Hans-Joachim Lang Die Frauen von Block 10

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Inhaltsangabe zu „Die Frauen von Block 10“ von Hans-Joachim Lang

Medizin im Rassenwahn - ein wenig erforschtes Kapitel in der Geschichte von Auschwitz, erzählt aus der Sicht der Opfer. Ab April 1943 gab es den Block 10 in Auschwitz. Dort wurden medizinische Versuche an rund 800 Frauen vorgenommen, von denen über ein Drittel die Lagerzeit überstanden. Lang erzählt, wer sie waren, was mit ihnen geschah, wie sie den Alltag bewältigten und mit welchen Folgen die Überlebenden zurechtkommen mussten. Im Stammlager Auschwitz, inmitten eines Männer-KZ, ließ die SS-Lagerleitung Anfang 1943 ein zweistöckiges Gebäude, den Block 10, vom übrigen Gelände abtrennen. In ihm wurden jüdische Frauen eingesperrt, meist mehr als 400, auf engstem Raum. Zwei NS-Mediziner erprobten an ihnen Methoden der Sterilisierung, andere Ärzte benutzten sie für weitere Experimente. Die Insassinnen, die diese Qualen überlebten, haben nach Kriegsende vielfach vor Gericht ausgesagt. Aus ihren protokollierten Erinnerungen, Behördendokumenten und weiteren Quellen, auch eigenen Interviews, hat Lang ein großes Mosaik zusammengesetzt, ein Stück historischer Literatur, das mitreißt und schockiert. "Lang gibt den Opfern ihre Namen wieder" Urban Wiesing, Professor für Medizinethik

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  • Rezension zu "Die Frauen von Block 10" von Hans-Joachim Lang

    Die Frauen von Block 10

    Neonsonne

    03. December 2012 um 10:21

    "Machen Sie ein großes Unrecht ungetan!" . Der zweite Weltkrieg, die Schreckensherrschaft der Nazis (Menschenverbrecher) und Greueltaten, die niemals in Vergessenheit geraten. Judenverfolgung und Tötung, menschenunwürdig in Konzentrationslager zusammengepfercht.. . Juden die nach Auschwitz deportiert werden, steigen an der berüchtigten Rampe aus den Zügen. Entweder wird man sofort in den Gastod geschickt, darunter auch unzählige Kinder und Schwangere, oder man wird als Arbeiter ins Lager eingewiesen. Dort müssen sie sich einer Aufnahmeprozedur in der sogenannten Sauna unterziehen. Dafür müssen sie sich splitternackt ausziehen. Die Haare werden vom Kopf geschoren, die Augenbrauen entfernt, die Achseln, sowie die Scham kahl rasiert. Danach muss jeder unter die Kalte Dusche. (Wie groß diese schlimme Erniedrigung gewesen sein muss, können wir wohl noch nicht einmal ansatzweise erahnen). Es gibt keine Handtücher zum abtrocknen. Holzschuhe, russische Uniformen, ein dünnes Hemd mit Kopftuch werden ausgeteilt. Ihnen wird alles abgenommen, sogar Sehbehinderte müssen sich von ihren Brillen trennen. Dann kommt die Tätowierung, bis zu 5 Ziffern, nie wieder zu löschen, die Menschen werden namenlos. Jeder Tag beginnt mit einem Zählappell, der manchmal stundenlang andauert draußen in der Kälte.. . Im Jahr 1943 wird Block 10 im Stammlager Auschwitz I zu einer Versuchsstation umgebaut, so kann sich Dr. Carl Clauberg effektiv entfalten. Viele Frauen werden direkt vom Bahnsteig in den Versuchsblock eingeliefert. Die Versuchskaninchen wissen zuerst nicht was Block 10 für sie bedeutet. Welche Scheußlichkeiten auf die Frauen warten, sollen sie bald erfahren. Zu kämpfen sind mit Läusen, Flöhen und diversen Krankheiten wie Fleckfieber, Diärrhoe und Scharlach in den Unterkünften. Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal. Wer krank wird muss ins Gas. Und wer sich Clauberg widersetzt, wird augenblicklich nach Auschwitz/Birkenau geschickt und somit höchst wahrscheinlich in den Tod. Clauberg nimmt seine Patientinnen nicht als Personen wahr. Sogar Schmerzensschreie ließen den gefühllosen Arzt kalt, er schenkte ihnen keinerlei Beachtung. . Einzeln werden die Frauen in die Behandlungszimmer gebracht, wo die Experimente durchgeführt werden. Unter anderem wird den Frauen mit einer 30 cm langen Spritze eine milchige Flüssigkeit in die Gebärmutter gespritzt, immer mit großen Schmerzen verbunden, die die Eileiter verkleben und so zur Sterilisation führen soll.. . Auch Dr. Horst Schumann werden Häftlinge zur Verfügung gestellt. Er bestrahlt die Frauen, bis ihnen kurze Zeit später übel wird bis hin zum Erbrechen und Durchfall. Sie erleiden durch die Bestrahlung teilweise schlimme Verbrennungen mit Eiterwunden. Endergebnis soll auch hier eine Sterilisation sein. Es folgen chirurgische Eingriffe. Eierstöcke werden entfernt. Zum Teil nur mit Lokalanästhesie, so dass die Patientinnen bei vollem Bewusstsein sind. Die Wunden werden mit Toilettenpapier verbunden. Steriles Verbandszeug ist selten.. . Dr. Eduard Wirths ist der Vorgesetzte des gesamten medizinischen Personals. Auch er beteiligt sich an medizinischen Forschungen. Sein Interesse gilt der Früherkennung von Gebärmutterkrebs. Er lässt den Muttermund vieler Frauen entfernen, um diese genauer untersuchen zu können. Den Frauen werden unter anderem Zähne ohne Betäubung gezogen und als Blutspender mißbraucht. Über mehrere Wochen hinweg wurden ihnen große Mengen Blut abgezapft bis zur Bewusstlosigkeit.. . Einige jüdische Häftlingsärzte werden zu chirurgischen Eingriffen verpflichtet. Wer sich weigert, wird erschossen. (Man muss sich mal diese Situation vorstellen. Die jüdischen Ärzte experimentieren an Mithäflingen mit dem Wissen, dass diese vielleicht nicht überleben. Immer die brutale SS im Rücken. Unter welchem Druck diese Ärzte gestanden haben müssen., um ja die Befehle richtig auszuführen, immer mit der Angst um das eigene Leben, ist schwer vorstellbar). . Die genauen Details der vielen medizinischen Experimente werde ich nicht schildern, das würde hier den Rahmen sprengen. Diese werden exakt von Zeitzeuginnen berichtet und ist besser im Buch nachzulesen.. . Die Mütter unter ihnen mußten entweder mit der schrecklichen Gewissheit leben, dass ihre nutzlosen Kinder vergast werden, oder mit der unerträglichen Ungewißheit was mit ihren Kindern geschehen ist, nachdem sie sie versteckt haben, bevor sie nach Auschwitz deportiert wurden. Unaussprechliche physische Qualen. Die Nazis haben sich das Recht genommen, so über menschliches Leben zu entscheiden. Größenwahn spielte damals wohl eine große Rolle. Die Folter, die diese armen Menschen über sich ergehen lassen mussten, ist mit nichts wieder gutzumachen.. . Das Buch konfrontiert den Leser mit persönlichen schockierenden Aussagen vieler Zeitzeugen. Unendlich viele Zahlen werden aufgenommen. Jahreszahlen, Alter der Häftlinge, tätowierte Nummern und Zahlen der Opfer und Häftlinge und deren Namen. Der Alltag in Block 10 wird ausführlich beschrieben.. Neben Hunger und Not und dem entgültigen Gastod wartet auf viele Menschen eine Odyssee des Grauens. Für die Überlebenden ist auch Jahre später nach der Befreiung der roten Armee nichts mehr so wie es einst war. Die Meisten kehren ohne ihre Familien zurück in die Heimat. Freiheit ist ohne Bedeutung! Denn viele Jahre nach dem Krieg sind die Erniedrigungen bei den Auschwitz-Überlebenden allgegenwärtig. Die psychischen und physischen Spätfolgen der Experimente begleiten sie weiter.. . Was Hans-Joachim Lang hier zusammengetragen hat, ist bemerkenswert und schafft allen Opfern einen Raum, der für immer bestehen bleibt.. . Für die damals passierten Abscheulichkeiten gibt es keine passenden Worte. Sie hinterließen bei mir ein Gedankenchaos, von dem ich mich tagelang nicht befreien konnte. Noch nie hat mich ein Buch so sehr betroffen gemacht wie dieses!!!

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  • Rezension zu "Die Frauen von Block 10" von Hans-Joachim Lang

    Die Frauen von Block 10

    Gospelsinger

    16. February 2012 um 02:26

    „Ein Nebel voll Verzweiflung liegt in diesem Gebäude, durchdringt alles Leben und lastet auf Seelen, die nie mehr zur Ruhe kommen können.“ Das Gebäude ist Block 10 im Stammlager Auschwitz. Hier werden Frauen unterschiedlichen medizinischen Experimenten ausgesetzt. Nicht nur Mengele hat Auschwitz genutzt, um Menschenversuche durchzuführen, sondern noch eine ganze Reihe anderer Ärzte. Ärzte, die ständig sowohl gegen ihren Hippokratischen Eid, als auch gegen die Menschenrechte verstoßen. Ärzte, die Frauen krank machen, statt sie zu heilen. Ärzte, die es nicht kümmert, dass die Frauen bleibende Schäden erleiden oder sterben. Ärzte, für die Frauen nur Versuchskaninchen sind, keine Menschen. Hans-Joachim Lang beschreibt detailreich und gründlich recherchiert die Situation der Frauen in Block 10, die Experimente, ihren Alltag und ihre Widerstandskraft. Das Buch ist so lebendig geschrieben, das es mir manchmal schwer fiel, weiter zu lesen, so plastisch stand mir das Leiden der Frauen vor den Augen. Die Bandbreite der Versuche und medizinischen Eingriffe war groß. Skurrile Vorlieben wie die Skelettsammlung des Anatomieprofessors August Hart kamen ebenso vor, wie das knallharte bevölkerungspolitische Interesse an effektiven Methoden zur Massensterilisation. Bestrahlungen mit Röntgenstrahlen, willkürlich herbeigeführte lebensgefährliche Infektionen, giftige Einspritzungen in die Gebärmutter zur Sterilisation und die Entnahme zu großer Blutmengen führten zu heftigsten Schmerzen und zu Todesfällen bei den Frauen. Skurril ist, dass Frauen zu exzessiven Blutspenden gezwungen wurden, um Blutkonserven für verwundete Soldaten herzustellen. Jüdisches Blut in arischen Adern! Man könnte lachen über diese Unlogik, wenn es für die Frauen nicht so ernste Folgen gehabt hätte. Schockierend war für mich die Erkenntnis, dass ich persönlich von den Experimenten profitiert habe. In Block 10 wurde nämlich auch an der Früherkennung von Gebärmutterhalskrebs geforscht. Die daraus resultierende Vorsorgeuntersuchung hat durch die rechtzeitige Diagnose der Erkrankung mein Leben gerettet. Als ebenso schockierend empfinde ich die Tatsache, dass fast alle Auschwitz-Ärzte nach dem Krieg ungehindert wieder in ihrem Beruf arbeiten konnten. Im Gegensatz zu den betroffenen Frauen hatten sie keine Einschränkungen in ihrer Arbeitsfähigkeit und in ihren Verdienstmöglichkeiten zu ertragen. Die betroffenen Frauen dagegen, die unter lebenslangen Gesundheitsproblemen leiden und nur bedingt arbeitsfähig sind, haben Probleme, für das, was ihnen angetan wurde, entschädigt zu werden. Das am Ende des Buches beschriebene Verhalten der Bundesrepublik in der Frage der Entschädigungen ist schlicht und ergreifend skandalös. Dass bei aller Liebe zum wissenschaftlichen Detail für Hans-Joachim Lang die Frauen im Mittelpunkt der Beschreibung stehen, ist für mich die größte Stärke dieses lesenswerten Buches.

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