Hans-Joachim Schädlich Kokoschkins Reise

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Inhaltsangabe zu „Kokoschkins Reise“ von Hans-Joachim Schädlich

Kreuzfahrt durch ein schicksalhaftes Jahrhundert Fjodor Kokoschkin ist Gast an Bord des Luxusliners Queen Mary 2. Der rüstige Mittneunziger kehrt zurück in die USA, wo er seit den dreißiger Jahren eine neue Heimat gefunden hat. Jeden Tag auf See werden Erinnerungen an die Orte seiner Vergangenheit wach: St. Petersburg, die Stadt seiner Kindheit, wo die Bolschewiken 1918 seinen Vater ermordet haben. Odessa, wohin seine Mutter mit ihm geflohen ist. Berlin, bevor die Nazis sich breitmachten. Zwischen den Tischgesprächen und der Karaoke-Bar an Bord wendet sich Kokoschkin schließlich der fünfzig Jahre jüngeren Architektin Olga Noborra zu ... Lakonisch, fast beiläufig, erzählt Hans Joachim Schädlich in diesem Buch von der langen Geschichte des zwanzigsten Jahrhunderts. «Hans Joachim Schädlich ist einer der ganz Großen in der zeitgenössischen deutschen Literatur. Zweifellos ist dieser wunderbar weise Roman sein tröstlichstes Buch.» DIE ZEIT

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  • Rezension zu "Kokoschkins Reise" von Hans Joachim Schädlich

    Kokoschkins Reise
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    09. December 2010 um 15:20

    Sehr nüchtern, lakonisch und unsentimental schreibt Hans Joachim Schädlich die Geschichte seines Protagonisten Fjodor Kokoschkin. Und dabei so gut! Kokoschkin befindet sich auf dem Weg nach Hause. Er reist in diesen Tagen des Jahres 2005 mit dem Schiff von Europa zurück in die USA. Kokoschkin ist bereits über 90 und wollte noch einmal seine Heimat besuchen, die Stationen seines früheren Lebens in Europa und Russland. Auf dem Schiff lernt er einige Passagiere näher kennen, vor allem Olga Noborra, mit der er die meiste Zeit verbringt. Schädlich beschreibt Kokoschkins Welt, die sich in all den Jahren so sehr verändert hat, in knapper Sprache und fast ausschließlich durch Dialoge. Jedes Wort mehr droht dabei die Situation zu verändern, würde einfach nicht mehr passen. Einige russische Schriftsteller sind in die Handlung eingebunden, wie zum Beispiel Iwan Bunin, Wladislaw Chodassewitsch oder Nina Berberova. Alle helfen sie Fjodor und seiner Mutter so gut sie können zu überleben, nachdem der Vater im Krankenhaus von den Bolschewiken ermordet wurde. Kokoschkins Lebensgeschichte erzählt auch die Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sehr gelungen sind die Stationen seines Lebens beschrieben, wie er sich durch die Vorkriegswirren kämpfen muss, bis er schließlich in die USA auswandern kann. Wer keine Ahnung von den damaligen Geschehnissen hat, wird in “Kokoschkins Reise” zwar keine Geschichtsstunde nachholen, kann sich aber einen wirklich guten Einblick verschaffen: Bolschewiken, das Berlin der 20er und frühen 30er Jahre, Nazis in Deutschland, später auch das Scheitern des Prager Frühlings. Sehr eindrücklich, weil eben lakonisch und sprachlich oft reduziert, schreibt Schädlich über Emigration in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Grunde ja auch ein Thema, das immer noch präsent ist. Es geht jedoch nicht nur politisch in Kokoschkins Lebensgeschichte zu. Natürlich gibt es auch eine schöne Liebesgeschichte, die aber leider aufgrund der politischen Umstände zum Scheitern verurteilt ist. Alles in allem ein wirklich gelungener Roman, für den Hans Joachim Schädlich dieses Jahr den internationalen Buchpreis Corine erhalten hat.

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  • Rezension zu "Kokoschkins Reise" von Hans Joachim Schädlich

    Kokoschkins Reise
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    12. March 2010 um 08:46

    Eine große Reise Fjodor Kokoschkin, fünfundneunzig Jahre alt, Exilrusse und emeritierter Biologieprofessor, ist der sympathische Protagonist in Hans Joachim Schädlichs Roman "Kokoschkins Reise". Ein Roman, dessen Handlung man auch unter dem Begriff "Erinnerung an das zwanzigste Jahrhundert" zusammenfassen könnte. Wenn man bedenkt, dass Hans Joachim Schädlichs Roman "nur" 189 großzügig bedruckte Seiten hat, ist das ein gewagtes, mutiges Unterfangen. Hans Joachim Schädlich lässt seinen Helden im Jahr 2005 zurück nach Europa reisen, wo er davor erst einmal nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten von Amerika war, und das im Prag und der damaligen Tschechoslowakei des Jahres 1968, als er das Scheitern des Prager Frühlings durch die brutale und blutige Intervention der Sowjets miterlebte, um wichtige Orte seiner Kindheit noch einmal zu besuchen. Einen guten, alten Bekannten aus dem Prag des Jahres 1968 stellt er Fjodor Kokoschkin als Reisebegleiter und literarisches Ohr zu Seite. Während Kokoschkin seinem Reisepartner Jakub Hlavácek in St. Petersburg, Prag und Berlin die Geschichte seiner Kindheits- und Jugendjahre erzählt, hat Fjodor Kokoschkin in abwechselnden Szenen schon die Heimreise von Southampton nach New York an Bord der "Queen Mary II" angetreten. Virtuos wechselt Hans Joachim Schädlich zwischen diesen zwei Reisen, die in Summe ein großartiges Porträt eines wundersamen Mannes als Zeuge eines gewaltsamen und harten Jahrhunderts ergeben. Als der Vater des achtjährigen Fjodors 1918 von den Bolschewiken ermordet wird, flieht er mit der Mutter zuerst nach Odessa, von wo die Flucht zuerst nach Prag weiterführt. Wichtige russische Schriftsteller, wie der erste russische Nobelpreisträger Iwan Bunin, Nina Berberowa und Wladislaw Chodassewitsch begleiten sein Leben. 1934 flieht er vor der Naziherrschaft nach Prag, das sich für ihn als Zwischenstation auf dem Weg in die Vereinigten Staaten von Amerika erweisen wird. "Im Hotel sagte Kokoschkin: Mama kam nach Hause und weinte. Sie sagte, Papa sei im Hospital gestorben. Ich weiß nicht, von wem sie erfahren hatte, was geschehen war. Ich wollte ins Hospital, Papa noch einmal sehen. Mama sagte, das gehe nicht, dort herrsche Seuchengefahr. Sie weinte und schrieb einen Brief. Unser Hausmädchen brachte den Brief fort. Das Hausmädchen kam nach zwei Stunden mit einer Antwort zurück. Mama packte zwei Koffer, einen für mich, einen für sich. Das Hausmädchen half ihr. Zuletzt legte Mama unsere Papiere, Geld und ein gerahmtes Foto von Papa in ihren Koffer." An Bord der "Queen Mary II" trifft Fjodor Kokoschkin die um etwa fünfzig Jahre jüngere Olga Noborra, der die Rolle der Begleiterin des charmanten Kokoschkin auf der Heimreise zufällt. Beeindruckend, wie Schädlich es schafft, aus einer reinen Zufallsbegegnung eine nach den Regeln der alten Schule ganz leicht erotisch angehauchte Art des Umgangs miteinander entstehen zu lassen, ohne dabei je zu vergessen, dass Olga Noborra zu ihrem Mann zurückreist und Fjodor Kokoschkin ein rüstiger fünfundneunzigjähriger Mann ist. Hans Joachim Schädlichs Prosa ist das Resultat einer absoluten, von allen oberflächlichen Farb- und Geruchssinnen befreiten, reduzierten Erzählweise, die, ähnlich einem Destillat, besonders intensiv und überraschenderweise höchst poetisch ist. Sein bewusster Verzicht auf Metaphern zwingt ihn, nur das wirklich Wichtige zu sagen, was diesem gewichtigen, schweren Thema auf frappierende Art sehr entgegenkommt. Dezente Querverbindungen, Hinweise, Übereinstimmungen und ein subtiles metrisches Gerüst geben seinem Roman die feine, abgerundete und funktionierende Form, die die verschiedenen Schichten dieses Romans so überzeugend lebensfähig machen. "Kokoschkins Reise" ist ein beeindruckender, großer Roman eines reifen, wichtigen und äußerst originellen Schriftstellers mit einer unverkennbar eigenen Sprache, dem der Rezensent im Dickicht der vielen deutschsprachigen Neuerscheinungen eine positive Resonanz und eine zahlreiche Leserschaft wünscht. (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at, Roland Freisitzer; 03/2010) --------------------------------------------------------------------------------

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