Hanns-Josef Ortheil Liebesnähe

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Inhaltsangabe zu „Liebesnähe“ von Hanns-Josef Ortheil

An einem Vormittag trifft ein Mann mittleren Alters in einer abgeschiedenen Hotelanlage im Alpenvorland ein. Schon bald entsteht zwischen ihm und einer jungen Frau eine überraschende Spannung. Sie tauschen geheime Zeichen aus, versteckte Botschaften, Hinweise auf Lektüren und Musikstücke - und ohne, dass sie auch nur ein einziges Wort miteinander wechseln, verwickeln sie sich in das Mysterium der Annäherung und einer ungewöhnlichen Liebe, für die nur die Liebe selber zählt. (6 CDs, Laufzeit: 7h 41)

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  • Rezension zu "Liebesnähe" von Hanns-Josef Ortheil

    Liebesnähe
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    24. September 2011 um 15:53

    Nach seinen wunderbaren Romanen „Die große Liebe“ (2003) und „Das Verlangen nach Liebe“(2007) legt der Schriftsteller und Pianist Hanns-Josef Ortheil mit diesem Buch den dritten Teil einer Trilogie vor von Romanen zum Thema Liebe zwischen Mann und Frau, die jeweils in sich abgeschlossen sind, sich allerdings lesen wie drei Strophen ein und desselben Liedes. Als letzte Strophe muss man sich noch dazu denken seinen biographischen Roman „Die Erfindung des Lebens“, denn auch in dem hier vorliegenden, seinen Leser durch die Kraft seiner Poesie bezaubernden und fesselnden Roman geht es um die Themen von stummer und sprachlicher Kommunikation. Erzählt wird die Geschichte eines Mannes und einer Frau, beide wohl schon weit über die fünfzig, die sich zufällig in einem abgelegenen und einsamen Hotel im Voralpenland treffen. Ein Haus, in dem es an nichts fehlt, und in dem man sogar in einer eigenen Buchhandlung stöbern und schmökern kann. Der Mann, Johannes Kirchner, ist ein relativ bekannter Schriftsteller, der aber seit dem Tod seiner Mutter, die er sehr liebte und mit der ihn bis zuletzt ein inniges Verhältnis verband, unter einer Schreibhemmung leidet. Er hofft in den Tagen seines Aufenthaltes in dem Hotel zu einem neuen Projekt zu finden. Von einem neuen Projekt träumt auch die Frau, Jule Danner. Auch sie lebt normalerweise in München und entwirft künstlerische Installationen, die sie überall auf der Welt zeigt. Als Johannes die Frau zum ersten Mal sieht, wie sie im hoteleigenen Pool ihre Bahnen zieht, notiert er sich auf einem Blatt: „Wer ist diese Schwimmerin? Ich habe ihr beim Schwimmen zugeschaut, und ich habe noch nie jemanden so gelöst und entspannt schwimmen sehen.“ Johannes faltet das Blatt zusammen und steckt es in die Spalte einer Holzbank, von der aus er die Schwimmerin beobachtet hat. Natürlich soll sie den Zettel finden, was sie auch tut. Denn ähnlich wie Jule, die den Beobachter natürlich gesehen hat, träumt er seit langem von d e r Geliebten: „Seltsam, aber man konnte ihm diesen Gedanken einfach nicht austreiben: dass es auf dieser Welt einen Menschen geben musste, der ganz und gar zu ihm gehörte. Im Grunde steckte hinter diesem Gedanken ein naiver Glaube, der zu den starken Hoffnungen gehörte, die ihn am Leben erhielten. Es gab mehrere solcher Glaubensinhalte, an denen sein Leben hing, sie bildeten den festen Untergrund seiner Existenz, ohne sie hätte sich sein Leben bis in die kleinsten Momente anders gestaltet. Dann und wann gerieten diese Glaubensinhalte in Vergessenheit, und er dachte nicht mehr an sie, sie lebten aber ununterbrochen in ihm weiter, das wusste er genau.“ Und nun bricht diese Sehnsucht wieder auf. Auch bei Jule Danner, mit der Johannes bis kurz vor dem Ende des Buches kein einziges Wort redet. Ihre Botschaft schickt sie ihm auf sein Handy: „the artist is present“. Sie spielt damit an auf eine performance der Künstlerin Marina Abramovic, die sich vor Publikum in einem großen Saal verschiedenen Menschen gegenübersetzte und diese nur durch stummes und konzentriertes Anschauen so mit sich selbst konfrontierte, dass diese nicht selten in heftiges Weinen ausbrachen. (vgl. www.youtube.com/watch?v=BYSE5ZUsrRg) Johannes hat dies auch vor einiger Zeit gesehen und versteht die Botschaft sofort. Ihre Begegnungen nehmen an Intensität zu, doch beide folgen einem Plan, der sagt, dass alles ohne Worte zu geschehen habe, bis am Ende die Erfüllung kommt. Sowohl Johannes als auch Jule treffen sich aber immer wieder mit Katharina, der Buchhändlerin des Hotels, die lange Zeit in München eine Buchhandlung hatte, in der sowohl Johannes als auch Jule oft Gast waren. Nach dem Tod ihres geliebten Mannes Georg hat sie sich in das Hotel zurückgezogen. Sie stellt zwischen ihnen Zusammenhänge her, und gibt Johannes auch eine Ausgabe des japanischen Kopfkissenbuches, dessen Szenen Jule in einem Projekt umsetzen will. Doch nun ist der fantasierte „Geliebte“ des Kopfkissenbuches“ plötzlich Realität geworden. In einer stillen, und gerade deswegen sehr prickelnden, überaus poetischen und zärtlichen Weise nähern sich die beiden Geliebten einander an. Sehr viel Persönliches wird deutlich, und mit jedem Kapitel mehr wird dem Leser klar, in welchem Zusammenhang Katharina, Johannes und Jule stehen. „Liebesnähe“ ist der absolute Höhepunkt einer wunderbaren Trilogie, die ich nur empfehlen kann und erzählt von der Liebe als das, was sie ist: ein stilles Wunder, dessen Sprache die sofort verstehen, die sie trifft, unvorbereitet und das ganze Leben umkrempelnd. Wie ein Gast kommt die Liebe, auf den man ein Leben lang gewartet hat. Wenn man dann nur auch bereit ist, ihn zu erkennen und zu empfangen … Diese hier im Hörverlag vom Autor selbst in seinem ruhig-melodischen Erzählton gelesene gekürzte Fassung des Romans schafft es in ganz besonderer Weise den Zauber und das Geheimnis seines eigenen Buches einzufangen.

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