Hans Fallada Der Trinker

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Inhaltsangabe zu „Der Trinker“ von Hans Fallada

Untergang eines Kleinbürgers In gut zwei Wochen, bis zum 21. September 1944, schrieb Fallada seinen persönlichsten Roman nieder. Zu der Zeit lebte er auf richterlichen Beschluss für dreieinhalb Monate in der Strelitzer Landesanstalt. Vorangegangen war ein Streit mit seiner geschiedenen Frau, bei dem Fallada einen ungezielten Schuss aus seinem Terzerol abgab. „Solange ich schreibe, vergesse ich die Gitter vor dem Fenster“, teilte er seiner Mutter in einem Brief mit. Umgeben von kranken Kriminellen, Wärtern und Pflegern, selten ungestört, schrieb Fallada nicht nur den Roman, sondern noch fünf Erzählungen und seine Sicht auf die Nazizeit nieder. Um das Manuskript zu schützen, tarnte er es durch Unleserlichkeit: fertige, eng beschriebene Manuskriptblätter stellte er auf den Kopf und schrieb in den Zwischenräumen zurück. Mitunter wiederholte er den Vorgang, so dass die Seiten wie mit einer Geheimschrift bedeckt erschienen. In monatelanger Entzifferungsarbeit wurde der Roman nach Falladas Tod im Aufbau-Verlag rekonstruiert. In dieser Fassung erschien er als Lizenzausgabe 1950 im Rowohlt-Verlag, 1953 im Aufbau-Verlag. „Ein zeitloses Dokument über die Abgründe einer Sucht.“ Nürnberger Nachrichten „Indem Hans Fallada das Leiden Sommers beschrieb, legte er auch Zeugnis von sich selbst ab.“ Der Tagesspiegel

Zieht sich an manchen stellen etwas zu sehr.

— Piotr1997
Piotr1997

Rundherum lesenswert - tiefsinnige Studie - Blick in die Seele eines Trinkers

— HEIDIZ
HEIDIZ

Großartiger Klassiker über den Niedergang eines ganz normalen Mannes. Hat nichts von seiner Brisanz verloren, ein ewig aktuelles Thema.

— Queenelyza
Queenelyza

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  • Ein Blick in die Welt der Außenseiter und Verlorenen

    Der Trinker
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    12. August 2017 um 17:02

    Fallada lässt Erwin Sommer, den Unheld, in der Ich-Perspektive erzählen. Sommers Geschäft läuft schlecht. Doch nicht durch äußere Umstände, nein, durch seine eigene Schuld. Er war sich seiner zu sicher. Als er einen wichtigen Kunden an die Konkurrenz verliert, greift er zur Flasche. Und was er nun auch anpackt, es geht schief. Auf einer einwöchigen Geschäftsreise gewöhnt er sich das Trinken an. Er wird kriminell, begibt sich in zwielichtige Kreise, hat immer mehr Abstürze und schafft es so, eines Tages als Untersuchungshäftling ins Gefängnis und danach in eine Heilanstalt eingewiesen zu werden. Beim Lesen dachte ich oftmals, wie naiv dieser Sommer doch ist. Seine Gedankengänge, was er sich alles so ausmalte. Mal, dass er sich mit seiner Frau aussöhnt und er sein Geschäft wieder weiterführt, dann will er sie am liebsten umbringen. Es fiel mir gar nicht so leicht, mir beim Lesen immer bewusst zu machen, dass der Trinker seine Geschichte erzählt. Und dass er während des Erzählens ja unter Alkoholentzug stand. Wenn ich viele unserer heutigen jungen Leute sehen, in welchem Alter diese schon mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus gebracht werden, denke ich, dass das Buch gut als Schullektüre passen würde.Wieder ein tolles Buch meines Lieblingsschriftstellers, der immer nah bei den kleinen Leuten bleibt, "Der Trinker" wurde zweimal verfilmt. 1995 mit dem unvergesslichen Harald Juhnke.

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  • Des Trinkers Untergang ...

    Der Trinker
    HEIDIZ

    HEIDIZ

    04. January 2017 um 16:10

    Ich sehe diesen Roman Falladas als Behörden- und Sucht-"Studie", wobei die Sucht vordringlich im ersten Teil des Buches thematisiert wird, dennoch ein großes Thema des Romans ist.   Glaubwürdig verstrickt kommt die gesamte Handlung sehr lebendig und authentisch rüber, hat mich berührt und bestens unterhalten. Fallada setzt den "Trinker" in Szene, zeigt, wie er sich zu diesem entwickelt, wie er in bestimmten Situationen reagiert - sicher wird der ein oder andere nicken, wenn er die ein oder andere Szene liest, wenn er es evtl. mit einem Süchtigen im Bekannten- oder Verwandtenkreis zu tun hat. Die Heimlichkeit und das Lügen und weitere Eigenschaften eines Trinkers/einer Trinkerin werden thematisiert und am Ende noch einmal zusammenfassend aufgenommen.   Man schaut tief in die Seele Erwin Sommers, der Kaufmanns, des Trinkers, des in die Fänge des Alkohol Geratenen. Man erlebt seine Hochs und Tiefs und wird mit diesem sympathischen Außenseiter bestens unterhalten.     Leseprobe: =========   Wir wandern gemeinsam eine schöne Landstraße entlang, der Wachtmeister und ich. Von dem Kettchen bin ich nun wirklich befreit, das hat den Vorteil, dass ich nun den gar nicht leichten Koffer mal rechts, mal links tragen kann. Der Wachtmeister hat sich eine kurze Pfeife angebrannt und hat auch mir gnädig die Erlaubnis gegeben, zu rauchen.   Fazit: Rundherum lesenswert !!!

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  • Erwin Sommer - Trinker, Gefangener, Irrer

    Der Trinker
    Farbwirbel

    Farbwirbel

    03. September 2016 um 13:32

    Erwin Sommer ist der Trinker in Hans Falladas gleichnamigen Roman. Auf dem Klappentext meiner Ausgabe des Aufbauverlags steht „Untergang eines Kleinbürgers“ und genau ist es wohl auch, aber eben auch einiges mehr. Herr Sommer ist Kaufmann, gut situiert, verheirateter Villenbesitzer und hat bis zum Beginn der Geschichte nie gern Alkohol getrunken. Eines Abends hat er dann aber Lust auf ein Glas Wein mit seiner Frau Magda und da beginnt der Strudel seines Elends.  Erst schafft er es, sein Trinkverhalten zu verheimlichen, nimmt den Leser dabei aber auf eine Wahnsinnsfahrt der Geheimnisse und Paranoia mit. Es ist seltsam, daß ich auch in diesem Zustand schwerster Vergiftung mit keinem Gedanken dem Alkohol abschwor. Im Gegenteil, ich vermied es ängstlich, an ihn auch nur zu denken. Er konnte nicht die Ursache sein, ihn konnte ich nicht aufgeben. Es war mein einziger guter Freund in diesen Tagen der Verlassenheit und Erniedrigung“ Und kaum hatte ich mich ein wenig erholt, kaum gingen Atem und Herz etwas ruhiger, da griff ich wieder zur Flasche, trank von neuem, die Träume zu rufen, das Vergessen zu rufen, einzugehen in das süße Nichts, in dem man weder Sorgen noch Freuden kennt, in dem man weder Vergangenheit noch Zukunft hat. – S. 75 Stück für Stück wird Erwin zum Säufer. Er mietet sich sogar ein eigenes Zimmer an beim durschlagenen Arbeiter Polakowski, damit er fern ab von seiner Frau trinken kann und seinen Rausch ausschlafen kann. Er verhält sich widerlich, verliert Frau, Arbeit und Heim und dennoch sucht er nur nach der nächsten Gelegenheit, Schnaps in sich zu schütten. Dabei hat er eine Bedienstete in einer Kneipe besonders lieb gewonnen und sie wird eine Art Hass- und Liebobjekt für ihn. Er nennt sie reign d’alcohol, die Königen des Alkohols. Stück für Stück erfährt man in Nebensätzen und dergleichen, was Sommer für ein Mensch ist und wieso er vielleicht in diese Situation gekommen ist. Es zeichnet sich ein nachvollziehbares Psychogramm eines Trinkers ab. […] ich aber war wirklich tief gekränkt über all die Ungerechtigkeiten, die mir dieser subalterne Beamte ganz frech ins Gesicht gesagt hatte. Wenn der Mann nicht einsah, daß ich einfach krank gewesen war, als hilfloser Kranker einem Schurken ausgeliefert, so war ihm nicht zu helfen, dann war er der Dumme. Ich jedenfalls war es bestimmt nicht. Ich war nur krank gewesen, war es immer noch… - S. 132 Interessant fand ich den Aufbau des Buches. Erstmal ist der Roman in kleine Kapitel eingeteilt, insgesamt sind es 64. Geschrieben wird er in Ich-Perspektive, was dem Autor die Möglichkeit bot, tief in die Psyche Erwin Sommers einzudringen. Es gibt aber noch eine weitere, erzählerische Unterteilung. Man könnte das Buch in zwei Teile gliedern. Erst geht es um den Untergang eines Kleinbürgers, jawohl, doch danach geht es darum, wie man sich als fast schon ekelerregendes Subjekt in einem Gefängnis und später in einer Heilanstalt verhält. […] – da hielt ich alles für möglich, da fühlte ich, wie hilflos ich großen Mächten ohne Grund ausgeliefert war, Mächten, die kein Herz haben, die kein Mitleid kennen, die nichts Menschliches haben. In eine große Maschine war ich geraten und nichts bedeutete es mehr, was ich tat oder fühlte, die Maschine lief unabänderlich ihren Lauf, ich mochte weinen oder lachen, das merkte die Maschine gar nicht! – S. 172 Hier ist auch der Moment, in dem sich die Geschichte für mich fast in eine Dystopie verwandelt, da die Darstellung der beiden Orte solche Lethargie, Depression und Brutalität aufzeigen, die kaum als wahrhaftig gelten können. Es drängt sich schon die Überlegung auf, dass Sommers Wahrnehmung so stumpf war, weil er gezwungener Maßen trocken leben musste… Auf jeden Fall hat dieser zweite Teil eine starke Tendenz zu Kafka, wie ich fand. Kritisch fand ich die Langatmigkeit des ersten Teils. Eigentlich war es spannend, Sommers Ritt auf dem Teufelskreis zu beobachten, doch wurde es irgendwann sehr dröge. Ich fragte mich, was jetzt auf den vielen Seiten noch kommen möge und ob es jetzt am Ende wirklich darum geht, den Protagonisten bis in die Gosse zu begleiten. Dass es anders kam, berichtete ich ja bereits, doch zeigt der Umstand ja, dass das Buch für mich einige Längen hatte. Der Schreibstil von Fallada ist teilweise schlicht und ohne Schnörkel, dann aber erscheinen dazwischen glänzende Perlen der Sprache, die beweisen, wie gut er doch mit der deutschen Sprache spielen konnte. Der blaue Himmel ist nichts für dich, Gefangener, so blau, die Sonne, Gefangener, die doch Haut wärmt, scheint nicht für dich. Dir fehlt die Weite der Landschaft, nur zu Gaste bist du bei Himmel, frischer Luft und Sonne, deine Minuten sind gezählt, Gefangener. Deine Welt ist das trübe, düster hallende, tote Haus, in dem nie ein befreites Lachen klingt, fremd wurdest du der Sonne, Gefangener. – S. 194 Am Ende bin ich nicht total begeistert über dieses Buch, bin aber froh, es gelesen zu haben und werde wohl noch ein Weilchen darüber nachdenken.

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    • 8
  • Ein großes Werk eines kleinen Mannes

    Der Trinker
    Makollatur

    Makollatur

    „Ich habe natürlich nicht immer getrunken, es ist sogar nicht sehr lange her, daß ich mit Trinken angefangen habe. Früher ekelte ich mich vor Alkohol; allenfalls trank ich mal ein Glas Bier; Wein schmeckte mir sauer, und der Geruch von Schnaps machte mich krank.“ So beginnt einer der bekanntesten Romane des Volkserzählers und Menschenkenners Hans Fallada, der im Trinker nicht nur einen Blick auf eine gescheiterte Persönlichkeit gewährt, sondern dabei auch seine eigene Biographie in die Handlung und Charaktergestaltung mit einfließen lässt. Das Manuskript wurde während einer Haftstrafe verfasst, die Fallada, mit bürgerlichem Namen Rudolf Ditzen, im Jahr 1944 ableisten musste. Vorgeworfen wurde ihm der versuchte Mord an seiner ersten Ehefrau. Hierin decken sich Wahrheit und Fiktion, denn auch die Hauptperson im Trinker, der Geschäftsmann Erwin Sommer, verübt im Vollrausch einen Angriff auf seine Frau Magda. Diese Episode markiert den Beginn einer Reihe von Aufenthalten in Zucht- und Heilanstalten, die auf Sommer zwar einen prägenden Eindruck machen, ihn aber nicht von Rachegedanken und Plänen zur Schädigung seiner Frau abhalten. Dabei hatte die Geschichte harmlos begonnen: Wegen eines verpatzten Geschäftes mit einem langjährigen Kunden und wegen einer insgesamt depressiven Grundstimmung greift Erwin Sommer, ganz gegen seine Gewohnheiten, zu einer Flasche Wein. Der Alkohol, sonst nur ferner Bekannter, wird daraufhin mehr und mehr zum Lebensinhalt des Protagonisten. Schnell ändern sich die Gewohnheiten hin zum Schnaps und anderen hochprozentigen Alkoholika, Strategien und Ideen werden entwickelt, wie unter Täuschung der Umwelt der eingeschlagene Weg fortgesetzt werden kann. Dabei übersieht Sommer aber, dass um ihn herum alle längst von seinem Lebenswandel Notiz genommen haben und ihrerseits selbst planen, den einstmals angesehenen Geschäftsmann ärztlich überwachen zu lassen. So entspinnt sich eine Tragödie, die Sommer erst in die Hände eines kriminellen Blutsaugers und Ganoven mit Namen Lobedanz geraten lassen, später, nach dem Übergriff auf Magda, erst in Untersuchungshaft und schließlich in einer Heilanstalt endet. Viel erfährt der Leser über die Zustände in den jeweiligen Einrichtungen, noch mehr über die verschiedenen Schicksale von Menschen, die am Boden der Gesellschaft leben und deren Existenz ebenso unbekannt wie ungewollt ist. Sommer hält sich und seine Geschichte stets für kontrastiv zur vorherrschenden Biographie der Gefangenen. Stets versucht er, die von ihm begangenen Untaten klein zu reden, denn die eigentliche Schuld trägt ja sowieso seine Frau. Es wird deutlich, dass es sich bei der Hauptperson um eine Figur handelt, deren hervorstechende Charaktereigenschaften Egomanie, Narzissmus und die völlige Unfähigkeit zum Schuldeingeständnis sind. Der Kern des Absturzes Erwin Sommers liegt nicht völlig in seiner Trunksucht, sondern ist zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass es ihm an einer gesunden und vollständigen Reflexion seiner selbst gebricht. Erwin Sommer ist, wie eigentlich alle Figuren Falladas, ein Mann von nebenan. Einer, der zu Hunderten auf den Straßen unterwegs ist und dessen Lebensweg exemplarisch für so viele andere steht. Dennoch ist er besonders, da er auch einen Eindruck von der Person Rudolf Ditzens vermittelt. Das Schreiben, beiden als Mittel zur Therapie eigen, vereint die Charaktere ebenso wie das Trinken, die Maßlosigkeit und ständige innere Unruhe. Mit dieser Figur hat Fallada ein Ich geschaffen, das inmitten aller Fiktion doch den Dichter offenbart und damit ein Denkmal seiner selbst ist. Ein Denkmal freilich, dass es nicht zu bewundern, sondern zu bedauern und abzulehnen gilt. Der wahrscheinlich talentierteste Erzähler deutschsprachiger Literatur war Zeit seines Lebens eine tragische Figur. Nie kam er von seinen Geistern los; gleichzeitig aber schuf er Romane, die viel zu lange oberflächlich nur betrachtet wurden und einer ernsthaften Untersuchung weiter harren. Der Trinker ist eines seiner größten Werke, unbedingt lesens- und empfehlenswert und hoffentlich bald wieder einer größeren Menge von Lesern bekannt.

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    • 2
  • Absturz

    Der Trinker
    dominona

    dominona

    21. October 2014 um 10:01

    Drogensüchtige Menschen wollen es ja manchmal nicht wahrhaben, dass sie abhängig sind und noch schlimmer wird es, wenn sie nicht begreifen, dass sie häufig selbst Schuld daran sind. Der hier geschilderte Absturz des Kaufmanns Erwin Sommer ist so ein Paradebeispiel. Fallada geht dabei stark auf die Empfindungen ein und zieht manche Passagen so lange, dass man als Leser ungeduldig werden kann, allerdings kann man ihm keine Langeweile vorwerfen, er ist eben ein Erzähler, der nett, wenn auch ein wenig trostlos, unterhält.

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  • Hans Fallada - Der Trinker

    Der Trinker
    Nat

    Nat

    24. August 2013 um 19:19

    Der Trinker von Hans Fallada beschreibt den rasanten Abstieg des Geschäftsmannes Erwin Sommer. In einer Phase, in der es mit seinem Geschäft nicht gut läuft und es Probleme mit seiner Ehefrau gibt, verfällt Sommer dem Alkohol. Er gerät sehr schnell in einen immer schnelleren, selbstzerstörerischen Strudel, der zum Bruch mit seiner Frau führt. Er verlässt sein Haus, um ein Zimmer bei einem Mann anzumieten, der ihn später um sehr viel Geld und um ein Silberbesteck bringen wird, ja, der ihn auch äußerlich entstellen wird, als sie sich im Zuchthaus begegnen. Die Beschreibung der Zeit in dem kleinen Zimmer mit Blick auf seine Heimatstadt und sein Haus und somit sein altes Leben, das aber unerreichbar geworden ist, hat mich besonders verstört, denn Sommer trinkt hier ohne Unterlass. Er beschreibt die Tage dort als stetigen Wechsel von Trinken und Brechen sowie der Sorge um die Beschaffung von neuem Alkohol. So stelle ich es mir vor, wenn man hört, jemand hätte sich “tot getrunken”. Schließlich landet er im Zuchthaus (wegen Mordversuchs an seiner Frau) und dann in einer Heilanstalt. Von Therapie kann in beiden Einrichtungen keine Rede sein. Die Insassen vegetieren eher dahin – dies wird besonders drastisch in den Beschreibungen des Lebens in der Heilanstalt deutlich. Die Insassen verhungern fast bei der geringen Menge der zugeteilten Lebensmittel und die “Betreuer” sind nicht am Wohlergehen der Patienten interessiert. Am Ende erhält Sommer ein vernichtendes Urteil: er wird dauerhaft in der Heilanstalt bleiben müssen. Seine Frau hat sich inzwischen von ihm scheiden lassen und hat neu geheiratet. Ich fand das Buch sehr gut – verstörend und schockierend, aber wirklich gut. Mit der Hintergrundinfo, dass Fallada selbst süchtig war und längere Zeit in Gefängnissen und Heilanstalten verbracht hat kann man sicher sein, dass authentische Zustände beschrieben werden. Sehr empfehlenswert!

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  • Kolumne: Belletristik ist tot, es lebe die Belletristik

    muchobooklove

    muchobooklove

    Roman-Kolumne August 2013 von Mareike: Genreliteratur, das sind die Hamburger unter den Büchern Liebe Leser, Was ist eigentlich Belletristik Le belle et le triste – das Schöne und das Traurige – hierin liegt der französische Ursprung des Wortes Belletristik, das heute nicht viel mehr als ein Mysterium zu sein scheint. Dabei umfasst es so viele Aspekte, ohne die Literatur gar nicht zu denken wäre. Werte, Emotionen und die Ästhetik der Sprache sind für mich die wichtigsten Parameter dessen. Natürlich kann man auch etwas unprätentiöser an die Sache herangehen und einfach von „Romanen“ im Allgemeinen sprechen, wie auch der Titel der Kategorie hier auf Lovelybooks lautet. Doch dann geraten wir gleich ein bisschen in die Bredouille, denn Krimis sind ja auch Romane sowie Fantasy-Bücher und Chick-Lit ebenfalls. Von Kriminalromanen, Thrillern, Fantasy, Young Adult Fiction, Chick-Lit und Romantasy Naja, das sind ja eigentlich alles eher Genres, werdet ihr jetzt im Stillen und ganz zu Recht denken. Aber was sind denn überhaupt Genres? Der Versuch, Bücher in Kategorien zu pressen einerseits, eine Strategie des Buchmarktes andererseits, so scheint es mir. Denn was ist das Schreiben für ein bestimmtes Genre eigentlich anderes als der Versuch, seine Zielgruppe besonders im Blick zu haben. Mit bösen Zungen gesprochen ist das die Garantie dafür, beim Veröffentlichungsprozess bereits einschätzen zu können, wer das Buch am Ende kaufen wird. Darum wird auch immer schnell ein neues Genre entworfen, wenn gerade eine innovative Art des Schreibens mit Erfolg belohnt wurde. Eine kleine Geschichte: Ich sitze mit zwei Freunden von mir, nennen wir sie Justus und Gabi, an einem sonnigen Tag wie diesem in einer Eisdiele. Justus ist gerade dabei, sich eine Karriere im Verlagswesen aufzubauen, Gabi hat Journalismus studiert und steht kurz vor dem Mutterschutz. Justus erzählt uns von einem neuen Projekt, von dem er gehört hat und das sich im Bereich „Romantasy“ bewegt. Darauf Gabi: „Romantasy, nie gehört“ Justus: „Das ist ein neues Genre, das sich irgendwo zwischen Romantic Fiction und Fantasy bewegt, so Vampire und so“ wir nicken einstimmig, denn nun ist uns allen klar, dass hier die Nachfolgen von Stephenie Meyers „Twilight“-Saga spürbar werden. Wieder einmal wird ein Markt bedient. Man möchte so schnell wie möglich dabei sein, bevor er übersättigt ist und ein neues Genre gefunden werden muss. Ich seh' den Wald vor lauter Bäumen nicht Damit wird nicht nur die gesamte Belletristik oder alle Romane in logische Kategorien unterteilt, sondern diese werden wieder unterteilt, bis die gesamte Kriminalliteratur in Detektivromane à la Sherlock Holmes, Polizeiromane wie Mankels Wallander, Thriller der Dan Browns dieser Erde und Splatter im Stile von Karin Slaughter zerfällt, und die Fantasy-Literatur in High Fantasy à la Tolkien, Romantasy wie "Twilight", Dark Fantasy der Stephen Kings und Konsorten, Dark Romance im Stile von Edgar Allen Poe und historisch anmutende Fantasy, z.B. von George R.R. Martin. Und bei all diesen spezifischen Genres frag' ich mich wieder, wo denn nun die Belletristik abgeblieben ist? Denn wenn ich ehrlich bin, dann möchte ich gar nicht immer Genreliteratur lesen. Manchmal erscheint sie mir zu sehr auf ihr Publikum zugeschrieben. Manchmal sehe ich die Zutatenliste, die Autoren und Verlagen im Kopf herumgeschwirrt haben mag, zu deutlich vor mir. Aha, denke ich, hier ist ein bisschen Detektivroman mit den Zutaten verschrobener Ermittler aus zerrütteten Familienverhältnissen, hochintelligenter Täter, der eigentlich nur mit dem Ermittler spielen will, Frau oder wahlweise Kinder oder beides des Detektivs, die plötzlich in den Fall hineingezogen werden, gemischt worden, das Ganze wurde mit einem Hauch arktischer Kälte und einem leichten Hang zur Alkoholabhängigkeit garniert und schon war der skandinavische Kriminalroman in Anlehnung an Henning Mankell, Jo Nesbø oder Arnaldur Indridason fertig. Ich weiß ja, dass die meisten Schriftsteller mit viel Herzblut an ihr Werk herangehen, aber ich frage mich dennoch, woher dieser Hang zum an Fast-Food erinnerndem Literatur-Rezept kommen mag. Möchte denn niemand heute mehr eigene Gourmet-Kreationen entwerfen? Ist die Angst vor dem Scheitern so groß? Mehr Belletristik braucht das Land Ich sag es ganz offen – Ich mag Fastfood. Ein schöner Burger ab und zu ist ein herrliches Vergnügen, ebenso wie ein Krimi mit den oben von mir erwähnten Zutaten wunderbar sein kann. Aber irgendwie wünsche ich mir trotzdem öfter, mit Gourmet-Kreationen verwöhnt zu werden. Ich möchte Schriftsteller haben, die schreiben, weil sie damit das Schöne und das Traurige ausdrücken wollen, weil sie das Gute und das Böse im Menschen zeigen wollen und zwar ohne sich vorher zu überlegen, ob es dafür ein Publikum geben mag. Autoren, die der Wahrheit auf den Grund gehen mögen und mich damit überraschen, wie zum Beispiel Column McCann dies vor einigen Jahren mit „Der Tänzer“ getan hat oder Romane, die einen mit ernsten Themen zum Lachen bringen können wie Matt Ruff mit „Ich und die anderen“, Bücher, die unvergessen bleiben, weil sie anders sind, so wie auch Aravind Adigas „weißer Tiger“ oder Hermann Kochs „angerichtet“, um mal zwei jüngere Beispiele der Literatur zu nennen. Und wenn ihr es euch doch lieber überlegen und kein Risiko eingehen wollt, so rufe ich euch hiermit zu, liebe Autoren, liebe Verleger: Es gibt uns noch, uns Leser, die gerne einmal bis zum Äußersten getrieben werden möchten, die lachen und weinen wollen, die beim Lesen nicht mit Genrestrategien überrascht werden wollen, sondern mit richtig guten Geschichten, mit richtigen 5 Sterne Menüs, wie sie eben nur die immer weniger zu findende Belletristik für uns bereithält! Ja, das rufe ich laut und hinter vorgehaltener Hand wende ich mich fast gleichzeitig zu euch Lesern da draußen und frage euch leiser: Es gibt uns doch noch, die Belletristik-Leser, oder?

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    • 37
  • Rezension zu "Der Trinker" von Hans Fallada

    Der Trinker
    Sterrenhemel

    Sterrenhemel

    18. January 2013 um 15:08

    Ein schonungsloser Bericht über einen Mann, der zum Alkoholiker wird und wie er sich als Mensch verändert, plötzlich zu Sachen fähig ist, die er sich vorher gar nicht vorstellen konnte. Mich hat das Buch sehr berührt und gleichzeitig auch schockiert. DAs Buch ist realitstisch und gibt Einblick, wie es sein musste, wenn man als Suchtkranker in den 30er/40er Jahren in die Anstalt eingewiesen wird. Mich hat auch das Ende dieses Buches überrascht, ich hab mir ein anderes Ende vorgestellt, und es hat mich sehr nachdenklich gemacht. Das Buch ist absolut lesenswert.

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  • Rezension zu "Der Trinker" von Hans Fallada

    Der Trinker
    rkuehne

    rkuehne

    29. June 2012 um 18:01

    Auch wenn "Der Trinker" sicher nicht Falladas großartigster und sprachlich wertvollster Roman ist, so ist und bleibt er doch ein bedrückend offenes Bekenntnis über die Folgen des Alkoholismus und die Macht der Sucht. Die Geschichte des "ehrenwerten Unternehmers" Sommer, der durch ein kleines Scheitern und große Selbstwertzweifel eher zufällig dem Alkohol verfällt - und dann mit ihm verfällt - macht auf traurig-ehrlicher Art deutlich, wie in etwa sich der Alkohol bei so vielen in unserer Umgebung ins Leben geschlichen hat. Jedem, der im Familien- oder Bekanntenkreis Betroffene hat, rate ich zur Lektüre, denn auch wenn der Alkoholismus nur ein Drittel des Romans ausmacht, hilft er uns, die Süchtigen zumindest ein bisschen zu verstehen.

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  • Rezension zu "Der Trinker" von Hans Fallada

    Der Trinker
    Ines_Mueller

    Ines_Mueller

    05. June 2010 um 12:39

    Erst entgeht Erwin Sommer ein Geschäftsvertrag, dann kriselt es etwas in seiner fünfzehnjährigen Ehe - und er fängt an zu trinken. Zuerst ist er nur "angeheitert", doch bald befindet er sich im dauerbesoffenen Zustand und sinkt somit immer tiefer. Er verlässt seine Frau, stiehlt seine eigenen Sachen aus seinem Haus und versucht schließlich sogar seine Frau zu ermorden, was ihm einen Aufenthalt im Gefängnis und danach in einer Heil- und Pflegeanstalt einbringt. Dort angekommen hofft Sommer nun, dass seine Frau ihn doch noch rettet und dass er den Alkohol schließlich doch besiegen kann....... In "Der Trinker" verarbeitet Hans Fallada eigene Erfahrungen, die er in der Strelitzer Landesanstalt machte. Sein Schreibstil ist einfach nur klasse und begeistert durch seine Schlichtheit umso mehr. Schonnungslos berichtet Fallada vom Fall des ehrbaren Geschäftmannes Sommer. Dies erscheint noch umso schlimmer, wenn man dessen Gründe kennt, da diese eher "kleine Problemchen" darstellen. Es war wirklich erschreckend zu sehen, bzw zu lesen, wie tief ein Mensch überhaupt sinken kann und wie er sich durch den Alkohol verändern kann. Auch das Ende wirft ein negatives Licht auf die Bemühen der Alkoholabhängigen trocken zu bleiben, aber wer mehr dazu wissen will, sollte das Buch selbst lesen, denn es lohnt sich wirklich!

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  • Rezension zu "Der Trinker" von Hans Fallada

    Der Trinker
    leserin

    leserin

    15. August 2009 um 19:13

    Ein sehr gutes und auch intelligentes Buch über die Sucht Alkohol. Es ist zwar älteren Datums aber trotzdem hochaktuell. Hans Fallada hat dies sehr anschaulich und mit viel Gefühl aufgezeigt. Die einzelnen Personen sind sehr klar beschrieben. Die Methoden des Entzugs von damals waren sicher grausam und auch die Macht der Ärzte erschütternd. Ich finde die alten Klassiker sind schon auch sehr lesenswert.

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  • Rezension zu "Der Trinker" von Hans Fallada

    Der Trinker
    Ibo

    Ibo

    10. August 2009 um 11:19

    Erwin Sommer als Hauptfigur verfällt dem Alkohol und wird zum Trinker, er verkommt. Nach nur wenige Seiten schon hat man das Gefühl, der Nullpunkt für Sommer ist erreicht, doch Hans Fallada lässt Sommer immer tiefer und noch tiefer sinken. Wie sich Sommer herausredet, die Tatsachen verdreht (ich nenne das Kopfsalat) und sich selbst anlügt wie er immer neue Wege des heimlichen Trinkens rechtfertigt, ist für mich unbegreiflich. Aber manche Menschen schaffen es einfach nicht, nach Ethik und Moral zu handeln und zu leben. Manche Menschen nehmen sich selbst zu wichtig. Etwa 1/3 des Romans thematisiert nicht das Alkohol. Aber oftmals lesen wir die Verlogenheit gegen sich selbst, die Wut und den Zorn. Sommer beschriebt uns seine wilden Ausbrüche und doch wieder geniale Einfälle. Sommer ist einfach eine Figur, welches man bemitleidet. Was für ein Buch, nach mehr als 5 Tagen denke ich immer noch daran und Sommer tut mir als Mensch einfach leid. Er hätte es so einfach haben können, wenn er sich selbst nicht im Weg stehen würde.

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