Hans-Ulrich Wehler

 4.5 Sterne bei 27 Bewertungen
Autor von Nationalismus, Das Deutsche Kaiserreich 1871-1918 und weiteren Büchern.

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Rezension zu "Die Deutschen und der Kapitalismus" von Hans-Ulrich Wehler

Essays zu geschichtlichen Entwicklungen
michael_lehmann-papevor 5 Jahren

Essays zu geschichtlichen Entwicklungen

Der Titel dieses Bandes spiegelt bei weitem nicht den gesamten Inhalt wieder, sondern benennt nur eines der Themen, denen sich Wehler zuwendet.

20 kurze Texte. Kleine Feinheiten, Einblicke im Rahmen vieler verschiedener Themen findet der Leser zur Lektüre vor.
Vom titelgebenden Essay über den „miserablen Stil der Sarrazin-Debatte“, von der Frage nach „Europas Preis der Freiheit“ zu einer „Ehrung für Fritz Stern“, von einer Betrachtung der „Generation `45“ über die „soziale Ungleichheit in der Bundesrepublik“ bis hin zur „neuen Umverteilung“ reicht dabei die Palette an Themen.

Themen, die einerseits Historisches behandeln (wie die „Spiegel Affäre“, die „Vollendung des Rechtstaates“ oder auch „Das Hitler-Regime“) und andererseits ganz aktuelle Themen mit aufgreifen (Quoten Regelung, Primat der Sicherheit u.a.).

Ebenso Themen, die einerseits teils ein „großes Ganzes“ in den Blick nehmen (Das Verhältnis zum Kapitalismus, das Hitler Regime im Gesamten, die Verhältnisse von Geschichtswissenschaft und Sozialwissenschaft und Geschichtswissenschaft und Politikwissenschaft) und Themen, die sich sehr konkret einer sehr eingegrenzten Frage zuwenden (nicht, ohne dabei allgemeine Rückschlüsse zu ziehen) wie in Bezug auf die Debatte im Thilo Sarrazin oder eben die Quote.

Essays und Aufsätze in einem breiten Spektrum somit, welche das Buch dem Leser nahebringt.
Texte in denen selbstverständlich die pointierte und dezidierte Meinung Wehlers deutlich erkennbar, teils durchaus auch als polemisch vom Autor selbst benannt, nach vorne tritt.

Das Ganze thematisch grob geordnet nach „Problemen der deutschen Politikgeschichte“ (erster Hauptteil), nach „Problemen der modernen Geschichtswissenschaft“ (zweiter Hauptteil“ und „Verschiedenes“ im dritten Hauptteil.

So findet der Leser, sprachlich nachvollziehbar und durchaus mit gewichtigen Argumenten versehen, von der Forderung der „Abkehr neoklassischen Wirtschaftsverständnis“ hin zur Renaissance der „deutschen Denkschule der Verbindung von Herrschaftsverband und Wirtschaftsverlauf“, über die Reflektion von Max Webers „Lehre von der charismatischen Herrschaft“ in Verbindung gebracht zu Hitlers „charismatischer Herrschaft“, hin zu einem „Plädoyer für die Quote“ ein vielfaches an reflektierten Themen, die sicherlich gerade in der Breite der Themen auf unterschiedliches Interesse stoßen werden.

Gerade der zweite Hauptteil zu Grundfragen der Geschichtswissenschaft dürfte die Breite der Leserschaft nicht unbedingt interessieren, während die aktuellen Themen des dritten Hauptteils doch für die aktuelle Diskussion (gerade auch im Blick auf die zunehmende „Ungleichheit“) pointiert nachdenkenswerte Betrachtungen in sich vereint.

Klar verständlich, teils polemisch, in der Meinung entschieden auftretend, schafft Wehler durchaus einen „Mehrwert“ an Meinung, der durchaus lesenswert, wenn auch nicht durchweg die gleichen Interessenten ansprechend, in diesem schmalen Band nun vorliegt.

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Rezension zu "Die neue Umverteilung" von Hans-Ulrich Wehler

Rezension zu "Soziale Ungleichheit in Deutschland" von Hans-Ulrich Wehler
michael_lehmann-papevor 6 Jahren

Ein analysierender Blick in die neuere deutsche Geschichte

Das Hans-Ulrich Wehler den „Neoliberalismus“ und die „Mär“ von den allein sich selbst (in guter Weise) regulierenden Märkten energisch und wissenschaftlich begründet ablehnend gegenüber steht, macht er klar erkennbar (nicht nur durch das Stichwort „Voodoo“ im Blick auf all jene, die dem „völlig freien Markt“ das Wort reden).

Dies aber ist nur der Auslöser und bestenfalls ein Nebenstrang in der eigentlichen Darstellung, die Wehler akribisch und sorgfältig recherchiert vorlegt.

Weder geht es ihm um eine -zig Seiten lange Schelte der „Billionen-Verpulverert, noch geht es ihm um die ausführliche Entwicklung eines „prophetischen“ Programms zur Lösung all der Verwerfungen und der zunehmend zu beobachtenden sozialen Ungleichheit.

Ziel und Ansinnen Wehlers ist es vielmehr, aus der Geschichte, somit aus den kollektiven Erfahrungen heraus, genau einzukreisen und auf den Punkt zu bestimmen, wieweit sich die soziale Ungleichheit bereits entwickelt hat, was, zum zweiten, in vorhergehenden Perioden als „sozial ausgleichende Regelungen der Massendemokratien“ diese Ungleichheit im Zaum gehalten hat, und, zum dritten, welche Deregulierungen und falsche Entscheidungen nachweislich als Ursache nun zunehmender sozialer Probleme benannt werden können.

Auf allen drei Ebenen legt Wehler interessante, nachvollziehbare und, in Sprache und Stil, jederzeit verständliche Ergebnisse vor, die zwar an manchen Stellen arg trocken dargestellt werden (in der Auswertung der Einkommens- und Vermögensstatistik, z.B.), die aber an anderer Stelle flüssig beschrieben durchaus auch Randzonen der Beobachtungen mit ins Boot zu nehmen verstehen. Der weitgehend „in sich geschlossene Heiratsmarkt“ in Deutschland ist solch eine Randzone der öffentlichen Diskussion, bei deren Betrachtung im Buch klare und nachhaltige Beschreibungen des gesellschaftlichen Status quo deutlich werden.

In großer Breite, von der Ungleichheit in Fragen der Bildung, in Fragen des Lebens im Alters, der Altersversorgung „oben und unten“, beim Wohnen bis hin zur Gesundheit, Punkt für Punkt arbeitet Wehler heraus, woran es hapert und wie es zu solchen Entwicklungen kommen konnte. Wobei er immer auf der soziologischen Grundlage verbleibt, dass alle menschlichen Gesellschaften stets hierarchisch in der ein oder anderen Form gegliedert waren.
Hier schreibt kein Utopist, sondern ein sich oft auf Max Weber beziehender Fachmann für soziale Verwerfungen auf der Grundlage historischer Linien.

Einer, der auch das Problem klar benannt: „Mit verschärfter Ungleichheit wird, über kurz oder lang, die Legitimationsgrundlage des politischen Systems durch wachsenden Zweifel in Frage gestellt“. Eine Ungleichheit, deren Ursache eine Missachtung eines weiteren, soziologischen Kernsatzes ist. Menschen benötigen nun einmal zum Zusammenleben definierte und allgemein anerkannte Regeln. Wenn einer konkreten Gruppe Freiheit im Sinne fast völliger Deregulierung eröffnet wird, dann ist es kein Wunder, wenn hier Billionenwerte zerstört werden. Eine Haftung ist ja in durch mangelnde Regeln nicht mehr vorgesehen.

Deregulierung zurückfahren, politisch Handeln durch den „größten Akteur am Markt“, den Staat und dies, realistischerweise, im Rahmen der einzig verblieben Möglichkeiten, „durch Abmilderung einer allzu krass ausgeprägten Hierarchie“
Dies aber, wie erwähnt, als „Programm“ nur am Rande im Buch erwähnt.

Im Gesamten eine sorgfältig bearbeitete Darstellung der aktuelle ersichtlichen sozialen Ungleichheit unter Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung, vornehmlich nach 1950. Wehler liefert damit einen wichtigen Baustein für eine gründliche Reflektion und Diskussion der Rolle des Staates im Blick auf Finanzwirtschaft und wieder her zustellende soziale Gerechtigkeit im Rahmen einer demokratischen, sozialen Marktwirtschaft.

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