn heutzutage wohl vor allem die ältere Generation kennt.

Dabei verknüpft Wader sein persönliches Schicksal immer wieder mit den aktuellen Ereignissen in Deutschland, so dass sich das Buch für mich manchmal wie eine Zeitreise anfühlte. Besonders spannend fand ich zum Beispiel die Zeit, in der die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) unter den Studierenden viel Zulauf fand und auch Wader selbst vom CDU-Wähler zum Parteimitglied avanciert. Das Ganze gipfelt in der jahrzehntelangen Beobachtung Waders durch den Verfassungsschutz, da Wader auch in Kontakt mit der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin kam. Dazu habe ich dann selbst noch ein wenig recherchiert und einen interessanten Artikel des Spiegels von 1971 ausgegraben.

Wader gibt dabei zu, dass er unbedingt selbst entscheiden wollte, wie viel Platz in er den einzelnen Ereignissen zugesteht, weshalb verschiedene Versuche anderer Autor*innen, eine Biographie über ihn zu verfassen, allesamt irgendwann scheitern mussten.


Kritikfähigkeit

Durchbrochen wird Waders (Lebens-)Geschichte immer wieder von Fotos und selbstkritischen Überlegungen. Er geht für mich durchaus hart mit einigen seiner Charakterzüge ins Gericht, auch wenn er diese nie wirklich ändern oder ablegen konnte beziehungsweise wollte. Trotzdem, nicht jeder spricht so offen und ehrlich über seine Fehler.


Musikalische Untermalung

Nach eigener Aussage basieren alle von Waders Liedern in der ein oder anderen Form auf Ereignissen aus seinem Leben und er fügt seine Liedtexte auch immer wieder an passender Stelle ein. Das habe ich als Einladung dazu aufgefasst, mich durch Waders Liederwerk zu hören, was zum Beispiel ganz gut mit dem gleich betitelten Album „Trotz alledem“ geht. Auch wenn mir längst nicht jedes Lied gefällt, fühlte ich mich gut unterhalten mit der Autobiographie zu diesem Leben, das in vielerlei Hinsicht weit von meinen eigenen Plänen abweicht. Wer ein paar von Waders Liedern kennt und jetzt neugierig ist, der greife zu! (Diesmal keine Bewertung, weil ich Autobiographien schwierig zu bewerten finde).


Die Rezension ist auch zu finden auf meinem Blog unter https://buchwinkel.de/trotz-alledem-von-hannes-wader/

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