Hans-Werner Sinn Gefangen im Euro

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Inhaltsangabe zu „Gefangen im Euro“ von Hans-Werner Sinn

Die Euro-Zeitbombe tickt. Nach Griechenland, Zypern, Spanien und Irland stecken nun auch Frankreich und Italien in ernsten Schwierigkeiten. Die Kapitalanleger konnten sich aus dem Staube machen, weil der deutsche Staat und die Bundesbank an ihre Stelle getreten sind. Viele Hunderte von Milliarden Euro wurden so bereit gestellt: Geld, das für den Erhalt der deutschen Infrastruktur und die Verbesserung der Schulen dringend benötigt worden wäre. Kommen jetzt sogar Eurobonds? Und greifen damit die kriselnden Staaten Süd- und Westeuropas noch direkter in unsere Taschen? In gewohnt deutlicher Manier zeigt Hans-Werner Sinn die Entwicklungen in der Eurokrise auf - vom Krimi hinter den Kulissen bis zur immer wieder verkündeten Alternativlosigkeit der Scheckbuchpolitik, die in Wahrheit nur Angst vor notwendigen Entscheidungen war. Schon jetzt ist klar: Wir und unsere Kinder werden die Zeche zahlen müssen. Und doch lässt sich durch mutiges Handeln das Schlimmste verhindern. Hans-Werner Sinn plädiert für rasche und einschneidende Euro-Reformen - darunter schnelle Schuldenschnitte, eine veränderte Zusammensetzung der Eurozone und die radikale Veränderung der EZB-Stimmengewichte. Der neuen Bundesregierung gibt er damit eine lange Liste von konkreten Hausaufgaben auf den Weg - nur so kann der Frieden in Europa gesichert, kann die schleichende Entmündigung der Bürger und die Entwertung unserer Sparvermögen gestoppt werden.

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  • Ökonomische Gesetze lassen sich nicht aushebeln!

    Gefangen im Euro
    R_Manthey

    R_Manthey

    06. August 2015 um 10:56

    Jeder der zahlreichen Versuche in der jüngeren Geschichte, es doch zu versuchen, endete in einer Tragödie. Auch wenn es die mediale Vernebelung immer wieder zu verhüllen versucht: Die Euro-Krise hat noch nicht einmal wirklich begonnen. Und auch sie ist das Resultat ökonomischer Unvernunft oder des Versuchs, fragwürdige politische Ziele bei gleichzeitiger ökonomischer Ahnungslsoigkeit erreichen zu wollen. Das neue Buch von Hans-Werner Sinn, das eigentlich mehr ein langes Interview ist, zeigt die ganze Dramatik der Lage. Der Text besteht aus drei Teilen: (1) Die Eurokrise verstehen - ein Drama in sieben Akten (2) Die Krise dauerhaft bewältigen - ein sechs Punkte Programm (3) Europa nach vorne denken. Im ersten und längsten Teil befasst sich Hans-Werner Sinn mit dem Beginn und dem Verlauf der Krise, die bisher lediglich scheinbar erfolgreich und zu extrem hohen Kosten verschleppt wurde. Im Sprachgebrauch deutscher Politiker heißt das "Zeit kaufen". Sie kaufen nicht mit ihrem Geld und verschweigen geschickt, was sie wirklich tun. Wenn man Sinns Ausführungen gelesen hat, dann weiß man spätestens danach, dass die vor allem mit dem Geld der deutschen Steuerzahler gekaufte Zeit dazu genutzt wird, um privaten Gläubigern die Chance zu geben, das Spielfeld zu verlassen, damit letztlich der ganze Schaden wieder dem ahnungslosen Steuerbürger aufgehalst werden kann. Hans-Werner Sinn nennt die offiziell verkündete Alternativlosigkeit dieser Politik "Pfadabhängigkeit". Dieser Pfad begann eigentlich schon mit Kohl Ahnungslosigkeit und führte zum Bruch des Maastrichter Vertrages durch fast alle Beteiligte. Doch erst mit dem Beschluss, das schon lange bankrotte Griechenland gegen jede Vernunft über Wasser zu halten, vollzog sich das eigentliche Drama. Die fatale Kaskade immer gigantischerer Rettungsversuche eines falsch konstruierten Systems begann. Sinn zeigt, wie sich die deutsche Politik auf diesem Pfad von den anderen europäischen Nationen des Euroraums schrittweise immer weiter über den Tisch hat ziehen lassen. Auf diesem Tisch liegt nun nach Hans-Werner Sinn die goldenen Kreditkarte, von der deutsche Politiker ernsthaft glauben, dass sie nicht benutzt werden wird. Die Naivität des deutschen Regierungspersonals besteht aber nicht nur darin, sondern vor allem in dem Glauben, dass die anderen Beteiligten die deutsche Angst, Schuld am Scheitern dieses fehlgeleiteten Projekts zu sein, nicht weitestgehend ausnutzen würden. Zu den sechs Akten, in denen Deutschland systematisch ausgespielt wurde, gehört auch die Bankenunion als letzter Bestandteil. In den Medien wurde dies als Rettung der Steuerzahler vor zukünftigen Belastungen gefeiert. Manchmal fragt man sich schon, ob dieser Kinderglaube ernst gemeint ist. In einigen Jahren sollen die europäischen Banken einen Fond mit 50 Milliarden Euro ansparen, der dann zur Rettung schon jetzt scheintoter Artgenossen genutzt werden soll. Das ist lachhaft, denn schon heute wird der Bestand an Ausfallpapieren auf das Dreizehnfache dieses Betrages geschätzt. In Wahrheit dient diese Bankenunion nur dazu, dass vor allem der deutsche Steuerzahlern nun auch noch ausländische Banken retten muss, obwohl er schon mit der Scheinrettung anderer Staaten überfordert ist, wobei das auch noch gegen abgeschlossene Verträge verstößt. Der siebte Akt des Dramas steht aber noch bevor. Oder besser: Er läuft schon indirekt. Denn obwohl wir noch keine offiziellen Eurobonds haben, kann man Konstrukte der Eurorettung bereits als solche auffassen. Das wird in diesem Buch erklärt. Hans-Werner Sinn geht aber auch auf einen Aspekt der Eurobonds ein, der in der öffentlichen Diskussion völlig vernachlässigt wird. Er sagt: " Es ist die Stärke des marktwirtschaftlichen Systems, dass die Schuldner-Gläubiger-Verhältnisse auf der mikroökonomischen Ebene stattfinden und dass wir mit dem Zivilrecht ein Verfahren haben, diese Verhältnisse zu regeln und Streit zu schlichen. Etwas Vergleichbares gibt es auf der zwischenstaatlichen Ebene nicht." Und das ist ein entscheidender Punkt, an dem das sogenannte Friedensprojekt sich ins glatte Gegenteil verkehren kann. Sinn verweist in diesem Zusammenhang auf den amerikanischen Bürgerkrieg, vor dem es eine ähnliche Konstruktion gab. Im zweiten Teil unterbreitet Hans-Werner Sinn dann Vorschläge, wie man die schwelende Krise jetzt noch zwar teuer, aber vergleichsweise glimpflich lösen kann. Die Kosten sind so oder so extrem hoch. Deshalb schlägt er einen radikalen Schuldenschnitt vor. Alles andere würde die Kosten nur noch weiter in die Höhe treiben. Ein solcher Vorschlag würde aber bedeuten, dass sich die deutsche Politik vom eingeschlagenen Pfad lösen müsste. So recht Sinn mit seinem Vorschlag auch hat, so unwahrscheinlich ist dessen Verwirklichung. Denn zuzugeben, dass man gescheitert ist, scheint undenkbar, obwohl es nun wirklich nicht mehr zu übersehen ist. Auch Sinns Vorschlag, die EZB, die einst nach dem Vorbild der Bundesbank konstruiert werden sollte und in der diese Bundesbank nun völlig isoliert dasteht, einschneidend zu reformieren, scheint zunächst unausführbar zu sein. Die Machtverhältnisse sind schließlich im Augenblick für die Pleitestaaten ganz hervorragend organisiert, denn sie haben die Mehrheit in der EZB. Wenn die Verhältnisse in der EU nach ökonomischen Gesichtspunkten umorganisiert werden würden, so wie das im privaten Bereich üblich ist, dann stünde dies in krassem Widerspruch zur Gesamtkonstruktion der EU, die ja gerade darauf ausgelegt ist, ökonomische Machtverhältnisse und dabei vor allem die deutsche Industriemacht nicht widerzuspiegeln. Folglich wird das auch nicht geschehen. Im dritten Teil bekennt sich Hans-Werner Sinn zu europäischen Integration. Er schlägt einen anderen europäischen Vertrag vor und sieht dabei die Kantonsstruktur der Schweiz als Vorbild. Für Schulden sollte es auch eine Hinterlegung eines Pfands geben, so wie das einige europäische Staaten, etwa Finnland bereits vorgemacht haben. Dass solche Vorschläge auf gespielte Empörung treffen, sagt doch nur eines: Die Schuldner haben überhaupt nicht vor, ihre Schulden jemals zurückzuzahlen. Wenn man das erst einmal begriffen hat, dann erschließen sich viele Dinge wie von selbst. Dieses kleine Buch bringt eigentlich alles, was gegenwärtig in der Krise der europäischen Kunstwährung liebend gern im Dunkeln bleiben soll, ans Licht. Der Autor erklärt dabei alles so klar, dass auch Laien es verstehen können. Entstanden ist so ein sehr erhellendes Buch, in dem auch ökonomisch und politisch vernünftige Lösungsvorschläge für einen Ausweg aus der Krise stehen. Natürlich werden sie mit dem gegenwärtigen Personal nicht verwirklicht werden, denn das käme einem totalen Gesichtsverlust dieser selbst ernannten europäischen Eliten gleich. Eines ist jedoch sicher: Die ökonomischen Gesetze werden sich früher oder später durchsetzen. Die Frage ist nur, zu welchem Preis.

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