Weltenschöpfer

von Hans-Werner Schmidt 
5,0 Sterne bei1 Bewertungen
Weltenschöpfer
Bestellen bei:

Zu diesem Buch gibt es noch keine Kurzmeinung. Hilf anderen Lesern, in dem du das Buch bewertest und eine Kurzmeinung oder Rezension veröffentlichst.

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Weltenschöpfer"

Der Aufbruch zu neuen Ufern ist Richard Wagner (1813–1883), Max Klinger (1857–1920) und Karl May (1842–1912) gemeinsam. In Sachsen geboren und durch das kulturelle Umfeld der Region geprägt, praktizierten der Komponist, der bildende Künstler und der Schriftsteller in vergleichbarer Weise eine Lebensgestaltung in europäischer Dimension. Alle drei verarbeiteten die eigenen Konflikte mit den gesellschaftlichen Normen in ihren Kunstgestalten und kühnen künstlerischen Visionen. Anlässlich des 200. Geburtstags von Richard Wagner unternimmt der Band eine gattungsübergreifende Zusammenschau der Vorstellungswelten der drei Sachsen, die für die Kunst- und Kulturentwicklung des 19. und 20. Jahrhunderts so ungemein bedeutend waren. Schwerpunkte der Untersuchung bilden dabei die Idee des Gesamtkunstwerks und die symbolisch aufgeladene, pathetisch besetzte Landschaftsauffassung der Künstler, die sich als Schöpfer neuer Welten von parabelhaftem Charakter verstanden.

Ausstellung: Museum der bildenden Künste Leipzig 16.5.–15.9.2013

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783775735377
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:232 Seiten
Verlag:Hatje Cantz Verlag
Erscheinungsdatum:10.05.2013

Rezensionen und Bewertungen

Neu
5 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne1
  • 4 Sterne0
  • 3 Sterne0
  • 2 Sterne0
  • 1 Stern0
  • Sortieren:
    HeikeGs avatar
    HeikeGvor 5 Jahren
    Die sächsischen Olympier

    "In Luigi Pirandellos unvollendetem Drama 'Die Riesen vom Berge' steigt eine erfolglose Schauspieltruppe in einer Villa ab, in der sonderbare Dinge geschehen. Man fällt in diesen Mauern aus der Zeit. Mythologisches hängt in der Atmosphäre. Ein Zauberer lädt das fahrende Volk ein, bei der Hochzeit eben jener Riesen aufzuspielen. Man nennt sie die 'Könige der Welt', sonst weiß man nicht viel über sie. Und hier bricht das Stück ab, der italienische Nobelpreisträger starb 1936 darüber. Die Riesen haben stets Anlass für wildeste Spekulationen gegeben: Handelt es sich um Faschisten oder sind es Theatergötter, zu denen die Gegenwart den Kontakt verloren hat? Und wer ist dieser einsame Zauberer, der nichts von sich preisgibt? Pirandellos Dramatik und Dramaturgie sind geprägt vom Zweifel an der Idee des Kunstwerks. Es hat sich verflüchtigt, lässt sich, wenn überhaupt, nur noch für Momente fixieren. Pirandello war vieles, vor allem aber war er ein Künstler des 20. Jahrhunderts, der 1920er-Jahre, und daraus ergibt sich ein ebenso einfacher wie schlagender Befund: In seinem letzten Stück beschreibt er den Verlust der Künstlerexistenz, wie sie das 19. Jahrhundert geprägt hat. Die Titanen haben abgedankt, es ist die Epoche der Faschisten und Stalinisten, es sind jetzt Diktatoren, die Welten errichten und vernichten. Kurz: Der Künstler hat sich erledigt." (aus "Die sächsischen Olympier" von Rüdiger Schaper und Christine Lemke-Matwey)

    "Die Riesen vom Berge"... Dies könnte auch auf das Dreigestirn Richard Wagner, Max Klinger und Karl May zutreffen. Jeder von ihnen "thronte" gleichfalls auf seine ganz besondere Art auf dem Berge. Sie stammen aus eben jener vorigen Welt, die uns heute wieder so sehr fasziniert und die nur äußerlich untergegangen ist. "Wir gründen, immer noch, immer aufs Neue, aufs 19. Jahrhundert, wir stehen auf ihm. Und was immer die drei unterscheidet und voneinander trennt - sie sind Riesen, Genies, Demiurgen, die imstande waren, nach eigenem Ermessen kohärente Werkzusammenhänge zu schaffen. Sie nahmen den Platz Gottes ein, den andere vom Thron gestoßen hatten, und boten sich als Neu-Götter an: die radikalsten Neuerer sind ja meistens die, die am weitesten in die Vergangenheit zurückgreifen.", stellen Schaper und Lemke-Matwey treffend fest. Sie waren Spieler, Himmelsstürmer, gierten nach Größe und einer von Menschen gemachten Ewigkeit. Sie drehten am großen Rad. Und um dem Ganzen noch eines obenauf zu setzen: "Das die Trias aus Sachsen stammt, hat eine geradezu antike Wucht: Als wäre vom klassischen Athen die Rede, auch einem vergleichsweise überschaubaren Gebiet, das in kurzer Zeit eine so große Zahl von Weltgeistern hervorbrachte und kaum überschaubare Traditionen und Gegenbewegungen gründete."

    Das Museum der bildenden Künste in Leipzig eröffnete am 16. Mai 2013 eine Ausstellung, die diese drei doch so unterschiedlichen Männer zu einem "Gipfeltreffen" einlädt, das die Antike mit Christus sowie heidnische und christliche Religion in Dialog treten lassen möchte und sie letztendlich auf einem höher gelegenen Ort, dem "Olymp", zu vereinen. Das vorliegende Buch ist dabei großartige und hervorragend gelungene Vorbereitung, Ergänzung und exzellente Begleitung dieser "magischen Vereinigung". Wagner, Ernst und May sind "unterwegs zwischen den mythologischen Welterklärungen und Glaubensbekenntnissen, die Kulturgut definieren und Werke formieren.", stellt Hans-Werner Schmidt, der Direktor des ausstellenden Museums in seinem Einführungsartikel fest. Ihr Schöpfen wird im ersten Teil der Ausstellung analysiert und zwar anhand von Richard Wagners Interpretationen der Landschaftsmalerei zu einer bühnenartigen Szenerie, die den Ort für dramatische Handlungsabläufe gibt: Das Meer, der Rhein, der Wald, das Hochgebirge, die typisch wagnerschen Landmarken. Zahlreiche Gemälde anderer "Zeitzeugen" ergänzen das üppige Kompendium. Aber auch der modernen Kunst wird ein Weg eingeräumt. So treten neben den kunsthistorisch, zeitsynchronen Kapiteln zu Wagners Schaffen auch sehr individuelle Sichten von David Timm, Falk Haberkorn oder Clemens Meyer entgegen. "rosalie" wiederum, eine Künstlerin, die für das Bühnenbild und die Kostüme des "Ring des Nibelungen" bei den Bayreuther Festspielen (1994-1998) verantwortlich zeichnete, folgt in ihren Rauminszenierungen "Wagners Idee des Gesamtkunstwerks, dem Anspruch, die Sinne anzusprechen in einer ästhetischen Totalen". Da erscheint Richard Wagner als Heldendisplay in einer Lichtskulptur. Max Klinger trifft man in einer begehbaren Landschaft der Melancholie. Karl May wiederum kann man sich in einer Schlucht nähern, die an ihren Steilwänden in Bildkaskaden die Weite der Landschaft suggeriert und gleichermaßen die Enge der Denkstube spürbar werden lässt. "Der Komponist, der bildende Künstler, der Schriftsteller - sie erfahren ihre Präsenz durch eine mehrfach urige Enkelgeneration im gleichen Fach."

    Fazit: "Weltenschöpfer" zieht in klugen Beiträgen sowie einer immensen Fülle an hochwertigem Bildmaterial vielfältige Parallelen zwischen dem Komponisten Richard Wagner, dem bildenden Künstler Max Ernst und dem Schriftsteller Karl May, die sich nicht nur auf ihre gemeinsame Herkunft aus Sachsen beschränken - und zwar sowohl in ihrer Kunstauffassung als auch in ihrer biografischen Inszenierung des Künstlertums. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist dabei Wagners Landschaftsauffassung, die bezüglich ihrer historischen Bildquellen mit der romantischen Malerei kontextualisiert und zugleich in ein geistesverwandtschaftliches Verhältnis zu Klingers und Mays Bilderwelten gebracht wird. Ein äußerst gelungenes Unterfangen!

    Kommentieren0
    12
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks