Hanns-Josef Ortheil Die Insel der Dolci

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Inhaltsangabe zu „Die Insel der Dolci“ von Hanns-Josef Ortheil

Es war, als wäre ich im Himmel der Süßigkeiten gewesen!
Wunderwerke aus Früchten, Zucker, Nüssen, gespeist von Aromen, die nur die Sonne des Südens hervorbringt – für dieses Buch hat Hanns-Josef Ortheil sich ihnen hemmungslos neugierig hingegeben. Von Catania über Palermo bis in die Schokoladen-Metropole Modica führt die Reise des bekennenden Sizilianisten, immer auf den Spuren der geheimnisvollen Köstlichkeiten. Deren Aura hat Lotta Ortheil, die Tochter des Schriftstellers, mit ihrer Kamera festgehalten. Wer den beiden in die Pasticcerien und Trattorien, über Märkte und ans Meer folgt, erlebt den Zauber der »Duft- und Dolci-Insel« mit allen Sinnen.

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  • Das dauernde Blüten- und Duftuniversum der Dolci-Insel,

    Die Insel der Dolci

    HeikeG

    06. April 2013 um 11:17

    "Daß ich Sizilien gesehen habe, ist mir ein unzerstörlicher Schatz auf mein ganzes Leben." So fasst Johann Wolfgang von Goethe den Sizilienaufenthalt während seiner großen Italienreise zusammen. Der große Dichter ging im Frühjahr 1787 in Palermo an Land. Rom stillte seinen ersten, großen Kunsthunger, Neapel weckte seine Lebensgeister, Sizilien aber eroberte seine Seele: "Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele; hier ist erst der Schlüssel zu allem." Man mag dem antikentrunkenen Herrn Geheimrat nicht in all seinen Urteilen folgen, im Falle Sizilien hatte Goethe allerdings recht. Aber nicht nur mit der Seele, auch mit den Augen und dem Gaumen lassen sich wunderschöne Erlebnisse einfangen - Sizilien macht süchtig. Und während in heimischen Gefilden der Winter so gar nicht weichen will und "ohnmächtige Schauer körnigen Eises in Streifen über die grünende Flur" sendet, kommt zur Befriedigung dieses "Lasters", gerade zur rechten Zeit ein Buch auf den Markt. Hanns-Josef Ortheil, der große Genießer unter den Autoren, bekannte sich erst jüngst in seinem Roman "Das Kind, das nicht fragte" als jahrzehntelanger Sizilien-Liebhaber. Seiner "sizilianischen Genusssucht" setzt er mit "Die Insel der Dolci" ein literarisch-visuellen Sahnehäubchen auf. Gemeinsam mit seiner Tochter Lotta Ortheil durchstreift er die Insel, auf der Europas größter und aktivster Vulkan zu finden ist. Doch nicht die fruchtbaren Hänge des Ätna interessieren die Beiden, sondern die weit über die Landesgrenzen hinaus berühmten ureigensten Dolci: diese süßen, gehaltvollen und sättigenden Nachspeisen, die "zweite sizilianische Mahlzeit". Basierend auf den Früchten und Aromen der Insel, auf Orangen, Zitronen, Mandeln und schwerem, süßen Wein, stellen sie DIE Produkte eines Sonnenlandes dar, das mit Hilfe der Dolci den hohen Temperaturen trotzt. Beinhalten sie doch alles, was der Körper zum Leben braucht, das Süße wie das Bittere. Start- und Ausgangspunkt der lukullischen Reise ist Catania. Über den "Nabel Siziliens" - das kleine Städtchen Enna im Landesinneren - und Monreale im Nordwesten, hinunter nach Palermo genussreist Ortheil bis ganz an den Westzipfel nach Marsala. Von dort kehrt mit einem Abstecher in den Süden, nach Modica, wieder zurück über die größte griechische Stadt des antiken Siziliens, Syrakus. Dabei zieren seinen Weg solch delikate Gaumenfreuden wie die erfrischenden Sciroppi und Granite (Getränke), Sorbets, die safrangelb schimmernden Arancini, die von Weitem wie Orangen aussehenden überaus köstlichen Reisbällchen, die mit Fleisch, Fisch oder Gemüse gefüllt sind, Cassatedi, Torrone, Paste di mandorla (Mandelgebäck), die außen stark knusprigen und innen überaus sanften und weichen Cannoli oder die exotisch anmutenden, süßen Ossa di Morto (Totenknochen). Wie der Autor diese Genussreise zelebriert, lässt den Leser sofort erahnen, dass er im Land der Dolci längst zu Zentren seiner Geheimnisse gefunden hat. Denn harmonisch flicht er neben den zelebrierten Gaumenfreuden immer wieder Naturbilder der vielfältigsten Atmosphären ein. Dadurch erzeugt Ortheil ein überaus stimmiges Zusammenspiel. Ein Zusammenspiel, das in etwa auch die Grundlage der gesamten "Dolci-Kultur" Siziliens darstellt. Gewürzt hat Hanns-Josef Ortheil seinen süßen Cocktail mit allerfeinsten literarischen Zutaten. Seine vorgestellten "Pfade des Genusses" lassen immer wieder Auszüge bekannter Sizilienreisender einfließen. So zum Beispiel neben dem eingangs erwähnten Dichterfürsten, die Schriftsteller Johann Gottfried Seume, Joachim Kalka, Ernst Jünger, Gerold Späth, den wunderbaren Dichter Wilhelm Waiblinger mit seiner "Feuer- und Dauerdampfprosa" oder aber den Architekten Karl Friedrich Schinkel und Cosima und Richard Wagner. Als Herzstück dieses wunderbaren Buches könnte man die farbenfrohen Aufnahmen Lotta Ortheils bezeichnen. Sie macht den visuellen Genuss erst so richtig "schmeckbar". Ihre Fotos von diversen sizilianischen Köstlichkeiten, von Dolci-Zelebrierern, Cafés und allerlei süßem Stillleben treten in all ihrem Purismus dezent in den Vordergrund und verstärken die Texte ihres Vaters. Fazit: "Und so riechen und schmecken wir beinahe schon direkt auf der Zunge beim Rundgang durch dieses Gelände die warmen, süßen und konzentrierten Aromen". Hanns-Josef Ortheil ist gemeinsam mit den wunderbaren Fotos seiner Tochter Lotta ein fantastisches Buch gelungen, das die Kälte vor dem Fenster vertreibt und süße Wärme im Inneren ausbreitet. Sein Buch kommt einem blühenden, duftenden Garten gleich, der geradewegs auf der Zunge serviert wird: Ein literarisches Menü von Vorspeisen, über den ersten und zweiten Gang bis hin zur "Nachspeise mit lauter herb-süßen Aromen, die sich schließlich zur kompletten, reine Süße einer Creme steigern." Eine Entdeckung der Gastrosophie auf dieser ehemaligen Landbrücke zwischen Europa und Afrika. Zur Komplettierung und für einen runden "Abgang" empfiehlt sich am besten wohl das berühmte Orchester-Intermezzo aus Pietro Mascagnis Oper "Cavalleria rusticana". Wohl bekomm's!

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