Die Erfindung des Lebens

von Hanns-Josef Ortheil 
4,4 Sterne bei117 Bewertungen
Die Erfindung des Lebens
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (107):
Daniela8s avatar

Ich mag die Sprache des Autors sehr. Das Buch hat mir großen Spaß gemacht und ich konnte es kaum aus der Hand legen.

Kritisch (6):

Das Buch schenkt Einsichten in den "lebensgestrickten" Kontext eines Menschen, der eine schöne Liebesgeschichte schrieb.

Alle 117 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Die Erfindung des Lebens"

»Die Erfindung des Lebens« ist die Geschichte eines jungen Mannes von seinen Kinderjahren bis zu seinen ersten Erfolgen als Schriftsteller. Als einziges Kind seiner Eltern, die im Zweiten Weltkrieg und in der Zeit danach vier Söhne verloren haben, wächst er in Köln auf. Die Mutter ist stumm geworden, und auch ihr letzter Sohn lebt stumm an ihrer Seite. Nach Jahren erst kann er sich aus der Umklammerung der Familie lösen, in Rom eine Karriere als Pianist beginnen und nach deren Scheitern versuchen, mit dem Schreiben sein Glück zu machen ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783442739783
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:589 Seiten
Verlag:btb
Erscheinungsdatum:11.04.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 22.02.2010 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    Daniela8s avatar
    Daniela8vor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Ich mag die Sprache des Autors sehr. Das Buch hat mir großen Spaß gemacht und ich konnte es kaum aus der Hand legen.
    Tolle Sprache, tolle Geschichte.

    Ich mag die Sprache des Autors sehr. Das Buch hat mir großen Spaß gemacht und ich konnte es kaum aus der Hand legen. 

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    Federfees avatar
    Federfeevor einem Jahr
    Vom stummen Kind zum Schriftsteller – eine anrührende Biografie in Romanverpackung

    4,5 von 5 Punkten

    Um die Geschichte seiner Kindheit und Jugend aufzuschreiben, begibt sich der Ich-Erzähler nach Rom, wo er kurz nach dem Abitur eine wunderschöne Zeit verlebte: Klavier studieren, eine große Liebe, die Freiheit vom bisherigen Leben. Und was für ein Leben das gewesen war: wegen schrecklicher familiärer Ereignisse war die Mutter des dreijährigen Kindes verstummt und so lernte auch der Junge die Sprache nicht. Erst der Vater riss ihn mit unorthodoxen Methoden aus dieser ungesunden Symbiose mit der Mutter. Er lernte doch noch sprechen und schreiben und wie! Nachdem seine Pianistenkarriere wegen einer chronischen Sehnenscheidenentzündung abbrach, wurde er Schriftsteller. Heute ist Hanns-Josef Ortheil, denn um diesen handelt es sich bei der Romanfigur Johannes Catt, ein Professor für Literatur und kreatives Schreiben, Autor vieler Romane und Träger renommierter Literaturpreise.

    Ich habe dieses in poetischer Sprache geschriebene Buch gerne gelesen, fand allerdings den Mittelteil mit den Ausführungen zur Musik zu lang. Wer mehr über die Methode des Vaters und über das Beobachten und Schreiben erfahren möchte, liest am besten Ortheils Buch: "Der Stift und das Papier":
    https://www.lovelybooks.de/autor/Hanns--Josef-Ortheil-/Der-Stift-und-das-Papier-1186955815-w/rezension/1316673564/

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    Arbutuss avatar
    Arbutusvor 2 Jahren
    Bewegender autobiographischer Roman

    Staunend erfährt der Leser von einer Kindheit ohne Sprache. Der fünfjährige Johannes ist stumm, seine Mutter ist stumm. Wie es dazu kam, wissen wir zunächst noch nicht so genau, aber was wir wissen, ist dass die sprachlose Mutter und ihr sprachloser Sohn eine enge Symbiose bilden, einen Cocon, der schützt und gleichzeitig die Entfaltung des hochintelligenten Jungen behindert, der sehr genau begriffen hat, dass ihn seine Umwelt bereits zum Idioten abgestempelt hat. Und plötzlich und völlig unerwartet ist es da, das Klavier. Und holt zum unerhörten Befreiungsschlag aus. Auf einmal hat dieser hilflose kleine Junge ein Ziel, übt wie besessen und entpuppt sich als hochbegabtes Musiktalent. Aber dies ist erst der erste Schritt auf dem langen und mühsamen Weg in die Freiheit. Es wird sich zeigen, ob es dem verständnisvollen und kreativen Vater auch gelingen wird, seinem Sohn den Weg zum Erlernen der Sprache zu ebnen. Auf jeden Fall kein leichter Weg, denn der Kopf dieses Jungen funktioniert anders als gewöhnlich. Einen ausführlichen Einblick in seine Gedankengänge zu bekommen, ist absolut faszinierend, zumal mehr und mehr klar wird, dass es sich bei dem Roman eigentlich um Autobiographie, also um eine wahre Geschichte handelt.

    Es ist ein Buch über die menschliche Sprache, faszinierend wie noch kein anderes Buch zu diesem Thema, das ich je gelesen habe. Als der junge Mann Jahre später in Rom angekommen ist und beschreibt, wie er entgegen seinen früheren Ängsten völlig mühelos und natürlich in die italienische Sprache hineinfindet, halte ich den Atem an. Es ist komplett faszinierend, wie Ortheil mit seiner einfachen und scharfen Beobachtungsgabe in wenigen Worten die Unterschiede zwischen der italienischen und der deutschen Sprache auf den Punkt bringt. Wieder und wieder lese ich ehrfürchtig diesen Absatz. Schlicht und genial. So muss gute Literatur sein.

    Kaum ein moderner Roman kommt ohne Zeitsprünge aus. Vielleicht dient dieses Mittel hier auch dazu, durch die Sprünge in das gegenwärtige Erwachsenendasein des Autors die Vergangenheit zu verifizieren. Auf jeden Fall ist dieser Wechsel der beiden Zeitebenen hier gut auf einander abgestimmt und verdichtet sich gegen Ende folgerichtig und rund.

    Eine Autobiographie, die zurecht ein Roman ist. Denn wenn die Rezension bei einer gewöhnlichen Biographie den Schluss verrät, stört sich kein Mensch daran. Hier aber werde ich schön stillschweigen, denn ich möchte den nächsten neugierigen Leser nicht um diesen wunderbaren Moment bringen.

    Kommentare: 2
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    dominonas avatar
    dominonavor 2 Jahren
    sich selbst neu erfinden

    Dieses Buch zeigt auf sehr einfühlsame Art, wie man mit ein bisschen Hilfe aus bestehenden Lebensmustern ausbrechen kann. Der Protagonist ist stumm, durch seine Mutter beeinflusst, welche es seit dem frühen Tod dreier Kinder ablehnt zu sprechen. Als in der Schule Spott und Hohn warten, helfen ihm sein Vater und das Klavierspielen, die Welt der Sprache, Schrift und Musik zu entdecken und somit seine Umgebung erst richtig zu begreifen. 
    Da ich mich schnell in Charaktere hineinfühle, kam mir einiges zu repetitiv vor, aber insgesamt ist das Buch beeindruckend.

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    Gruenentes avatar
    Gruenentevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Bedächtige Erzählung, wie sich ein junger Mensch immer wieder neu erfindet.
    mehrfache Erfindung des eigenen Lebens

    Wenn dieser Roman wirklich die Eckpunkte des Lebens (erst 20 Jahre) des Autors trifft, dann ziehe ich meinen Hut vor diesem menschen.
    Als stummes Kind von traumatisierten Eltern in der Nachkriegszeit großgezogen, wächst Johannes mitten in einer Großstadt isoliert auf.
    Später wird erklärt, wie es dazu kam.
    Als er eingeschult wird, bricht der Junge unter den Hänseleien der Mitschüler und dem Fehlverhalten des Lehres fast zusammen.
    Endlich nimmt sich der Vater ein Herz, verändert das Lebn des Jungen und bringt ihn in die "Schule der Natur" das verändert Johannes Leben total. und das der Eltern auch.
    Musik ist ein sehr wichtiges Thema. Johannes beginnt früh Klavier u spielen, erhält später wichtige Lehrer, geht in ein Musikinternat, dann in ein Gymnasium mit Musikschwerpunkt und krönt seine Ausbildung mit einem Studium in Rom.
    Dort beginnt er ohne seine Eltern wieder ein ganz neues Leben. Freiheit, Unabhängigkeit, Liebe, Arbeit am klavier, Anerkennung, Freunde.
    Doch auch dieser Traum zerplatzt eines Tages.
    Eine weitere Erzählebene spielt wiederum in Rom, aber viel später. Johannes ist in seine Lieblingsstadt gekommen um die Geschichte seiner ersten 20 Lebensjahre niederzuschreiben. Die Menschen und Ereignisse dieser Zeit versöhnen ihn letzendlich mit seiner Vergangenheit.

    Ich habe das Buch gerne gelesen, vor allem die Beschreibung des Klavierspiels, der Empfindungen rund um die Musik haben mich sehr beeindruckt. 200 Seiten weniger wären aber besser gewesen...

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    Lesefrosch90s avatar
    Lesefrosch90vor 6 Jahren
    Kurzmeinung: Beeindruckend!!!
    Atemberaubend

    Dieses Buch finde ich wirklich beeindruckend. 
    Toll geschrieben mit vielen Emotionen.  Es erzählt die Geschichte eines stummen Jungen, der das Leben für sich entdeckt und erwachsen wird. 
    Schön ihn auf diesem Weg begleiten zu können. 

    Kommentare: 1
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    Ruth_liests avatar
    Ruth_liestvor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    Die Hauptfigur in Ortheils "Erfindung des Lebens" ist ein Junge, der allein mit seinen Eltern im Nachkriegs-Deutschland aufwächst. Seine drei älteren Brüder sind vor seiner Geburt gestorben. Die Mutter beschließt in ihrer Verzweiflung, nicht mehr zu sprechen. Da Mutter und Sohn eine schwierige Symbiose entwickeln, verfällt auch der Junge in eine selbst gewählte Stummheit. Erst der missglückte Schulstart macht den Eltern die Isolation ihres Sohnes bewusst.

    Stück für Stück gelingt es dem Vater, seinen Sohn aus dieser Isolation in ein lebensfrohes Leben zu führen. Auf diesem Weg zeigt der Junge zwei herausragende Talente. Er hat ein außergewöhnliches Gespür für Wörter und für das Klavierspiel. Nur das zweite Talent nehmen alle wahr und so verfolgt er das Karriereziel Konzertpianist. Während des Studiums zwingt ihn eine Sehnenscheidenentzündung zur Aufgabe dieses Ziels. Das stürzt ihn in eine tiefe Krise, aus der er erst heraus kommt, als er sein zweites Talent, das Schreiben, erkennt. So wird er ein erfolgreicher Schriftsteller. Doch fehlt ihm das Liebesglück. Dieses erfährt er als Mann im besten Alter, als er ein Buch über seine Kindheit schreibt.

    Ortheil zeigt die tiefen Wunden der Nachkriegsgeneration und ihren manchmal schon verzweifelten Versuch, diese zu verschließen. Wenigstens im Roman gibt es Heilung. Für mich ist das Buch ein starkes Stück deutscher Gegenwartsliteratur.

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    Gospelsingervor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    Musik hat etwas Heilsames, besonders, wenn man sie selbst macht. Das ist inzwischen wissenschaftlich erwiesen. Und die Musik hat eine enge Verbindung zur Sprache.
    Johannes, das Alter Ego des Autors in diesem Buch, erlebt das am eigenen Leib. Die Musik holt ihn aus seiner Stummheit, aus seiner Außenseiterposition, aus seiner Isolation.
    Johannes wächst in einer engen Symbiose mit der Mutter auf, die sich nach dem Verlust ihrer anderen vier (!) Söhne wie eine Ertrinkende an ihn klammert. Keinen Schritt kann er allein machen, keine Freundschaften zu Gleichaltrigen aufbauen, nicht selbständig werden. Die Mutter ist nach dem letzten Todesfall verstummt, und Johannes wird aufgrund der engen Bindung ebenfalls stumm. Mutter und Sohn brauchen die Sprache auch gar nicht, sie verstehen sich aufgrund der Nähe zwischen ihnen ohne Worte.
    Johannes verbringt die Tage überwiegend mit seiner Mutter in der elterlichen Wohnung. Beide lesen viel, so dass er sich die Sprache durchaus aneignet, er spricht sie nur nicht. Seine Art, sich auszudrücken, ist die Klaviermusik.
    Schließlich gelingt es dem Vater, die ungesunde Symbiose zu beenden und es seinem Sohn zu ermöglichen, seine musikalische Begabung ausbilden zu lassen. Johannes ist ein großes Talent und wird an einem angesehenen Internat angenommen. Aber da kommt es erneut zu Problemen.
    Schließlich scheitert die Pianistenkarriere an einer Sehnenscheidentzündung und Johannes wird zum Schriftsteller.
    Er hat seine Sprache gefunden, und es ist eine sehr reiche Sprache. Gefühlvoll und sensibel schildert Ortheil diese ungewöhnliche Kindheit.
    Besonders die Verzweiflung der Mutter und das Einfühlungsvermögen des Vaters werden plastisch. Und auch die Hochs und Tiefs von Johannes sind nachvollziehbar.
    Ich fand dieses Buch überwältigend und einfach großartig.

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    UteSeiberthvor 7 Jahren
    Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    Schon lange hat mich kein Buch mehr so beeindruckt wie die "Erfindung des Lebens",
    ich bin förmlich darin abgetaucht! Die einfühlsame Beschreibung einer schwierigen Kindheit im Nachkriegsdeutschland und die Befreiung von diesen Schwierigkeiten finde ich ganz großartig! Ich könnte mir denken, dass dieser Roman einen biographischen Hindergrund hat und der hat mich auch erschüttert.Schade, dass der Roman jetzt zu Ende ist, ich kann ihn nur empfehlen!

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    SarahCatherines avatar
    SarahCatherinevor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Erfindung des Lebens" von Hanns-Josef Ortheil

    In „Die Erfindung des Lebens“ erzählt Johannes die Geschichte seines Lebens.
    Es beginnt mit Szenen aus seiner Kindheit, in der er stumm an der Seite seiner Mutter verweilt ist. Mit ihr lebt er fast in einer Symbiose, bis es zur Zeit seiner Einschulung so schwierig wird, dass der Vater mit ihm zu seiner Familie aufs Land reist. Auf Entdeckertouren durch die Natur mit dem Vater formen sich nach und nach erste Worte in Johannes Kopf und schließlich beginnt er, zu sprechen. Der Mutter gegenüber fühlt er sich dadurch schuldig, doch ihr hilft es und so gelingt es ihr schließlich auch, wieder zu sprechen und sich „normal“ in das Leben und die Gesellschaft einzugliedern. Den Grund für ihr Schweigen und die dadurch entstandenen Familienbande erfährt Johannes erst später: Er ist das einzige überlebende Kind der Eltern, die vorher vier Söhne verloren haben.
    In der Zeit bei seinen Eltern flüchtet Johannes sich in das Klavierspielen, das ihm zunächst die Mutter beibringt, später dann ein toller Lehrer, der ihn auch auf seinem weiteren Lebensweg mal nah, mal fern begleitet.
    Einen richtigen Ausbruch aus der Familie wagt Johannes nach seinem Schulabschluss. Er plant eine dreiwöchige Reise nach Rom, doch gleich in der ersten Nacht seiner Ankunft dort fühlt er sich der Stadt merkwürdig verbunden und weiß, er wird bleiben. Seine Klavierkünste verschaffen ihm einen Studienplatz am Conservatorio, er ist auf dem besten Wege, ein erfolgreicher Pianist zu werden.
    Plötzlich erkrankt er an einer Sehnenscheidenentzündung, die nicht nur seine kaum begonnene Karriere, sondern auch seine Beziehung zu Clara zunichte macht. Verloren und gekränkt kehrt Johannes zu seinen Eltern zurück, ohne jedoch zu wissen, was er nun mit seinem Leben anfangen soll. Wieder bei den Eltern leben, studieren, kellnern? Zunächst vertieft er sich in schriftliche Aufzeichnungen aus seiner Kindheit.
    Ausgerechnet sein alter Klavierlehrer ist es dann, der in diesen Aufzeichnungen eine Chance für Johannes sieht und ihm einen Schubs in die richtige Richtung gibt. Er bietet sich als erster Lektor an und hat ein paar Kontakte, die Johannes nützen können.
    Als Johannes nun diese Aufzeichnungen von damals in einem Roman über sein Leben, seine Musik, seine Familie und sein Rom zusammenfasst, lebt er wieder in einer Wohnung in Rom. Langsam bekommt er Kontakt zu einer Nachbarin, deren Tochter er Klavierunterricht gibt. Er öffnet sich selbst wieder für die Musik und seine Umwelt. Früher war das Stummsein sein Gehäuse, in dem er sich verkriechen konnte, später ist es sein Schreiben, doch er bekommt nun in Rom zögerlich wieder einen Blick für das, was das Leben außerhalb dieses Gehäuses alles zu bieten hat.

    Hanns-Josef Ortheil erzählt in diesem Buch sehr liebevoll von der Geborgenheit in der Familie und wie diese doch gleichzeitig mit einer gewissen Gefangenheit einhergehen kann. Kleine Fluchten in die Natur und vor allem die Musik, schließlich auch nach Rom, machen all das erträglich, lassen Johannes gleichzeitig immer wieder zurückkehren in den sicheren Cocon des Zuhauses. Als er nach der Schule zum ersten Mal nach Rom aufbricht, beschreibt er die Stadt so detailliert und schön, dass man das Gefühl bekommt, an seiner Seite durch die Gassen zu gehen und in Restaurants zu sitzen. Nicht der Aufbruch steht im Vordergrund, sondern das Ankommen, im Hintergrund immer begleitet durch Klaviermusik.
    Ein wunderbares Buch. Der angenehme Schreibstil wirkt niemals hektisch, selbst in kritischen Momenten. Die vielen Beschreibungen sind an keiner Stelle zu viel oder zu ausufernd, nicht hochtrabend, sondern eher banal, aber doch nie langweilig. Ich bin beim Lesen dieses Buches ganz ruhig geworden. Ich wollte es gleichzeitig am liebsten auf einmal lesen und es sollte nie enden. Dieses ist eins von bisher drei Büchern, bei denen ich es wirklich schade finde, dass sie enden. Ich hätte Johannes und seine Musik gern weiter bei mir.

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