Hanns-Josef Ortheil Das Kind, das nicht fragte

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Inhaltsangabe zu „Das Kind, das nicht fragte“ von Hanns-Josef Ortheil

Eine Luft voller Aromen, ein Duft von Orangen, Zitronen und Kräutern. Benjamin Merz, Ethnologe und jüngstes Kind einer Familie mit fünf Söhnen, überwindet seine Hemmungen und entwickelt ungewohnte Fähigkeiten darin, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Während einer Forschungsreise auf Sizilien beginnen die Frauen des Städtchens Mandlica diese Fähigkeit zu entdecken und zu schätzen. Nach dem Roman »Die große Liebe« und »Die Erfindung des Lebens« hat Hanns-Josef Ortheil einen weiteren hellen und lichten Roman über das Leben im Süden Italiens und die Nähe, die dieser magische Raum zwischen Menschen ermöglicht, geschrieben.

Tolles Thema, tolle Sprache, toller Handlungsort, aber teilweise zu ausufernd

— hexhex
hexhex

Wunderschön

— Cinderella11k
Cinderella11k

Langweilig, geschwätzig, selbstverliebt. Den Rest habe ich nur überflogen. Schade, "Erfindung des Lebens" fand ich so toll.

— Apfelgruen
Apfelgruen

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  • Befreiung von einem Kindheitstrauma

    Das Kind, das nicht fragte
    Federfee

    Federfee

    31. August 2016 um 11:54

    'Das Kind' ist in diesem Fall ein fast 40jähriger Ethnologe, der noch immer darunter leidet, was seine vier älteren Brüder ihm angetan haben und dass sie auch heute noch versuchen, über ihn zu bestimmen.Er kommt im sizilianischen Ort Mandlica an, über dessen Bevölkerung er eine Forschungsarbeit schreiben will. Dazu muss er viele Gespräche und Interviews führen. Er ist immer derjenige, der sich alles erzählen lässt, aber von sich selbst sprechen kann er nicht. Daran sind alle seine Beziehungen zerbrochen. Hier aber trifft er in Paula, einer Deutschen, die große Liebe, der es gelingt, sein Herz zu öffnen oder - prosaischer ausgedrückt - ihn zum Reden über sich und sein Leben zu bringen.Das mag kitschig klingen, ist es aber in keinster Weise. Schließlich ist der Autor ein anerkannter Professor für Literatur und kreatives Schreiben, der für seine feinen Beobachtungen und Beschreibungen bekannt ist. Genau das machte die Geschichte für mich allerdings ein bisschen langweilig. Eine poetische Sprache allein war mir da ein bisschen zu wenig.Dennoch: für Fans von Hanns-Josef Ortheil lesenswert.

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  • Das Kind, das nicht fragte

    Das Kind, das nicht fragte
    Claudia-Marina

    Claudia-Marina

    09. January 2016 um 16:16

    Benjamin Merz ist Ethnologe. Kein richtig erfolgreicher, eher so einer, der in seinem Job mit jeder Faser seines Herzens aufgeht. Ihn lebt. Für den sein Beruf mehr ist als nur ein Beruf, sondern Therapie und Lebensinhalt. Aufgewachsen mit vier älteren Brüdern ist Benjamin das Fragen nicht in die Wiege gelegt worden. Er ist eher als stiller Beobachter aufgewachsen, immer darum bemüht, mit seiner Familie mitzuhalten zu können. Ein stilles Kind, das keine Fragen stellte. Während ihn seine Brüder immer noch in der Rolle des Nesthäkchens und zu beschützenden Nachzüglers sehen, hat Benjamin sich im Laufe der Jahre zu einem geschickten Fragensteller entwickelt, der es im Laufe eines Gespräches schafft, sich in einen Menschen hineinzuversetzen und ihm seine intimsten Geheimnisse zu entlocken. Das bemerken auch die Frauen in Mandlica, einem Städtchen an der sizilianischen Südküste, in das es ihn zu Forschungszwecken verschlägt. Der sonst so zurückhaltende Benjamin steht bald im Mittelpunkt der ganzen Stadt, jeder möchte mit ihm reden und Teil seiner Forschung werden. Außer Paula, die Schwester seiner Wirtin Maria. Doch gerade diese Frau übt eine große Anziehungskraft auf Benjamin aus. Weiterlesen

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  • Wunderschönes Buch

    Das Kind, das nicht fragte
    Cinderella11k

    Cinderella11k

    15. August 2015 um 06:52

    Ich liebe liebe liebe dieses Buch. Ich hatte immer das Gefühl  ich sei auf Sizilien . So schön geschrieben.

  • Das Kind, das nicht fragte

    Das Kind, das nicht fragte
    AgnesM

    AgnesM

    29. June 2015 um 19:21

    Benjamin Merz, ein schüchterner und in sich gekehrter Ethnologe, reist nach Sizilien, um die Menschen, ihre Sprache, die Lebensweise und ihren Alltag zu erforschen. Er hat einen Lehrauftrag an der Universität in Köln, erträgt es aber sonst nicht sich unter Menschen zu mischen und haust lieber in seiner kleinen Dachwohnung, welche sich in einem Mehrfamilienhaus befindet, in dem er auch aufgewachsen ist. Seine Kindheit war nicht einfach. Seine vier viel älteren Brüder haben ihn nicht nur eingeschüchtert, sie haben ihn auch nicht zu Wort kommen lassen und somit lernte er nie richtig Fragen zu stellen. Er war still und jede kleinste Äußerung wurde von den Brüdern getadelt. Er zog sich sehr oft zurück und begann für sich Fragen zu stellen und sich diese auch selber zu beantworten, denn er hatte niemanden der ihm zuhörte. Diese Frage-Antwort-Kataloge schrieb er in seine Schulhefte, welche von seiner Mutter gefunden wurden. Sie wollte ihren Sohn dazu ermutigen Fragen zu stellen und aus sich heraus zu gehen. Dies gelang allerdings nur, wenn Benjamin die Fragen niederschrieb und sie der Mutter noch beim Schreiben oder danach vorlas. Ein Bekannter der Familie hat entdeckt welche Begabung in ihm steckt und ihm den Beruf Ethnologe ans Herz gelegt. Die Forschungsreise nach Mandlica beginnt zunächst etwas steif, denn Benjamin muss den Ort und die Lage erkunden. Er muss versuchen nicht wie ein Tourist zu agieren, denn sonst hat er das Vertrauen der Bewohner nicht auf seiner Seite und dies ist wichtig, damit sie sich ihm gegenüber öffnen und ehrlich auf seine Fragen antworten. Schnell spricht sich herum, dass er eine Begabung hat die Befragten in eine Art Trance zu versetzen, vielen macht die Befragung Spaß und es finden sich immer mehr Gesprächspartner, die Teil seiner Studie sein möchten. Ehe er sich versieht, ist er schon ein fester Bestandteil der dortigen Gesellschaft und jeder kennt und weiß etwas über ihn. Nach anfänglichen Bedenken gefällt Benjamin all die Aufmerksamkeit und es macht ihm immer weniger etwas aus sich unter Menschen zu begeben. Er geht essen, besucht Cafés und Bars, freundet sich mit einigen Bewohnern eng an und lernt eine Frau kennen, die ihn mehr als nur begeistert. Ich muss zugeben, dass ich mir mehr von dem Buch erhofft hatte. Zwar hat die Geschichte einen gewissen Tiefgang und regt hier und da zum Nachdenken an, aber so richtig überzeugt bin ich leider nicht. Manche Entwicklung, vor allem die des Hauptprotagonisten Benjamin, ging mir zu schnell. Das letzte Drittel des Buches hat mich beispielsweise kaum berührt, was ich sehr schade fand. Positiv finde ich jedoch den Aspekt aufzeigen zu wollen, was Sprache alles bewirken kann - egal ob im positiven oder negativen Sinne. Ich weiß, der Autor versucht mit u.a. diesem Buch seine eigene Kindheit zu verarbeiten und vielleicht muss ich noch weitere Bücher von ihm lesen, um ihn zu verstehen, aber bei diesem Buch fehlt mir leider das gewisse Etwas. 

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  • „Tee gehört zum Lesen […] Kaffee gehört zum Schreiben“

    Das Kind, das nicht fragte
    serendipity3012

    serendipity3012

    01. April 2015 um 16:49

    „Tee gehört zum Lesen […] Kaffee gehört zum Schreiben“ Dieser Auffassung ist Benjamin Merz, Protagonist in Hanns-Josef Ortheils Roman „Das Kind, das nicht fragte“, und als Ethnologe gehört sowohl das Lesen, als auch das Schreiben zu seinem täglichen Leben. Zu Beginn des Romans landet er auf Sizilien, wo er die kleine Stadt Mandlica besuchen will. Sie ist bekannt für ihre außergewöhnlich guten Dolci, ihre Süßwaren, und Benjamin plant, gleich mehrere Monate zu bleiben und intensive Studien über die ganze Stadt und ihre Bewohner zu betreiben. Er bedient sich dabei der sogenannten teilnehmenden Beobachtung. „… Sie besagt, dass ein forschender Ethnologe sich den Sitten und Gebräuchen der Untersuchungsregion beinahe bis zur Aufgabe seiner eigenen Identität hin anpassen soll.“ (S. 18). Das bedeutet zum Beispiel, dass er sich nicht wie seine Landsleute ein deutsches Auto leiht, sondern sich einen Fiat geben lässt – den Autoverleiher freut’s. In Mandlica bewohnt er eine Pension, die von Maria geführt wird, einer Deutschen, die hier vor vielen Jahren mit ihrer Schwester eigentlich nur durchreisen wollte, dann aber blieb. Maria ist gesprächig und gesellig, Paula zunächst zurückhaltend und ablehnend. Mit der Zeit wird aus dem Außenseiter Benjamin einer, der mehr und mehr in die Stadt gehört – ein Teil von ihr wird, und bekannt ist er dort bald auch aufgrund seiner Forschungen und der Gespräche, die er mit verschiedenen Einwohnern der Stadt führt. Sie reißen sich darum, Teil seines Projekts zu sein. Und sie lassen ihn hineinschauen in das sizilianische Dorf und das Innenleben seiner Bewohner, oder auch Bewohnerinnen: „Das junge Mädchen in einem selbst wird man nie los – das ist wieder so eine sizilianische Redensart, wissen Sie. Auch die älteren Frauen wünschen sich nichts mehr, als von älteren oder jüngeren Männern angeschaut und beobachtet zu werden. Sie möchten die Blicke anziehen, sie möchten beachtet und durch und durch die Blicke geehrt werden.“ (S. 299) Thema des Romans ist immer wieder die Kindheit Benjamins: Er war der jüngste von fünf Brüdern, die, alle mehrere Jahre älter, ihn drangsalierten und neben denen er sich nicht behaupten konnte. Er war „das Kind, das nicht fragte“, eingeschüchtert, ein Einzelgänger. Im Erwachsenenalter ist das Fragen gerade das, was Benjamin beherrscht. Seinen Gesprächspartnern entlockt er Persönliches, er hat es perfektioniert, sich in andere hineinzuversetzen, sieht und ahnt daher Dinge, die andere nicht sehen. In seiner ruhigen Erzählweise ist „Das Kind, das nicht fragte“, anderen Romanen Ortheils durchaus ähnlich. Diese Art, seine Geschichte langsam zu entfalten und dabei ganz genau in die Gefühle und Gedanken seiner Protagonisten einzutauchen, muss man mögen, wenn man dem Roman etwas abgewinnen will. Ortheil schaut genau hin, nimmt sich Zeit, um die Entwicklung seines Helden genau mitzuverfolgen. Sein Stil ist wie gewohnt geschliffen. Die süditalienische Atmosphäre fängt er gekonnt ein. Der ideale Schauplatz für eine positive, lebensbejahende Grundstimmung, die Ortheils Roman auszeichnet. Ob die Geschichte um Benjamin – in Mandlica dann auch Beniamino genannt – realistisch ist? Fliegt unserem Helden, dessen Leben in früheren Jahren eher von Enttäuschung und Einzelgängertum geprägt war, zu viel zu? Womöglich. Aber ein bisschen Märchen hat noch nie geschadet. Das wahre Leben ist schließlich realistisch genug.

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  • Ein typischer Ortheil-Roman

    Das Kind, das nicht fragte
    UteSeiberth

    UteSeiberth

    11. September 2014 um 18:20

    Ich habe mich voller Vorfreude auf diesen Ortheil gestürzt und musste dann erleben,,dass ich bei der Hälfte des Buches hängengeblieben bin . Siene Art zu schreiben wiederholt sich leider  immer wieder und mir ist sie inzwischen zu ausufernd.Leider!

  • Das Kind das nicht fragte

    Das Kind, das nicht fragte
    merle81

    merle81

    15. February 2014 um 14:39

    Benjamin März hat vier Brüder. Er ist der  jüngste und wird wegen des großen Altersunterschiedes auch immer so behandelt ... er wird wuasi mundtot gemacht. Der ältere Benjamin ist zwar ein gestandener Ethnologe, doch lassen ihn die Geister der Vergangenheit nie los. Er reist nach Mandlica in Sizilien um dort eine ethnologische Forschungsarbeit zu schreiben. Dch je mehr Kontakte er schließt desto mehr findet er zu sich selbst und ist irgendwann sogar in der Lage sein Herz zu öffnen. Brilliante Literatur, von der man kaum genug bekommen kann

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  • Ein Lesegenuss

    Das Kind, das nicht fragte
    Gospelsinger

    Gospelsinger

    22. May 2013 um 23:31

    Benjamin Merz trägt seinen Namen zu Recht, ist er doch als Nachzügler geboren worden. Der jüngste seiner vier Brüder ist acht Jahre älter als er. Das hätte aus Benjamin ein verwöhntes Nesthäkchen machen können, aber leider ist es genau umgekehrt gelaufen, seine Brüder haben sich gegen ihn verbündet und ihn gequält. Auch den Eltern ist nicht aufgefallen, dass selbst sie den kleinen Benjamin benachteiligen und schlechter behandeln als seine Brüder. Zum Beispiel wurde nie gekocht, was er mag, es zählten nur die Wünsche der älteren Brüder. Die Folge ist, dass der sensible Benjamin am Familientisch stumm bleibt und versucht, möglichst nicht aufzufallen. Etwas für sich einzufordern oder auch nur eine Frage zu stellen, ist ihm unmöglich. Auch in der Schule hat er Probleme, Kontakte aufzubauen. Auf den ersten Blick ist es seltsam, dass ausgerechnet ein so schüchternes Kind sich der Ethnologie zuwendet und das Fach sogar als Professor lehrt, aber seine Fähigkeit, sich in Andere einzufühlen, macht ihn in seiner Fachrichtung erfolgreich. Jedoch verbessert sich das Verhältnis zu seinen Brüdern dadurch nicht, denn sie sind als Anwalt, Arzt oder Apotheker noch erfolgreicher als er, besonders materiell. Nach dem Tod der Eltern bevormunden sie ihn noch mehr als bisher. Das ändert sich, als Benjamin ein Forschungsprojekt auf Sizilien beginnt. Er mietet sich in dem für seine Dolci berühmten Ort Mandlica ein und führt im Rahmen der „Teilnehmenden Beobachtung“ Gespräche mit den Dorfbewohnern. Nach und nach wird er Teil der Dorfgemeinschaft, und so, wie sich besonders die Frauen in den Gesprächen mit ihm öffnen, beginnt auch er, sich den Menschen, besonders den Frauen, gegenüber zu öffnen. Und dann tritt Paula in sein Leben. Dieses Buch liest sich einfach wunderbar. Ortheil schreibt atmosphärisch dicht, er lässt Italien so plastisch vor dem inneren Auge entstehen, dass ich am liebsten sofort dorthin aufgebrochen wäre. Beim Lesen kann man fast den Duft der Zitronen riechen. Man merkt dem Buch an, das hier sehr viel von der Lebensgeschichte des Autors eingeflossen ist. Es ist gefühlvoll und gleichzeitig reflektiert geschrieben, intelligent und glänzend formuliert, kurz, ein Lesegenuss, der lange nachwirkt.

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  • Ich weiß nicht

    Das Kind, das nicht fragte
    Lesekatze66

    Lesekatze66

    25. April 2013 um 08:25

    Eigentlich wußte ich bis zum Schluß des Buches nicht, ob es mir gefällt. Für mich war es einer dieser Bücher, die mich absolut nicht fesselten - ich habe auch Seiten übersprungen - und gleichzeitig wollte ich wissen, wie es weitergeht. Eigenartig!
    Bis jetzt weiß ich nicht, war es ein Roman oder eine Biographie oder irgendwas in der Mitte :-)

  • Wieder einmal nur phantastisch!!!

    Das Kind, das nicht fragte
    19angelika63

    19angelika63

    22. January 2013 um 11:10

    Klappentext An einem Frühlingstag im April landet Benjamin Merz mit dem Flugzeug in Cantania. Merz ist Ethnologe, und er möchte die Lebensgewohnheiten der Menschen in Mandlica, einer kleinen Stadt an der Südküste Siziliens, erkunden. Er freut sich auf das Frage- und Antwortspiel mit den Einheimischen, muss allerdings zunächst gr0ße Hemmungen überwinden, um diese Gespräche auch tatsächlich zu führen. Denn Benjamin Merz ist zwar ein kluger Ethnologe, aber auch ein Mann, für den das Fragen nichts Selbstverständliches ist. Aufgewachsen ist er mit vier weitaus älteren Brüdern, die in seiner Familie lebenslang den Ton angaben. Als Neuankömmling bekam er oft nicht einmal mit, worüber am Mittagstisch gesprochen und gestritten wurde. Selbst einfachste Verständnisfragen traute er sich nicht zu stellen und musste das Fragen später mühsam erlernen. Mit den Jahren aber wurde er darin ein Meister, dem es auf verblüffende Weise gelingt, sich fragend in andere Menschen hinein zu versetzen. Genau diese Fähigkeiten machen ihn in Mandlica zu einem allseits, besonders aber bei den Frauen begehrten Gesprächspartner. Sie beginnen, ihm ihre Familiengeheimnisse und geheimste Liebeswünsche anzuvertrauen … Benjamin Merz kommt nach Sizilien, um dort den großen Wurf zu erzielen. Er möchte einen mehrbändigen Ethnologischen Bericht über die Menschen von Mandlica verfassen. Er hat genaue Vorstellung von den einzelnen Themen, über die er die Menschen befragen möchte. Doch so einfach wie er es sich vorstellt, ist es am Anfang nicht. Denn Benjamin selbst ist gehandicapt. Er ist nicht in der Lage Fragen über sich und sein Leben zu beantworten. Zu tief sitzen die Verletzungen, die er als Kind unter seinen wesentlich älteren Brüdern erleiden musste. Erst Paula gelingt es, ihm diese Geschichte zu entlocken. Wundervolle Sprache, wunderschön beschriebene Orte und eine phantastische Geschichte rund um die Sprache. Man merkt bei der Beschreibung des Ortes und des Landes wie sehr der Autor dieses Land liebt. Ich spürte diese Liebe und habe oft gedacht, da möchte ich auch einmal hin. Wer die Biografie von ihm kennt, weiß, dass er selber erst sehr spät angefangen hat zu sprechen. (siehe „Die Erfindung des Lebens“  autobiografischer Roman Ortheils). In dieser Geschichte geht es wieder um die Sprache, das sprechen und was all dies bei Menschen bewirken kann, wenn es vernachlässigt wird, bzw. wenn Menschen andere immer „klein“ halten. Ein fesselnder Roman, der mir viele Seiten der Sprache und des Sprechens näher gebracht hat. Sprache kann so viel bewirken. Auf der einen Seite kann sie Menschen stark machen, Selbstsicher und mutig. Auf der anderen Seite aber auch verletzen, klein halten und zur Sprachlosigkeit führen. Ein wundervolles Buch, das mir wieder zeigt, was für ein brillanter Autor Hanns Josef Ortheil ist.

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  • Rezension zu "Das Kind, das nicht fragte" von Hanns-Josef Ortheil

    Das Kind, das nicht fragte
    HeikeG

    HeikeG

    27. December 2012 um 20:32

    Teilnehmende Beobachtungen oder Die Fülle der Zeit . "Das Fragen und Antworten ist in guten Dialogen eine Lust und ein Fest, doch man muss von dieser Kunst etwas verstehen, um sie als Lust und Fest zu erleben. Ich glaube davon viel zu verstehen, ich bin eine Art Fachmann für diese Kunst, und es ist mir gelungen, daraus sogar meinen Beruf zu machen. (...) Ich beginne also jeweils mit den leuchtenden, schmucken Oberflächen der städtischen Räume, betrachte dann ihre Bewohner, bringe sie zum Sprechen und dringe dann ein in die Tiefenschichten der Bewusstseinräume und psychischen Keller. (Meine Arbeit ist Raumforschung, und ein Verhältnis zur Zeit entsteht ganz nebenbei...)". . Was der Ich-Erzähler in Hanns-Josef Ortheils neuem Roman hier beschreibt, ist die Arbeit eines Ethnologen. Diese beschreibende, vergleichende und reflexive Kultur- und Sozialwissenschaft umfasst u. a. auch die Konstruktion und Dekonstruktion des Eigenen und des Fremden. Ihr Ziel ist, ein Verständnis von dynamischen kulturellen und gesellschaftlichen Prozessen, von Handlungskontexten und Sinnstiftungen herzustellen. Und genau dies beinhaltet die Forschungsarbeit von Benjamin Merz, Ortheils knapp vierzigjährigem Protagonisten, der sich zu diesem Zweck in dem kleinen südsizilianischen Städtchen Mandlica niederlässt, das vor allem durch seine leckeren Dolci bekannt ist und das in manchem dem real existierenden Modica ähnelt. Durch seine gekonnte und raffinierte Fragetechnik wird er schnell als "Magier des Fragens" bekannt. Ihm gelingt es scheinbar mühelos, jedem noch so verschlossenen Gegenüber selbst kaum mehr bewusste oder verborgene Geheimnisse des innersten Lebens und Fühlens betreffend, zu entlocken. Seine "ethnologischen Vermessungen" des Städtchens und eine beginnende Liebe offenbaren alsbald auch einen inneren Reife- und Werdeprozess. Italien scheint wie schon in den anderen Romanen des Autors dafür der ideale Ort zu sein. Aus dem anfänglich extrem scheuen Ethnologen Benjamin Merz wird zunehmend ein anderer Mensch. . Unter dem heiteren, leichtfüßigen, kunst- und lustvollem Plot, steckt allerdings etwas Tiefernstes, liegt eine geheime Welt verborgen. "Ich werde so lange von meiner Kindheit erzählen, bis ich selbst das Gefühl habe, es sei genug.", platzt es am Ende aus Benjamin Merz beinahe wie eine Erlösung und Befreiung heraus. Vier Brüder kamen vor Ortheils Geburt ums Leben und er lebte eine Zeit lang selbst sprachlos in enger, ängstlicher Symbiose mit seiner verstummten Mutter. Nun macht er das real Geschehene ungeschehen und dichtet sich in Gestalt von Benjamin Merz seine vier Brüder hinzu. Doch aus seiner Schreibfeder entsteht alles andere als eine heile Familienwelt. Wiederum sind es die Brüder, die den Nachzügler verstummen und sich abkapseln lassen. Einzig seine unzähligen Schreibhefte zeugen von den heruntergeschluckten Worten und Fragen, von den einsamen Monologen in seinem Leben. . Hanns-Josef Ortheils Sprachforschungsroman entfaltet sich ähnlich wie die so typische italienische Kommunikation, bei der mit Sonnenaufgang in den Wohnhäusern und Geschäften der "Erzählmotor angeworfen" wird, "Erzählkerzen entzündet und erste Erzählpirouetten gedreht" werden. "Wie ein schwieriges Puzzle, dessen Stücke sich nach reiflichen Überlegungen hoffentlich kunstvoll zusammensetzen lassen", konstruiert er sein in drei Teile gegliedertes Buch (Der Morgen/Der Mittag/Der Abend). Diesen Kapiteln, die sinnbildlich für die Jahreszeiten Frühling, Sommer und Herbst stehen, setzt er Motti aus Gedichtversen des sizilianischen Lyrikers Salvatore Quasimodo, der1959 den Nobelpreis für Literatur erhielt, voran. Scheinbar mühelos und fast ohne Pausen sprudelt seine Erzählung nur so von Ideen, Anspielungen und Pointen. Worte, Sätze und Assoziationen tauchen ganz spielerisch auf und drängen nach oben. Erneut sucht er wie schon in seinen vorangegangen Romanen "nach Themen, die auch das Seelische oder Emotionale der Menschen berühren". "Das Kind, das nicht fragte" ist eine weitere intelligente "psychische Landvermessung" der Ortheilschen Kindheit, die zuweilen haarscharf an so genannten Klischees vorbei schrammt, sie aber immer wieder gekonnt umschifft.

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  • Rezension zu "Das Kind, das nicht fragte" von Hanns-Josef Ortheil

    Das Kind, das nicht fragte
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    06. December 2012 um 10:35

    Nach seinen beiden wunderbaren Romanen „Die Erfindung des Lebens“ und „Die Moselreise“ legt der Schriftsteller Hanns-Josef Ortheil mit seinem neuen Roman „Das Kind, das nicht fragte“ einen weiteren Versuch der literarischen Annäherung an die Erfahrungen seiner eigenen Kindheit und seines eigenen Lebens vor. Beides waren Bücher über die heilende Kraft der Musik und die lebensrettende Wirkung des Schreibens und der Literatur. Bücher in denen Ortheil auf eine besondere Weise, die schon in seinen ebenfalls autobiografisch geprägten Liebesromanen "Die große Liebe" und "Das Verlangen nach Liebe" aufschien, mitfühlend vom Leben und der Liebe geschrieben hat. Ortheils Romane sind ohne jeden Kitsch und ohne jedes Pathos Werke, deren wahre Geschichten noch das härteste Leserherz erweichen konnten. So ist es auch in dem neuen Roman „Das Kind, das nicht fragte“, in dem er seinen Protagonisten Benjamin Merz seine Geschichte erzählen lässt. Ein Leben, das in der Kindheit geprägt war von Schweigen, denn Benjamin ist der jüngste in einer Familie, in der die vier viel älteren Brüder den Ton angeben, nicht nur bei den Mahlzeiten, die Benjamin meist unter dem Tisch verbringt. Benjamin ist zurückhaltend und schüchtern, traut sich nicht zu fragen, wo sein Kopf und Geist doch voll ist von Fragen. Wie Ortheil selbst in seiner Kindheit, gelingt es ihm lange nicht, zur Sprache, und damit richtig auf die Welt zu kommen. Ortheil selbst hat, wie er in „Die Erfindung des Lebens“ eindrücklich beschrieb, über die Musik und das Schreiben zur Sprache und zur Welt gefunden. Seinem Alter Ego Benjamin Merz ist das über seine Berufswahl gelungen. Als Ethnologe kann er sich in der „teilnehmenden Beobachtung“ selbst zurückhalten, und mit seinen Fragen die Menschen zum Reden bringen. Sein neues Projekt führt ihn nach Sizilien (der Traumort Ortheils) in die Stadt Mandlica. In Wahrheit heißt die Stadt Modica und war die Geburts- und Heimatstadt des Literaturnobelpreisträgers Salvatore Quasimodo, dessen Gedichte in diesem Buch eine wichtige Rolle spielen. Benjamin Merz mietet sich in einer Pension ein und lernt dort die beiden aus Deutschland stammenden Schwestern Maria und Paula kennen. Mit seiner in seiner in der Kindheit erworbenen Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen (weil er ja nicht fragen konnte) gelingt es ihm in dem Städtchen bald, nicht nur die beiden Schwestern, sondern auch den Buchhändler und den Betreiber eines Restaurants und bald auch den Bürgermeister und viele Frauen für sich einzunehmen. Seine ruhige Art und seine Intuition verschaffen ihm innerhalb weniger Wochen den Ruf eines Hellsehers. Ortheil gelingt es mit der Schilderung von Benjamins Forschungsmethode und deren Praxis ein sensibles und eindrückliches Sozialporträt einer sizilianischen Stadt, ihrer Kultur und Traditionen zu zeichnen und das feine, genau austarierte Netzwerk von Beziehungen und Abhängigkeiten deutlich machen. Man kann den ganzen Roman als eine Hymne nicht nur an den Lyriker Salvatore Quasimodo lesen , sondern auch als eine Liebeserklärung an Sizilien, ein Land , in dem das Licht anders ist. Natürlich geht es auch wieder um die Liebe. Denn Benjamin nähert sich über die lange Zeit seines Aufenthaltes in Mandlica der zunächst zurückhaltenden und mit ihrer eigenen Geschichte beschäftigten Paula an. Eine zarte Liebe entwickelt sich, die es Benjamin gegen Ende ermöglicht, zum ersten Mal einem richtigen Menschen seine Geschichte zu erzählen. Die Grundlage hierzu hatte, als Benjamin in dem Alter war, das erste Mal zur Beichte zu gehen, ein Priester gelegt, dessen einfühlsames Gespräch mit Benjamin Ortheil ausführlich schildert, und das ich wie ein kleines Zentrum des ganzes Romans gelesen habe. Ein Gespräch, in dem der junge Benjamin lernt, dass er Gott fragen stellen kann und dass er die Antworten darauf in sich selbst finden kann. „Diese Stunde im Beichtstuhl war die Geburtsstunde meiner Frage- und Antwortspiele, die ich in schwarze linierte Schulhefte eintrug. Heute glaube ich, dass sie zugleich der Beginn meiner Leidenschaft für das ethnologische Fragen und Antworten waren.“ „Das Kind, das nicht fragte“ ist ein weiterer Baustein in einem Haus voller wunderbarer Lebens- und Liebesgeschichten, das Hanns-Josef Ortheil seit langer Zeit für sich baut, in dem wenigstens zeitweise zu wohnen er die Leser seiner Bücher einlädt.

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