Hanns-Josef Ortheil Die Erfindung des Lebens

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Inhaltsangabe zu „Die Erfindung des Lebens“ von Hanns-Josef Ortheil

»Die Erfindung des Lebens« ist die Geschichte eines jungen Mannes von seinen Kinderjahren bis zu seinen ersten Erfolgen als Schriftsteller. Als einziges Kind seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach vier Söhne verloren haben, wächst er in Köln auf. Die Mutter ist stumm geworden, und auch ihr letzter Sohn lebt stumm an ihrer Seite. Nach Jahren erst kann er sich aus der Umklammerung der Familie lösen, in Rom eine Karriere als Pianist beginnen und nach deren Scheitern versuchen, mit dem Schreiben sein Glück zu machen ...

Ein sehr einfühlsames und berührendes Buch - lässt sich sehr gut lesen

— Dataha

Einblick in ein interessantes Leben und eine andere Denkensweise. Ein lebendiger Schreibstil von einem ehemaligen stummen Jungen.

— Flavia1112

Das Buch schenkt Einsichten in den "lebensgestrickten" Kontext eines Menschen, der eine schöne Liebesgeschichte schrieb.

— treulesend

Bedächtige Erzählung, wie sich ein junger Mensch immer wieder neu erfindet.

— Gruenente

Ein wunderschönes bedächtiges Buch. Danke für die Reise durch ihr Leben, Herr Ortheil. Ich möchte sofort eine Reise nach Rom buchen.

— buchhase

für mich enttäuschend..

— Malynaa

...wirklich ein "LEBENSBUCH" so viel Gefühl, so viel tolle textpassagen- als wär man mitten drin...

— kofler_sonja

Eine Bereicherung für mein Leben

— Irisliest

Ziemlich langatmig und eher zähe Geschichte eines gescheiterten Virtuosen. Nachkriegserfahrungen belasten das Familienleben. Guter Schreibst

— Guccini

Ein tolles Buch und wunderschön geschrieben. Was wird aus der Familie ? Zum Glück wird alles gut ! A.S.

— adellina_ssen

Stöbern in Romane

Kukolka

Hammerharte Realität, hammerhart erzählt. aber Umsetzung + Stil waren leider nicht so mein Fall. Sehr distanziert. Dennoch grausame Realität

Yuyun

Lauter gute Absichten

Kurzweilige Geschichte um einen angry young man, der sich gegen die Familie auflehnt - und an den eigenen Ansprüchen scheitert.

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  • Das Leben durcheinander gewirbelt

    Der Typ ist da

    serendipity3012

    Das Leben durcheinander gewirbelt Mia, Xenia und Lisa leben in Köln in einer WG. Sie sind eigentlich keine engen Freundinnen, verstehen sich aber gut. Mia hat im Rahmen ihres Studiums vor kurzem ein Austauschjahr in Venedig verbracht und vor ihrer Abreise Zettel mit ihrer Adresse verteilt, im Innern davon überzeugt, dass ihren Einladungen doch niemand folgen würde. Dennoch steht eines Tages Matteo vor ihrer Tür, ein junger Venezianer, den sie nur so flüchtig kennen gelernt hat, dass sie sich zunächst gar nicht an ihn erinnert. Matteo wird Gast in der Frauen-WG, und obwohl sie am Anfang nicht alle gleichermaßen begeistert davon sind (eigentlich hatten sie vereinbart, dass keine Männer in ihrer Wohnung übernachten sollen), geben sie ihren Widerstand bald auf, da der Fremde sie schnell in seinen Bann zieht.Xenia ist Geschäftsführerin eines Cafés gleich gegenüber der Wohnung, und Matteo hilft ihr zunächst bereitwillig bei den alltäglichen Arbeiten und überrascht sie bald mit neuen Ideen zum Angebot des Cafés. Lisa ist Buchhändlerin und lebt mehr in ihren Romanen als in der Wirklichkeit. Matteo ist ihr zunächst ein Dorn im Auge, sie misstraut ihm, doch auch sie ändert bald ihre Meinung, als sie ihn näher kennen lernt.Hanns-Josef Ortheil erzählt in seinem neuen Roman „Der Typ ist da“ von der Begegnung des jungen Matteo und der drei Frauen, deren Leben der Italien in kürzester Zeit durcheinander wirbelt und die er dazu bringt, ihre jeweilige Situation zu überdenken und zu hinterfragen. Er hat ein ruhiges Gemüt, kommt aus einer einfachen venezianischen Handwerksfamilie, hat die Stadt vor der Reise nach Köln nie verlassen. Vor kurzem hat er einen großen Verlust erlitten, der zu seiner Reise nach Köln beigetragen hat, wo er immer wieder den Dom besucht und in Auszügen zeichnet. Auf eine geheimnisvolle Weise scheinen Venedig und Köln für ihn in Verbindung zu stehen. Die Ruhe, die Matteo ausstrahlt, auch das In-sich-Ruhen, hat auf alle drei Frauen eine starke Wirkung. Er hat klare Ansichten, er weiß, was er will und woher er kommt und letztlich hingehört.Der Erzähler wechselt mit jedem Kapitel die Perspektiven und hält vor dem Leser wenig geheim: Man weiß stets mehr als die Protagonisten. Der Roman lebt weniger von den Geheimnissen seiner Figuren, als von der Person des Matteo und vom Gefühl, stets mit im Zimmer zu stehen oder sich draußen gemeinsam vor dem Kölner Dom zu befinden. Wie immer schreibt Ortheil sehr unaufgeregt und ruhig, gibt seiner Geschichte die Zeit, die sie braucht, um sich zu entfalten. Wenn seine Figuren dann aber etwas erkannt, etwas beschlossen haben, sind sie plötzlich sehr direkt zueinander, manchmal so unvermittelt, dass es überrascht.Von den drei Frauen wird Matteo oft in seiner Abwesenheit „der Typ“ genannt, eine etwas beliebig wirkende Bezeichnung, die man vielleicht sogar ein wenig abwertend verstehen könnte, was aber wohl nicht so gemeint ist. Dennoch irritiert das ständig sich wiederholende „Typ“ im Roman etwas, es scheint die Geschichte auf eine heiterere Ebene bringen zu wollen, was aber gar nicht nötig ist. Generell wirkt auch der Titel des Romans „Der Typ ist da“ auf mich etwas zu gewollt umgangssprachlich und flapsig, ja, eher hätte er mich von der Lektüre abgehalten, wenn nicht der Autor für mich ein Qualitätsgarant wäre.„Der Typ ist da“ erzählt davon, wie ein einzelner Mensch, zur richtigen Zeit am richtigen Ort, im Leben von anderen etwas bewegen kann, wie er neue Denkanstöße geben und zu Veränderungen beitragen kann. Der Roman konzentriert sich sehr stark seine Hauptfiguren und die Geschehnisse zwischen ihnen, schaut wenig nach links und rechts, hat immer das Kleine im Fokus. Ortheils neuer Roman ist eine bewusst reduzierte Geschichte, die zwar unaufgeregt daherkommt, letztlich aber doch überzeugen kann.

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    • 5
  • Vom stummen Kind zum Schriftsteller – eine anrührende Biografie in Romanverpackung

    Die Erfindung des Lebens

    Federfee

    04. July 2017 um 15:24

    4,5 von 5 PunktenUm die Geschichte seiner Kindheit und Jugend aufzuschreiben, begibt sich der Ich-Erzähler nach Rom, wo er kurz nach dem Abitur eine wunderschöne Zeit verlebte: Klavier studieren, eine große Liebe, die Freiheit vom bisherigen Leben. Und was für ein Leben das gewesen war: wegen schrecklicher familiärer Ereignisse war die Mutter des dreijährigen Kindes verstummt und so lernte auch der Junge die Sprache nicht. Erst der Vater riss ihn mit unorthodoxen Methoden aus dieser ungesunden Symbiose mit der Mutter. Er lernte doch noch sprechen und schreiben und wie! Nachdem seine Pianistenkarriere wegen einer chronischen Sehnenscheidenentzündung abbrach, wurde er Schriftsteller. Heute ist Hanns-Josef Ortheil, denn um diesen handelt es sich bei der Romanfigur Johannes Catt, ein Professor für Literatur und kreatives Schreiben, Autor vieler Romane und Träger renommierter Literaturpreise.Ich habe dieses in poetischer Sprache geschriebene Buch gerne gelesen, fand allerdings den Mittelteil mit den Ausführungen zur Musik zu lang. Wer mehr über die Methode des Vaters und über das Beobachten und Schreiben erfahren möchte, liest am besten Ortheils Buch: "Der Stift und das Papier":https://www.lovelybooks.de/autor/Hanns--Josef-Ortheil-/Der-Stift-und-das-Papier-1186955815-w/rezension/1316673564/

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  • Bewegender autobiographischer Roman

    Die Erfindung des Lebens

    Arbutus

    05. January 2017 um 20:38

    Staunend erfährt der Leser von einer Kindheit ohne Sprache. Der fünfjährige Johannes ist stumm, seine Mutter ist stumm. Wie es dazu kam, wissen wir zunächst noch nicht so genau, aber was wir wissen, ist dass die sprachlose Mutter und ihr sprachloser Sohn eine enge Symbiose bilden, einen Cocon, der schützt und gleichzeitig die Entfaltung des hochintelligenten Jungen behindert, der sehr genau begriffen hat, dass ihn seine Umwelt bereits zum Idioten abgestempelt hat. Und plötzlich und völlig unerwartet ist es da, das Klavier. Und holt zum unerhörten Befreiungsschlag aus. Auf einmal hat dieser hilflose kleine Junge ein Ziel, übt wie besessen und entpuppt sich als hochbegabtes Musiktalent. Aber dies ist erst der erste Schritt auf dem langen und mühsamen Weg in die Freiheit. Es wird sich zeigen, ob es dem verständnisvollen und kreativen Vater auch gelingen wird, seinem Sohn den Weg zum Erlernen der Sprache zu ebnen. Auf jeden Fall kein leichter Weg, denn der Kopf dieses Jungen funktioniert anders als gewöhnlich. Einen ausführlichen Einblick in seine Gedankengänge zu bekommen, ist absolut faszinierend, zumal mehr und mehr klar wird, dass es sich bei dem Roman eigentlich um Autobiographie, also um eine wahre Geschichte handelt. Es ist ein Buch über die menschliche Sprache, faszinierend wie noch kein anderes Buch zu diesem Thema, das ich je gelesen habe. Als der junge Mann Jahre später in Rom angekommen ist und beschreibt, wie er entgegen seinen früheren Ängsten völlig mühelos und natürlich in die italienische Sprache hineinfindet, halte ich den Atem an. Es ist komplett faszinierend, wie Ortheil mit seiner einfachen und scharfen Beobachtungsgabe in wenigen Worten die Unterschiede zwischen der italienischen und der deutschen Sprache auf den Punkt bringt. Wieder und wieder lese ich ehrfürchtig diesen Absatz. Schlicht und genial. So muss gute Literatur sein. Kaum ein moderner Roman kommt ohne Zeitsprünge aus. Vielleicht dient dieses Mittel hier auch dazu, durch die Sprünge in das gegenwärtige Erwachsenendasein des Autors die Vergangenheit zu verifizieren. Auf jeden Fall ist dieser Wechsel der beiden Zeitebenen hier gut auf einander abgestimmt und verdichtet sich gegen Ende folgerichtig und rund. Eine Autobiographie, die zurecht ein Roman ist. Denn wenn die Rezension bei einer gewöhnlichen Biographie den Schluss verrät, stört sich kein Mensch daran. Hier aber werde ich schön stillschweigen, denn ich möchte den nächsten neugierigen Leser nicht um diesen wunderbaren Moment bringen.

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    • 3
  • sich selbst neu erfinden

    Die Erfindung des Lebens

    dominona

    04. August 2016 um 10:36

    Dieses Buch zeigt auf sehr einfühlsame Art, wie man mit ein bisschen Hilfe aus bestehenden Lebensmustern ausbrechen kann. Der Protagonist ist stumm, durch seine Mutter beeinflusst, welche es seit dem frühen Tod dreier Kinder ablehnt zu sprechen. Als in der Schule Spott und Hohn warten, helfen ihm sein Vater und das Klavierspielen, die Welt der Sprache, Schrift und Musik zu entdecken und somit seine Umgebung erst richtig zu begreifen. Da ich mich schnell in Charaktere hineinfühle, kam mir einiges zu repetitiv vor, aber insgesamt ist das Buch beeindruckend.

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  • mehrfache Erfindung des eigenen Lebens

    Die Erfindung des Lebens

    Gruenente

    09. September 2015 um 18:54

    Wenn dieser Roman wirklich die Eckpunkte des Lebens (erst 20 Jahre) des Autors trifft, dann ziehe ich meinen Hut vor diesem menschen. Als stummes Kind von traumatisierten Eltern in der Nachkriegszeit großgezogen, wächst Johannes mitten in einer Großstadt isoliert auf. Später wird erklärt, wie es dazu kam. Als er eingeschult wird, bricht der Junge unter den Hänseleien der Mitschüler und dem Fehlverhalten des Lehres fast zusammen. Endlich nimmt sich der Vater ein Herz, verändert das Lebn des Jungen und bringt ihn in die "Schule der Natur" das verändert Johannes Leben total. und das der Eltern auch. Musik ist ein sehr wichtiges Thema. Johannes beginnt früh Klavier u spielen, erhält später wichtige Lehrer, geht in ein Musikinternat, dann in ein Gymnasium mit Musikschwerpunkt und krönt seine Ausbildung mit einem Studium in Rom. Dort beginnt er ohne seine Eltern wieder ein ganz neues Leben. Freiheit, Unabhängigkeit, Liebe, Arbeit am klavier, Anerkennung, Freunde. Doch auch dieser Traum zerplatzt eines Tages. Eine weitere Erzählebene spielt wiederum in Rom, aber viel später. Johannes ist in seine Lieblingsstadt gekommen um die Geschichte seiner ersten 20 Lebensjahre niederzuschreiben. Die Menschen und Ereignisse dieser Zeit versöhnen ihn letzendlich mit seiner Vergangenheit. Ich habe das Buch gerne gelesen, vor allem die Beschreibung des Klavierspiels, der Empfindungen rund um die Musik haben mich sehr beeindruckt. 200 Seiten weniger wären aber besser gewesen...

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  • Atemberaubend

    Die Erfindung des Lebens

    Lesefrosch90

    21. March 2013 um 22:28

    Dieses Buch finde ich wirklich beeindruckend. 
    Toll geschrieben mit vielen Emotionen.  Es erzählt die Geschichte eines stummen Jungen, der das Leben für sich entdeckt und erwachsen wird. 
    Schön ihn auf diesem Weg begleiten zu können. 

    • 2
  • Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    Die Erfindung des Lebens

    Ruth_liest

    26. November 2011 um 17:20

    Die Hauptfigur in Ortheils "Erfindung des Lebens" ist ein Junge, der allein mit seinen Eltern im Nachkriegs-Deutschland aufwächst. Seine drei älteren Brüder sind vor seiner Geburt gestorben. Die Mutter beschließt in ihrer Verzweiflung, nicht mehr zu sprechen. Da Mutter und Sohn eine schwierige Symbiose entwickeln, verfällt auch der Junge in eine selbst gewählte Stummheit. Erst der missglückte Schulstart macht den Eltern die Isolation ihres Sohnes bewusst. Stück für Stück gelingt es dem Vater, seinen Sohn aus dieser Isolation in ein lebensfrohes Leben zu führen. Auf diesem Weg zeigt der Junge zwei herausragende Talente. Er hat ein außergewöhnliches Gespür für Wörter und für das Klavierspiel. Nur das zweite Talent nehmen alle wahr und so verfolgt er das Karriereziel Konzertpianist. Während des Studiums zwingt ihn eine Sehnenscheidenentzündung zur Aufgabe dieses Ziels. Das stürzt ihn in eine tiefe Krise, aus der er erst heraus kommt, als er sein zweites Talent, das Schreiben, erkennt. So wird er ein erfolgreicher Schriftsteller. Doch fehlt ihm das Liebesglück. Dieses erfährt er als Mann im besten Alter, als er ein Buch über seine Kindheit schreibt. Ortheil zeigt die tiefen Wunden der Nachkriegsgeneration und ihren manchmal schon verzweifelten Versuch, diese zu verschließen. Wenigstens im Roman gibt es Heilung. Für mich ist das Buch ein starkes Stück deutscher Gegenwartsliteratur.

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  • Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    Die Erfindung des Lebens

    Gospelsinger

    15. August 2011 um 23:42

    Musik hat etwas Heilsames, besonders, wenn man sie selbst macht. Das ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen. Und die Musik hat eine enge Verbindung zur Sprache. Johannes, das Alter Ego des Autors in diesem Buch, erlebt das am eigenen Leib. Die Musik holt ihn aus seiner Stummheit, aus seiner Außenseiterposition, aus seiner Isolation. Johannes wächst in einer engen Symbiose mit der Mutter auf, die sich nach dem Verlust ihrer anderen vier (!) Söhne wie eine Ertrinkende an ihn klammert. Keinen Schritt kann er allein machen, keine Freundschaften zu Gleichaltrigen aufbauen, nicht selbständig werden. Die Mutter ist nach dem letzten Todesfall verstummt, und Johannes wird aufgrund der engen Bindung ebenfalls stumm. Mutter und Sohn brauchen die Sprache auch gar nicht, sie verstehen sich aufgrund der Nähe zwischen ihnen ohne Worte. Johannes verbringt die Tage überwiegend mit seiner Mutter in der elterlichen Wohnung. Beide lesen viel, so dass er sich die Sprache durchaus aneignet, er spricht sie nur nicht. Seine Art, sich auszudrücken, ist die Klaviermusik. Schließlich gelingt es dem Vater, die ungesunde Symbiose zu beenden und es seinem Sohn zu ermöglichen, seine musikalische Begabung ausbilden zu lassen. Johannes ist ein großes Talent und wird an einem angesehenen Internat angenommen. Aber da kommt es erneut zu Problemen. Schließlich scheitert die Pianistenkarriere an einer Sehnenscheidentzündung und Johannes wird zum Schriftsteller. Er hat seine Sprache gefunden, und es ist eine sehr reiche Sprache. Gefühlvoll und sensibel schildert Ortheil diese ungewöhnliche Kindheit. Besonders die Verzweiflung der Mutter und das Einfühlungsvermögen des Vaters werden plastisch. Und auch die Hochs und Tiefs von Johannes sind nachvollziehbar. Ich fand dieses Buch überwältigend und einfach großartig.

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  • Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    Die Erfindung des Lebens

    UteSeiberth

    08. May 2011 um 18:18

    Schon lange hat mich kein Buch mehr so beeindruckt wie die "Erfindung des Lebens", ich bin förmlich darin abgetaucht! Die einfühlsame Beschreibung einer schwierigen Kindheit im Nachkriegsdeutschland und die Befreiung von diesen Schwierigkeiten finde ich ganz großartig! Ich könnte mir denken, dass dieser Roman einen biographischen Hindergrund hat und der hat mich auch erschüttert.Schade, dass der Roman jetzt zu Ende ist, ich kann ihn nur empfehlen!

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  • Frage zu "Der Klang der Zeit" von Richard Powers

    Der Klang der Zeit

    GraceKelly

    Der Klang der Zeit von R. Powers ist eine total schöne Liebeserklärung an die Musik. Welche wetieren Romane kennt ihr, bei denen Musik eine Rolle spielt? Mein Onkel ist Musiker und ich würde ihm gerne eines eurer Vorschläge schenken! Danke

    • 6
  • Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    Die Erfindung des Lebens

    SarahCatherine

    22. October 2010 um 13:13

    In „Die Erfindung des Lebens“ erzählt Johannes die Geschichte seines Lebens. Es beginnt mit Szenen aus seiner Kindheit, in der er stumm an der Seite seiner Mutter verweilt ist. Mit ihr lebt er fast in einer Symbiose, bis es zur Zeit seiner Einschulung so schwierig wird, dass der Vater mit ihm zu seiner Familie aufs Land reist. Auf Entdeckertouren durch die Natur mit dem Vater formen sich nach und nach erste Worte in Johannes Kopf und schließlich beginnt er, zu sprechen. Der Mutter gegenüber fühlt er sich dadurch schuldig, doch ihr hilft es und so gelingt es ihr schließlich auch, wieder zu sprechen und sich „normal“ in das Leben und die Gesellschaft einzugliedern. Den Grund für ihr Schweigen und die dadurch entstandenen Familienbande erfährt Johannes erst später: Er ist das einzige überlebende Kind der Eltern, die vorher vier Söhne verloren haben. In der Zeit bei seinen Eltern flüchtet Johannes sich in das Klavierspielen, das ihm zunächst die Mutter beibringt, später dann ein toller Lehrer, der ihn auch auf seinem weiteren Lebensweg mal nah, mal fern begleitet. Einen richtigen Ausbruch aus der Familie wagt Johannes nach seinem Schulabschluss. Er plant eine dreiwöchige Reise nach Rom, doch gleich in der ersten Nacht seiner Ankunft dort fühlt er sich der Stadt merkwürdig verbunden und weiß, er wird bleiben. Seine Klavierkünste verschaffen ihm einen Studienplatz am Conservatorio, er ist auf dem besten Wege, ein erfolgreicher Pianist zu werden. Plötzlich erkrankt er an einer Sehnenscheidenentzündung, die nicht nur seine kaum begonnene Karriere, sondern auch seine Beziehung zu Clara zunichte macht. Verloren und gekränkt kehrt Johannes zu seinen Eltern zurück, ohne jedoch zu wissen, was er nun mit seinem Leben anfangen soll. Wieder bei den Eltern leben, studieren, kellnern? Zunächst vertieft er sich in schriftliche Aufzeichnungen aus seiner Kindheit. Ausgerechnet sein alter Klavierlehrer ist es dann, der in diesen Aufzeichnungen eine Chance für Johannes sieht und ihm einen Schubs in die richtige Richtung gibt. Er bietet sich als erster Lektor an und hat ein paar Kontakte, die Johannes nützen können. Als Johannes nun diese Aufzeichnungen von damals in einem Roman über sein Leben, seine Musik, seine Familie und sein Rom zusammenfasst, lebt er wieder in einer Wohnung in Rom. Langsam bekommt er Kontakt zu einer Nachbarin, deren Tochter er Klavierunterricht gibt. Er öffnet sich selbst wieder für die Musik und seine Umwelt. Früher war das Stummsein sein Gehäuse, in dem er sich verkriechen konnte, später ist es sein Schreiben, doch er bekommt nun in Rom zögerlich wieder einen Blick für das, was das Leben außerhalb dieses Gehäuses alles zu bieten hat. Hanns-Josef Ortheil erzählt in diesem Buch sehr liebevoll von der Geborgenheit in der Familie und wie diese doch gleichzeitig mit einer gewissen Gefangenheit einhergehen kann. Kleine Fluchten in die Natur und vor allem die Musik, schließlich auch nach Rom, machen all das erträglich, lassen Johannes gleichzeitig immer wieder zurückkehren in den sicheren Cocon des Zuhauses. Als er nach der Schule zum ersten Mal nach Rom aufbricht, beschreibt er die Stadt so detailliert und schön, dass man das Gefühl bekommt, an seiner Seite durch die Gassen zu gehen und in Restaurants zu sitzen. Nicht der Aufbruch steht im Vordergrund, sondern das Ankommen, im Hintergrund immer begleitet durch Klaviermusik. Ein wunderbares Buch. Der angenehme Schreibstil wirkt niemals hektisch, selbst in kritischen Momenten. Die vielen Beschreibungen sind an keiner Stelle zu viel oder zu ausufernd, nicht hochtrabend, sondern eher banal, aber doch nie langweilig. Ich bin beim Lesen dieses Buches ganz ruhig geworden. Ich wollte es gleichzeitig am liebsten auf einmal lesen und es sollte nie enden. Dieses ist eins von bisher drei Büchern, bei denen ich es wirklich schade finde, dass sie enden. Ich hätte Johannes und seine Musik gern weiter bei mir.

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  • Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    Die Erfindung des Lebens

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    27. January 2010 um 20:24

    Was für ein Schicksal, das Hanns-Joseph Ortheil widerfahren ist und das er hier, in "Die Erfindung des Lebens" offenbart. Bei allem Bemühen, dies nachvollziehen oder sich in seine Situation hineinversetzen zu wollen, bleibt das unmöglich. Ein Kind spricht nicht bis zu seinem siebten Lebensjahr, einfach unvorstellbar. Und doch schildert er seinen Lebensweg so lebendig, dass man sich fühlt, als nehme er den Leser an die Hand und zeige ihm, wie es sich abgespielt hat. Es ist ein sehr persönliches und berührendes Buch, das Hanns-Josef Ortheil vorgelegt hat. Es wird deutlich, dass er sich dieses Leben von der Seele hat schreiben müssen. Eingesponnen wie in einen Kokon lebt er in dieser Dreiergemeinschaft, mit seinem Vater und seiner Mutter, die beide schwer daran zu tragen haben, 4 Söhne verloren zu haben und daher den fünften besonders behütet großziehen. Beide Elternteile sind beeindruckende Persönlichkeiten: die Mutter, die über ihren Kummer verstummt und zur Schweigsamkeit des Kindes beiträgt und ihm gleichzeitig die Liebe zur Musik vermittelt und der Vater, der schließlich mit Entschlossenheit handelt und den Jungen aus seiner Sprachlosigkeit befreit. Es gelingt den Eltern am Ende und ihm selbst natürlich auch, in die sogenannte Normalität zurückzukehren und die Sprache zu finden, die ihm bzw. ihnen jahrelang gefehlt hat. Ein sehr empfehlenswertes Buch, das noch lange nach seinem Ende nachwirkt und nachdenklich stimmt.

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  • Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    Die Erfindung des Lebens

    HeikeG

    24. October 2009 um 18:10

    Lebensbilder - Klangräume . "Wenn ich irgendwo auf einer Straße oder einem Platz plötzlich Live-Musik höre, setzt die Hypnose ein. Ich bleibe stehen, ich höre wie gebannt zu. Es kommt nicht darauf an, dass ich die Musik kenne oder dass sie besonders gut präsentiert wird, nein, es kommt auf den Klang an sich oder, einmal pathetisch gesagt, es kommt auf die Offenbarung des Klangs an. Der Alltag um mich herum tritt zurück, die Klänge beherrschen den gesamten Raum, ich stehe oder sitze da wie in Trance und empfinde das Glück der Musik." . Warum übt gerade Musik, egal ob wir nun besonders musikalisch sind oder jeden Ton schief singen, auf uns eine große Macht aus? Sie hat keine Begrifflichkeit und es fehlt ihr an Bildern und Symbolen; dem Stoff, aus dem die Sprache ist. Trotzdem ist sie wahrscheinlich schon seit den frühesten Anfängen unserer Art von zentraler Bedeutung. Das im Jahr 2008 erschienene Buch "Der einarmige Pianist" des Londoner Neurologen Oliver Sacks wusste bereits einfühlsam, sensibel und klug über die geheimnisvollen Wechselwirkungen zwischen dem menschlichen Gehirn und dem heilenden Einfluss der Musik zu berichten. . Heilend - im gewissen Sinn - ist die Musik auch für Johannes Catt - Ortheils Alter Ego in seinem neuesten Roman "Die Erfindung des Lebens". Weil seine Mutter nach einem schweren Schicksalsschlag ihre Sprache verloren hat, bleibt er bis zu seinem siebenten Lebensjahr stumm. Er wächst in einer Art autistischer Symbiose zu ihr auf; in einem Spielzeugland, in einer beinahe großen geräuschlosen Zone. Nichts kann in die kleine Gemeinschaft, den Geheimbund eindringen, ihn stören. Nur der Vater fungiert als verbindendes Glied zur Außenwelt. Erst mit der Anschaffung eines Klaviers kommt es zu einer Art Befreiung des Ausgeschlossenen aus der Welt der "Normalen". Das Spiel bedeutet für Johannes das Ende der demütigenden Tage als Außenseiter, als "der Idiot". "Ich war nicht länger ein kleines, wenig beachtetes Etwas, nein, ich war nun ein Klavierspieler, der das fehlende Sprechen durch das Klavierspiel ersetzte und sich mit Hilfe dieses Spiels auszudrücken versuchte." . Und die Musik ist es wohl, die seine visualisierte Welt, seine Bilderflut im Kopf, letztendlich doch noch in Sprache umsetzt, die Klang und Bilder vereint. Bei einem längeren Aufenthalt auf dem Land, gemeinsam mit seinem Vater, aber ohne die Mutter, spricht Johannes seine ersten Worte und tagtäglich kommen neue hinzu. "Es war eine unglaubliche Befreiung aus dieser Stadt heraus zu sein und von all diesen Menschen, die einen dauernd beobachten, weg zu sein. (…) Das war das erste Mal gewesen, dass ich gemerkt habe, dass ich einen Körper habe, der etwas anderes macht, als sich zurückzuziehen." . Sein bisheriges Leben, "ein stummes Durchwandern langer Museumsfluchten mit lauter Bildern an den Wänden (...), zu denen mir jede Unterschrift und jede Erklärung gefehlt hatten" scheint ad acta gelegt. Sein Dasein, ein gedämpfter "Schwarz-Weiß-Film mit einem dumpfen, wackligen Ton (...) durchdrungen von einer nicht abzuschüttelnden Melancholie", scheint langsam in eine impressionistische Stofflichkeit aus hellen Farben überzugehen. Auch die Mutter findet zur Sprache zurück. Die Lebensgeschichte des Kindes nimmt eine positive Wendung. Aus dem einstigen Schulversager wird ein gefeierter Pianist, der sich abnabelt, am römischen Konservatorium Klavier studiert und letztendlich ein renommierter Schriftsteller wird. Doch die Dämonen der Kindheit lassen sich durch das Schreiben nicht endgültig bannen - das "Happy End" gibt nur vermeintlich Sicherheit: "Ich habe immer das Gefühl, das kann auch jederzeit wieder zusammenbrechen. Ich hab’ immer das Gefühl: bis jetzt noch, aber irgendwann isses wieder weg. Das ist derart eingeimpft, weil es in meinem Leben derart oft passiert ist, das aus relativ gelungenen Momenten wieder ein Scheitern eintrat." . "Die Erfindung des Lebens" ist Hanns-Josef Ortheils persönlichstes Buch, die nacherzählte Lebensgeschichte eines begabten, aber behinderten Kindes. Sein Roman ist derart außerordentlich und wunderbar, dass er wohl selbst den hartgesottensten Leser mitfühlen lässt. Die Rahmenhandlung hat der Autor in Rom angesiedelt. Hier, wo er seine schönsten Jugendjahre verbracht, aber auch den Zusammenbruch seiner Zukunftspläne erlebt hat, schreibt er mit nunmehr fast 30-jähriger Distanz an seiner "Lebenserfindung". Aus einzelnen Fragmenten und Erinnerungen setzt er seine Welt zusammen, immer wieder unterbrochen von gegenwärtigen musikalischen Einflüssen, so in Gestalt einer begabten römischen Klavierschülerin, die in seiner Nachbarschaft wohnt. Die Klangbilder seiner Kindheit schwingen dabei bis in die Gegenwart und bestimmen sein aktuelles Handeln und Tun. So entsteht eine raffinierte Dualität von Ereignissen und Stimmungen, eine sensibel verschränkte Komplexität zwischen Gestern und Heute. Dies macht die Lektüre zu einer körperlich-sinnlichen Erfahrung. . Fazit: "Die Erfindung des Lebens" ist ein wunderbares, einfühlsames, berührendes, aber nie kitschig oder schwülstig geschriebenes introspektives Lebenspsychogramm eines zunächst stummen Kindes, das durch die Kraft der Musik seinen Kokon sprengt und die Liebe zur Sprache entdeckt. Es ist die Geschichte von Hanns-Josef Ortheil, der sein Leben immer wieder neu erfinden musste - "eine Melodieführung mit Nebenstimmen und starken Akkorden". . "Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen ..." (H.-J. Ortheil)

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