Hans-Georg Gadamer

 4,1 Sterne bei 21 Bewertungen
Autor*in von Philosophisches Lesebuch, Die Aktualität des Schönen und weiteren Büchern.

Lebenslauf

Hans Georg Gadamer wurde am 11. Februar 1900 in Marburg geboren, studierte ab 1918 Germanistik, Geschichte, Kunstgeschichte und Philosophie in Breslau, habilitierte 1928/29 bei Martin Heidegger, wurde 1937 außerordentlicher Professor in Marburg und lehrte von 1949 bis 1968 als Nachfolger von Karl Jaspers in Heidelberg Philosophie, wo er 2002 starb. Sein Hauptwerk »Wahrheit und Methode« erschien 1960. Er ist einer der maßgeblichen Vertreter der philosophischen Hermeneutik im 20. Jahrhundert und wurde mit seinen Gedanken über die Auslegung von Texten und die Schwierigkeiten des Verstehens weit über die Grenzen der philosophischen Fachwelt hinaus bekannt.

Quelle: Verlag / vlb

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Neue Rezensionen zu Hans-Georg Gadamer

Cover des Buches Über die Verborgenheit der Gesundheit (ISBN: 9783518461631)
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Rezension zu "Über die Verborgenheit der Gesundheit" von Hans-Georg Gadamer

Sandra1975
Gesundheit als "latente Harmonie"

Dieses Buch habe ich auf Französisch gelesen, in der Übersetzung von Marianne Dautrey aus dem Jahr 1998, die als "Philosophie de la santé" betitelt wurde. Die Übersetzung behält manche Begriffe auf Deutsch bei. 

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In 13 Kapiteln reflektiert Gadamers Essay über die Erfahrung des Todes, das Wesen der ärztlichen Behandlung, den Begriff der "Ganzheit" sowie, im 8. Kapitel, über das, was er "die Verborgenheit der Gesundheit" nennt. 

Zunächst wird Krankheit als Einschränkung des Lebensraums definiert. Wenn wir krank sind, verbietet man uns aufzustehen oder das Haus zu verlassen. Weiter hebt Gadamer ab, die Entkoppelung von Krankheit und Person festzustellen. Krankheitssymptome werden in der modernen Medizin objektiviert. Man möchte sie "beherrschen". Dabei  ist das, was man gemeinhin als Krankheit versteht, eingebettet in die Entwicklung einer Gesamtpersönlichkeit. Wer aber bei der Behandlung der sichtbaren Symptome ansetzt, verkennt den verborgenen Charakter der Gesundheit.

Sodann verweist Gadamer auf den Bezug zwischen den Begriffen "Behandlung" und "Hand". Der gute Arzt berührt und erspürt das, was dem Patienten fehlt. Medizinische Behandlung ist dabei nicht so sehr das Verschreiben von Wirkstoffen oder das Aufzwingen einer Therapie. Der griechische Begriff "therapie" bedeutet "Dienst", sodass die medizinische Behandlung sich stets in den Dienst der Natur zu stellen habe. Behandlung ist für Gadamer eine Form von Befreiung, etwa von unzuträglichen Lebensgewohnheiten. 

Gesundheit ist keine Frage der Methode, sondern vielmehr ein rhythmisches Lebensprinzip, das Gadamer am Beispiel des Einschlafens veranschaulicht. Dem Einschlafen kann man sich nur schwer entziehen; es kommt über uns und trägt uns. Der gute Arzt wiederum hat die Aufgabe, "die Alterität zu erkennen, die dem Anderen innewohnt" ("reconnaître l'alterité qui est en l'autre", S. 119), die, Gadamers Ausführungen zufolge, nah bei diesem Rhythmus angesiedelt zu sein scheint. Diese Alterität ist eben verborgen; sie ist nicht zu fassen und auch nicht vermittels medizinischer Interventionen  herbeizuführen.

Abschliessend bringt Gadamer den Begriff der Erfüllung ins Spiel: "la santé c'est être empli de ses propres problèmes existentiels, dans l'action ou dans la joie" (S. 122). Gesundheit sei das Erfülltsein von den eigenen existentiellen Anliegen, in der Aktivität oder in der Freude. Das französische Wort "problèmes" ist meiner Meinung nach irreführend in diesem Zusammenhang. Wie kann man angesichts von Problemen Erfüllung empfinden? Ich vermute, es geht dabei eher um "Anliegen" - um das, was jedem Einzelnen wichtig ist für ein erfülltes Leben. 

Dass der von Gadamer beschriebene Gesundheitsbegriff im Sinne einer "Selbstvergessenheit" - auch das ein Begriff, den Gadamer benutzt - und Hingabe an jenen übergeordneten Rhythmus, der uns durchs Leben trägt, nicht in den vier Wänden einer Arztpraxis hergestellt werden kann, versteht sich von selbst. Gesundheit geht einher mit einem bestimmten Selbstverständnis des Menschen, das den Umgang mit dem Tod, der Natur und dem technischen Fortschritt mit einschliesst. Gadamer hat hier somit eine ganzheitliche Betrachtung der Gesundheit vorgelegt, die auch den im 20. Jh. stark in Verruf geratenen Begriff der Seele in seine Überlegungen eingliedert.


Cover des Buches Die Aktualität des Schönen (ISBN: 9783150098448)

Rezension zu "Die Aktualität des Schönen" von Hans-Georg Gadamer

Ein LovelyBooks-Nutzer
Rezension zu "Die Aktualität des Schönen" von Hans-Georg Gadamer

Gadamer befasst sich in seiner kurzen philsophisch-kunsttheoretischen Abhandlung mit drei Erscheinungsformen der Kunst: Spiel, Symbol und Fest. Jeder widmet er einen eigenen Abschnitt. Gadamer sieht klassiche Kunsttradition und moderne Kunst als eine Einheit, der er sich philosophisch u.a. auf dem Wege der klassichen Ästhetik nähern möchte.
Die anthropologische Grundlage der Kunsterfahrung zeigt sich für Gadamer in jenen drei Begriffen Spiel, Symbol und Fest.
Dieser überschaubare, gut lesbare und anschaulich formulierte Essay eignet sich hervorragend als erste Lektüre für Gadamer-Einsteiger. Er bietet eine stilistisch angenehme und insgesamt faszinierende Lektüre zu Kunst- und Ästhetiktheorie.

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