Manchmal denkt man, man kennt seine Eltern in und auswendig, und dann gibt es plötzlich eine Seite, von der man überhaupt nichts geahnt hat. Genau dieser Gedanke hat für mich bei Yumikos Paravent seinen besonderen Reiz. Hanaka entdeckt nach dem Tod ihrer Mutter alte Briefe und damit eine Liebesgeschichte, die über zwanzig Jahre hinweg im Verborgenen geblieben ist. Da fragt man sich unweigerlich, wie viel von einem Menschen selbst den engsten Angehörigen verborgen bleibt.
Besonders die Verbindung zwischen Berlin und Japan finde ich spannend. Zwei Leben, große Entfernung und eine Beziehung, die durch Briefe weiterlebt. Das hat etwas wunderbar Melancholisches, ohne dass es dafür großes Drama braucht. Ich mag Geschichten, die zeigen, dass Liebe nicht immer laut sein muss und dass zwischen geschriebenen Zeilen manchmal mehr steckt als in hundert ausgesprochenen Worten.
Auch die Spurensuche nach dem Tod der Mutter gibt der Geschichte eine zusätzliche Ebene. Hanaka entdeckt nicht einfach nur ein Geheimnis, sondern muss sich mit einem neuen Bild ihrer eigenen Mutter auseinandersetzen. Für mich steckt darin eine Frage, die noch lange über die eigentliche Geschichte hinausreicht: Kennen wir die Menschen, die wir lieben, wirklich so gut, wie wir glauben? Genau solche Gedanken machen diesen Roman für mich interessant.












