Hanns-Josef Ortheil Die Berlinreise

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Inhaltsangabe zu „Die Berlinreise“ von Hanns-Josef Ortheil

Das zweite Reisetagebuch des jungen Hanns-Josef Ortheil. Anfang der sechziger Jahre hat Hanns-Josef Ortheil zusammen mit seinem Vater eine Reise in das geteilte Nachkriegsberlin unternommen. Es ist eine Reise zurück an die Orte, an denen sein Vater und seine Mutter als junges Paar während des Zweiten Weltkriegs gelebt haben. Geduldig und fasziniert hört er zu, was der Vater ihm von dem Leben damals erzählt. Instinktiv begreift er, welche Bedeutung Berlin für das Leben seiner kleinen Familie hatte und für ihn immer noch hat. Tag für Tag notierend und schreibend, sucht der gerade einmal zwölfjährige Junge sehnsüchtig nach einer Verbindung zu dieser Welt.

In seiner kindlichen Naivität und doch schon großen Verständigkeit sehr berührendes und herzerwärmendes Zeit-, Stadt- und Familienporträt.

— Apfelgruen
Apfelgruen

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  • Der erstaunlich qualitätvolle Reisebericht eines Zwölfjährigen

    Die Berlinreise
    Federfee

    Federfee

    31. August 2016 um 13:13

    Vom 'stummen' Kind über den Jungen, der Reiseberichte schreibt bis zum Literaturprofessor - ein erstaunlicher Weg, von dem hier ein Teil erzählt wirdEs ist nur ein paar Jahre her, da sprach dieses Kind kein Wort - warum, erfährt man z.B. in Ortheils 'Der Stift und das Papier'. Mit elf schrieb er über eine Moselreise und mit zwölf über die Berlinreise, die er mit seinem Vater machte, beide ohne die Mutter. War ersteres noch kindlich unbeholfen und ein wenig hölzern beschrieben, so überrascht er ein Jahr später mit stilistischer und inhaltlicher Qualität. Für seinen Vater ist es eine Reise in die Vergangenheit, denn einst lebte die junge Familie dort, für den Jungen ist es eine vorsichtige Annäherung an die Familientragödie, die hier ihren Ausgang nahm.

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  • Gewinnt die Lieblingsbücher des LovelyBooks-Teams aus dem Jahr 2014!

    Wurfschatten
    Daniliesing

    Daniliesing

    In diesem Jahr hat das LovelyBooks-Team wieder fleißig gelesen und dabei tolle Bücher entdeckt. Natürlich möchten wir euch auch 2014 nicht vorenthalten, welche Bücher uns am meisten begeistert, berührt und gefesselt haben. Deshalb findet ihr hier nun jeweils das Lieblingsbuch von allen Teammitgliedern aus diesem Jahr. Ein glücklicher Gewinner darf sich später über ein Buchpaket mit allen 12 Büchern freuen und damit eine wunderbare Lesezeit verbringen. Unsere Buchtipps: 1. Jules1988 empfiehlt: "Miss Blackpool" von Nick Hornby Mein Lieblingsbuch 2014 ist Nick Hornbys neuer Roman „Miss Blackpool“. Obwohl es kein typischer Hornby ist, liebe ich das Buch als Fan trotzdem. Hornbys feinsinniger Humor und seine liebevolle und einfühlsame Art, seine Figuren zu beschreiben - sowohl ihre Stärken als auch ihre Schwächen - machen diesen Roman so besonders. Man verliert sich in der Geschichte des Teams rund um Barbara, ihre Höhen und Tiefen, Freundschaft und Liebe und hat dabei das Gefühl, diese Menschen wirklich zu kennen. 2. Daniliesing empfiehlt: "Der Träumer" von Pam Muñoz Ryan und Peter Sis Für mich war "Der Träumer" eine ganz zufällige Entdeckung beim Büchershopping. Nur selten finde ich noch Bücher, die ich nicht zuvor schon irgendwo gesehen habe, doch hier wurde ich überrascht. Einmal aufgeschlagen und die ersten Sätze gelesen, hatte mich dieses wunderbare Buch aus dem Aladin Verlag sofort verzaubert. Als ich dann die großartigen Illustrationen von Peter Sis entdeckte, war es um mich geschehen: dieses Buch musste mir gehören! Schnell stellte sich heraus, dass ich mit meiner Entscheidung absolut richtig lag. Im Urlaub nahm ich das Buch zur Hand und konnte es gar nicht mehr zur Seite legen. Zwar ist das Buch als Kinderbuch ausgezeichnet, doch mit seinen 380 Seiten und einer wunderbar poetischen Sprache ist es für jeden erwachsenen Buchliebhaber ein wahrer Genuss. Pam Muñoz Ryan erzählt tiefgründig und bewegend die Geschichte des kleinen Neftali, dem der Leser beim Erwachsenwerden zuschauen darf. Der Junge hat keine leichte Kindheit - sein Vater macht es ihm mit hohen Erwartungen schwer, er ist häufig krank und lebt lieber in seiner eigenen Phantasie, statt draußen rumzutollen. Neftali ist ein Träumer! Wie der Junge sich trotz aller Schwierigkeiten durchschlägt und die Lebensgeschichte welches bekannten Dichters sich dahinter verbrigt, das solltet ihr am besten selbst herausfinden. Dieses Buch geht zu Herzen und ist mein persönliches Jahreshighlight! 3. TinaLiest empfiehlt: "Wurfschatten" von Simone Lappert Mich hat dieses Jahr besonders der Debütroman von Simone Lappert begeistern können: „Wurfschatten“ ist nicht nur äußerlich ein wunderschönes Buch, sondern es besticht auch durch die beeindruckende Schreibkunst, die die Autorin an den Tag legt. Sie schafft es, die Ängste, die die Protagonistin Ada beherrschen, beklemmend und dunkel zu beschreiben und die Geschichte doch zart wirken zu lassen, einfühlsam und authentisch. Mit dem kleinen, wenn auch vorhersehbaren Hauch Liebe, der Adas Ängste zurückzudrängen versucht, und der Prise Drama am Ende hat "Wurfschatten" mich dann endgültig abgeholt und den Roman für mich zu etwas Besonderem gemacht. Ich hoffe sehr, dass bald ein zweites Buch von Frau Lappert folgen wird und kann in der Zwischenzeit nur jedem ihr Erstlingswerk empfehlen! 4. JohannaE1988 empfiehlt: "Die hellen Tage" von Zsuzsa Bánk In "Die hellen Tage" erzählt Zsuzsa Bánk auf eine besonders schöne und ruhige Art eine Geschichte über Freundschaft, Familie und die schwierige Zeit des Erwachsenwerdens. Beim Lesen begleitet man die drei Freunde Aja, Seri und Karl von der glückvollen und teils auch tragischen Kindheit bis zum Erwachsenenalter und wünscht sich bei einem der so unbeschwerten Tage im zauberhaften Garten, die die drei so oft erlebten, dabei gewesen zu sein. Alle drei, so unterschiedlich sie auch sind, teilen das Schicksal, mehr oder weniger ohne Vater aufzuwachsen. Neben der Geschichte über eine besondere Freundschaft und der innigen Beziehung zwischen den Kindern und ihren Müttern, hat mich vor allem die unaufgeregte Erzählweise Bánks und ihre einfühlsame und warme Sprache beeindruckt und mich richtig entspannen lassen. Auch bei den Zerreißproben und Schwierigkeiten, die die drei im Laufe der Geschichte durchleben müssen, bangt und hofft man mit und fühlte ich mich oft an meine eigene Kindheit und Jugend erinnert. 5. aba empfiehlt: "Unterholz" von Jörg Maurer Ich habe sehr gute Bücher gelesen in diesem Jahr. Manche Bücher haben mich tief berührt, andere haben mich nachdenklich gemacht - aber mit Jörg Maurer habe ich auf hohem Niveau gelacht! Für mich kam dieses Buch im richtigen Moment. Es hat mich amüsiert und abgelenkt. "Unterholz" ist der fünfte Band um den oberbayrischen Kommissar Jennerwein, einer meiner literarischen Lieblingsfiguren überhaupt. Krimis gehören nicht zu meiner Lieblingslektüre, aber nachdem ich den ersten Band dieser Serie gelesen habe, konnte ich nicht anders, als ein Fan von Jörg Maurer und vom ganzen Team um Kommissar Jennerwein zu werden! 6. doceten empfiehlt: "Beginners" von Raymond Carver Raymond Carver gilt neben Hemingway als einer der ganz großen Autoren der American Short Story: mit geschliffener und schnörkelloser Sprache auf den Punkt gebracht sind seine Themen Verlust, Einsamkeit und das Scheitern der amerikanischen Mittelschicht. Seine Geschichten deprimieren, erschüttern mit jeder Zeile. Mit Beginners erscheint seine Buch "Wovon wir reden, wenn wir über Liebe sprechen" erstmalig in der Urfassung, ohne die stark kürzenden Eingriffe seines Lektors Gordon Lish. Nicht ganz so lakonisch und brachial, dadurch aber viel berührender. Ein Buch, um dunkle Wintertage noch dunkler zu machen - manchmal braucht man das ja. 7. clickclackboom empfiehlt: "Das Haus des Windes" von Louise Erdrich Auch wenn Lieblingsbücher zu bestimmen mir schwer fällt, da es immer so viele gute Bücher gibt, kann ich sagen, dass „Das Haus des Windes“ eines meiner liebsten Bücher 2014 ist. Es erzählt die Geschichte vom 13-jährigen Joe, der das unaufgeklärte Verbrechen an seiner Mutter rächen möchte und dabei erwachsen werden muss. Die Protagonisten des Romans sind Nachfahren der nordamerikanischen Indianer und so bekommt man interessante Einblicke in das Leben im Reservat, die Stammesgeschichten und die Gesellschaftsverhältnisse in den USA. Obwohl es um ein ernstes, trauriges Thema geht, ist „Das Haus des Windes“ ebenso ein lustiges Buch über das Leben als Teenager und die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens. Louise Erdrich hat Charakter geschaffen, die vielschichtig sind und die einem beim Lesen ans Herz wachsen. 8. kultfigur empfiehlt: "Die Hyperion-Gesänge Band 1-2" von Dan Simmons Dan Simmons erzählt fantastisch, die Bücher entwickeln einen Sog, den ich bisher sehr selten erlebt habe. Jeder, der gerne Science Fiction liest und philosophisch angehauchte Bücher liebt, wird die insgesamt rund 3.000 Seiten nur so verschlingen. Die beiden Bücher sind nicht nur mein persönliches Highlight 2014, sondern ganz weit oben auf der Liste meiner Herzensbücher. Ich wünschte, ich könnte noch einmal von vorne beginnen! 9. Katha_Luko empfiehlt: "Pfaueninsel" von Thomas Hettche Hettches Buch öffnet die Türen zu einer Welt voller Exotik, Groteske und Kuriositäten aber auch zu der komplexen und zerbrechlichen Architektur der menschlichen Seele. Die Hauptfigur ist Marie, die als Kleinwüchsige auf die preußische Lustinsel verfrachtet wird, um dort zum Vergnügen des Königs als Schlossfräulein ihr Dasein zu verbringen. Neben einem Mohr, einem Riesen, wilden Tieren und geheimnisvollen Pflanzen gilt sie als eine von vielen verqueren Launen der Natur. Damit steht sie im krassen Kontrast zu einer damals weit verbreiteten naturphilosophischen Auffassung, die nur das Wohlgeformte und Regelmäßige für schön und wertvoll erklärt – eine Auffassung, die mit ihren Jahren auf der Insel Maries Menschenwürde und Lebensmut beständig abträgt. Hettches „Pfaueninsel“ fängt Atmosphären ein als wäre er selbst Zeuge des merkwürdigen Lebens auf der Insel gewesen, seine Charakterzeichnungen und Schilderungen seelischer Zustände und schließlich seine authentische Zeichnung der historischen Gegebenheiten ziehen den Leser in ihren Bann: Ich war selten so berührt von einem Buch und seiner Hauptfigur! 10. peckomingo empfiehlt: "Cobra" von Deon Meyer Viel Zeit zu lesen hatte ich leider nicht in diesem Jahr, doch bei meiner Südafrika-Reise wurde natürlich ein Deon Meyer-Buch gelesen. Cobra ist nicht nur ein Thriller, sondern gleichzeitig auch eine Mischung aus Politik und psychologischen Betrachtungen. Das Tempo und die Spannung werden durchgehen hoch gehalten. Schauplätze, Eigenheiten und Sitten des Landes werden authentisch vermittelt. 11. Sophia29 empfiehlt: "Rosen, Tulpen, Nelken" von Heike Wanner Zu meinen Lieblingsbüchern 2014 gehört definitiv „Rosen, Tulpen, Nelken“ von Heike Wanner. Ich habe von der Autorin schon mehrere Bücher gelesen, aber dieses hat mir ganz besonders gut gefallen. Es geht darin um Sophie, die ihre Mutter schon in frühen Jahren verloren hat. Zufällig fällt ihr eines Tages das Poesiealbum ihrer Mutter in die Hände und als sie es durchblättert, stellt sie fest, dass sie keinen der darin enthaltenen Namen kennt. Um mehr über das Leben ihrer Mutter und somit auch mehr über sich selbst zu erfahren, macht sie sich mit ihren zwei besten Freundinnen in einem Wohnmobil auf den Weg und versucht die Personen zu finden, die im Leben ihrer Mutter eine Rolle gespielt haben … Heike Wanner ist es in diesem Buch gelungen, zwei Geschichten – die Geschichte von Sophie und die ihrer Mutter – auf spannende Weise miteinander zu verbinden und gleichzeitig zu verdeutlichen, wie unverzichtbar wirklich gute Freunde in unserem Leben sind. Seid ihr neugierig auf unsere 12 Lieblingsbücher 2014 geworden? Dann habt ihr bis einschließlich 7. Januar Zeit bei der Verlosung eines Buchpakets mit allen 12 Büchern mitzumachen. Jetzt müsst ihr uns nur noch folgendes verraten und dann seid ihr dabei: Da wir immer gerne Bücher verschenken, würden wir von euch gern wissen, welche Bücher ihr dieses Jahr zu Weihnachten verschenkt und wieso ihr euch für genau diese entschieden habt? Wir wünschen euch ein wunderschönes Weihnachtsfest & einen guten Rutsch ins neue Jahr!

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    • 755
  • Ungewöhnlicher Ortheil ... ein Buch das er bereits als zwölfjähriger schrieb ...

    Die Berlinreise
    19angelika63

    19angelika63

    Rückentext Anfang der sechziger Jahre fährt Hanns-Josef Ortheil zusammen mit seinem Vater in das geteilte Nachkriegsberlin. Es ist eine Reise zurück an Orte, an denen seine Eltern als junges Paar während des Zweiten Weltkriegs gelebt haben. Geduldig und fasziniert hört er zu, was der Vater ihm von dem Leben damals erzählt. Instinktiv begreift er, welche Bedeutung Berlin für das Leben seiner kleinen Familie hatte und für ihn immer noch hat. Tag für Tag notierend und schreibend, sucht der gerade einmal zwölfjährige Junge sehnsüchtig nach einer Verbindung zu dieser Welt. Ich muss zugeben, ich liebe die Bücher von Hanns-Josef Ortheil. Daher war ich absolut gespannt, als ich hörte es gibt ein neues Buch von ihm. Doch dieses Buch ist absolut anders als sein großes Werk „Die Erfindung des Lebens“. Dieses Buch ist eine Art Tagebuch des zwölfjährigen Hanns-Josef Ortheil. So steht auch  im Vorwort des Autors „(…) Es war vor allem ein Geschenk an meinen Vater, der an andersartigen Texten (und ihrem besonderen Ton) eine große Freude hatte und sie immer wieder mit Vergnügen las.  Ich schenkte ihm dieses Reisetagebuch zu Weihnachten 1964, er las es wohl unzählige Male, und er nahm dann und wann (aber nur, wenn er Lust hatte) einige kleiner orthographische und stilistische Korrekturen am Text vor. Ansonsten ist die hier vorliegende Fassung unverändert und wurde im Nachhinein nicht weiter korrigiert. Der kindliche Ton der Darstellung sollte vielmehr mit all seinen Eigentümlichkeiten, Fehlern und Kuriosa erhalten bleiben.“ (Seite 8) Genau das ist der springende und entscheidende Unterschied. Dieses Buch hat nicht die große stilistische und poetische Sprache seiner anderen Werke. Es ist das Reisetagebuch eines Kindes, eines zwölfjährigen Jungen. Dennoch ist es ein besonderes Buch. Man erfährt einiges aus dem Leben des Hanns-Josef Ortheils und seiner Familie. Auch wie und wann seine ersten beiden Brüder ums Leben kamen und welche Belastung das für die Familie war und später noch wurde. Seine Mutter hat dieses Tagebuch nie zu lesen bekommen, zu groß war die Angst, dass die Erinnerungen sie zu sehr belasten. Doch bei all den schlimmen Erlebnissen liest man immer wieder den kleinen unbedachten und unbelasteten Jungen heraus. Auch wenn dieses Buch nicht so „großartig“ ist wie seine anderen Bücher, so erahnt und spürt man in diesem Buch, welches Talent schon als zwölfjähriger in ihm schlummerte.

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    • 5
  • Das Reisetagebuch

    Die Berlinreise
    dicketilla

    dicketilla

    Als 12 jähriger wusste er wenig vom früheren Leben der Eltern in Berlin. Zusammen mit seinem Vater reist er 1964 nach Berlin, ahnungslos immer sein Notizbuch zur Hand. Später sollte er eine Zusammenfassung dieser Notizen als “Reisetagebuch” seinem Vater zu Weihnacht schenken. Hans-Josef Ortheil entdeckte es vor einiger Zeit im Familien-Archiv. “ Vieles hatte ich längst wieder vergessen…” (S.9) So schenkt er uns,  in seiner kindlichen Fassung, unkorrigiert, mit seinen Fehlern und Eigentümlichkeiten gewollt, sein einstiges Reisetagebuch. Es beginnt mit der Zugfahrt von Köln nach Berlin, in der er schnell Bekanntschaft mit dem Berliner Dialekt macht. Ein netter alter Mann reicht ihm eine Stulle, die er eigentlich als Kölner Pausenbrot kennt. Sein Vater Landvermesser und Ingenieur nahm die vorbeiziehende Landschaft intensiv auf. Vorbei an der sowjetisch besetzten Zone, mit ihrer Grenzkontrolle, nach West - Berlin. Dort wurden sie von Reinhold, einem alten Freund seines Vaters, erwartet. Seid 20 Jahren hatten sie sich nicht mehr gesehen. Hanns-Josef möchte ihn nicht sonderlich, da er begann ihre Zeit zu verplanen. Doch immer mehr er über die frühere Zeit seiner Eltern erfuhr, um so mehr wünschte er sich in diese Zeit zurück. Am nächsten Tag ihrer Ankunft, den 1. Mai 1964, hörte er die Rede von Ludwig Erhard und Willi Brandt, was ihn sehr beeindruckte. Seine Mutter begleitete sie nicht auf ihrer Reise, da sie nicht an die Zeit des Krieges in Berlin erinnert werden wollte. Eine Zeit, in der sie viel allein und Leid ertragen musste. Mit seinem Vater besuchte er das Haus, die Wohnung, die seine Eltern 1939 frisch verheiratet bezogen. Alte Freunde wohnten noch dort, und übergaben ihnen zwei Koffer, mit Dinger, die die Mutter zurück lies, und viel über die damalige Zeit offenbaren. Schon das Buch, mit seinen abgerundeten Ecken, erinnert an ein Tagebuch. Die Zusammenfassung, des einst 12 jährigen Jungen, zeigen schon das Talent des späteren  Autors. Es zeigt seine Sicht auf zwei unterschiedliche Teile Berlins, die nie als zwei, sondern stets als ein Teil gesehen werden sollten, wie der Vater es immer wieder zum Ausdruck bringt. Zwei Orte, eine voller Farbe neuer Bauten, voller Schaufenster, eine andere im Grau und noch voller Ruinen, liebloser Auslagen in den Fenstern der Geschäfte. Aber dennoch mit Menschen in ihnen, die versuchten ihr Leben zu leben. Mal erlebt eine Zeit, die teilweise nur noch durch Erzählungen bekannt ist. In seinem literarischem Tagebuch “Blauer Weg” , berichtet er über seinen Berlin-Aufenthalt in den siebziger und achtziger Jahren. Dieses Buch erlebt im Herbst 2014 eine Neuauflage. Interessant seine heutige Sicht zu dieser Stadt , rückblickend zu erfahren.

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    • 9
    Igelmanu66

    Igelmanu66

    29. July 2014 um 10:12
  • Die Berlinreise von Hanns-Josef Ortheil

    Die Berlinreise
    olivia

    olivia

    18. July 2014 um 15:50

    Ob das wohl ein Buch für mich sein würde…da war ich zunächst ein wenig skeptisch. Denn über eine Bekannte erhielt ich doch eher zufällig dieses Reisetagebuch von Hanns-Josef Ortheil.  Schnell war ich jedoch überzeugt und konnte mich völlig in die Geschichte hinein begeben. Und der Schreibstil in Verbindung mit der Geschichte aus Sicht eines zwölfjährigen Jungen war so interessant und klar, dass ich es an einem Tag durchgelesen hatte. Immer wieder werden kleine Textpassagen, die die Aufzeichnungen Ortheils von damals aufzeigen, eingedruckt, die mich doch sehr oft zum Schmunzeln, wenn nicht sogar zu lautem Lachen verleitet haben. "Es war seltsam, und ich kann es nicht gut erklären. Denn wie soll ich es beschreiben, was ich in den Straßen des Ostens sah? Alles sah sehr anders aus als im Westen und ein wenig so wie in Zeitlupe oder wie im Traum ohne Farben. Die Menschen waren viel ruhiger, und sie gingen auch langsamer und so, als hätten sie eigentlich kein dringendes Ziel. Es war nicht verschlafen, das nicht, höchstes ein wenig."  Mehrfach hatte ich meine eigene Tochter vor Augen, die annähernd das gleiche Alter hat, wie Ortheil zur damaligen Zeit und ich fragte mich, ob sie denn vielleicht ähnliche Betrachtungsweisen und Formulierungen wählen würde, wie es der (damalige) Junge getan hat.  Hanns-Josef Ortheil liest übrigens zur Zeit seiner Berlinreise Karl May und stellt immer wieder unterhaltsame Vergleiche beispielsweise zu Old Shatterhand her, wirklich spaßig! Auch der Vater von Ortheil wird so sympathisch beschrieben, dass es wirklich Spaß machte, die Berlinreise der beiden zu verfolgen. Voller Herz, wie auch der Vater, scheint ebenfalls die Beziehung der beiden zueinander zu sein - keinesfalls oberflächlich und wunderbar unterhaltsam! Ganz anders, als ich mir das zunächst vorgestellt hatte! Ebenso die für den Jungen eher langweiligen Zusammentreffen mit einem alten Freund des Vaters werden aus seiner Sicht so treffend beschrieben, dass ich mir wirklich gut vorstellen konnte, wie er sich in der damaligen Zeit gefühlt hat! Und das wird in einer lustigen Art doch sehr überzeugend vermittelt. Nun bin ich gespannt - ein Buch von Ortheil liegt noch auf meinem Stapel, "Die große Liebe" - wie sich das nächste Buch denn entpuppt oder ob ich doch eher den Worten des kleinen Jungen "verfallen" war….

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  • Ein faszinierender früher Roman von Ortheil

    Die Berlinreise
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

      Über Hanns-Josef Ortheils Kindheits -Roman "Die Erfindung des Lebens" schrieb ich vor vielen Jahren: "Ortheil hat es in seinem wohl persönlichsten Buch auf eine meisterhafte Weise verstanden, das Gestern und das Heute zu verbinden und zu einer einmaligen Leseerfahrung zu machen. Schon lange hat kein Buch mehr so mitfühlend vom Leben und der Liebe geschrieben. Ortheils Roman ist ohne jeden Kitsch und ohne jedes Pathos ein Buch, dessen wahre Geschichte noch das härteste Leserherz erweichen wird. Ein Buch über die heilende Kraft der Musik und die lebensrettende Wirkung des Schreibens und der Literatur. Denn niemand wird dieses Buch nach atemlosem und gebannt - mitfühlendem Lesen aus der Hand legen, ohne so etwas wie wirklichen Trost und Ermutigung für sein eigenes Leben gespürt zu haben, wie immer es auch aussehen mag. Ein großes Buch, ein wahrhaft meisterhafter Roman." Vielen Menschen ist es bei der Lektüre dieses wunderbaren Buches ähnlich gegangen, und viele werden, so wie ich, danach auch  "Die Moselreise" zur Hand genommen haben, quasi der Vorläufer des gleich anzuzeigenden Buches. Von Hanns-Josef Ortheil als Elfjähriger nach der ersten Reise, die er allein mit seinem Vater unternahm, aufgeschrieben und hier zum ersten Mal, mit begleitenden Essays des Autors ergänzt, veröffentlicht, füllt es eine Lücke über entscheidende Tage im Leben von Ortheil, die in "Die Erfindung des Lebens" nur ganz nebenbei erwähnt worden sind. Es war diese Reise, der dann viele weitere folgen sollten, die der kluge und umsichtige Vater organisiert hatte, um seinem Sohn aus seiner inneren Gefangenschaft herauszuhelfen. Das Buch ist nicht nur ein schöner Reisebericht, in dem sich das schriftstellerische Talent des späteren Autors schon andeutet, sondern auch ein einzigartiges bewegendes und eindrückliches Dokument einer wunderbaren Vater-Sohn-Beziehung.   Etwa ein Jahr später unternimmt dieser kluge und sensible Vater erneut eine Reise mit seinem Sohn. Dieses Mal, wir schreiben das Jahr 1964, geht es nach Berlin, jener Stadt, in der der Vater und die Mutter 1939 ihre erste gemeinsame Wohnung bezogen. Dort stehen noch zwei Koffer mit Habseligkeiten der Mutter, die sie dort zurückgelassen hat. Da die Mutter nicht mitkommen will (es verbinden sich zu viele dramatische Erfahrungen mit diesem Lebensabschnitt) fährt er mit dem Interzonenzug allein mit seinem Sohn. Sie übernachten in einer Pension und treffen sich oft mit alten Freunden.   Der zwölfjährige Johannes, so nennt ihn sein Vater, macht sich in einem Heft wie schon bei der Moselreise viele Notizen, die er dann zu Hause in wochenlanger Arbeit zu einem romanhaften Bericht ausarbeitet, den er 1964 zu Weihnachten seinem Vater schenkt. Im Unterschied zu „Die Moselreise“ bekam Ortheils Mutter diesen Roman nie zu lesen, weil sein Vater befürchtete, er könne zu viele belastende Erinnerungen in ihr wachrufen. Er wanderte, wie Ortheil in seinem Vorwort berichtet, in das Familienarchiv, wo er es erst vor einiger Zeit wiederentdeckte und mit wachsendem Erstaunen las.   Unverändert wird dieses Buch nun veröffentlicht, das wie schon „Die Moselreise“ das große literarische Talent des gerade Zwölfjährigen zeigt, dem es sehr sensibel gelingt, feine Stimmungen aufzufangen und in Worte zu fassen. Er beobachtet die Menschen, die er in Berlin trifft, ganz genau und ihm gelingt es meisterhaft, die Atmosphäre in der eingeschlossenen Stadt zu beschreiben. Er macht sich seine eigenen Gedanken zu Dingen, die er sieht oder Begriffen, die er hört. Als ein linientreuer Stadtführer in Ostberlin etwa einen Lobgesang der DDR anstimmt und ihm der Vater danach erklärt, ein  solches Lügen nenne man „Dialektik“, notiert er in seinem Buch: „Dialektik ist bestimmt etwas sehr Durchtriebenes und Kompliziertes. Jedenfalls klingt das Wort so. Es klingt nach Zaubertricks oder nach einem mehrfachen Axel auf dem Eis, nach dem der Eiskunstläufer plötzlich im Eis verschwindet und sich in Luft auflöst. Ich vermute ‚Dialektik‘ muss man ein Leben lang üben, und selbst wenn man es ein Leben lang geübt hat, kann man mit ihr sehr leicht abstürzen.“   Eine Fülle solche luzider Beobachtungen und Beschreibungen enthält dieser Roman des zwölfjährigen Ortheil. Vor allem seinen Vater und dessen Stimmungen, die dessen Erinnerungen hervorrufen, beobachtet er sehr genau. Nachdem sie irgendwann  die beiden  vor Jahren in Berlin zurückgelassenen Koffer geöffnet haben, darf der Junge und den Haushalts-und Tagebüchern der Mutter lesen. Sie öffnen ihm einen Teil des Lebens der Mutter, der ihm bisher unbekannt war. Mit einer hohen Sensibilität spürt er, was in seinem Vater vorgeht, und erfährt von ihm nach und nach Details der bewegten und dramatischen Familiengeschichte. Der frühe Tod seiner Brüder, die Kriegserlebnisse des Vaters.   Und immer wieder schreibt er seiner Mama Postkarten  zwischendrin, Texte, die von einer großen Liebe auch zu seiner Mutter zeugen, etwa: „Liebste Mama, ich weiß genau, dass ich heute Nacht von  Dir träumen werde. Ich werde davon träumen, wie Du früher durch Berlin gefahren bist und wie Du Dir alles angeschaut hast. Und ich werde davon träumen, wie Du in der Wohnung mit Papa gelebt hast. Schließlich werde ich auch davon träumen, dass ich bei Dir bin, und zwar damals, früher. Das stimmt natürlich nicht, denn  ich war ja nicht bei Dir. Aber im Traum stimmt es dann doch.“   Schreibend begreift der Junge, wie das Leben Anfang des Zweiten Weltkrieges für seine Eltern war und geradezu sehnsüchtig sucht er nach einer eigenen Verbindung zu dieser Welt.   Ich habe mich nach der Lektüre dieses faszinierenden Buches gefragt, ob im Jahr 1964 irgendein deutscher Verlag dieses Buch eines gerade Zwölfjährigen veröffentlicht hätte, und welche Wirkung dessen genaue und feinfühlige Beobachtungen insbesondere des gesellschaftlichen Klimas im Berlin des Jahres 1964 gehabt hätte bei der Kritik.   Allen Freunden von Ortheil sei dieses Buch sehr empfohlen. Und wer seinen oben beschriebenen und wertgeschätzten Roman noch nicht kennt und die Beschreibung der ersten Reise - man sollte es nachholen.

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