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Ein LovelyBooks-Nutzer

vor 5 Jahren

Achtes Kapitel - Zehntes Kapitel
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Nun wird Dolls ganze Schwäche offenbar. Nein - er war kein Nazi, ja – er hat das Regime gehasst. Doch hat er keinen wirklichen Widerstand geleistet. Sein Leiden an Deutschland zeigt sich in Passivität und dem Wunsch nach Flucht in den „kleinen Tod“ Erst nach dem Klinik-Aufenthalt und mit zunehmender Genesung erkennt er, dass sein Weg ihn in „eigensüchtige Vereinzelung und fort von der allen gestellten Aufgabe“ geführt hat. Er will mittun beim großen Aufräumen, will mit Arbeit Verzweiflung und Enttäuschung überwinden. Und er will wieder schreiben, will an große Erfolge anknüpfen, will seinen Verleger kontaktieren, will …..
Man leidet, hadert, liebt und hofft mit ihm …. und blättert - ein bißchen bang - zum letzten Leseabschnitt um …

TochterAlice

vor 5 Jahren

Achtes Kapitel - Zehntes Kapitel
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Kleine/private und große/allgemeingültige Probleme werden dargestellt, das Volk räumt auf! Und Doll, ungewollt wieder obdachlos, kehrt in sein Heim zurück und erfährt sowohl Ausbeutung und Ablehnung, als auch - teilweise komplett unerwartete Unterstützung. Mutter Minus, Herr Grundlos, die Schwester im Krankenhaus - sie alle helfen über Gebühr, erinnern sich teilweise an die ihnen gebotene Hilfe in einer anderen Zeit, das alles gibt einen gewissen Mut inmitten des Chaos. Eine eindrucksvolle Passage über die Rückkehr ins Alltagsleben, soweit das bereits möglich ist. Halte ich mir vor Augen, wie kurz das damals alles erst zurücklag, bin ich jedesmal aufs Neue erschüttert. Doll ist ein bisschen stärker, vermag nunmehr, für seine Rechte einzustehen - zumindest etwas. Es gibt Niederlagen - wie auf dem Wohnungsamt, aber eben nicht nur. Er vermag immerhin teilweise schon, Paroli zu bieten und so langsam geht es aufwärts.
Die Passage über die morphiumsüchtig gewordenen Ärzte, die alle zur Entwöhnung ins Sanatorium kamen, hatte was Journalistisches und hat mich auch ganz schön erschüttert.
Die Todessehnsucht, die aus anderen in dieser Zeit verfassten Werken deutscher Autoren (wie Klaus Mann) spricht, ist auch hier stark zu spüren. Fallada/Ditzen hat aber doch keinen Selbstmord begangen, oder? Aber wahrscheinlich hat er auch nicht viel getan, um sein Ende zu verhindern...

aufbauverlag

vor 5 Jahren

Achtes Kapitel - Zehntes Kapitel
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@TochterAlice

Nein, kein Selbstmord. HF starb mit nur 54 Jahren an Herzversagen. Aber respektvoll ist HF zeit seines Lebens nicht mit seiner Gesundheit umgegangen. Ich habe gerade mal in Metzgers Autoren Lexikon nachgeschlagen. Ein Berliner Medizinprofessor soll zu seinen Studenten angesichts des toten Fallada folg. gesagt haben: »Das, meine Herren, was sie hier sehen, ist der ihnen allen bekannte Schriftsteller Hans Fallada, oder vielmehr das, was die Sucht nach dem Rauschgift aus ihm gemacht hat: Ein Appendix!« (Metzler Autorenlexikon, S. 183) - Seine erste Entziehungskur hatte HF mit 24 Jahren.

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Xirxe

vor 5 Jahren

Achtes Kapitel - Zehntes Kapitel
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Welch ein bedauernswerter Mensch! Dennoch muss ich gestehen, dass ich ihm nicht meine ungeteilte Sympathie zuteil kommen lassen kann ;-) denn wie Wortwelten schon schrieb, zeigt sich doch eine gewisse Überheblichkeit und auch Arroganz in seinem Denken, was man schon seit Beginn des Buches entdecken konnte. Doch sobald ihm dann hilfsbedürftige Menschen gegenüberstehen, ist alles vergessen und er ist nur noch voller Mitgefühl und Hilfsbereitschaft, obwohl auch diese Personen durchaus Mitläufer und begeisterte Nazis gewesen sein könnten. Ob es ihm vielleicht schlicht ein gutes Gefühl gibt, der Helfende sein zu dürfen, nachdem er in all den Jahren davor einfach nichts getan hat? Besänftigung des eigenen schlechten Gewissens?
Die beschriebenen Verhältnisse sind einfach unglaublich. Nicht zu wissen, was man am nächsten Tag zu essen hat, die eigene Wohnung von fremden Leuten okkupiert, (fast) das ganze Hab und Gut einfach weg - und das Alles dann noch, ohne dass man jemanden hat der einem zur Seite steht. Das ist ja bereits für Gesunde eine Last ohnegleichen, aber dann auch noch mit einer psychischen (und auch physischen) Vorbelastung - eine Horrorvorstellung. Dass man an so etwas zugrunde gehen kann, sollte niemanden überraschen. Ich bin dennoch gespannt, ob es so etwas wie eine Art von glücklichem Ende noch gibt.

Porcelaine87

vor 5 Jahren

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Xirxe schreibt:
Welch ein bedauernswerter Mensch! Dennoch muss ich gestehen, dass ich ihm nicht meine ungeteilte Sympathie zuteil kommen lassen kann ;-) denn wie Wortwelten schon schrieb, zeigt sich doch eine gewisse Überheblichkeit und auch Arroganz in seinem Denken, was man schon seit Beginn des Buches entdecken konnte.

Das hast du schön ausgedrückt. Ich empfinde ähnlich und frage mich stets, wie ich eigentlich zu Doll stehe. Manchmal habe ich das Gefühl, dass in seiner kleinen Welt niemand außer ihm und seiner Frau so recht Platz hat. Die einzigen Belange, die ihn interessieren, sind auf einen sehr kleinen Personenkreis beschränkt. Über seinem eigenen Leid scheint er jedoch ab und an zu vergessen, dass andere Menschen ebenfalls ein schweres Schicksal haben und deshalb freute ich mich über den letzten Abschnitt des zehnten Kapitels sehr, als er endlich einen Blick über seinen Tellerrand hinaus wagte. Und was sieht er: die Welt dreht sich weiter, die Menschen arbeiten wieder, sie räumen auf, helfen sich gegenseitig in Zeiten größter Not, bauen die Stadt wieder auf. Ich bin sehr gespannt, wie diese Erkenntnis auf Doll wirken wird und ich hoffe sehr, dass er Mut schöpft und weiterhin dafür arbeitet, wieder zu einem halbwegs normalen Leben zurückzuführen und diese leichte Überheblichkeit bzw diese egozentrische Sicht abzulegen.

miss_mesmerized

vor 5 Jahren

Achtes Kapitel - Zehntes Kapitel
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Für mich wirklich bemerkenswert in diesem Abschnitt die Figurenentwicklung. Die Verzweiflung ob der Notlage, die Flucht ins Krankenhaus und wochenlange Betäubung, um alles um sich zu vergessen. Dann das leben wieder packen, erst holprig und zuletzt mit viel Mut und Energie. Ich denke hier hat Fallada auch das ganze Deutsche Volk porträtiert, es klingt ja auch immer wieder in Dolls Worten bzgl. der Deutschen an. Nach dem krieg die Schockstarre, bevor alle wieder anpacken.
Die Rückkehr in die Wohnung war natürlich absurd - ich vermute, dass das durchaus realistisch dargestellt ist, ich komme ursprünglich aus einer eher ländlichen Gegend, wo niemand im Krieg sein Haus verlassen hat, so dass dies umverteilt hätte werden können.

miss_mesmerized

vor 5 Jahren

Achtes Kapitel - Zehntes Kapitel
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aufbauverlag schreibt:
An dieser Stelle würde mich mal interessieren, wie Ihr jetzt - in der Nachbetrachtung - die Geschichte mit dem alten, alkoholsüchtigen Tierarzt Dr. Wilhelm einordnet?

Ich denke ähnlich wie das schon formuliert wurde, dass hier eine Verachtung des Alkohols zum Ausdruck kommt und unterschwellig eben auch die Erkenntnis, selbst ebenso süchtig zu sein. So sehr anders ist die gesellschaftliche Situation heute ja auch nicht, da gibt es tolerierte Drogen und weniger tolerierte.

Kitsune87

vor 5 Jahren

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Larischen schreibt:
Puh, eigentlich unfair, dass Dr. Wilhelm so schlecht abgeschnitten hat. Wobei ich irgendwie auch immer fand, ein wenig Verständnis zu lesen. Das macht jetzt natürlich Sinn. Allerdings glaube ich auch, dass ein Morphinist sich einem Trinker gegenüber überlegen fühlen könnte. Weil es eine andere Art von Droge ist. Und irgendwie wird das alles ja immer von Doll Bett als Krankheit umschrieben. Ich bin noch überrascht, dass das Mophium im ersten Teil eine so kleine Rolle gespielt hat. Dort gibt es ja nur Andeutungen zu seiner Frau. Aber vielleicht war er in dieser Zeit ja auch frei davon. Ich habe Keine Ahnung ob so eine Sucht auch in Schüben verlaufen kann.

Die meisten Leute fühlen sich "Trinkern" gegenüber überlegen, egal was sie selbst für Süchte haben. Alkohol (Nikotin, Zucker usw. ebenso) ist in der Gesellschaft leider eine anerkannte Droge, solange sie mit "Maß" zu sich genommen wird. Man wird dumm angeschaut, wenn man ablehnt und als Frau gleich als erster gefragt, ob man denn schwanger sei. Am Wochenende gibt man sich gerne die Kante und es wird mit alten Sauftouren geprahlt. Rutscht man allerdings ab, will keiner mehr etwas mit einem zu tun haben. Mein Opa war Alkoholiker und im Krankenhaus wurde er wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt. Hab das alles durch ihn miterlebt. Morphium, Kokain usw. gelten ja in Promikreisen auch als "schick". Eigentlich sind diese Drogen alle furchtbar und zerstören den Körper. Es ist lediglich eine anerzogene Dummheit der Gesellschaft, einige als in Ordnung zu betrachten und einige nicht (wie z.B. auch das es okay ist Kühe zu essen, Hunde aber nicht (Deutschland)).

Kitsune87

vor 5 Jahren

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Buecherschmaus schreibt:
Wieder ein sehr interessanter Abschnitt. Was mich besonders beschäftigt hat, war tatsächlich die Vorstellung der kriegsverwüsteten Stadt Berlin. Schon so oft auf erschütternden Bildern gesehen, hat mich besonders die Problematik der Orientierung in der Stadt, wo alle Orientierungspunkte so ziemlich zerstört waren, beschäftigt.

Das stelle ich mir grausam vor. Bei uns in Köln war es laut meiner Großmutter eigentlich sehr einfach. Es stand fast nichts mehr außer dem Dom und man konnte von überall auf ihn schauen und sich so orientieren.

Auch die Wohnsituation der Dolls fand ich grausam. Du baust dir eine Existenz auf und musst dir deine Wohnung nach Kriegsende auf einmal mit anderen Leuten teilen. Was vielleicht in Ordnung gewesen wäre, wenn er zuerst dort gewesen wäre und den anderen Obdach gegeben hätte. Aber ich versuche mir das Gefühl vorzustellen das man bekommt, wenn man endlich "heim kommt" und dann ist doch alles anders als erwartet...

aufbauverlag

vor 5 Jahren

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Kitsune87 schreibt:
Die meisten Leute fühlen sich "Trinkern" gegenüber überlegen, egal was sie selbst für Süchte haben. Alkohol (Nikotin, Zucker usw. ebenso) ist in der Gesellschaft leider eine anerkannte Droge, solange sie mit "Maß" zu sich genommen wird. Man wird dumm angeschaut, wenn man ablehnt und als Frau gleich als erster gefragt, ob man denn schwanger sei. Am Wochenende gibt man sich gerne die Kante und es wird mit alten Sauftouren geprahlt. Rutscht man allerdings ab, will keiner mehr etwas mit einem zu tun haben. Mein Opa war Alkoholiker und im Krankenhaus wurde er wie ein Mensch zweiter Klasse behandelt. Hab das alles durch ihn miterlebt. Morphium, Kokain usw. gelten ja in Promikreisen auch als "schick". Eigentlich sind diese Drogen alle furchtbar und zerstören den Körper. Es ist lediglich eine anerzogene Dummheit der Gesellschaft, einige als in Ordnung zu betrachten und einige nicht (wie z.B. auch das es okay ist Kühe zu essen, Hunde aber nicht (Deutschland)).

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