Hans-Ulrich Treichel Grunewaldsee

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Inhaltsangabe zu „Grunewaldsee“ von Hans-Ulrich Treichel

Paul liebt Berlin, vor allem Westberlin, sofern man Westberlin lieben kann, wenn man in einer dunklen Hinterhofwohnung in Kreuzberg lebt. Und er liebt Maria, die Spanierin mit den graugrünen Augen und der Motorradjacke. Die beiden lernen sich in Málaga kennen, wo er als Sprachlehrer jobbt, während er auf eine Referendariatsstelle wartet. Maria, die angehende Ärztin, wird für ihn zur Liebe seines Lebens, und doch muß er sie bald verlassen: Sie ist verheiratet und erwartet ein Kind. Aber bei seinem Abschied aus Spanien ruft sie ihm nach: »Permanecemos juntos!« - »Wir bleiben zusammen!« Marias Versprechen soll kein leeres bleiben: Sie sehen sich wieder, in Deutschland. Von der Lobby des Münchner Hotels Vier Jahreszeiten aus brechen sie auf zu einer Reise, die freilich nur einen halben Tag dauert ... Auf einem olivenbestandenen Grundstück hoch über dem Meer in Südspanien und an den mit Hunde-Urin verseuchten Stränden rund um den Grunewaldsee verwickelt Bestsellerautor Hans-Ulrich Treichel seinen Helden in eine Liebesgeschichte, wie sie nur dieser Meister der heiteren Melancholie und des lakonischen Spotts erzählen kann: voller Abstürze und in höchstem Maß vergnüglich.

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  • Rezension zu "Grunewaldsee" von Hans-Ulrich Treichel

    Grunewaldsee
    WinfriedStanzick

    WinfriedStanzick

    11. July 2012 um 13:06

    Das Traurige und das Lustige liegen in Hans-Ulrich Treichels neuem Roman immer ganz nahe beieinander. Denkt man auf den ersten Seiten, wenn man in die Geschichte von Paul, der Hauptfigur eingeführt wird, noch, man habe es einmal wieder mit einem diese zahllosen Romane zu tun, in denen Männer darüber berichten, warum sie ihr Leben nicht bewältigen, zu kleiner wirklichen Beziehung fähig sind und sich überdies noch nicht erwachsen von ihren eigenen Eltern gelöst haben, spürt man bald, wie Treichel ganz treffsicher mit den beiden literarischen Stilmitteln der Lakonie und der Ironie bei diesem Thema spielt und ihm damit eine ganz ungewohnte, seltsam leichte und weniger ernste Konnotation gibt. Es geht um Paul. Paul ist Anfang dreißig und wartet Mitte der achtziger Jahre in Berlin auf einen Referendariatsplatz. Mit Nebenjobs bestreitet er seinen Lebensunterhalt, der durch monatliche Überweisungen seiner alten und nicht gerade wohlhabenden Mutter, die ihm schon de Hälfte des Elternhauses in einen Dorf bei Braunschweig überschrieben hat, auf das Existenzminimum aufgestockt wird. Ihm ist das manchmal peinlich, aber wie viele andere dieser Generation tut er nichts dazu, sich davon unabhängig zu machen. In Niedersachen etwa könnte er schon lange als Lehrer arbeiten, aber das schon oft beschriebene Berliner Milieu hat es ihm angetan. Er wohnt in Kreuzberg und tut immerzu das, was er gut gelernt hast: er wartet, dass sich etwas Entscheidendes in seinem Leben ändert. Das scheint der Fall zu sein, als er in Spanien , wo er in Malaga einen schlecht bezahlten Job als stundenweise Deutschlehrer angenommen hat, Maria kennen lernt. Er verliebt sich sofort in sie, und sie, seit einigen Wochen von ihrem Mann schwanger, verbringt mit Paul Monate voller leidenschaftlicher und variantenreicher Liebesnächte und -tage. Von Liebe ist niemals die Rede, Paul traut sich nicht und Maria ist realistisch. Dennoch ruft sie ihm beim Abschied ein "Permanecemos juntos!" zu (" Wir bleiben zusammen!"), an dem sich Paul die folgenden Jahre festklammert wie an einem Strohhalm. Kaum ein halbes Dutzend Mal haben sie in diesen Jahren telefoniert, er hat viel geschrieben, sie immer nur knappe Karten und viele Bilder von der größer werdenden Tochter geschickt. So wie vor der Zeit mit Maria auch besteht Pauls Leben aus einem Warten in einer seltsamen Heimatlosigkeit, ein Leben und eine Liebe im Schwebezustand. Er bekommt keine tragende berufliche Tätigkeit zustande und von einem unabhängigen wirklich erwachsenen Leben kann keine Rede sein. Irgendwann trennt Maria sich von ihrem Mann und teilt Paul mit, sie wolle ihn in Deutschland besuchen. Der wittert seine Chance, macht Pläne ihr sein geliebtes, mittlerweile vereintes und verändertes Berlin zeigen. Doch Maria will nach München. Als sie endlich zusammenkommen, ist alles ganz anders, als er sich das erträumt hat ... Menschen, die in Berlin leben oder lebten, ehemalige Berliner Studenten werden ein Deja-Vu nach dem anderen haben. Ihnen ist aber zu wünschen, dass sie anders als Paul nach einen Studium, wie lange es auch gedauert haben mag und wer immer es bezahlt hat, ihr Leben, auch ihr Liebesleben besser in den Griff bekommen haben als die traurige Hauptfigur dieses doch sehr hintergründigen Romans. Natürlich spielen der Grunewaldsee und auch die Pfaueninsel eine große Hintergrundrolle in diesem Buch, in dem der interessierte Leser so manches lernt über die Schinkel-Architektur und die preußische Landschaftsgärtnerei. Kommentar

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  • Rezension zu "Grunewaldsee" von Hans-Ulrich Treichel

    Grunewaldsee
    Clari

    Clari

    22. March 2010 um 17:06

    Heiter, humorvoll und melancholisch: ein Meisterstück! Held des neuen Romans von Hans-Ulrich Treichel ist der liebenswerte Paul, arbeitsloser Historiker, der in Berlin-Kreuzberg wohnt. Er wandert gerne mit seiner Freundin um den Grunewaldsee. Der Uringestank der herumtollenden Hunde kann ihr Glück nicht trüben. Paul dümpelt durchs Leben,weil er noch lange auf eine Referendariatsstelle fürs Lehramt warten muss. Zur Überbrückung verschlägt es ihn als Deutschlehrer nach Malaga in Spanien. Dort wird die schöne Maria zur großen Liebe seines Lebens, allerdings einer Liebe mit Hindernissen. Zu Paul mit seiner treuherzigen und liebenswerten Ausstrahlung entwickelt man spontan herzliche Zuneigung. Er ist drollig, lakonisch und immer auf der Suche nach dem Glück, das sich nicht recht einstellen will. Im Hause von Marias Onkel findet er ein preiswertes Unterkommen. Leider war der Onkel, was Paul nicht wusste, Mitglied der Guardia Civil, einer faschistischen Truppe unter Spaniens Francoregime. Das passt ihm nun gar nicht! Schließlich stammt Paul aus einer alten SPD Familie und ist selber Mitglied der Lehrergewerkschaft. So wandelt sich Glück bei ihm häufig in Ungemach. Er steht dann ratlos vor Tatsachen, denen er mit seinem weichen und eher entschlusslosen Gemüt ausgeliefert ist. Hans-Ulrich Treichel verknüpft sein Gesellschaftsbild mit dem Schicksal seines Helden, und ihm entschlüpft so manch’ passendes Bonmot zur Gegenwart. Die Gedanken seines Helden reihen sich frei assoziierend aneinander und führen ihn durch den Tag mit allen Glücksmomenten und Unbilden, die es im Leben so gibt. Umwerfend ist die Beschreibung einer Szene in Kreuzberg, in dem Proleten, Studenten und Türken in freundlicher Gemeinschaft zusammenleben; in seinen Fantasien meckern die Ziegen aus Anatolien im Hinterhof .....doch dann folgt der Bruch: während einer Seminararbeit über das Mittelalter dröhnt türkische Musik herüber und die Idylle bekommt einen Knick. Hans-Ulrich Treichel zeigt als schönes Beispiel, dass es Denker gibt, die selber denken, und jene, die nur Vorgedachtes wiedergeben können. Sein Held gehört zu letzteren! Unterhaltsam und gewitzt nimmt die Erzählung ihren Lauf und führt zu Einsichten und alltäglichen Bedrückungen, die zutiefst erheiternd sind. Der lakonische und leicht makabere Humor, mit dem es u.a. um Tod, Beerdigungen und eine verwitwete Mutter geht, die Paul mit zunehmender Distanz betrachtet und seine urkomischen Beobachtungen anstellt, bieten nur einen Teil dieses Heldenstücks. Paul spielt die Hauptrolle und gibt in seiner naiven, erwartungsfrohen Haltung einen leicht zu beeindruckenden Toren, der mit Ironie und Selbstironie durchs Leben geht. Seine Liebesgeschichten sind hoffnungsfroh und leichtlebig, doch das Ende der Jugend kündigt sich an! Es geht um die Fragen des Lebens, des Glücks und vor allem um die Liebe. Die Erzählung ist intelligent, witzig, humorvoll und ernst zugleich. Man kann ihr nur das höchste Lob zollen!

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