Hanns Zischler

 4.1 Sterne bei 36 Bewertungen

Lebenslauf von Hanns Zischler

Hanns Zischler, Jahrgang 1947, Schriftsteller, Fotograf und Schauspieler.Seine Forschungsarbeit Kafka geht ins Kino (1996) wurde in viele Sprachen übersetzt und 2017 bei Galiani neu aufgelegt. Bei Galiani erschienen außerdem Der Schmetterlingskoffer (2010, gemeinsam mit Hanna Zeckau), Berlin ist zu groß für Berlin (2013), Die Erkundung Brasiliens (2013, gemeinsam mit Sabine Hackethal und Carsten Eckert), Das Mädchen mit den Orangenpapieren (2014) und 2020 Zischlers erster Roman Der zerrissene Brief.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Berlin ist zu groß für Berlin

 (1)
Erscheint am 29.01.2021 als Taschenbuch bei Galiani Berlin ein Imprint von Kiepenheuer & Witsch.

Alle Bücher von Hanns Zischler

Sortieren:
Buchformat:
Cover des Buches Das Mädchen mit den Orangenpapieren (ISBN: 9783869710969)

Das Mädchen mit den Orangenpapieren

 (9)
Erschienen am 10.09.2014
Cover des Buches F. Scott und Zelda Fitzgerald Lover! Briefe (ISBN: 9783442733170)

F. Scott und Zelda Fitzgerald Lover! Briefe

 (9)
Erschienen am 07.11.2005
Cover des Buches Der zerrissene Brief (ISBN: 9783869712079)

Der zerrissene Brief

 (7)
Erschienen am 13.02.2020
Cover des Buches Kafka geht ins Kino (ISBN: 9783869711058)

Kafka geht ins Kino

 (4)
Erschienen am 09.03.2017
Cover des Buches Berlin ist zu groß für Berlin (ISBN: 9783869712444)

Berlin ist zu groß für Berlin

 (1)
Erscheint am 29.01.2021
Cover des Buches Aus der Nachwelt (ISBN: 9783981121445)

Aus der Nachwelt

 (0)
Erschienen am 10.08.2010
Cover des Buches Goethe und das Geld (ISBN: 9783940737908)

Goethe und das Geld

 (0)
Erschienen am 03.06.2010

Neue Rezensionen zu Hanns Zischler

Neu

Rezension zu "Der zerrissene Brief" von Hanns Zischler

Max und Pauline
luisa_loves_literaturevor 8 Monaten

Der zerrissene Brief von Hanns Zischler wandelt auf den Spuren eines außergewöhnlichen Frauenlebens im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, das von Reisen, Abenteuer und vor allem von einem Mann geprägt war.

 Wer sich auf diesen Roman einlässt, sollte Zeit mitbringen – damit meine ich „Zeit am Stück“, denn der Text verträgt größere Lesepausen nicht gut. Dies liegt daran, dass Der zerrissene Brief Gespräche zwischen Pauline, um deren Leben es in dem Roman geht, und der jungen Elsa, die die ältere Dame schon lange kennt und bei dieser zu Besuch ist, nachzeichnet. Diese Unterhaltungen sind meisterhaft authentisch umgesetzt, inklusive aller Gedankensprünge, Themenwechsel, Ablenkungsmanöver, Digressionen und Fadenverluste. Allerdings führt die Erzähltechnik unweigerlich zu einem fragmentarischen Leseerlebnis, welches beherrschbarer wird, wenn man sich dem Text uneingeschränkt widmet. Der Roman fordert den Leser und verlangt ihm aufgrund der nicht chronologischen Darstellung von Erinnerung einiges ab, da man (auch bewusste) Lücken füllen und die Reihenfolge der Geschehnisse für sich selbst ausloten muss. Dies ist anstrengend, aber auch bereichernd, da man so die Gelegenheit bekommt, sich allmählich immer mehr an Pauline und ihren Lebensweg heranzuarbeiten. Was die Handlung anbelangt, hatte ich mir aufgrund des Klappentexts eigentlich erhofft, dass den Expeditionen oder der Zeit allein in New York mehr Aufmerksamkeit gewidmet würde.  Diese doch ungewöhnlichen Erlebnisse für eine Frau der damaligen Zeit sind aber eher Nebenereignisse in den Erinnerungen, was jedoch im Kontext des Romans schlussendlich Sinn macht. Sprachlich ist der Roman ein Genuss, abseits von allem Gewöhnlichen und dazu mit einigen Sätzen, die für mich eine tiefe Wahrhaftigkeit ausstrahlen.

Der Titel deutet es schon an: Der zerrissene Brief ist ein auf beste Weise in seiner Erzählstruktur zerrissener Roman. Er ist gelungene Literatur für anspruchsvollere Leser, die sich auf den Pfad von Erinnerungen begeben möchten. Auch wenn der Roman inhaltlich nicht dem entsprach, was ich erwartet hatte, habe ich gerne in Paulines Gedächtnis ge“graben“.

Kommentieren0
2
Teilen

Rezension zu "Der zerrissene Brief" von Hanns Zischler

Der zerrissene Brief
twentytwovor 9 Monaten

Pauline und Elsa, zwei Frauen die mehr als eine ganze Generation trennt, haben mit ihrem jahrelang gepflegten Briefkontakt eine außergewöhnliche Beziehung aufgebaut. Als Elsa Pauline wenige Wochen vor deren Tod besucht, reflektieren sie in langen Gesprächen das Leben Paulines. Dominiert von ihrem wesentlich älteren Ehemann Max, ist es Pauline nie wirklich vergönnt gewesen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen. Trotzdem trauert sie auch heute noch, Jahre nach seinem Tod, um den großen Verlust, den sie nie wirklich verwunden hat. Erst als Elsa sich ebenfalls öffnet und Pauline von einer glücklosen Affäre, die gerade ihr Ende gefunden hat berichtet, beginnt sich der Kreis zu schließen. Nach und nach erwächst aus den bruchstückhaften Erinnerungen beider Frauen ein Gesamtbild, das für Elsa vollkommen neue Perspektiven eröffnet.

Fazit
Eine kulturhistorisch interessante Zeitreise, in der Vergangenheit und Gegenwart zu einem generationsübergreifenden Gesamtbild verschmelzen.

Kommentieren0
3
Teilen

Rezension zu "Der zerrissene Brief" von Hanns Zischler

Im Erinnern wird die Vergangenheit noch einmal zur Gegenwart
Magicsunsetvor 9 Monaten

„Wahrsagende Begebenheiten – auf die kommt es an. Die kommen ganz überraschend und strahlen in alle Richtungen aus, auch in unsere Vergangenheit. Unsere Erinnerungen spulen sich um das, was gewesen ist, wie Eisenspäne um einen Magneten.“ (Pos. 1654)

 

Inhalt

Pauline ist siebzehn Jahre alt und lebt in dem kleinen Ort Treuchtlingen, als sie den dreißig Jahre älteren Max Lassenius, Weltreisenden, Fotograf, Kameramann, Sammler, kennenlernt. Dieser finanziert und ermöglicht ihr 1899 einen Aufenthalt in New York, über zwei Jahre lang arbeitet sie dort in den Botanic Garden in der Bronx. Anschließend heiraten sie. 1966 besucht Elsa, die in Frankfurt Biologie studiert, die nun vierundachtzig Jahre alte Pauline, bei der sie als Kind Ferien verbracht hatte. Elsa hat gerade eine Beziehung beendet und wird von Paulines Erinnerungen an die vielen intensiven Augenblicke eines abenteuerlichen, von Reisen in ferne Länder geprägten Lebens mit Max in eine völlig andere, vergangene Zeit entführt.

 

Thema und Genre

Dieser Roman erzählt eine spannende Lebensgeschichte, es geht um Erinnerungen, Erfahrungen, um Weltoffenheit, um Kultur und Natur, aber auch um Beziehung und Liebe.

 

Charaktere

Der Aufenthalt in New York bringt Pauline Selbstständigkeit und ein umfassendes Wissen und Bildung, was sie zur perfekten Gefährtin des gewandten Weltreisenden Max macht. Als Pauline später als Witwe wieder im Dorf ihrer Kindheit lebt, spürt sie keine Enge mehr, sie hat sich verändert, weil ihr Leben mit Erfahrungen und Erinnerungen gefüllt ist. Max kann sich durch die Heirat mit Pauline endlich aus der Umklammerung seiner Mutter lösen. Elsa besitzt die natürliche Neugierde einer Forscherin, sie stellt Fragen, kann aber auch zuhören.

 

Handlung und Schreibstil

Pauline erzählt ihr Leben nicht chronologisch, sondern in bruchstückhaften, Puzzleteilen gleichenden Erinnerungen, die plötzlich durch eine Bemerkung, eine Situation wieder lebendig werden. Die gemeinsame Zeit mit Max ergibt sich durch Antworten auf Elsas Fragen. Der Roman beginnt mit einem Brief Elsas an den Autor, in dem sie erklärt, woher sie Pauline kennt, wie sie zu deren umfangreichen Aufzeichnungen kam und der die Geschichten zu einem Ganzen schließt.

Die Sprache ist in den Dialogen lebhaft, einfühlsam und passt zu den beiden Frauen. Die erzählenden Beschreibungen sind jedoch intensiv ausgeschmückt, kein Objekt darf in knappen Worten einfach sein, sondern wird dicht mit Adjektiven und Metaphern versehen. Dadurch verliert die Sprache hier die poetische Leichtigkeit der Dialoge. „Das Papiergeraschel der Blätter. Grüne Schattenfächer zerteilten den Widerschein schwach durchwindeter Wolken auf dem Wasser. In nervösen Wellen floss das Licht der Pappeln hinauf und ließ die Luft erzittern.“ (Zitat Pos. 1782) Schilderungen wie diese erzeugen in mir kein Bild der Szene, weil die Gedanken an den Sätzen festhängen.

 

Fazit

Dieser Roman erzählt das erfüllte, abenteuerliche Leben einer klugen, selbstbewussten Frau, das Erkunden ferner Länder und Kulturen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. „Als habe diese Geschichte nur darauf gewartet, einmal, ein einziges Mal erzählt zu werden“ (Zitat Pos. 2605) Durch das Erzählen und Teilen der eigenen Erinnerungen mit der nächsten Generation wird die Vergangenheit noch einmal zur Gegenwart.  

Kommentieren0
0
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu
Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 61 Bibliotheken

auf 13 Wunschzettel

von 2 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks