Hans-Dieter Schütt Andreas Dresen

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Inhaltsangabe zu „Andreas Dresen“ von Hans-Dieter Schütt

Andreas Dresen zählt mit seinen Filmen zu den prägenden, international bekanntesten Regisseuren des deutschen Kinos. Besonders 'Halbe Treppe' (2002), 'Sommer vorm Balkon' (2006), 'Wolke 9' (2008) und 'Halt auf freier Strecke' (2011) machten ihn weithin bekannt. In diesem Buch spricht er erstmals ausführlich über seine Biografie, seine künstlerische Arbeit und seine Ansprüche an eine gelingende Existenz – Fragen und Antworten zu den Schönheiten und Schmerzen eines Lebens unterwegs.
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  • Kino wird für Heimwege gemacht

    Andreas Dresen
    jamal_tuschick

    jamal_tuschick

    09. January 2014 um 14:21

    Der Regisseur Andreas Dresen spricht mit Hans-Dieter Schütt im Berliner Brechthaus     Filme verwandeln ihre Liebhaber. Ich glaube, das ist die Formel, die am Ende stehen bleibt. Schütt sagt es so: „Kino wird für Heimwege gemacht. Wenn die Verwandlung stattgefunden hat, dann passt der Atlantik in ein Glas Rotwein.“ Schütt präsentiert den Regisseur im Brechthaus und sich selbst als Autor. Es geht um „Glücks Spiel“, eine Versammlung von „Reden über (Dresens) Routen, gleichsam aus dem Lauf heraus.“ Keine Biografie, vielmehr eine Unterhaltung sei das Buch. Sagt Schütt. Was ist ein Buch überhaupt noch? fragt Dresen. Er traut sich eine Sehnsucht nach dem obsoleten Osten, als „jedes neue Buch erwartet wurde“ und ein Titel für die Ewigkeit war. Dresens Filme wirken, so Schütt, „wie zufällig beobachtetes Leben“. Der Regisseur reduziert den technischen Aufwand, spart am Licht, beschäftigt Laien. Er lässt Schauspieler improvisieren und sich von ihnen überstimmen. Stets dreht er am Rad des Nervenzusammenbruchs: „Es gibt keinen Film ohne Katastrophe“.   „Halbe Treppe“ (2002), „Sommer vorm Balkon“ (2006) und „Halt auf freier Strecke“ (2011) – Ich stehe auf halber Treppe in einem gewöhnlich dem Besucher verschlossenen Trakt des Brechthauses. Man hat Lautsprecher ins Treppenhaus geschafft, der Andrang setzte zwei Stunden vor Veranstaltung ein. Ich sehe das Publikum der Nachmittagsvorstellungen in den Gängen. Verschworene Ehepaare. Verschlossene Solistinnen. Die Einzelgänger, vereinzelt vermute ich enzyklopädisches Wissen. Die sanften Maniacs. Auf leisen Sohlen sind sie stiften gegangen und der Gesellschaft abhanden gekommen. Wenn erst einmal die Eigenarten grassieren. Dann werden die Füße geföhnt nach dem Saunagang in der Ernst Thälmann-Schwimmhalle. Ohne viel Federlesens wird Mitgebrachtes ausgepackt in der Nachmittagsvorstellung im Kino am Friedrichshain. Man schält sich aus seinen Schichten. Legt den Schal ab, um sich gleich wieder zu drapieren. Man zieht etwas aus, zieht um. Das Kino ist groß und leer.   Das ist Dresens Personal, es stürzt lautlos ab. „Schmerz & Hoffnung gehen Hand in Hand“, erklärt Dresen sein Programm. Eine Geschichte, die mit dem Tod der Heldin endet, erscheint ihm besonders hoffnungsvoll. Er folgt Spuren am Tatort DDR. Noch habe keiner das gescheiterte Experiment „größerer sozialer Gerechtigkeit“ analysiert. „Was ist schiefgelaufen?“ will Dresen wissen. Dresen kommt aus dem Schneideraum ins Brechthaus, gerade hat er Clemens Meyers ersten, „auf einen Kinoton gestimmten“ Roman verfilmt, „mit zweiundneunzig Rollen“. Nun sichtet er das Material. „Die totale Katastrophe liegt direkt neben dem Meisterwerk“, zitiert er seinen Schnittmeister. Wolfgang Kohlhaase lieferte das Drehbuch. Ist nicht seine erste Eastside Story, siehe „Berlin – Ecke Schönhauser“.„Als wir träumten“ erzählt von Adoleszenten nach neunundachtzig und von einem unhaltbaren Schwur. „Die alten Regeln gelten nicht mehr, die neuen noch nicht.“ Über den Rauchwolken muss die Freiheit grenzenlos sein. Dresen bestätigt Meyer „das Charisma des frühen Brecht.“ Er berichtet von seinen Albträumen „nach Dreharbeiten“. Er erklärt: „Ein Film entsteht drei Mal.“ Mit der Idee und ihrer Entwicklung entsteht er zum ersten Mal. Das ist der Film im Kopf. Er verändert sich als Drehbuch und wird wieder anders im Zusammenspiel mit den Schauspielern.   Manchmal wünscht sich Dresen größere Abgründigkeit und mehr Härte. Schütt macht daraus „Mut zur Freundlichkeit“. Schließlich liest Dresen im Brechthaus noch aus „Glücks Spiel“. Eine Geschichte am Schalter in Moskau, die ungnädige Flugkartenverkäuferin stellt ihre Überforderung zur Schau. Der Erzähler denkt an Konstellationen in Tokio, wo Bevölkerung in der Größenordnung von Städten Schlangen bildet, in Erwartung tadelloser Abfertigung. Die Geschichte heißt wie ein Lied von Paul McCartney zu Zeiten der Beatles: „Back in the U.S.S.R“.     Hans-Dieter Schütt, „Glücks Spiel“, be.bra Verlag, 240 Seiten, 16,95 Euro

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  • Kino wird für Heimwege gemacht

    Andreas Dresen
    jamal_tuschick

    jamal_tuschick

    09. January 2014 um 14:18

    http://faustkultur.de/1389-0-TEXTLAND-von-Jamal-Tuschick.html#.Us6Jsbbbo6V