Hans-Christian Oeser

 3,8 Sterne bei 1.121 Bewertungen

Lebenslauf von Hans-Christian Oeser

Hans-Christian Oeser, geboren 1950 in Wiesbaden arbeitet als Literaturübersetzer und Herausgeber. Er hat u.a. F. Scott Fitzgerald, Ian McEwan und Sebastian Barry ins Deutsche übertragen. 2010 wurde er mit dem Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis ausgezeichnet. Er lebt in Berlin und Dublin.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Kleine Dinge wie diese (ISBN: 9783969990650)

Kleine Dinge wie diese

 (19)
Neu erschienen am 30.11.2022 als Gebundenes Buch bei Steidl Verlag.
Cover des Buches Begegnung am Fluss (ISBN: 9783455013016)

Begegnung am Fluss

Neu erschienen am 03.11.2022 als Gebundenes Buch bei Hoffmann und Campe.
Cover des Buches Frau ohne Rang und Namen (ISBN: 9783803113764)

Frau ohne Rang und Namen

Erscheint am 02.02.2023 als Gebundenes Buch bei Wagenbach, K.
Cover des Buches Heimweh (ISBN: 9783969991107)

Heimweh

Neu erschienen am 30.09.2022 als Gebundenes Buch bei Steidl Verlag.

Alle Bücher von Hans-Christian Oeser

Cover des Buches Liebeswahn (ISBN: 9783257600278)

Liebeswahn

 (122)
Erschienen am 24.04.2012
Cover des Buches Schnee in Amsterdam (ISBN: 9783406727009)

Schnee in Amsterdam

 (67)
Erschienen am 09.11.2018
Cover des Buches Amsterdam (ISBN: 9783257603262)

Amsterdam

 (65)
Erschienen am 28.05.2013
Cover des Buches Anatomie einer Affäre (ISBN: 9783442745807)

Anatomie einer Affäre

 (75)
Erschienen am 08.07.2013
Cover des Buches Das Familientreffen (ISBN: 9783328101802)

Das Familientreffen

 (67)
Erschienen am 13.11.2017
Cover des Buches Die Schönen und Verdammten (ISBN: 9783257602715)

Die Schönen und Verdammten

 (42)
Erschienen am 23.04.2013
Cover des Buches Unschuldige (ISBN: 9783257225792)

Unschuldige

 (43)
Erschienen am 25.09.2013

Neue Rezensionen zu Hans-Christian Oeser

Cover des Buches Anatomie einer Affäre (ISBN: 9783442745807)
J

Rezension zu "Anatomie einer Affäre" von Anne Enright

Eins der Bücher, die ich abgebrochen habe…
Joxannavor einem Monat

Nach ungefähr 100 Seiten beschloss ich, das Buch abzubrechen.
der Schreibstil gefiel mir überhaupt nicht. Die Zeitsprünge waren verwirrend und die Beschreibungen teilweise sehr detailliert ohne etwas auszusagen.

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Cover des Buches Kleine Dinge wie diese (ISBN: 9783969990650)
Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Kleine Dinge wie diese" von Claire Keegan

Feine Weihnachtsgeschichte
Gwhynwhyfarvor 2 Monaten

Der Anfang: «Im Oktober färbten sich die Bäume gelb. Dann wurden die Uhren eine Stunde zurückgestellt, und die Novemberwinde kamen, wehten unablässig übers Land und entblößten die Bäume. In der Stadt New Ross stießen die Schornsteine Rauchschwaden aus, die sich herabsenkten und in haarfeinen, langgezogenen Fäden davonschwebten, bevor sie sich entlang der Kais verteilten, und bald schwoll der Fluss Barrow, dunkel wie Stout, mit Regenwasser an.»


Irland, 1985, Kohlen- und Holzhändler Billy Furlong hat es geschafft. Er gehört zur Mittelschicht, ist glücklich verheiratet und er hat fünf wundervolle Töchter. Die Ältesten besuchen die katholische Schule des örtlichen Klosters. Für ihn hätte es ganz anders ausgehen können, denn er war als uneheliches Kind eines minderjährigen Hausmädchens zur Welt gekommen. Die Gutsherrin hatte sie nicht hinausgeschmissen; im Gegenteil, sie war der Mutter behilflich, sorgte für Furlongs Schulausbildung und gab ihm ein Startkapital für sein Geschäft. 


Vor Weihnachten hat Furlong viel zu tun, jeder möchte an den Feiertagen eine warme Stube haben. Das Kloster vor Ort ist ein guter Kunde, begleicht sofort die Rechnungen; nicht wie andere Kunden, denen er hinterherrennen muss. An einem frühen Sonntagmorgen liefert er Kohle aus; niemand ist zu sehen. Als er nach einem Zugang sucht, findet er durch Zufall in einem Kohleschuppen ein eingesperrtes Mädchen, barfuß, spärlich gekleidet, durchfroren und verängstigt. Sie behauptet, man hätte ihr ihr Baby weggenommen und bittet Furlong, sie zum Fluss zu bringen, wo sie sich ertränken will. Die Äbtissin beruhigt Furlong, das alles wäre ein Versehen beim Absperren gewesen, man hätte nicht gewusst, dass das jemand im Schuppen wäre. Das Weihnachtsgeld fällt dieses Jahr großzügig für Furlong aus, und die Äbtissin weist auf das Privileg hin, auf der Klosterschule aufgenommen zu werden. Furlong gibt nichts auf Gerüchte; Klatsch und Tratsch ist ihm zuwider. Doch auch an ihm ging nicht vorbei, dass die Leute behaupten, junge Frauen müssten zur Buße Schmutzflecken aus den Laken waschen. In dieser Wäscherei lassen alle betuchten Leute ihre Wäsche waschen. Und es wird erzählt, die Nonnen würde Babys ins Ausland verkaufen. 


«‹Aber was, wenn es eins von unseren Mädchen wäre?›, fragte Furlong.

‹Genau das meine ich doch›, sagte sie und richtete sich wieder auf. ‹Es ist eben keins von unseren Mädchen.›

‹Ist es nicht gut, das Mrs Wilson ganz anders gedacht hat als du?› Furlong sah sie an. ‹Wohin hätte meine Mutter sich wenden sollen? Was wäre aus mir geworden?›

... ‹Die hat in ihrem großen Haus gehockt, mt ihrer Witwenrente und ihren Ländereien, ... War sie ncht eine der wenigen Frauen auf Erden, die tun und lassen können, was sie wollen?›»


Furlong lässt das Mädchen keine Ruhe. Was ist dran an der Sache? Die, mit denen er darüber spricht, raten ihm, nicht weiter darüber nachzudenken. «Sie wissen, dass Sie aufpassen sollten, was Sie über die Vorgänge dort von sich geben.» Das Kloster sei mächtig, mit weitreichenden Armen. Furlong ist ein guter Christ und er denkt an seine Kindheit. Er muss aber auch an seine Familie denken, an seine Zukunft. Die eiserne Lady regiert das Land, immer mehr Fabriken und Werften werden geschlossen; die Arbeitslosigkeit steigt täglich. «Es war ein Dezember der Krähen.» Eine Gewissensentscheidung. Kleine Dinge wie diese erzählt von Komplizenschaft und Mitschuld, davon, wie Menschen das Grauen in ihrer Mitte ignorieren, um in ihrem Alltag fortfahren zu können - davon, dass es möglich ist, das Richtige zu tun.


«Während sie weitergingen und immer mehr Menschen begegneten, die Furlong kannte und doch nicht wirklich kannte, fragte er sich, ob es überhaupt einen Sinn hatte, am Leben zu sein, wenn man einander nicht half. War es möglich, all die Jahre, die Jahrzehnte, eine ganzes Leben lang weiterzumachen, ohne wenigstens einmal den Mut aufzubringen, gegen die Gegebenheiten anzugehen, und sich dennoch Christ zu nennen und sich im Spiegel anzuschauen?»


Atmosphärisch dicht kommt diese Novelle der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens nahe. Ein Buch, das den Leser hineinzieht, das berührt. Das Konzentrat einer Geschichte, ein Konzentrat der Figuren, und genau darum ist diese Novelle so gut geschrieben, die alles auf den Punkt bringt. Die Verdichtung der Konstruktionen macht die Sache spannend. Ein hin und her der Gedanken von Furlong. Was wird tun? Eine literarische Kostbarkeit!


Der Hintergrund ist der den Skandal um die Magdalenen-Wäschereien. Nach dem Fund eines nicht gekennzeichneten Massengrabes auf dem ehemaligen Grundstück eines Nonnenordens in Dublin im Jahr 1993 kam der Stein ins Rollen. Die Magdalenenheime nahmen ab 1767 zunächst schwangere protestantische Mädchen auf (ursprünglich lediglich Prostituierte), später auch katholische. Sie sollten auf Weg Gottes gebracht werden. Die Einrichtungen erhielten vom Staat eine pro Kopf Bezahlung für den Unterhalt. Trotzdem mussten die Frauen schuften – es war eine Sklavenarbeit, denn sie wurden gefangengehalten. Meist wurde ein günstiger Wäscheservice angeboten, auch Krankenhäuser, Polizeistationen bis hin zum irischen Präsidenten profitierten davon. Mindestens 12 Monate sollte der Aufenthalt dauern – nach oben waren keine Grenzen gesetzt. Frauen, die dem Martyrium entkamen, hatten es in der Regel nur geschafft, weil sie fliehen konnten. Unter dem Deckmantel des Worts «Adoption» wurden die Babys an den Höchstbietenden verkauft! Wer nicht verhökert wurde, blieb im Heim, musste bereits früh Kinderarbeit leisten. Auch Impfstudien wurden an Müttern und Kindern durchgeführt. Aufgrund von Mangelernährung und schlechter Hygiene starben viele Kinder in jungen Jahren – ebenso ihre Mütter. Die katholische Kirche in Irland hatte enormen politischen und gesellschaftlichen Einfluss. Die Menschen trauten sich nicht, schlecht über die Kirche, die Nonnen oder Priester zu sprechen. Nach der Enthüllung erklärte der Staat, man hätte das nicht gewusst; doch diverse Dokumente belegen das Gegenteil. 1996 erst wurde die letzte Magdalenenwäscherei geschlossen. Es gibt dazu einen düsteren Film: «Die unbarmherzigen Schwestern».



Claire Keegan, geboren 1968, wuchs auf einer Farm in der irischen Grafschaft Wicklow auf. Sie hat in New Orleans, Cardiff und Dublin studiert. Im Steidl Verlag sind von der vielfach ausgezeichneten Autorin bereits die Erzählungsbände Wo das Wasser am tiefsten ist und Durch die blauen Felder (in einem Band: Liebe im hohen Gras, 2017) erschienen. Das dritte Licht (2013) wurde mit dem renommierten Davy Byrnes Award ausgezeichnet, und gehört für die englische Times zu den 50 wichtigsten Romanen des 21. Jahrhunderts. Claire Keegan lebt in Irland und unterrichtet zurzeit an der Universität Cambridge.



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Cover des Buches Kleine Dinge wie diese (ISBN: 9783969990650)
lillywunders avatar

Rezension zu "Kleine Dinge wie diese" von Claire Keegan

Zeitlos
lillywundervor 2 Monaten

Dieses Buch ist ein Schatz, ein echter. Es liest sich als wäre es nicht erst in diesem Jahr auf der Short List des Booker Preises nominiert, sondern schon mindestens 150 Jahre älter und ein längst etablierter Klassiker (im besten Sinne). Es liest sich als hätten schon Generationen vor uns dieses Buch abends am Kamin gelesen, bei langen Spaziergängen darüber nachgedacht und ihre Moral daraus gezogen. 

Es ist ein eisiger Winter im Irland des Jahres 1985. Bill Furlong arbeitet als Kohlenhändler und hat alle Hände voll zu tun, um seine Frau und seine fünf Töchter zu versorgen. Als er pünktlich zu Weihnachten eine Lieferung Kohle ins nahegelegene Kloster bringt, macht er eine schockierende Entdeckung, die ihn vor die Wahl stellt: Wird er sein geordnetes Leben weiterführen oder wird er sich hinauswagen, sich für die Menschlichkeit einsetzen und den Preis dafür auf sich nehmen?

Claire Keegan schreibt in einer wunderbaren Sprache, in die man sich ganz zurückziehen möchte. Dieses Buch strahlt eine tiefe Ruhe und Erhabenheit aus, die mich sehr berührt hat. Mit nur wenigen, aber den richtigen Worten, widmet sich die Geschichte ganz leise und unpathetisch den großen Fragen von Verantwortung, Menschlichkeit und Mitschuld im Angesichts des institutionalisierten Bösen. Die Magdalenen-Wäschereien sind ein dunkles Kapitel der Kirche in Irland, es geht um weibliche Zwangsarbeit, Bestrafung, unwürdige Grausamkeiten mitten in einer kleinen irischen Stadt, die sich zwischen Weihnachtsgebäck, Lichtern und Messen auf Weihnachten vorbereitet und das Übel, welches im Kloster vor sich geht, nicht sehen möchte. Dieses Buch ist, merkt euch das gern schon mal vor, das perfekte Weihnachtsgeschenk. Es ist wunderschön, es ist hoffnungsvoll, es ist wertvoll. 

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