Hanns Zischler

 4,1 Sterne bei 44 Bewertungen

Lebenslauf

Hanns Zischler, Jahrgang 1947, Schriftsteller, Fotograf und Schauspieler.Seine Forschungsarbeit Kafka geht ins Kino (1996) wurde in viele Sprachen übersetzt und 2017 bei Galiani neu aufgelegt. Bei Galiani erschienen außerdem Der Schmetterlingskoffer (2010, gemeinsam mit Hanna Zeckau), Berlin ist zu groß für Berlin (2013), Die Erkundung Brasiliens (2013, gemeinsam mit Sabine Hackethal und Carsten Eckert), Das Mädchen mit den Orangenpapieren (2014) und 2020 Zischlers erster Roman Der zerrissene Brief. Seine jüngste Veröffentlichung ist Der Bleistift (Residenz, 2025).

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Yumikos Paravent (ISBN: 9783869712765)

Yumikos Paravent

(1)
Neu erschienen am 01.10.2026 als Gebundenes Buch bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch.

Alle Bücher von Hanns Zischler

Cover des Buches Das Mädchen mit den Orangenpapieren (ISBN: 9783869710969)

Das Mädchen mit den Orangenpapieren

(9)
Erschienen am 10.09.2014
Cover des Buches Der zerrissene Brief (ISBN: 9783869712079)

Der zerrissene Brief

(8)
Erschienen am 13.02.2020
Cover des Buches Der Schmetterlingskoffer (ISBN: 9783869710242)

Der Schmetterlingskoffer

(5)
Erschienen am 23.09.2010
Cover des Buches Kafka geht ins Kino (ISBN: 9783869711058)

Kafka geht ins Kino

(4)
Erschienen am 09.03.2017
Cover des Buches Berlin ist zu groß für Berlin (ISBN: 9783869712444)

Berlin ist zu groß für Berlin

(1)
Erschienen am 29.01.2021
Cover des Buches Yumikos Paravent (ISBN: 9783869712765)

Yumikos Paravent

(1)
Erschienen am 01.10.2026

Neue Rezensionen zu Hanns Zischler

Cover des Buches Yumikos Paravent (ISBN: 9783869712765)
Alriks avatar

Rezension zu "Yumikos Paravent" von Hanns Zischler

Alrik
Wenn alte Briefe ein ganzes Leben verändern

Manchmal denkt man, man kennt seine Eltern in und auswendig, und dann gibt es plötzlich eine Seite, von der man überhaupt nichts geahnt hat. Genau dieser Gedanke hat für mich bei Yumikos Paravent seinen besonderen Reiz. Hanaka entdeckt nach dem Tod ihrer Mutter alte Briefe und damit eine Liebesgeschichte, die über zwanzig Jahre hinweg im Verborgenen geblieben ist. Da fragt man sich unweigerlich, wie viel von einem Menschen selbst den engsten Angehörigen verborgen bleibt.


Besonders die Verbindung zwischen Berlin und Japan finde ich spannend. Zwei Leben, große Entfernung und eine Beziehung, die durch Briefe weiterlebt. Das hat etwas wunderbar Melancholisches, ohne dass es dafür großes Drama braucht. Ich mag Geschichten, die zeigen, dass Liebe nicht immer laut sein muss und dass zwischen geschriebenen Zeilen manchmal mehr steckt als in hundert ausgesprochenen Worten.


Auch die Spurensuche nach dem Tod der Mutter gibt der Geschichte eine zusätzliche Ebene. Hanaka entdeckt nicht einfach nur ein Geheimnis, sondern muss sich mit einem neuen Bild ihrer eigenen Mutter auseinandersetzen. Für mich steckt darin eine Frage, die noch lange über die eigentliche Geschichte hinausreicht: Kennen wir die Menschen, die wir lieben, wirklich so gut, wie wir glauben? Genau solche Gedanken machen diesen Roman für mich interessant.

Cover des Buches Der zerrissene Brief (ISBN: 9783869712079)
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Rezension zu "Der zerrissene Brief" von Hanns Zischler

luisa_loves_literature
Max und Pauline

Der zerrissene Brief von Hanns Zischler wandelt auf den Spuren eines außergewöhnlichen Frauenlebens im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, das von Reisen, Abenteuer und vor allem von einem Mann geprägt war.

 Wer sich auf diesen Roman einlässt, sollte Zeit mitbringen – damit meine ich „Zeit am Stück“, denn der Text verträgt größere Lesepausen nicht gut. Dies liegt daran, dass Der zerrissene Brief Gespräche zwischen Pauline, um deren Leben es in dem Roman geht, und der jungen Elsa, die die ältere Dame schon lange kennt und bei dieser zu Besuch ist, nachzeichnet. Diese Unterhaltungen sind meisterhaft authentisch umgesetzt, inklusive aller Gedankensprünge, Themenwechsel, Ablenkungsmanöver, Digressionen und Fadenverluste. Allerdings führt die Erzähltechnik unweigerlich zu einem fragmentarischen Leseerlebnis, welches beherrschbarer wird, wenn man sich dem Text uneingeschränkt widmet. Der Roman fordert den Leser und verlangt ihm aufgrund der nicht chronologischen Darstellung von Erinnerung einiges ab, da man (auch bewusste) Lücken füllen und die Reihenfolge der Geschehnisse für sich selbst ausloten muss. Dies ist anstrengend, aber auch bereichernd, da man so die Gelegenheit bekommt, sich allmählich immer mehr an Pauline und ihren Lebensweg heranzuarbeiten. Was die Handlung anbelangt, hatte ich mir aufgrund des Klappentexts eigentlich erhofft, dass den Expeditionen oder der Zeit allein in New York mehr Aufmerksamkeit gewidmet würde.  Diese doch ungewöhnlichen Erlebnisse für eine Frau der damaligen Zeit sind aber eher Nebenereignisse in den Erinnerungen, was jedoch im Kontext des Romans schlussendlich Sinn macht. Sprachlich ist der Roman ein Genuss, abseits von allem Gewöhnlichen und dazu mit einigen Sätzen, die für mich eine tiefe Wahrhaftigkeit ausstrahlen.

Der Titel deutet es schon an: Der zerrissene Brief ist ein auf beste Weise in seiner Erzählstruktur zerrissener Roman. Er ist gelungene Literatur für anspruchsvollere Leser, die sich auf den Pfad von Erinnerungen begeben möchten. Auch wenn der Roman inhaltlich nicht dem entsprach, was ich erwartet hatte, habe ich gerne in Paulines Gedächtnis ge“graben“.

Cover des Buches Der zerrissene Brief (ISBN: 9783869712079)
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Rezension zu "Der zerrissene Brief" von Hanns Zischler

twentytwo
Der zerrissene Brief

Pauline und Elsa, zwei Frauen die mehr als eine ganze Generation trennt, haben mit ihrem jahrelang gepflegten Briefkontakt eine außergewöhnliche Beziehung aufgebaut. Als Elsa Pauline wenige Wochen vor deren Tod besucht, reflektieren sie in langen Gesprächen das Leben Paulines. Dominiert von ihrem wesentlich älteren Ehemann Max, ist es Pauline nie wirklich vergönnt gewesen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Trotzdem trauert sie auch heute noch, Jahre nach seinem Tod, um den großen Verlust, den sie nie wirklich verwunden hat. Erst als Elsa sich ebenfalls öffnet und Pauline von einer glücklosen Affäre, die gerade ihr Ende gefunden hat berichtet, beginnt sich der Kreis zu schließen. Nach und nach erwächst aus den bruchstückhaften Erinnerungen beider Frauen ein Gesamtbild, das für Elsa vollkommen neue Perspektiven eröffnet.

Fazit
Eine kulturhistorisch interessante Zeitreise, in der Vergangenheit und Gegenwart zu einem generationsübergreifenden Gesamtbild verschmelzen.

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