Mit großer Freude aber auch Betroffenheit, habe ich dieses Buch gelesen.
Jedes Erlebnis, jedes Schicksal jener Zeit ist sehr speziell und in der Bewertung des Einzelnen unterschiedlich. Nicht jeder hat das so gesehen und so erlebt. Zum Thema NVA, das in dieser Zeit Erlebte aufzuschreiben, haben sich in meiner Wahrnehmung nur wenige Soldaten und Unteroffiziere versucht.
Jedoch publizieren viele NVA-Offiziere ihre „Heldentaten“. Diese entsprechen „ihrer Wahrheit“, aber nicht der Realität, wie viele Soldaten sie erlebt haben. Sie feiern sich nach wie vor als Kämpfer für den Frieden und die Waffenbrüderschaft, vornehmlich mit der „Roten Armee“ der Sowjetunion, die es nie gegeben hat. In keinem der Bücher dieser „Kämpfer“ habe ich später auch nur ein Wort des Verständnisses und der Empathie zu ihren Unterstellten gefunden.
Daher bin ich dem Autor Herrn Hans Jürgen Müller dankbar, dass er die gefühlte und tatsächliche Grausamkeit des NVA-Soldatenalltags mit so deutlichen und kräftigen Worten aufgeschrieben hat.
Der Autor beschreibt schonungslos wie „Menschen in Uniform“ jede Menschlichkeit verlieren.
Namhafte Autoren haben diese Zeit auf ihre Weise in Romanen und Filmen verarbeitet. Doch es ist längst nicht alles gesagt. Zu viele Schicksale, ja Tragödien, hat es in der NVA gegeben. Der innere Zustand der NVA war labil und marode und wurde nur durch die menschlichen Abgründe und der darin wohnenden Unmenschlichkeit (Offiziere und EK-Bewegung) am „Leben“ gehalten. Die NVA war, trotz der Milliarden an DDR-Mark, im gleichen Zustand wie die gesamte Gesellschaft. Menschlich und moralisch verkommen. Das wird auf vielen Seiten in diesem Buch deutlich veranschaulicht.
Millionen von jungen Männern in der DDR erlebten und viele durchleideten diese 1 ½ Jahre. Nicht jeder hat gelitten. Einige haben jedoch andere leiden lassen. Das wird deutlich dargestellt. Jeder hat seine eigenen Erinnerungen, seine eigene Geschichte. Viele wurden durch diese Zeit für immer verändert, da das Erlebte ein Trauma verursachte. Dieses Trauma wurde vergraben. Zu peinlich waren die Demütigungen von Vorgesetzten und vor allem von Gleichgestellten. Bei vielen ruft diese Zeit nach Offenbarung, denn dieses Trauma schleicht sich nachts in die Träume der Vergangenheit.
So wohl auch beim Autor des Buches.
Es ist höchste Zeit, liebe „Genossen“, unsere Erlebnisse niederzuschreiben. Denn immer wieder höre ich die Aussage: „Diese Zeit hat niemandem geschadet.“ Das ist dumm und überheblich; so äußern sich nur diejenigen, die ihren seelischen Schaden verstecken möchten. Zu viele erlagen den Demütigungen und Qualen. Ihre Seele hielt den Strapazen nicht stand. In ihrer Ausweglosigkeit kannten sie nur einen Ausweg. Sie bereiteten ihrem seelischen Leiden selbst ein Ende. Sie wurden Opfer von Menschen, die Vorgaben, für den Frieden zu kämpfen, aber ständig im Kriegszustand mit sich selbst lebten.
Ich erlaube mir jedem NVA-Soldaten das Buch zu empfehlen. Aber gerade in der aktuellen Situation der wieder Aktivierung der Wehrpflicht, sollte jeder Jugendliche dieses Buch lesen.
(Und nun erzähle mir niemand, die Bundeswehr ist anders.)
In aller Bescheidenheit darf ich, wenn es erlaubt ist, auf mein Buch „ÜBER LEBEN in der NVA „hinweisen, dass nur in einer Kleinstauflage bei vprojekte.com erhältlich ist. Es ist eine perfekte Ergänzung zu diesem Buch, dass ich in nur drei Lesungen verschlungen habe.
Danke Herr Müller für dieses Buch
Freundlicht Dietmar Göse



