Hans-Ulrich Wehler

 4,3 Sterne bei 59 Bewertungen
Autor von Nationalismus, Die neue Umverteilung und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Hans-Ulrich Wehler

Studium der Geschichte und der Soziologie an den Universitäten Köln, Bonn, Athens/Ohio (USA)1960: Promotion1968: Habilitation1968–1970: Privatdozent in Köln1970/1971: Professor an der Freien Universität BerlinSeit 1971: Professor für Allgemeine Geschichte an der Universität Bielefeld1972: Gastprofessor an der Harvard University, Cambridge/Massachussetts1976: an der Princeton University, Princeton/New Jersey1983/1984: an der Stanford University, Stanford/California1989: Harvard University1996: Emeritierung1997: Yale University1999: Ernennung zum auswärtigen Ehrenmitglieddes amerikanischen Historiker-Verbandes 2003: Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen 2004: Ehrensenator der Universität Bielefeld

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Hans-Ulrich Wehler

Neue Rezensionen zu Hans-Ulrich Wehler

Cover des Buches Frauen-Geschichte (ISBN: 9783518112847)A

Rezension zu "Frauen-Geschichte" von Ute Frevert

200 Jahre Frauengeschichte bis "heute".
Admiralvor 6 Jahren

Die Frau in 200 Jahren Geschichte. Auf einem chronologisch und thematisch gemischten Weg beschreibt Ute Frevert in diesem Buch "Frauen-Geschichte- Zwischen Bürgerlicher Verbesserung und Neuer Weiblichkeit" (1986) den Weg des weiblichen Geschlechts bis in die Gegenwart.


Frevert hat die lange Zeitspanne in 5 Phasen eingeteilt und diese unter verschiedenen Fragestellungen beleuchtet. So behandelt beispielsweise das Kapitel zum 19. Jahrhundert ("Kapitel II. Das 19. Jahrhundert: Einhegung und Aufbruch"; S. 63-145) die Reaktion des Biedermeier auf die Enttäuschung der fehlenden politischen Integration oder die Frauenbewegung im Rahmen der Revolution von 1848. Hier differenziert sie auch das Kollektiv der Frau auf und unterscheidet sozialdemokratische, proletarische und bürgerliche Frauen. Der erste umfassende Vorstoß für die Frauen in "moderne" Verhältnisse findet dann in der Weimarer Republik statt ("Kapitel III. Die Entdeckung der 'modernen Frau' 1914-1933"; S. 146-199), wo aus der Katastrophe des 1. WK heraus eine umfassende Verselbständigung der Frau notwendig wurde, da Männer in großer Zahl ausfielen, da sie eingezogen wurden und dort evtl. auch umkamen. Frauen fanden hier Betätigungsfelder in vorher von Männer dominierten Bereichen der Wirtschaft und übernahmen zu Hause die direkte Führung. Der BDF (Bund Deutscher Frauenvereine) wirkte auch intensiv und öffentlichkeitswirksam an Durchhalteparolen mit (S. 146-163).


Positiv anzumerken ist auch, dass aus dem Buch heraus so gut wie keine Intention herauszulesen ist. Es liest sich nicht wie eine zielgerichtete Beschreibung der Frauen aus der männlichen Knecktschaft heraus in eine freie, glorreiche Emanzipation (oder ähnliches). Hin und wieder klang vielleicht (!) eine gewisse Verteidigung der kollaborierenden Frauen mit dem Nazi-Regime durch (S. 208 ?) und widerständige Frauen scheinen auch eher Platz zugesprochen zu bekommen.


Was meiner Meinung nach noch immer brandaktuell ist, ist ihre Andeutung der fehlenden Männeremanzipation (sic !). Nicht nur Frauen sollen in von ehemals männerdominierte Bereiche vordringen, sondern auch Männer können/sollen/müssen in ehemals von Frauen dominierte Bereiche vordringen, um eine optimale Gleichwertigkeit bewirken zu können (S. 313). Hier ist jedoch auch der makel anzumerken, dass Frevert nicht auf die Kinder als leidtragende einer nur zT durchdachten Emanzipation zu betrachten sind (schaut dazu mal in meine Kommentare hier zu Gaschke rein. ich denke, ich habe auch mal was zu ihr geschrieben). Einerseits sind Frauen zur Verantwortung zu ziehen, da sie die ihnen vormals zustehende familiäre Sphäre vernachlässigen, um sich selbst zu verwirklichen, andererseits sind (wahrscheinlich noch mehr !) Männer daran beteiligt gewesen, da sich kein Verständnis bei ihnen dafür entwickelte, dass sie sich mehr im familiären Bereich betätigen. Dieses Thema schneidet Frevert nur sehr dezent.



Hiermit wäre ich schon bei meinem letzten Punkt. Ihr habt gesehen, dass das Buch 1986 publiziert wurde. Damit ist das Buch überholt. Dass es eine Frauenquote gibt, dass Merkel und von der Leyen so wichte Ressorts und politische Funktionen übernommen haben, dass an Universitäten mittlerweile die Hälfte der Studenten (oft sogar noch mehr !) Frauen sind und dass es mittlerweile sogar (meiner sehr subjektiven Auffassung nach !) sozial betrachtet, beinahe bereits zu einer Bevorzugung des weiblichen Geschlechts kommt ("Genderkeule" ?), ist wohl aus zeitgenössischer Sicht des Buches nicht bis nur zT absehbar.
Dennoch sind noch immer einige Probleme, die auch Frevert anspricht, brandaktuell: eben die Männeremanzipation und die punktuell noch immer vorhandene Frauenzurücksetzung im Beruf zB.
Dennoch täte dem Buch mal eine Aktualisierung ganz gut. Es würde sich auch lohnen, weil der Großteil des Buches eine historische Fragestellung ist.




Kurze Schlussanmerkung: schön, dass es keine gegenderte Sprache ist.

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Cover des Buches Die Deutschen und der Kapitalismus (ISBN: 9783406659454)L

Rezension zu "Die Deutschen und der Kapitalismus" von Hans-Ulrich Wehler

Essays zu geschichtlichen Entwicklungen
Lesefreund6203vor 8 Jahren

Essays zu geschichtlichen Entwicklungen

Der Titel dieses Bandes spiegelt bei weitem nicht den gesamten Inhalt wieder, sondern benennt nur eines der Themen, denen sich Wehler zuwendet.

20 kurze Texte. Kleine Feinheiten, Einblicke im Rahmen vieler verschiedener Themen findet der Leser zur Lektüre vor.
Vom titelgebenden Essay über den „miserablen Stil der Sarrazin-Debatte“, von der Frage nach „Europas Preis der Freiheit“ zu einer „Ehrung für Fritz Stern“, von einer Betrachtung der „Generation `45“ über die „soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik“ bis hin zur „neuen Umverteilung“ reicht dabei die Palette an Themen.

Themen, die einerseits Historisches behandeln (wie die „Spiegel Affäre“, die „Vollendung des Rechtstaates“ oder auch „Das Hitler-Regime“) und andererseits ganz aktuelle Themen mit aufgreifen (Quoten Regelung, Primat der Sicherheit u.a.).

Ebenso Themen, die einerseits teils ein „großes Ganzes“ in den Blick nehmen (Das Verhältnis zum Kapitalismus, das Hitler Regime im Gesamten, die Verhältnisse von Geschichtswissenschaft und Sozialwissenschaft und Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft) und Themen, die sich sehr konkret einer sehr eingegrenzten Frage zuwenden (nicht, ohne dabei allgemeine Rückschlüsse zu ziehen) wie in Bezug auf die Debatte im Thilo Sarrazin oder eben die Quote.

Essays und Aufsätze in einem breiten Spektrum somit, welche das Buch dem Leser nahebringt.
Texte in denen selbstverständlich die pointierte und dezidierte Meinung Wehlers deutlich erkennbar, teils durchaus auch als polemisch vom Autor selbst benannt, nach vorne tritt.

Das Ganze thematisch grob geordnet nach „Problemen der deutschen Politikgeschichte“ (erster Hauptteil), nach „Problemen der modernen Geschichtswissenschaft“ (zweiter Hauptteil“ und „Verschiedenes“ im dritten Hauptteil.

So findet der Leser, sprachlich nachvollziehbar und durchaus mit gewichtigen Argumenten versehen, von der Forderung der „Abkehr neoklassischen Wirtschaftsverständnis“ hin zur Renaissance der „deutschen Denkschule der Verbindung von Herrschaftsverband und Wirtschaftsverlauf“, über die Reflektion von Max Webers „Lehre von der charismatischen Herrschaft“ in Verbindung gebracht zu Hitlers „charismatischer Herrschaft“, hin zu einem „Plädoyer für die Quote“ ein vielfaches an reflektierten Themen, die sicherlich gerade in der Breite der Themen auf unterschiedliches Interesse stoßen werden.

Gerade der zweite Hauptteil zu Grundfragen der Geschichtswissenschaft dürfte die Breite der Leserschaft nicht unbedingt interessieren, während die aktuellen Themen des dritten Hauptteils doch für die aktuelle Diskussion (gerade auch im Blick auf die zunehmende „Ungleichheit“) pointiert nachdenkenswerte Betrachtungen in sich vereint.

Klar verständlich, teils polemisch, in der Meinung entschieden auftretend, schafft Wehler durchaus einen „Mehrwert“ an Meinung, der durchaus lesenswert, wenn auch nicht durchweg die gleichen Interessenten ansprechend, in diesem schmalen Band nun vorliegt.

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Cover des Buches Frauen-Geschichte (ISBN: 9783518112847)S

Rezension zu "Frauen-Geschichte" von Ute Frevert

Geschlechtergeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
Sokratesvor 9 Jahren

Ute Frevert, eine der renommiertesten Historikerinnen unserer Zeit, widmet sich in dieser Monographie der Geschlechterrollen ab dem Ende des 18. Jahrhunderts. Wie begannen sich die Geschlechtervorstellungen nach dem Ende der Französischen Revolution in Rechtswissenschaft, Gesellschaft, Rechtswirklichkeit und Kultur neu auszutarieren? Welche Ideen kursierten im von der Aufklärung angestoßenen Diskus? Wie lebte man tatsächlich, welche Paare definierten ihre Ehe/außereheliche Beziehung oder gar ihre Sexualität jenseits des Mainstreams. Ute Frevert schreibt ansprechend und relativ eingängig. Vorkenntnisse zur Gesellschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts sind jedoch unumgänglich, um die von ihr gebrachten Forschungsergebnisse zu kontextualisieren. Für die Geschlechtergeschichte eine unverzichtbare Monographie.

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