Hans-Joachim Hinrichsen Bruckner-Handbuch

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Inhaltsangabe zu „Bruckner-Handbuch“ von Hans-Joachim Hinrichsen

Neue Sicht auf Anton Bruckner. Zu Lebzeiten erst spät gewürdigt, zählt der Komponist heute zu den großen und einflussreichen Symphonikern des 19. Jahrhunderts. Die Meinungen über Bruckners Werke gingen von Anfang an auseinander. Die widersprüchlichen Standpunkte zu seiner Person und seinem Schaffen setzen sich bis heute fort. Das ausführliche Handbuch zu Leben, Werk und Rezeption erleichtert den Zugang zu dem kontrovers rezipierten Komponisten und vermittelt neue Perspektiven jenseits von Stereotypen.

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  • Rezension zu "Bruckner-Handbuch" von Hans-Joachim Hinrichsen

    Bruckner-Handbuch

    michael_lehmann-pape

    22. November 2010 um 10:20

    Leben und Werkschau Kaum ein Komponist hat seine Spuren in solch solitärer Weise gezogen wie Anton Bruckner und hat eine solche Form zwiespältiger Rezeption zu Lebzeiten erfahren wie er. Dennoch gehört er zu den einflussreichsten Komponisten der auf ihn folgenden Musikentwicklung. In seiner frühen Zeit ob seiner Nähe zu Wagner stark geschmäht und als „ernsthafter“ Komponist in Wien nicht nur nicht ernst genommen, sondern stark kritisiert, dauerte es lange, bis die öffentliche Kritik seinem sinfonischen Werk langsam Anerkennung zollte. Dennoch verstummt massive Kritik andererseits bis in die Gegenwart hinein nicht. Als Orgelvirtuose und Kirchenmusiker andererseits erlangte er demgegenüber schon früh einen hervorragenden, ungebrochenen Ruf. Die Autoren des Handbuches nehmen diese Ausgangssituation wahr und, ein interessanter Ansatz, treten quasi einen Schritt dahinter zurück. Das Widersprüchliche, Irritierende und anstößige Bruckners, dass zu seiner Zeit vordergründig an Ecken und Kanten im Raum stand, greifen sie dabei zunächst wieder auf und gehen damit dem Versuch nach, Bruckner aus seiner Person und seiner Zeit heraus zu verstehen, zunächst unbeeindruckt von seiner Weltgeltung heutiger Tage. Ein äußerst gelungener Ansatz, der in ebenso gelungener Form seine Umsetzung im Handbuch findet. Seine persönliche Prägung rückt in dieser Form ebenso nachhaltig in den Blick (und erklärt aus sich heraus bereits vieles, was ihn in seinem musikalischen Schaffen auch späterhin ausmachte), wie seine musikalische Entwicklung, seine absolute Konzentration auf zwei Bereiche der Musik, Sinfonik und Kirchenmusik. Seine solitäre Haltung einer musikalischen Evolution, kaum beeinflusst von den äußern Strömungen seiner Zeit, zeigt ihre Einflüsse auf seine Kompositionen. Ebenso wird natürlich in ausführlicher und durchaus auch dem Laien verständliche Form sein Werk vorgestellt, die Hintergründe der verschiedenen Zählweisen seiner Sinfonien erläutert, Bruckners eigene Maßstäbe herausgearbeitet und, zu guter letzt, die Rezeption Bruckners präzise in den Blick genommen. Zum Überblick dient in guter Weise direkt zu Beginn des Buches eine ausführliche Zeittafel, zu der man gerne während der Lektüre jeweils zurückkehrt, um das gerade Gelesene schnell in den äußeren Lebensweg einordnen zu können. Kindheit und Jugend, die Jahre der Entwicklung in St. Florian, Jahre des Lernens und der Vervollkommnung seiner Spieltechnik, Jahre in denen gerade seine tief katholische Prägung als Wegweisend für das gesamte spätere Leben und Schaffen dargestellt wird und nachvollzogen werden kann, bilden sodann den ersten Teil des Buches. Diese katholische Prägung ist es letztlich, in der die Autoren den Schlüssel zu Person und Werk Bruckners offen legen und damit vieles an der Entwicklung zu begründen vermögen. Es folgt eine minutiöse Darstellung der Jahre in Linz, noch sehr der Kirchenmusik verhaftet und die Schilderung der Hinwendung zur Sinfonie, die schrittweise Entfaltung der musikalischen Kraft, die in den letzten, fast 30, Lebensjahren Bruckners in Wien sich immer stärker in seiner Eigenheit herausbildete. In empathischer und detaillierter Weise gelingt es dem Buch, den Menschen Bruckner und den Komponisten Bruckner deutlich geschärft in den Blick zu heben, die persönlichen (und damit auch die musikalischen) Prägungen zu benennen. Ebenso sinnvoll stellt sich auch die Gliederung des Buches dar, die den Hintergründen der Entwicklung zunächst auf knapp 90 Seiten Raum bietet und sodann in einzelnen Kapiteln, eher thematisch denn zeitlich geordnet, die verschiedenen Facetten des Werkes Bruckners kompetent beleuchtet. Das Buch ermöglicht in bester Form einen Zugang zu Person und Werk Anton Bruckners, gerade in dem es sich frei macht vom gegenwärtig geglätteten Blick und Bruckner in seiner Entwicklung und seiner Zeit mit entsprechen harschen Reaktionen, mit seiner klerikalen Prägung und auch seinen fast strategisch geplanten musikalischen Entscheidungen hilft, neu zu entdecken. Jeder, der Person, Werk und Hintergründe Bruckners kennenlernen möchte, ist mit diesem Buch bestens bedien.

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