Nelleke Noordervliet ist in den Niederlanden eine bekannte und bedeutende Schriftstellerin, die für ihre Romane schon mehrfach ausgezeichnet wurde.
Dieser Roman ist vieles zugleich: Familiengeschichte, Selbstfindungsgeschichte, historischer Roman und Krimi. Erzählt wird abwechselnd auf zwei Zeitebenen. Eine in der Vergangenheit angesiedelte Ebene auf der sich die Geschichte eines Vorfahren der Protagonistin Ada in der Zeit des holländischen Karibik-Kolonialismus abspielt und eine in der Gegenwart angesiedelten Ebene, auf der die Ada sich nach dem Tod des Vaters aufmacht der Geschichte dieses Vorfahren nachzuspüren und ihren dunkelhäutigen Adoptivbruder Antonio zu suchen, der kurz nach seinem 18. Geburtstag verschwunden ist.
Es ist der Vorwurf ihres Vaters, dass sie, Ada, der Grund dafür gewesen sei, der sie umtreibt und nach ihrem Bruder suchen lässt. Es sind größtenteils keine sympathischen Charaktere, die dem Leser in diesem Roman begegnen. Sie alle haben ihre Brüche, Verletzungen und Unfähigkeiten und versuchen doch ihr Leben zu bewältigen - auf unterschiedlichste Art und Weise.
Es gelingt Nelleke Noordervliet den Lesern durch ihre Beschreibungen des niederländischen Kolonialismus in der Karibik, die Zeit, Gesellschaft und belastenden klimatischen Bedingungen nahezubringen. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, schreckt nicht vor Details zurück. Es ist kein Spaziergang ihrer Protagonistin in die Vergangenheit und in die Karibik von heute zu folgen. Immer wieder kommt es zu unerwarteten Wendungen der Geschichte. Die ganze Geschichte ist ungeheuer dicht geschrieben, manchmal für meinen Geschmack fast zu dicht, zu vollgestopft. Trotzdem ist unbestritten, dass Nelleke Noordervliet eine beeindruckende Erzählerin ist.

