Hans-Ulrich Treichel Der Verlorene

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Inhaltsangabe zu „Der Verlorene“ von Hans-Ulrich Treichel

Hans-Ulrich Treichels Erzählung handelt von einer Familie, an deren Leben nichts außergewöhnlich scheint: Der Flucht aus den Ostgebieten im letzten Kriegsjahr folgt der erfolgreiche Aufbau einer neuen Existenz in den Zeiten des Wirtschaftswunders. Doch es gibt für sie nur ein einziges, alles beherrschendes Thema: die Suche nach dem auf dem Treck verlorengegangenen Erstgeborenen, nach Arnold. »Arnold ist nicht tot. Er ist auch nicht verhungert«. Das erfährt der kleine Bruder und Ich-Erzähler eines Tages von seinen Eltern: »Jetzt begann ich zu begreifen, daß Arnold, der untote Bruder, die Hauptrolle in der Familie spielte und mir die Nebenrolle zugewiesen hatte.« In der Vorstellung des Jungen wird das, was der Eltern größter Wunsch ist, zum Alptraum: daß der Verlorene gefunden wird. Lakonisch-distanziert und zugleich ungemein komisch erzählt Treichel von den psychischen Auswirkungen der Brudersuche, von den emotionalen Höhen und Tiefen und den subtilen Mechanismen, die die Eltern und auch der Sohn im Umgang mit dieser alle belastenden Situation entwickeln.

Lakonisch-ironisch beschreibt der Ich-Erzähler die Suche nach dem auf der Flucht verlorenen Bruder. Gelungen.

— BluevanMeer
BluevanMeer

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  • Depressionen im Wirtschaftswunderland

    Der Verlorene
    PaulTemple

    PaulTemple

    01. March 2015 um 17:49

    Als Sohn von Flüchtlingen aus Ostpreußen, wächst der Protagonist und Ich-Erzähler in den 1950er Jahren im Westfälischen auf. Gezeichnet vom Verlust und dem unklaren Verbleib ihres zweiten Sohnes Arnold, der auf der Flucht verloren gegangen ist, fristet die Familie ihr Dasein im Wirtschaftswunderland. Die Mutter von Depressionen geplagt, der Vater - als Flüchtling in Westdeutschland zum sozialen Aufstieg verdammt - stürzt sich in die Arbeit, der Sohn bleibt über und sieht seinen verschollenen Bruder mehr und mehr als Feindbild. Wundervolle, nüchterne Erzählung mit einem angenehmen Schuss Ironie! 

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  • Rezension zu "Der Verlorene" von Hans-Ulrich Treichel

    Der Verlorene
    marcelsarman

    marcelsarman

    Die Mutter des Ich-Erzählers, der die Geschichte seiner Kindheit in der Nachkriegszeit erzählt, hat auf der Flucht aus Ostpreußen aus Panik vor der Erschießung ihren Sohn Arnold einer fremden Frau in die Hand gedrückt. Im anschließenden Durcheinander haben sich die beiden Frauen aus den Augen verloren und der Sohn Arnold blieb von nun an verschwunden. Die Familie muss in den folgenden Jahren damit klarkommen, dass Arnold von nun an "Der Verlorene" ist. Trotz des immer größer werdenden Wohlstands ist der verschwundene Sohn allgegenwärtig und bestimmt die Gedanken und Gefühle der kleinen Familie.  Der Erzähler, Arnolds Bruder, erlebt allerhand skurrile Begebenheiten: die Tante setzt sich mit dem Rücken zum Fernseher, weil die streng gläubige Frau Fernsehen für Sünde hält, sein Vater zwingt ihn Schweinehirn zu essen, weil Hirn natürlich klug macht. So vergehen die Tage in der Wirtschaftswunderzeit: doch plötzlich gibt es Hoffnung Findelkind 2307 könnte der lange gesuchte und schmerzlich vermisste verlorene Sohn sein. Die Familie begibt sich nach Heidelberg dort werden Fußabdrücke und Kopfformen verglichen, doch dass das Findelkind 2307 tatsächlich Arnold ist, kann nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden. Traurig und verzweifelt tritt die Familie den Heimweg an, doch die Mutter hat nur noch einen brennenden Wunsch: den Jungen zu sehen, den sie trotz gegenteiliger wissenschaftlicher Gutachten für ihren Sohn hält. Doch im Weserbergland angekommen verläuft die Begegnung mit dem vermeintlichen Sohn ganz anders als geplant. Bewertung: Eine interessante Erzählung, die den Alltag der 50er Jahre liebevoll beschreibt. Diese berührende Familiengeschichte ist traurig, witzig und tragisch zugleich. Lediglich die schier endlosen und mühsam zu lesenden wissenschaftlichen Gutachten stören etwas den Lesefluss: 4 Sterne.

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    Sabine17

    Sabine17

    09. November 2014 um 16:03
    buchjunkie schreibt Interessantes Thema!

    Finde ich auch.