Hans-Ulrich Wehler Die neue Umverteilung

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Inhaltsangabe zu „Die neue Umverteilung“ von Hans-Ulrich Wehler

Schwindelerregende Managergehälter am einen Ende der sozialen Stufenleiter – wachsende Kinderarmut und Hartz-IV-Tristesse am anderen. Die Schere öffnet sich, soviel ist klar. Hans-Ulrich Wehler, einer der renommiertesten deutschen Sozialhistoriker, wollte es etwas genauer wissen:
Wer kommt hierzulande nach oben, wer bleibt in der Regel stecken? Wie viel Vermögen haben wie viele? Wer wird gut versorgt, wenn er krank wird, wer ist schlecht dran? Wer heiratet wen? Wer wohnt wie? Verschärft sich die soziale Ungleichheit im Alter? Wie steht es um die Bildungschancen und die Rolle von Geschlecht, Herkunft, Religion, um das Verhältnis von West und Ost? Die Diagnose ist ernüchternd und nicht selten bedrückend: Bei allen eindrucksvollen Leistungen der deutschen Wirtschaft und aller unbestrittenen Wohlstandssteigerung der vergangenen Jahrzehnte ist die Bundesrepublik ein Land der "exzessiven Hierarchisierung" geblieben, in dem der Fahrstuhl nur für wenige nach oben führt, aber für immer mehr nach unten.

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  • Rezension zu "Soziale Ungleichheit in Deutschland" von Hans-Ulrich Wehler

    Die neue Umverteilung

    michael_lehmann-pape

    28. February 2013 um 14:27

    Ein analysierender Blick in die neuere deutsche Geschichte Das Hans-Ulrich Wehler den „Neoliberalismus“ und die „Mär“ von den allein sich selbst (in guter Weise) regulierenden Märkten energisch und wissenschaftlich begründet ablehnend gegenüber steht, macht er klar erkennbar (nicht nur durch das Stichwort „Voodoo“ im Blick auf all jene, die dem „völlig freien Markt“ das Wort reden). Dies aber ist nur der Auslöser und bestenfalls ein Nebenstrang in der eigentlichen Darstellung, die Wehler akribisch und sorgfältig recherchiert vorlegt. Weder geht es ihm um eine -zig Seiten lange Schelte der „Billionen-Verpulverert, noch geht es ihm um die ausführliche Entwicklung eines „prophetischen“ Programms zur Lösung all der Verwerfungen und der zunehmend zu beobachtenden sozialen Ungleichheit. Ziel und Ansinnen Wehlers ist es vielmehr, aus der Geschichte, somit aus den kollektiven Erfahrungen heraus, genau einzukreisen und auf den Punkt zu bestimmen, wieweit sich die soziale Ungleichheit bereits entwickelt hat, was, zum zweiten, in vorhergehenden Perioden als „sozial ausgleichende Regelungen der Massendemokratien“ diese Ungleichheit im Zaum gehalten hat, und, zum dritten, welche Deregulierungen und falsche Entscheidungen nachweislich als Ursache nun zunehmender sozialer Probleme benannt werden können. Auf allen drei Ebenen legt Wehler interessante, nachvollziehbare und, in Sprache und Stil, jederzeit verständliche Ergebnisse vor, die zwar an manchen Stellen arg trocken dargestellt werden (in der Auswertung der Einkommens- und Vermögensstatistik, z.B.), die aber an anderer Stelle flüssig beschrieben durchaus auch Randzonen der Beobachtungen mit ins Boot zu nehmen verstehen. Der weitgehend „in sich geschlossene Heiratsmarkt“ in Deutschland ist solch eine Randzone der öffentlichen Diskussion, bei deren Betrachtung im Buch klare und nachhaltige Beschreibungen des gesellschaftlichen Status quo deutlich werden. In großer Breite, von der Ungleichheit in Fragen der Bildung, in Fragen des Lebens im Alters, der Altersversorgung „oben und unten“, beim Wohnen bis hin zur Gesundheit, Punkt für Punkt arbeitet Wehler heraus, woran es hapert und wie es zu solchen Entwicklungen kommen konnte. Wobei er immer auf der soziologischen Grundlage verbleibt, dass alle menschlichen Gesellschaften stets hierarchisch in der ein oder anderen Form gegliedert waren. Hier schreibt kein Utopist, sondern ein sich oft auf Max Weber beziehender Fachmann für soziale Verwerfungen auf der Grundlage historischer Linien. Einer, der auch das Problem klar benannt: „Mit verschärfter Ungleichheit wird, über kurz oder lang, die Legitimationsgrundlage des politischen Systems durch wachsenden Zweifel in Frage gestellt“. Eine Ungleichheit, deren Ursache eine Missachtung eines weiteren, soziologischen Kernsatzes ist. Menschen benötigen nun einmal zum Zusammenleben definierte und allgemein anerkannte Regeln. Wenn einer konkreten Gruppe Freiheit im Sinne fast völliger Deregulierung eröffnet wird, dann ist es kein Wunder, wenn hier Billionenwerte zerstört werden. Eine Haftung ist ja in durch mangelnde Regeln nicht mehr vorgesehen. Deregulierung zurückfahren, politisch Handeln durch den „größten Akteur am Markt“, den Staat und dies, realistischerweise, im Rahmen der einzig verblieben Möglichkeiten, „durch Abmilderung einer allzu krass ausgeprägten Hierarchie“ Dies aber, wie erwähnt, als „Programm“ nur am Rande im Buch erwähnt. Im Gesamten eine sorgfältig bearbeitete Darstellung der aktuelle ersichtlichen sozialen Ungleichheit unter Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung, vornehmlich nach 1950. Wehler liefert damit einen wichtigen Baustein für eine gründliche Reflektion und Diskussion der Rolle des Staates im Blick auf Finanzwirtschaft und wieder her zustellende soziale Gerechtigkeit im Rahmen einer demokratischen, sozialen Marktwirtschaft.

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