Hans-Lothar Merten

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Autor von Scheinheilig, Schöner Schein – Marktplatz Kunst und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Hans-Lothar Merten

Scheinheilig

Scheinheilig

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Erschienen am 26.02.2018
Schöner Schein – Marktplatz Kunst

Schöner Schein – Marktplatz Kunst

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Erschienen am 20.08.2017
Vertreibung aus dem Paradies

Vertreibung aus dem Paradies

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Erschienen am 20.03.2017
Vermögen richtig schützen

Vermögen richtig schützen

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Erschienen am 10.10.2016
STEUEROASEN Ausgabe 2015

STEUEROASEN Ausgabe 2015

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Erschienen am 26.08.2014

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Rezension zu "Scheinheilig" von Hans-Lothar Merten

Eher geht ein Schiffstau durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes gelangt
R_Mantheyvor 9 Monaten

So müsste es nach der Meinung von Sprachforschern eigentlich im Neuen Testament heißen. Dort findet man allerdings statt Schiffstau das Wort Kamel. Den eigentlichen Sinn dieses Gleichnisses ändert das jedoch nicht.

Die katholische Kirche ist eine überaus reiche Organisation, der nach diesem Gleichnis das Reich Gottes, dem sie schließlich zu dienen glaubt, versperrt ist. Was für eine paradoxe Situation! Schon vor Jahren machte die Vatikanbank Schlagzeilen, weil ihr (wohl zu Recht) unredliche Geschäftspraktiken vorgeworfen wurden, unter anderem Geldwäsche für die Mafia. Obwohl diese Baustelle inzwischen fast geräumt zu sein scheint, bleibt das ganze Finanzwesen des Vatikans in hohem Maße intransparent. Die katholische Kirche ist faktisch ein riesiges weltumspannendes Unternehmen, das offensichtlich nicht in der Lage ist, nachvollziehbare Bilanzen vorzulegen. Die Gründe dafür sind ebenso vielschichtig wie das finanzielle Gesamtkonstrukt der sogenannten Weltkirche.

Der Autor dieses Buches versucht etwas Licht ins Dunkle zu bringen. Und was dabei herauskommt, ist dann doch ziemlich überraschend. Irgendwie konnte man ahnen, dass die Kirche im Geld schwimmt, aber die Ausmaße sind dann doch viel gewaltiger als man glaubte. Neben diesem Aspekt kommt noch etwas anderes ins Spiel, das auch nicht jedem Leser vorher in dieser Deutlichkeit bewusst war: Von einer faktischen Trennung von Kirche und Staat kann in Deutschland keine Rede sein. Der deutsche Staat liefert den beiden christlichen Kirchen jährlich Milliardenbeträge durch Zahlungen, Steuererlässe und andere Wohltaten. Welche Summen sich in diesem Zusammenhang ergeben ist schlicht unfassbar. Die Kirchen danken es mit staatspolitischer Unterstützung.

In seiner "Conclusio" am Ende des Buches kommt der Autor zu einem weltweiten Gesamtvermögen der katholischen Kirche von ungefähr 2,3 Billionen US-Dollar, womit sie unter den global agierenden Vermögensverwaltern auf dem dritten Platz steht. Die Kirche selbst schweigt dazu, und die Zahlen des Autors sind selbstverständlich Schätzungen. Und natürlich liegen die Billionen nicht in irgendeinem Bunker und stehen zur freien Verfügung. Selbstverständlich würde die Kirche niemals den Kölner Dom verkaufen, der in ihrem Vermögen mit aufgeführt wird, aber das Bistum Köln verfügt über anderen Immobilienbesitz und kalkuliert damit Einnahmen von fast 800 Millionen Euro jährlich, die wiederum auch nicht nur auf die hohe Kante gelegt werden, sondern zum Beispiel in die Verwaltung, die Substanzerhaltung oder das Kirchenpersonal fließen.

Die Kirche argumentiert, dass sie keine "Konzernabschlüsse" benötige, weil sie nicht gewinnorientiert arbeiten würde. Das liegt weit von der Wahrheit weg. Zugeben kann man das jedoch nicht, denn dann wären vielleicht doch Steuern fällig. Das wäre doch mal etwas Neues, denn die Kirchen nehmen nur Steuern ein, die ihnen der Staat überweist, weil er sie eingetrieben hat. Sie zahlen jedoch keine Steuern, weder auf ihren Grundbesitz, noch auf sonstige Besitztümer. Neben vielen anderen Zuweisungen, die im Buch genau beschrieben werden, erhalten die Kirchen in Deutschland auch noch immer Entschädigungen, für Ereignisse, die mehr als 200 Jahre zurückliegen. Das Grundgesetz verlangt schon seit seiner Inkraftsetzung, dass dieser Zustand zu beenden ist. Geschehen ist jedoch bisher nichts. Und so fließen seit Anfang des 19. Jahrhunderts jährlich enorme Beträge zu den Kirchen, weil die deutschen Fürsten sich an kirchlichen Territorien schadlos hielten, nachdem ihnen Napoleon ihre Gebiete wegnahm. Seit der Gründung der Bundesrepublik wurden den Kirchen bisher auf diese Weise rund 20 Milliarden Euro zugeschoben.

Man findet in diesem Buch zunächst eine Beschreibung des Unternehmens Kirche. In diesem ersten Kapitel befasst sich der Autor unter anderem auch mit den zahlreichen dubiosen Finanzgeschäften des Vatikans, die bis heute anhalten und selbstverständlich profitorientiert sind. Wie das mit den im Neuen Testament formulierten Ansprüchen zu vereinbaren ist, bleibt eine von der katholischen Kirche unbeantwortet Frage. Im zweiten Kapitel geht es dann um die eigentliche Finanzierung der katholischen Kirche, also um Spenden, Kirchensteuern und Staatszuschüsse. Danach beschreibt der Autor im dritten Kapitel den Kirchenschatz, jedenfalls dort, wo man ihn einigermaßen gut sieht. So wird beispielsweise allein der Immobilienbesitz der Kirche in Italien auf aktuell über eine Billion Euro taxiert, selbstverständlich steuerfrei. Dem italienischen Staat entgehen damit 700 Millionen Euro an Grundsteuer jährlich.

Das Unternehmen Kirche wird dann im vierten Kapitel beleuchtet. Anders als zu Beginn des Buches geht es hier nicht ums Allgemeine oder ums Prinzip, sondern um die Einzelunternehmen wie Missionswerke, Brauereien, Medienunternehmen und Ähnliches. Es schließt sich ein Epilog an, der vom gegenwärtigen Machtkampf innerhalb des Vatikans berichtet. Papst Franziskus nimmt man gerne ab, dass er Ordnung ins System bringen möchte, denn im Grunde seines Herzens scheint er Kommunist zu sein. Jedenfalls kann man das vermuten, wenn man seine Einlassungen zu ökonomischen Fragen liest, die der Autor durchaus kritisch sieht. Nach allem, was man aus diesem Buch erfährt, ist es jedoch sehr unwahrscheinlich, dass sich Franziskus tatsächlich durchsetzen kann, denn erstens fehlt der Kirche dazu einfach wegen ihrer Organisationsstruktur der Durchblick und zweitens scheinen die Kräfte des Beharrens viel mächtiger zu sein als der Papst selbst. Ein Papst, der nicht weiß und nicht wissen kann, was wirklich in der finanziellen Unterwelt seines Imperiums abläuft, kann es auch nicht reformieren.

Jesus jedenfalls lehnte Besitz für sich ab. Die katholische Kirche dagegen gehört zu den größten Vermögensverwaltern dieser Welt. Eine Besitzvermehrung außerhalb ihrer eigentlichen seelsorgerischen Aufgaben passt nicht in ihr eigenes Bild. Oder doch? Denn schließlich tut sie es ja.

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