Hans-Joachim Maaz Die narzisstische Gesellschaft

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Inhaltsangabe zu „Die narzisstische Gesellschaft“ von Hans-Joachim Maaz

Unsere Gesellschaft ist in die Narzissmus-Falle geraten. Solange wir keine Mittel und Wege finden, den Narzissmus und die ihm zugrunde liegende Bedürftigkeit zu zähmen, so lange gleichen alle unsere Versuche, die Krise zu überwinden und die gesellschaftlichen Verhältnisse doch noch zum Besseren zu verändern, einem Stühlerücken auf der Titanic. Gier – den Hals nicht voll kriegen zu können, so lautet die mit Abstand häufigste Antwort auf die Frage nach der tieferen Ursache der Krise unseres Finanz- und Gesellschaftssystems. Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz gibt sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. Gier, sei es nach Geld oder anderen Lebensvorteilen, so kann er zeigen, ist Ausdruck einer narzisstischen Störung. Der narzisstische Mensch ist im Kern ein um Anerkennung ringender, stark verunsicherter Mensch. So tut er alles, um die Bestätigung, die er zum Leben braucht, zu erhalten. Diese narzisstische Kompensation bedarf ständig erweiterter Ablenkung durch Konsum, Besitz, Animation und Aktion. Gier ist keine spezifische Charaktereigenschaft etwa von Bankern oder lediglich Folge falscher Anreize: Für Maaz ist sie ein zentrales Symptom der narzisstischen Bedürftigkeit der meisten Bürger der westlichen Konsumgesellschaften. Besonders ausgeprägt ist sie allerdings bei den Trägern gesellschaftlicher Macht anzutreffen: bei Politikern, Managern und Stars.

Gutes Buch für die Allgemeinbildung.

— lisaaafr

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  • Sind wir alle Narzissten?

    Die narzisstische Gesellschaft

    seschat

    09. August 2014 um 10:51

    Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz zeichnet ein sehr negatives Bild unserer heutigen Gesellschaft. Diese sei größtenteils narzisstisch geprägt. Sind wir alle in die "Narzissmusfalle" geraten? Ich hoffe es mal nicht. Feststeht allerdings auch, dass wer es beruflich zu etwas bringen will, heutzutage gezwungen wird, narzisstisch zu agieren. D. h., nicht nach links und rechts zu schauen, einfach skrupellos das eigene Recht, die eigene Karriere einzufordern/zu verfolgen. Moralisch ist das für Nicht-Narzissten äußerst verwerflich. Der Narzisst kennt es einfach nicht anders, für ihn ist dieses arrogante, rigorose und unsoziale Auftreten eine Ersatzbefriedigung für Kindheitstraumata. Die Menschen, die von ihren Eltern, vor allem ihrer Mutter, während der Kindheit zu wenig Liebe/Anerkennung erfahren haben, suchen sie im Erwachsenenalter Bestätigung. Ob nun im Beruf, im Privaten, egal wo, überall muss man der Beste sein. Lob und Anerkennung ist für Narzissten lebensnotwendig, die Luft zum Atmen. In unser Gesellschaft überwiegt die Zahl der männlichen Narzissten. Sie sitzen meist in Führungspositionen, die sie gekonnt gegen Widersacher uund eigene Mitarbeiter zu verteidigen wissen. Denn nichts ist schlimmer als eine Niederlage, ein Scheitern, weil dies alte Gefühle aus der Vergangenheit auf den Plan ruft, die Mann lieber verdrängt, sei es durch Luxus, Frauen, Machtspiele. Die Spielwiese der Narzissten ist vielfältig, z. B. Politik, Sport (Spitzensportler) etc. Doch eines fällt auf, der Narzisst ist ständig und überall nur mit sich selbst und seinem Erfolg beschäftigt, er ist unfähig Gefühle zu zeigen, Empathie zu empfinden. Alles, auch die Liebe ist egoistisch, Nach Maaz gibt es zwei Narzissmustypen, die Egozentriker (Größenselbst) und die ewigen Versager (Größenklein). Wobei ich selbst mehr Egozentriker kennengelernt und durch Maaz nun besser verstehen gelernt habe. Psychologische Spielchen stehen bei Narzissten an der Tagesordnung, was mich selbst tierisch aufregt. Sie sind nicht ehrlich zu sich und zu anderen, spielen eine Rolle, denn sie wollen gefallen. Kritik und Zurückweisung ertragen sie nicht. Maaz' Ausführungen sind sehr plausibel aufbereitet und damit für Jedermann verständlich. Manchmal hätte ich mir mehr Tiefe gewünscht, sich immer wieder auf die verkorkste Kindheit und den Vgl. von "Größenselbst" und "Größenklein" zu versteifen, ist mir zu einseitig. Reinhard Hallers Buch "Narzissmusfalle" hat mir deutlich besser gefallen, weil allerhand Fallbeispiele aus der beruflichen Praxis angeführt wurden und auch das witzige Moment nicht vernachlässigt wurde. Als positiv möchte ich das Abschlusskapitel von Maaz hervorheben, in dem er äußert kritisch seinen eigen Narzissmus diskutiert. Fazit: Augen auf bei der Berufs- und Partnerwahl. Der Narzisst ist mehr verbreitet als gedacht. ;)

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  • Rezension zu "Die narzisstische Gesellschaft" von Hans-Joachim Maaz

    Die narzisstische Gesellschaft

    UteSeiberth

    30. November 2012 um 18:25

    Der Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz,den ich eigentlich von früheren Büchern hesehr schätze,meint, dass unsere heutige Gesellschaft in eine Narzissmus-Falle geraten ist und damit hat er sicherlich nicht unrecht.Er schildert die verschiedenen "Auswüchse" des Narzissmus, der eigentlich durch eine seelische Bedürftigkeit in der Kindheit entstanden ist und der zur Kompensation z.B. Gier, Macht und ständigen Konsum braucht.Maaz meint dieses Kompensationsverhalten in allen Bereichen unserer Gesellschaft zu finden,vor allem in der Politik,bei Bankiers,Managern und Stars.Da hat er meines Erachtens nicht Unrecht, aber eine Lösung dieses Problems kann er leider auch nicht anbieten.

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  • Rezension zu "Die narzisstische Gesellschaft" von Hans-Joachim Maaz

    Die narzisstische Gesellschaft

    michael_lehmann-pape

    21. August 2012 um 12:47

    Bedürftige Orientierungslosigkeit „Der narzisstische Mensch ist im Kern ein um Anerkennung ringender, stark verunsicherter Mensch“. So leitet der Psychoanalytiker Maaz seine Betrachtung der Ursachen nicht nur der Finanzkrise, sondern vielfacher Krisen der Gesellschaft ein. Ursachen, die sich in „Gier“ vordergründig ausdrücken, eine Gier, die nicht nur auf ein reines Mehr an spekulativen Gewinnen aus ist, sondern auf ein ganz grundsätzliches „Fass ohne Boden“ verweist. Auf ein ständiges Ringen um Anerkennung von Außen, ungeachtet der Erkenntnis, dass die Befriedigung des Menschen von Außen nach Innen kaum möglich ist. Daher ist es folgerichtig, wie bei jeder Sucht, dass die Dynamik zunimmt, ein „Immer mehr“ im Raume steht, welches ebenso „immer mehr“ unbefriedigt zurücklässt und die Spirale der Gier damit noch weiter und noch mehr in Gang setzt. Diese Erkenntnisse sind nicht neu, die narzisstische Störung durchaus gut bekannt. Interessant aber ist es durchaus, wie es Maaz durchaus überzeugend gelingt, die individuelle Pathologie des Narzissten zum einen nachvollziehbar und verständlich darzustellen und zum anderen auf eine allgemeine gesellschaftliche Befindlichkeit zu übertragen. Die immer höhere Geschwindigkeit, die immer deutlicher reine Ich-Bezogenheit, die immer größeren Summen, die im Raume stehen, die erkennbar mangelnde gesellschaftliche Einsicht auch in direkter Krise, alles Zeichen, die auf eine sich potentiell immer schneller steigende narzisstische Sucht hindeuten. Wobei Maaz nicht müde wird, als Ursache all dieser Symptome die „mangelnde Liebe“ zu benennen. Eine Konstellation, die er durchaus drastisch als breites, gesellschaftliches Wechselspiel von „Vampiren“ (Größenselbst) und „Schmarotzern“ (Größenklein“ darstellt. „Machogehabe, Stärkekult, Zwang zum Siegen, gandenloser Konkurrenzkampf, Wachstumsfetischismus und eine gierige Finanzwirtschaft sind Ausformungen narzisstisch-männlicher Kompensation“ und auf der anderen Seiten finden sich in Markenfetischismus, Diätwahn, Mode und Schönheitsidealen entsprechende weibliche Kompensationen, die mittlerweile einander durchweben und ein Gesamtbild einer Gesellschaft ergeben, die sich im Gesamten hochgradig nach äußerer Anerkennung als Triebfeder ausrichtet. Im Gesamten bietet Maaz eine flüssig erläuterte und leicht nachvollziehbare Darstellung zunächst der narzisstischen Störung in vielfacher Hinsicht, in die er hier und dort Verweise zur gesellschaftlichen Dimension einfließen lässt. In den letzten Kapiteln des Buches verdeutlicht er dann fundiert, die gesellschaftliche Dimensionen der Störung. Im letzten Kapitel gibt er einen konstruktiven Ausblick, der in seinen Augen nicht von Politikern oder Wählern gegenwärtig ausgehen kann. Sondern in der Faktion der Nicht-Wähler, derer, die sich abgewandt haben von den Kompensationen der Öffentlichkeit und in der Gruppe derer, die eine grundlegende Veränderung für richtig und wichtig hält sieht Maaz das alleinige Potential für eine „demokratische Revolution“ Ein dynamischer Prozess, der in seinen Anfängen durchaus mit einer individuellen Therapie vergleichbar sein dürfte Mit einem idealistischen Aufruf endet somit dieses interessante Buch und mit dem Wissen des Lesers (und des Autors) dass diese Vision noch utopisch im Raume steht und nicht Massenkompatibel sein wird. . Aber auch mit der wachsenden Überzeugung (auch durch die Argumente, die Maaz vorträgt), dass ein „weiter so“ nicht mehr auf Dauer funktionieren kann und „Wachstumsideologie“ und „Leistungsgesellschaft“ an sich selbst zerbrechen werden. Ernüchternd durchaus, was Maaz an Schüssen zieht, durchaus aber auch mit dem konstruktiven Verweis auf die eigene Reflexion versehen, andere Wege auch für sich selbst zu suchen. Denn es gibt sie. Das lässt sich durchaus bewegend nachlesen in der offenen, persönlichen Geschichte, die Maaz als Fallbeispiel im Epilog des Buches schildert.

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  • Rezension zu "Die narzisstische Gesellschaft" von Hans-Joachim Maaz

    Die narzisstische Gesellschaft

    WinfriedStanzick

    08. August 2012 um 13:13

    Dieses Buch ernüchtert. Es lässt Hoffnungen auf eine baldige Verbesserung gesellschaftlicher Zustände sich in Luft auflösen und alle Perspektiven auf eine menschliche und eben auch zwischenmenschlich lebenswerte Gesellschaft in Rauch aufgehen. Denn Hans-Joachim Maaz, ein seit 40 Jahren praktizierender Psychiater und Psychoanalytiker, der mit Büchern wie „Der Gefühlsstau“ und „Die Liebesfalle“ in der Vergangenheit schon oft die psychische Verfassung des Landes und seiner Menschen scharf und auch oft treffend beschrieben hat, sieht unsere ganze Gesellschaft in einer Narzissmus-Falle. Er führt sie zurück auf eine grundlegende Störung von immer mehr Menschen, deren frühe Mutter-Kind-Beziehung nicht gelingt und die dann in ihrem weiteren Leben narzisstisch gestört an einem grundsätzlichen Minderwertigkeitsgefühl leiden. Eine oder auch mehrere der folgenden Selbstwahrnehmungen und Selbstdefinitionen sind typisch für ihr Seelenleben: • Ich bin nicht liebenswert • Ich bin nicht gut genug • Ich bin nicht berechtigt, ich bin es nicht wert • Ich kann das nicht, ich schaffe das nicht • Das ist zu viel für mich • Ich bin ein Versager, ein Verlierer • Ich bin nicht schön genug • Mich will sowieso keiner • Ich genüge nicht • Ich habe eh keine Chance • Ich bleibe draußen, ich gehöre nicht dazu Und weil das keine guten Gefühle sind, versuchen die Menschen durch allerlei grossartigen Ich-Leistungen zum Erfolg zu kommen. Doch sie bleiben brüchig, denn sie ruhen nicht in einer in der Kindheit erworbenen Bindung und Selbstsicherheit, sondern sie werden durch die früh in der Kindheit erlebte Abwertung quasi pulverisiert. Mangelnde Bindung und Spiegelung sind die Hauptquelle der rasend schnell zunehmenden narzisstischen Störungen. Wer nicht ausreichend gespiegelt und bestätigt wurde, der bleibt einleben lang abhängig von der Zustimmung anderer. Fehlende Empathie als ein wesentliches Zeichen narzisstischer geströter Menschen führt in der Summe zu immer weniger Mitmenschlichkeit und zu einer schon seit langem spürbar werdenden Kälte in der Gesellschaft. Nachdem Hans-Joachim Maaz über 200 Seiten sehr verständlich und lesenswert die narzisstischen Phänomene in den verschiedenen Lebensbereichen der Menschen und der Gesellschaft beschrieben hat, kommt er am Ende zu dem nüchternen und skeptisch-hoffungsvollen Ergebnis: „Solange die Ursachen früher seelischer Verletzungen von Kindern nicht wesentlich vermindert werden können, habe ich die Befürchtung, das sich kollektiv- destruktive Fehlentwicklungen(die er vorher in Fülle beschrieben hat, d.R.) in immer neuen Formen wiederholen. Wenn wir die destruktiven Folgen der narzisstischen Problematik vermeiden wollen, müssen wir uns ernsthaft und engagiert folgenden Aufgaben zuwenden.“ Und dann zählt er drei Aufgaben auf: 1. Wir müssen der Wachstumsideologie entkommen. Sie speist sich nämlich aus narzisstisch unbefriedigten Bedürfnissen. Wir müssen uns konzentrieren auf die Qualität und die Entwicklung unserer sozialen Beziehungen. 2. Wir müssen die Leistungsgesellschaft verlassen. Sie dient der Kompensation seelischer Defizite. Wir müssen lernen, unsere natürlichen Begrenzungen zu akzeptieren, inklusive unserer Endlichkeit. 3. Partnerschaft, Freundschaft, Liebe und Sexualität dürfen nicht mit „Übertragungen“ belastet werden, die aus unerfüllten narzisstischen Sehnsüchten stammen. Das ist harte Arbeit an sich selbst, die man durch ehrliche Mitteilungen und einen offenen Gefühlsausdruck unterstützen kann, ggf. auch durch eine Therapie. Am besten lässt sich diese wichtige Fähigkeit erreichen durch eine bestmögliche frühkindliche Bindung und Bestätigung. Für den einzelnen Menschen sind diese Ziele durch harte und selbstkritische Arbeit an sich selbst durchaus erreichbar, sagt Maaz. Für die Masse der Bevölkerung nicht . Die Gesellschaft muss sich die optimale Betreuung von Kindern zu zentralen Aufgabe machen. Die Entwicklung einer guten Mütterlichkeit und Väterlichkeit und ein Orientierungswandel von der Erziehung zur Beziehung sind nötig. „Die narzisstischen Störungen entstehen in der frühen Kindheit. Dort liegt der Schlüssel für die gesellschaftliche Entwicklung.“ Je mehr einzelne Menschen anders leben wollen und dazu auch psychisch in der Lage sind, so Maaz, desto mehr kann sich die Dominanz der narzisstischen Gesellschaft verändern. Ja, das ist in vielen Dingen und schon immer die Basis aller Hoffnung auf Veränderung. Viele Leute an vielen Orten können das Gesicht der Welt verändern. Ich kenne mittlerweile immer mehr davon, die an sich arbeiten und versuchen, ihren Kindern die nötige Bindung, Liebe und Beziehung zu schenken, die sie brauchen werden, um zu menschlichen und psychisch gesunden Mitglieder einer Gesellschaft zu werden, die nichts dringender braucht als viele solcher junger Menschen.

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  • Rezension zu "Die narzisstische Gesellschaft" von Hans-Joachim Maaz

    Die narzisstische Gesellschaft

    Clari

    01. August 2012 um 18:30

    Gesellschafts -und Kulturkritik auf der Grundlage von Wissenschaft und Forschung. Der aus zahlreichen Veröffentlichungen bekannte Psychoanalytiker Hans- Joachim Maaz führt uns in seinem vorliegenden Buch zu den Ursprüngen des Begriffs "Narzissmus". Diese liegen in der griechischen Mythologie begründet, in der Narziss sich der Liebe seiner Mutter nicht versichert sehen konnte und "sich selbst fremd" blieb. Als Folge davon ist er zur Liebe unfähig und sucht sein Selbstbild gleichsam wie in einem Spiegelbild im Wasser, das sich ihm immer wieder entzieht. Narzissmus beruht nach Heinz Kohut auf einer frühkindlichen Liebesstörung zwischen Mutter und Kind. Ist die innere Zuwendung nicht in Übereinstimmung mit der nach außen gezeigten, kommt es zu den bekannten Störungen beim erwachsenen Menschen, die sich in Selbstüberheblichkeit zeigt und gekoppelt ist an Machtanspruch und unerfüllbare Liebessehnsucht. Narzisstische Menschen glauben sich selber und anderen nicht, dass sie liebenswert sind und kompensieren diesen Zustand mit unentwegten Anstrengungen, sich und andere glauben zu machen, dass sie doch die "Größten" sind. Gelegentlich gibt es auch das "Größenklein", in dem pausenlos an die Umwelt appelliert wird, doch die vermeintliche Kleinheit zu negieren und Größe zu bestätigen. Basierend auf diesem theoretischen Grundwissen entwickelt Hans-Joachim Maaz seine Theorie einer narzisstischen Gesellschaft, auf deren Fehlentwicklung nach seinen Ausführungen fast alle gesellschaftlichen Missstände zurückzuführen sind. Dazu gehören Kriege ebenso wie Massenhysterien; ob Bosbach mit seiner abweichenden Meinung vom Mainstream, Eva Hermann oder Thilo Sarazin, Günter Grass u.a: die Verfolgung anders Denkender irritiert den Autor ebenso wie die Schuldenlast, der Konsumwahn und die Gleichmacherei. Vor "Selbstentfremdung" wird gewarnt, denn "es gibt kein richtiges Leben im Falschen" ( Adorno). Unter den Charakter des Narzissmus subsumiert Hans-Joachim Maaz eine Vielzahl gesellschaftlicher Phänomene unserer Zeit. Wenngleich zahlreiche seiner Analysen mir einleuchtend und stimmig erscheinen, so erweckten so manche seiner Thesen auch meinen Widerstand. Sind doch die Phänomene der "Gruppendynamik" ein ganz eigenes Feld in der Psychodynamik zwischenmenschlichen Verhaltens, wie wir das aus der Literatur und aus dem täglichen Leben kennen. Kriege in Afghanistan oder in den arabischen Ländern könnte ich auch nicht alle unter die Ursachen narzisstischer Störungen einordnen. Die friedliche Revolution der Wendezeit in der ehemaligen DDR war m. E. nur möglich, weil das Volk nicht aus narzisstischen sondern aus sehr realen Wünschen nach mehr Freiheit, Selbstbestimmung und Demokratie eine Veränderung herbeiführen wollte. In der Folge waren allerdings tatsächlich wieder die Thesen des "Größenselbst" und des "Größenklein" wirksam; hier der Westbürger mit seiner Überheblichkeit, dort der Ostbürger mit seiner "Kleinheitsangst". Aber waren das nur noch Folgen einer nicht gelungenen Mutter- Kindbeziehung? Es mag dahingestellt bleiben. Umfassend und genau sind die Beispiele, anhand derer in einzelnen Kapiteln Ursache und Wirkungsformen des Narzissmus abgehandelt werden. Das Buch ist alles in Allem eine gut verständlich geschriebene, höchst anregende und nachdenkenswerte Gesellschafts - und Kulturkritik.

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