Hanns-Stephan Haas Handicap mit Todesfolge

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Inhaltsangabe zu „Handicap mit Todesfolge“ von Hanns-Stephan Haas

Dieser überaus brisante Krimi ist zwar fiktiv, sein Hintergrund aber – die skandalöse Geschichte der Alsterdorfer Anstalten in Hamburg während der NS- und der Nachkriegszeit – basiert auf historischen Fakten:

Ein Festakt zu seinen Ehren endet für Oberstaatsanwalt a.D. Bansierski, einst gefürchteter Nazijäger, mit einer tödlichen Herzattacke. Bei dem alten, herzkranken Mann schöpft niemand Verdacht.
Einige Jahre später publizieren drei Mitarbeiter der evangelischen Stiftung Alsterdorf eine Studie über den Umgang mit Behinderten während der NS-Zeit. Aus ihrem Bericht geht hervor, dass in Alsterdorf schwerste Verbrechen an Behinderten und psychisch Kranken begangen wurden.
Als Ulf Raith, einer der drei, im Urlaub bei einem vermeintlichen Unfall stirbt, vermutet wieder niemand einen Mord. Seine Frau „Doro“ übernimmt es, im Archiv der Stiftung die Materialien auszuwerten. Dort stößt sie auf Kartons aus dem Nachlass von Oberstaatsanwalt Bansierski und auf Briefe, die der leitende Psychiater der Anstalten, Dr. Wilhelm Kahlenbaum, von 1934-46 an den damaligen Leiter von Alsterdorf geschrieben hatte.
Noch einer der drei, Jens Nord, muss sterben. Er wird auf Korsika mit einem aggressiven HIV-Stamm infiziert.
Doro und der Autist Andreas erkennen schließlich die Zusammenhänge. Es beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn der Täter plant bereits Mord Nr. 4. So kommt es zum dramatischen Showdown in einer U-Bahn-Haltestelle …

Spannend und lehrreich ohne erhobenen Zeigefinger. Gerade da dieses Jahr den Euthanasie-Opfern gedacht wird absolut lesenswert!

— soetom

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  • Guter Thriller mit ungewöhnlichem Hintergrund

    Handicap mit Todesfolge

    soetom

    08. February 2017 um 14:26

    Wie sehen wir Menschen mit Behinderungen? Und wie war das in der Zeit des Dritten Reiches? Diese Frage wurde erst kürzlich in der Gedenkstunde des Deutschen Bundestages zur Befreiung des KZ Auschwitz öffentlich thematisiert, als den Opfern der „Euthanasie“ gedacht wurde, des Massenmords der Nationalsozialisten an körperlich oder geistig behinderten Menschen. Ein bedrückendes, erschreckendes Stück deutscher Geschichte. Kann das als Hintergrund für Unterhaltungsliteratur dienen? Es kann, wenn man nicht der Versuchung erliegt, zu sehr den Zeigefinger zu heben. „Handicap mit Todesfolge“ ist ein Thriller, geschrieben vom Leiter der Stiftung Alsterdorf, einer seit langem bestehenden Einrichtung der Hamburger Behindertenhilfe, Hans-Stephan Haas. Und in der Geschichte geht es dann auch um die Stiftung und ihre Rolle im Dritten Reich und bei eben dieser Euthanasie – bzw. es geht um die Aufarbeitung dieser Zeit. Der (fiktive) Leiter hat ein kleines Team mit einer historischen Aufarbeitung beauftragt. Nach einer ersten Veröffentlichung der Ergebnisse sterben einige Mitarbeiter dieser Gruppe kurz nacheinander. Der Leser weiß es und fiebert mit den anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit, ob sie es rechtzeitig auch verstehen: Sie werden vom Sohn eines damals an Menschenversuchen an Behinderten beteiligten Arztes ermordet. Und in dieser Konstellation gelingt es hervorragend, den Schrecken der Vergangenheit in einen spannenden Kriminalfall einzubetten. Ganz nebenbei wird ein überzeugendes Plädoyer für Inklusion – also für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen – mit eingeflochten. Das ist vor allem überzeugend, weil  die behinderten Charaktere nicht zu den „besseren“ gemacht werden, wie das ja beispielsweise in mancher Geschichte mit hochbegabten Autisten ja wirkt. So wird ein spannendes, lehrreiches, gut lesbares Buch daraus, das für aufgeschlossene Krimileser genauso empfehlenswert ist wie für Leserinnen und Leser mit Hintergrundwissen.

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