Hans-Hugo Steinhoff Lancelot und Ginover

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Inhaltsangabe zu „Lancelot und Ginover“ von Hans-Hugo Steinhoff

Der nach Anspruch, Umfang und Wirkung beispiellose mittelalterliche Romanzyklus um Lancelot und den Gral ist in seiner mittelhochdeutschen Fassung zugleich auch der erste deutsche Prosaroman. Mit einem bis dahin unerhörten Aufwand an epischer Phantasie führt er die episodische Welt der klassischen Artus-Romane zu einem enzyklopädischen Ganzen zusammen und interpretiert sie neu. Der Prosalancelot ist ein überaus farbiges Werk von labyrinthischer Stoffülle und thematischer Komplexität, ein faszinierendes Epos von der Macht der höfischen Liebe und vom Glanz und Untergang der mittelalterlichen Ritterwelt, dessen Figurenreichtum und Handlungsvielfalt mit einem bewunderungswürdigen Maß an konstruktiver Energie bewältigt wird. Die Wirkung des Prosalancelot auf die europäische Literatur ist schwerlich zu überschätzen: Zu Anfang des 13. Jahrhunderts in Frankreich entstanden, wurde er in zahlreichen, kostbar illuminierten Abschriften, Übersetzungen und Bearbeitungen in alle Literatursprachen des Spätmittelalters verbreitet. Unmittelbar nach dem französischen Original begonnen, entstand die ganz eigenständige mittelhochdeutsche Fassung in einem äußerst langwierigen Prozeß.Die Ausgabe des Deutschen Klassiker Verlages, hier nun endlich in preisgünstiger, doch schöner Ausstattung, bot die erste vollständige, zugleich erstmals übersetzte und kommentierte Edition dieses Werks: Grundlage und zugleich schon Gipfelwerk einer Literatur, die als Fantasy auch die Moderne geprägt hat. Die beiden ersten Bände des Prosalancelot erzählen von Lancelots Herkunft und Aufnahme in die Tafelrunde und die Geschichte seiner Liebe zu Ginover und bieten eine in sich abgeschlossene Handlung.

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  • Rezension zu "Lancelot und Ginover" von Hans-Hugo Steinhoff

    Lancelot und Ginover

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    04. September 2011 um 18:15

    Beim Prosa-Lancelot handelt es sich um den ersten Prosa-Roman in deutscher Sprache, und zwar den einzigen für ca. einhundertundfünfzig Jahre. Er beruht auf dem französischen "Lancelot en prose" von 1215/30. Mit der deutschen Bearbeitung wurde ca. im Jahr 1250 begonnen, sie wurde jedoch erst im 14. Jahrhundert vollendet. Wie die französische Fassung auch gliedert er sich in drei Teile: Den Lancelot Propre, die Gral-Queste (La Queste del Saint Graal) und den Tod des König Artus (La Mort de le Roi Artu). In der deutschen Ausgabe von Steinhoff wurde der Lancelot Propre in Lancelot I und II aufgeteilt und die Gral-Queste und der Tod des König Artus in einem dritten Band zusammen gefasst. Die Geschichte umfasst somit drei inhaltliche Schwerpunkte: Die Liebesgeschichte Lancelots und Ginovers, die Gralssuche und den Untergang des Artusreichs mit dem Tod des Königs. Der Prosa-Lancelot verbindet also die Lancelot-Geschichte mit der Grals-Queste, um dieser eine Vorgeschichte und eine Einbindung in einen weiteren Kontext zu geben. Beide Sagen werden verknüpft und zudem werden weitere Artusstoffe miteingebunden, so dass die Geschichte schließlich bis zum Tode König Artus’ weiter geführt wird. Die Handlung geht in erster Linie auf einen Versroman zurück, den Karrenritter Chrétiens. Verantwortlich für die Autorschaft werden Zisterzienser-Mönche oder Kleriker angesehen. Weiterhin nimmt man an, dass der Text nicht direkt aus dem Französischen, sondern von einer mittelniederländischen Fassung aus der Zeit um 1250 übersetzt wurde, die jedoch nicht erhalten ist. Vom deutschen Prosa-Lancelot selbst gibt es nur zehn Handschriften. Eine davon ist leider beim Einsturz des Kölner Stadtarchivs zerstört worden, die größte und prächtigste Handschrift befindet sich in Heidelberg. Dass der Roman in Prosa geschrieben wurde, geht in erster Linie darauf zurück, dass er sich selbst als Historie verstand und insofern auf den Stil tatsächlicher Geschichtsschreibung zurückgriff. Aufgrund des geistlichen Inhalts der Gralsgeschichte hatten auch Predigten und andere geistliche Literatur Einfluss auf den Stil. *** Der erste Band dieser Ausgabe aus dem Klassiker-Verlag heißt "Lancelot und Ginover". Die Geschichte beginnt zunächst mit der Kindheit Lancelots: Sein Vater verliert sein Königreich und stirbt aus Kummer, seine Mutter geht in ein Kloster, und Lancelot wächst bei Ninienne auf. Sie ist die Frau vom See, denn sie lebt in einem Zauberreich, dass von außen wie ein See aussieht. Als Lancelot alt genug ist, bricht er zum Artushof auf, um Ritter zu werden. Dort verliebt er sich sofort in Ginover, die Königin. Im folgenden werden unzählige Aventüren Lancelots und anderer Artusritter geschildert, und immer wieder steht die Liebe zwischen Lancelot und Ginover im Vordergrund, die noch unbeschwert und fröhlich ist. Immer wieder tut Lancelot sich als Held in Turnieren und Schlachten hervor, und Ginover sichert, dass er am Hof bleibt und für König Artus kämpft. Während sie also einerseits ihren Mann betrügt, sichert sich andererseits seine Herrschaft, da nur durch sie der beste aller Ritter an den Hof gebunden ist. In der Karrenritter-Episode, in der Lancelot sich für Ginover auf einen Karren setzt und somit der Schande aufgeliefert ist (sich auf einen Karren zu setzen ist das Schändlichste, was ein Ritter tun kann), findet seine Liebesbekundung einen fulminanten Höhepunkt.

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