Hans-Dieter Gelfert William Shakespeare in seiner Zeit

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Inhaltsangabe zu „William Shakespeare in seiner Zeit“ von Hans-Dieter Gelfert

In Shakespeares Dramen erscheint der Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit als eine Bruchzone. Einerseits drückt sich in Shakespeares Person und in seinen Werken bereits beispielhaft das frühneuzeitliche Bewusstsein der heraufziehenden bürgerlichen Gesellschaft aus, zum andern macht es die bis heute andauernde Aktualität dieses Dichters aus, dass er in seinen Werken den modernen Menschen noch quasi in statu nascendi zeigt. Hans-Dieter Gelfert widmet sich zunächst der Shakespearezeit mit ihren wesentlichen politischen, sozialen und kulturellen Aspekten, danach dem Leben, Denken und Fühlen des Dichters und zuletzt seinem dramatischen Werk. Er macht verständlich, worum es in Shakespeares Werken geht, welcher bewusstseins- und sozialgeschichtliche Umbruch sich darin widerspiegelt und worin Shakespeares Größe besteht. Der biographische Teil versucht, trotz der dürftigen Datenlage anhand der Sonette und sein Gesamtwerk durchziehender zentraler Motive einen Blick ins Herz des Dichters zu werfen. Shakespeare kommt dabei ausgiebig zu Wort. Alle Texte wurden eigens neu übersetzt. Eine Fülle von Bilddokumenten und Illustrationen helfen, Leben, Werk und Zeit Shakespeares sinnfällig zu machen.

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    William Shakespeare in seiner Zeit

    michael_lehmann-pape

    11. February 2014 um 13:20

    Auf der einen Seite ist Shakespeare „der“ Dichter „aller Zeiten“, zumindest der „meistbeforschte“, auf der anderen Seite liegt seine Person immer noch und immer wieder mehr im Dunkeln als im Hellen. Hans Dieter Gelfert nun wendet sich in seiner bekannt systematischen Herangehensweise nach „Edgar Allen Poe“ und „Charles Dickens“ auch dieser Über-Figur der Dichtkunst, der Komödie und des Dramas eben „als Person“, den inneren Entwicklungen, zu. Und, wie von ihm gewohnt, er vollzieht dies in gewissenhafter Gründlichkeit, ohne in Sprache, Form und Inhalt dabei zu sehr der abstrakten, theoretischen, wissenschaftlichen Diskussion anheim zu fallen. Auf der anderen Seite aber verbleibt Gelfert bei Weitem nicht in einer rein populärwissenschaftlichen Darstellung stehen, sondern lässt jederzeit spüren, dass er im Hintergrund fundiert die aktuellen Erkenntnisse der Forschung zu Grunde legt. Ebenso, wie von Gelfert gewohnt, setzt er voraus, dass die „Atmosphäre der Zeit“, die kulturellen Eigenheiten, die relevanten Themen, das alltägliche Leben der Menschen im England des 16. Jahrhunderts von hoher Bedeutung für die Prägung von Person und Werk Shakespeares waren. So ist nicht verwunderlich, um Shakespeare als „Kind seiner Zeit“ aufzuweisen, dass Gelfert im ersten Teil des Buches sehr detailliert die Zeitgeschichte aufwarten lässt und den Leser mit hineinnimmt in die „äußeren“ Wichtigkeiten der prägenden Lebensjahre des Dichters. Eine Zeit geprägt von „verspäteter Renaissance“ und damit Hinwendung zu den „alten Formen“, damit in durchaus reibender Spannung zur Reformation und zur Aufklärung, ein Land an der Schwelle zur „modernen Welt“, dass in dieser Zeit die Grundlagen des kommende Empire legte, vor allem unter Elizabeth I.. Dem korrespondieren innerlich die Gegensätze von „Wissenschaft und Aberglauben“, von einer verstärkten Verehrung der Frau, einer Lust am Tragischen und einem deutlich geprägten „elisabethanischem Weltbild“ mitsamt einer Theaterkultur, die all diese auch widerstreitenden Entwicklungen widerspiegelte. Im (kleineren) biographischen zweiten Teil des Buches führt Gelfert dann dies alles in seinem Kapitel über „Shakespeares Weltsicht“ prägnant zusammen. Wie in den Stücken Shakespeares entweder dramatisch im Untergang oder durch „zur Vernunft bringen“ der jeweiligen Hauptfigur die jeweilige „Ordnung“ wieder hergestellt wird, in manchen Werken auch in monumentaler Tiefe und zeitlos angelegt, das ist ein deutlicher Hinweis auf die geprägte Sicht der Welt in Shakespeare selbst. Wie er zudem die Problematiken (anders als in antiken Dramen) in die jeweiligen Personen „hinein verlegt“ und damit die Spannung zwischen „Vernunft und Leidenschaft“, alter „abergläubischen“ und emotionsgesteuerten Welt und „modernem“ Siegeszug der Vernunft ebenso in seinen Stücken oft und oft ausarbeitet und zugrunde legt. „Alle seine tragischen Helden werden Opfer ihrer Leidenschaft, die über die Vernunft triumphiert“ (Tragödien, außer Hamlet) oder seine Helden sind jene, bei denen die Vernunft triumphiert über die Leidenschaft (Komödien). Mithin positioniert sich Shakespeare auf Seiten der Vernunft, ganz Kind seiner Zeit. Ehre und Natur, Gerechtigkeit und Gnade, Schein und Sein, Mann und Frau und manch weiteren, zentralen Themen geht Shakespeare nach, die in ihrer Haltung auf die „Zeichen der Zeit“ hin angelegt sind und von dieser geprägt waren, wie Gelfert sehr flüssig zu lesen und souverän dargestellt dem Leser biographisch in der Person und, im dritten Teil, ausführlich in der breiten und ebenso fundierten Auslegung der einzelnen Werke nachweist. Ein intensives, hoch spannendes Buch, dass in sich den aktuellen Strand des wissenschaftlichen Diskurses über Shakespeare aufnimmt und die Verwobenheit des Dichters als „Kind seiner Zeit“ in eben dieser Zeit mit ihren Wandlungen und weichenstellenden kulturellen Entwicklungen präzise benennt. Und dies alles im Werk des Dichters dann detailliert nachweist. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre, die immer den Blick in das „Innere des Dichters“ im Mittelpunkt der Betrachtungen hält.

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