Kleiner Mann – was nun?

von Hans Fallada 
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Kleiner Mann – was nun?
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LeveretPales avatar

Ein geniales Meistwerk, welches einen faszinierenden Einblick in das miserable Leben der breiten Bevölkerung in der Weimarer Republik

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Ein Zeitzeugnis, das wenig an Aktualität eingebüßt hat. Es lohnt sich den "Kleinen Mann" zu begleiten!

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Inhaltsangabe zu "Kleiner Mann – was nun?"

Der Weltbestseller erstmals so, wie Fallada ihn schrieb.

Zu brisant, um so gedruckt zu werden: Von der Urfassung des Romans, der Hans Fallada am Vorabend der Machtergreifung der Nazis zum international gefeierten Erfolgsautor machte, wurde ein Viertel noch nie veröffentlicht.

Der Verkäufer Johannes Pinneberg und seine Freundin Lämmchen erwarten ein Kind. Kurz entschlossen heiratet das Paar, auch wenn das Geld immer knapper wird. Trotz Weltwirtschaftskrise und erstarkender Nazis nimmt Lämmchen beherzt das Leben ihres verzweifelnden Mannes in die Hand. In dieser rekonstruierten Urfassung führt ihr gemeinsamer Weg noch tiefer ins zeitgenössische Berlin, ins Nachtleben und in die von den „Roaring Twenties“ geprägten Subkulturen. Die politischen Probleme der damaligen Zeit werden so plastisch wie in wenigen anderen Texten.

Jetzt mit Charlie Chaplin, Robinson Crusoe, Goethe, Wilhelm Busch und dem Prinzen von Wales.

"Man hat das große Glück, ein Buch, das man glaubte schon zu kennen, noch mal lesen zu können, als wäre es neu.“ Volker Weidermann, Literarisches Quartett --

"Das Buch ist konkreter geworden und wirkt nun deutlich authentischer in seiner Zeit verankert: Der kleine Mann hört jetzt von Charlie Chaplin. Er träumt von Robinson Crusoe." Marc Reichwein, Literarische Welt --

“Dass das Original jetzt zu lesen ist, ist großartig.” Julia Encke, FAS --

"Jetzt erscheint Falladas Roman in der Version, wie der Autor sie geschrieben hat vor dem 'Zurechtschustern', vor den Konzessionen." Volker Weidermann, Der Spiegel --

"Eine Sensation." Jan Ehlert, NDR --

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746633442
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:557 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:18.08.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 17.06.2016 bei Aufbau audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    PMelittaMs avatar
    PMelittaMvor 8 Monaten
    Ein Werk, das man gelesen haben sollte

    1930: Pinneberg und Lämmchen sind noch nicht lange zusammen, als Lämmchen schwanger wird, es folgt die Hochzeit und das Zusammenziehen und eine ganze Reihe neuer Probleme, denn Pinnebergs Gehalt reicht kaum für zwei und seine Arbeitsstelle ist alles andere als sicher.

    Erstmals ist Falladas Roman nun so erschienen, wie der Autor ihn zunächst geschrieben hatte, in einem Nachwort erfährt man mehr darüber. Ich kenne die gekürzte Fassung nicht und finde die Ursprungsfassung gut wie sie ist, Längen oder Kürzenswertes habe ich nicht feststellen können.

    Fallada hatte ein gutes Auge für die Probleme der Zeit, lässt seine Protagonisten allerhand durchmachen, als junges Ehepaar bzw. junge Eltern, bei der Wohnungssuche, dem Auskommen mit den vorhandenen Geldmitteln, Angst vor Arbeitslosigkeit und Abhängigkeit von den Arbeitgebern, alles wirkt authentisch und manches fast aktuell. Auch das Figurenensemble überzeugt, Lämmchens Arbeiterfamilie mit entsprechender Gesinnung, Pinnebergs halbseidene Mutter und ihr zwielichtiger Lebensgefährte, die Kollegen und Vorgesetzten Pinnebergs …, hier trifft man auf viele damals anzutreffende Menschentypen.

    Fallada erzählt ausführlich, treffend und mit viel Humor, die Geschichte ist oft bedrückend, manchmal aber auch hoffnungsvoll, sie lässt sich wunderbar flüssig lesen und unterhält, trotz des deprimierenden Hintergrunds, gut. Der Roman ist ein Zeitzeugnis mit Zeitkolorit und viel Authentizität. '

    In einem Nachwort des Literaturwissenschaftlers Carsten Gansel, der an der Wiederentdeckung der Originalfassung beteiligt war, erfährt man einiges über das Leben des Autors und die Entstehung des Romans, ich habe es mit großem Interesse gelesen.

    Insgesamt kann ich den Roman (in seiner Originalfassung) uneingeschränkt empfehlen, er gehört zu den Werken, die man gelesen haben sollte. Für mich wird es nicht das letzte Werk Falladas gewesen sein.

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    Orishas avatar
    Orishavor 8 Monaten
    Die Stimme des kleinen Mannes

    1930. Johannes Pinneberg ist ein anständiger Mann. Er hat einen Job bei einer kleinen Firma und kommt über die Runden. Als seine Freundin Emma "Lämmchen" Mörschel schwanger wird, ist die Entscheidung schnell getroffen. Sie heiraten, ziehen aufs Land, nach Ducherow. Doch das Leben ist hart, Pinneberg verliert seine Anstellung, aufgrund einer Intrige und beiden bleibt nur nach Berlin zu gehen, zu Pinnebergs Mutter. Zunächst scheint alles gut zu werden, doch die Krise trifft sie auch dort.

    Falladas Roman über den kleinen Angestellten Pinneberg traf den Nerv der Zeit. 1932 erschienen, spiegelt er die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse jener Tage und zeichnet mit Pinneberg und „Lämmchen“ ein Portrait der „kleinen Leute“, der Arbeiter und Angestellten und beschwört einmal mehr jene Umstände herauf, die in den Nationalsozialismus führten und der Weimarer Republik das Ende bereitete. Damit trägt Fallada nicht nur zum besseren Verständnis jener Zeit bei, er spiegelt durch Pinneberg und Lämmchen jenen Alltag und jene Hindernisse, die damals Millionen betraf.

    Fazit: Ein schnörkelloser Gesellschaftsroman über die Tücken der Weltwirtschaftskrise und die Arbeit des kleinen Mannes. Lesenswert.

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    Buchgespensts avatar
    Buchgespenstvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Immer auf den Punkt, erstaunlich aktuell und erschütternd
    Kleine Leute – große Sorgen

    Johannes Pinneberg und Emma Mörschel lieben sich und so ist es für sie keine Frage zu heiraten als sie erfahren, dass Emma schwanger ist. Eine alltägliche Geschichte – doch es sind die 1920er, die Zeit der großen Wirtschaftskrise, die besonders die kleinen Leute hart trifft. Pinneberg ist ein Angestellter, der seinen Job verliert als sein Arbeitgeber von seiner Ehe erfährt. Auf ein vages Versprechen hin zieht er mit Emma nach Berlin zu seiner Mutter, doch auch hier muss er um jeden Schritt kämpfen. Wie viel Leid und Not kann eine Liebe überstehen? Emma und Pinneberg lassen sich nicht unterkriegen.

    Ein zutiefst erschütterndes und gleichzeitig herzerwärmendes Buch von streckenweise brutaler Aktualität. Jeden Schicksalsschlag der Pinneberg trifft, spürt der Leser schmerzhaft. Nüchtern und immer auf den Punkt trifft Fallada jede Eigenart seiner Zeit, des Lebens selbst und der harten Welt. Ein Zeitzeugnis ist die Darstellung der Arbeitswelt, wie der kleine Angestellte seinen Arbeitgebern und ihren Launen ausgeliefert war und wie die Wirtschaftskrise die Situation zusätzlich verschärft; anderes, wie die Szenen mit Behörden, ob Krankenkasse oder Arbeitsamt, ist wiederum von trauriger Aktualität. Falladas Feder ist spitz, er trifft die Grausamkeit des Unpersönlichen genau und das Lachen bleibt dem Leser im Halse stecken. Rührend ist die Liebesgeschichte von Pinneberg und Emma. Naiver Glaube an die Zukunft, romantische Sicht auf die Welt und ein unverdrossener Kampf mit allen Mühsalen und Unwägbarkeiten des Lebens mischen sich mit der Ausweglosigkeit der Situation und dem Geschichtswissen des Lesers zu einer herzzerreißenden Tragik. Das hat mir die Lektüre auch sehr schwer gemacht. Literarisch ist das Werk einzigartig, doch mir fiel die düstere Atmosphäre schwer.

    Eine Geschichte, die zeitloser ist als sie sein sollte und dem Leser gleichzeitig bewusst macht, wie gut es einem in der heutigen Zeit geht. Nicht einfach, aber ein Buch, das sich lohnt!

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    vanessablns avatar
    vanessablnvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Nach diesem Buch weiß man, was den "Kleinen Mann" ausmacht, was er erleidet, was sein Glück ist und wie er trotz allem "anständig" bleibt.
    Zeithistorisch und doch zeitlose Thematik

    Der "Kleine Mann" war mir schon von meiner Großmutter ein Begriff, jedoch weiß ich erst nach diesem Buch, was genau damit gemeint ist. Bei Fallada kämpft sich stellvertretend für diese Spezies der Konfektionsverkäufer Pinneberg mit seinem "Lämmchen" durchs Leben. Gleich zu Beginn der Geschichte erwarten sie nämlich schon  ein Kind. Nun soll nach dem spontanen Heiratsbeschluss eine eigene Bleibe her. Beide sind noch sehr jung und ihre Liebe zart, aber tatsächlich bewährt sie sich im Alltag, der immer schwieriger wird.

    Irritierend fand ich zunächst die penetranten Verniedlichungen ("Jungchen, Lämmchen", "Murkel", auch "Tierchen" für Menschen). Neben der Liebesentwicklungsgeschichte erzählt der Roman viel aus vom Leben in den frühen Dreißiger Jahren, so als wäre man dabei. Der einfache, umgangssprachliche Schreibstil scheint für damalige Verhältnisse neu gewesen zu sein und liest sich überrraschend leicht (bis auf mir unbekannte Worte, an denen ich rätselte). Fallada beschreibt detailreich, aber nie langweilig die Realität, wie diese eben ist, erbarmungslos, aber auch humorvoll. Manches erinnert tatsächlich an Loriot. Verwunderlich ist, wie viele Szenen auf heutige Zeiten übertragen werden können, ob nun Rationierung im Betrieb, Mobbing, Ärger mit Krankenkasse und Behörden, Armut ("Läden, in denen man nichts kaufen kann, Kinos, die man nicht reinkann, Cafés für Zahlungsfähige, Museen für Anständiggekleidete, Wohnungen für die anderen, Behörden zum Schikanieren...").

    Politisch wird nicht eindeutig Stellung genommen, den aufkeimenden Nationalsozialismus spürt man jedoch. Die Hauptbotschaft des Buches ist das kleine Glück im Privaten, das einem niemand nehmen kann. Auch Freundschaft hat für das Paar ihre hilfreichen Seiten. Trotz allen Niederlagen steht als Ideal die Liebe der beiden im Vordergrund. Lämmchen ist dabei die Stärkere.

    Es war schön, den Roman in der Originalfassung von atb zu lesen. Das lange Nachwort zu den Neuerungen hätte interessanter sein können, lediglich der Teil zu den Leserbriefen an und von Fallada ist aufschlussreich. Was mir fehlte, waren Erläuterungen zur verwendeten Sprache. "Tjüs" und "Püpping" kann man noch nachvollziehen, "Tippel retten" dagegen weniger.
     

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    gsts avatar
    gstvor 9 Monaten
    Kurzmeinung: Ein Gesellschaftsroman von 1932, der zeigt, dass vieles im Leben gleich geblieben ist. Er gibt tiefe Einblicke in eine junge Ehe.
    Lesenswerter Gesellschaftsroman

    Hans Fallada gibt uns in seinem 1932 herausgebrachten Roman „Kleiner Mann – was nun?“ tiefe Einblicke in das Leben eines jungen Paares zur Zeit der Weltwirtschaftskrise: Viele Menschen waren arm und Arbeitsstellen rar. Allen Widrigkeiten zum Trotz versuchen sich Pinneberg und sein Lämmchen ein ehrliches gemeinsames Leben aufzubauen.

    Auch wenn Frauen damals noch nichts zu sagen hatten, entwickelt sich Lämmchen zur Lebenstüchtigeren. Pinneberg dagegen wird immer unsicherer: die Last, in diesen Zeiten eine Familie zu ernähren, liegt zentnerschwer auf ihm und raubt ihm jegliche Zuversicht.

    Der 1893 in Greifswald geborene Rudolf Wilhelm Friedrich Ditzen, der sich als Schriftsteller Hans Fallada nannte, entpuppt sich in seinem vierten Buch als hervorragender Beobachter. Seine Erfahrungen hatte er nach seiner humanistischen Vorbildung in der Landwirtschaft, als Nachtwächter, Handelsgehilfe und Anzeigenwerber gesammelt. Während sein Protagonist Pinneberg immer darauf bedacht ist, „sauber“ zu bleiben, schaffte es der Autor nicht, von seiner Drogensucht wegzukommen. Er starb 1947 morphium- und alkoholabhängig an Herzversagen.

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 10 Monaten
    ‚Von weitem sieht eine Ehe außerordentlich einfach aus [...].'

    ‚Von weitem sieht eine Ehe außerordentlich einfach aus: Zweie heiraten, bekommen Kinder. Das lebt alles zusammen, ist möglichst nett zueinander und sucht vorwärtszukommen. Kameradschaft, Liebe, Freundlichkeit, Essen, Trinken, Schlafen, das Geschäft, der Haushalt, sonntags ein Ausflug, abends mal Kino. Fertig.

    Aber in der Nähe löst sich die ganze Geschichte in tausend Einzelprobleme auf.‘ (Seite 43)

    Anfang der 1930er Jahre: Der 23-jährige Johannes Pinneberg und die 22-jährige Emma Mörschel, genannt ‚Lämmchen‘, erwarten ein Kind und heiraten. Sie befinden sich in einer sehr unsicheren finanziellen Lage und müssen alles haarklein durchrechnen, um sich durchschlagen und ihr Kind mit einer gewissen Sicherheit aufziehen zu können.

    Sie leben zuerst in einer kleinen möblierten Wohnung in Ducherow, einem Dorf im heutigen Mecklenburg-Vorpommern, wo Pinneberg als Buchhalter arbeitet. Doch das Geld reicht hinten und vorne nicht, und als Pinneberg seine Stelle verliert und seine Mutter ihm eine Wohnung und eine Stelle in Berlin anbietet, ziehen Pinneberg und Lämmchen in die Hauptstadt.

    Dort findet Pinneberg eine Anstellung in einem Bekleidungsgeschäft und ist dem täglichen Druck ausgesetzt, eine bestimmte Leistung zu erfüllen, um seine Arbeit zu behalten.

    Die Originalfassung von ‚Kleiner Mann – was nun?‘ war meine erste Begegnung mit Hans Fallada (eigentlich Rudolf Ditzen). Diese Urfassung Falladas ist erst 2016 erschienen, obwohl die gekürzte Version bereits 1932 im Rowohlt Verlag veröffentlicht wurde.

    Der Roman ist in einer bisweilen antiquiert wirkenden Sprache geschrieben, und der Autor verwendet einige ungewöhnliche Ausdrücke. Dadurch lässt sich ‚Kleiner Mann – was nun?‘ vor allem anfangs nicht immer flüssig lesen, wirkt aber sehr authentisch und versetzt einen beim Lesen sofort in die 1930er Jahre.

    ‚Kleiner Mann – was nun?‘ ist ein sehr dialogreicher Roman, der sehr lebendig wirkt, und bildet die Epoche sehr gut ab, ermöglicht Einblicke in eine problematische Zeit mit hoher Arbeitslosigkeit, großer Angst, seine Stelle zu verlieren, Verzweiflung, wie man seine Familie durchbringen und der Armut entfliehen kann. Dadurch ist ‚Kleiner Mann – was nun?‘ eine großartige Milieustudie, die einem Deutschland bzw. Berlin kurz vor Hitlers Machtergreifung nahe bringt und neben Pinnebergs Kampf ums Überleben auch Inflation und Unzufriedenheit, Antisemitismus und das Erstarken der Nazis thematisiert.

    Fallada lässt den Leser fast minuziös am Geschehen teilhaben, was mir oft sehr gut gefallen hat, was ich bisweilen aber auch als zu ausführlich und langatmig empfunden habe.

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    Monsignorevor 2 Jahren
    Neuentdeckung eines großen Romans

    Fallada war ein extrem zurückhaltender Mensch mit einem geradezu verborgenen, aber sehr wachsamen Blick auf die Wirklichkeit seiner Zeit. Er benötigt 2-3 Sätze und die Figur steht dem Leser klar vor Augen.

    In diesem Roman sind es zwei Liebende aus einfachen bis chaotischen Verhältnissen und ab der Hälfte des Buches kommt ihr Baby dazu. Herzergreifend und anrührend ist die Story, ohne auch nur ansatzweise kitschig zu werden. Zu Beginn der 1930-er Jahre spielend, sind die Themen Arbeitslosigkeit, Hunger, Perspektivlosigkeit, Aufkeimen der politischen Extremen, Ausbeutung und Politikversagen. Dem beklemmenden Stoff wird die Liebesgeschichte entgegen gestellt und sehr geschickt dramaturgisch entwickelt.

    Fallada und sein Verlag kürzten den Roman aus politischen Gründen - und sie kürzten massiv. Jetzt liegt das Buch endlich in vollständiger Fassung vor. Die bisher fehlenden Textteile geben dem Buch ein neues Gesicht, eine neue literarische Intensität.

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    Federfeevor 2 Jahren
    Leben in der Vor-Nazi-Zeit

    Die anrührende Geschichte vom jungen Pinneberg und seiner Frau 'Lämmchen', der erbärmliche Alltag der Menschen in der Vor-Nazi-Zeit, eine Schilderung ihrer Ausbeutung und Knechtung. Jeder ist gegen jeden und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht; Mitmenschlichkeit wird 'klein geschrieben'.

    Und trotz der ganzen Misere gelingt es den beiden, die ein Kind bekommen haben, ihre Werte nicht zu verraten. Das versöhnliche Ende klang für mich ein bisschen zu schön, aber wer Fallada kennt, weiß, dass er auch Bücher mit düsterem Schluss geschrieben hat.

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    -sabine-vor 2 Jahren
    Kleiner Mann, was nun?

    „Kleiner Mann – was nun?“ schreibt die Geschichte eines jungen Paares in den 30er Jahren in Berlin und gibt damit ein gutes Bild der damaligen Zeit ab, die geprägt war von Arbeitslosigkeit und Wirtschaftskrise. Dieses Buch ist die erstmals in Originalfassung erschienene Ausgabe, die um ein Drittel mehr an Seiten bietet als die bislang erschienenen Werke, und sicherlich wäre es interessant, beide Bücher zu lesen, um einen Vergleich ziehen zu können – andererseits ist dies aber nicht notwendig, denn der knapp 70seitige Anhang liefert hier einiges an Hintergrundinformationen, die auch genau diesen Vergleich mit aufgreifen. Doch nun erst mal zum Buch.

    Ich muss gestehen, dass ich zu Anfang etwas Probleme hatte, in die Geschichte reinzukommen, da ich den Schreibstil Hans Falladas doch sehr eigen und ungewöhnlich finde. Ich bin über einige Formulierungen gestolpert und habe mich gefragt, ob man damals tatsächlich so geredet hat, wie hier die Dialoge angelegt sind – ich fand die Sprache ungelenk und hölzern, manchmal auch umständlich. Trotzdem wirkt der Schreibstil locker und beschwingt – eigentlich gar nicht passend zur damaligen Zeit. Und so musste ich oft schmunzeln – alleine schon bei den Kosenamen, denn Johannes nennt seine Freundin „Lämmchen“, Emma ihren Zukünftigen dagegen „Junge“. Aber einmal eingelesen, habe ich mich auch an diesen Schreibstil gewöhnt und ihn im Verlauf dann auch genießen können.

    Die Geschichte selber hat mir zudem gefallen, einfach weil sie einen guten Einblick in das Berlin der 30er Jahre liefert und sie authentisch und glaubhaft wirkt. Dazu haben natürlich gerade auch die Charaktere beigetragen, die sehr gut gestaltet sind und ein Abbild der Menschen von damals mit ihren Sorgen und Ängsten, ihren Gefühlen und Gedanken darstellt. Zwar steht Johannes Pinneberg im Mittelpunkt der Geschichte, doch die eigentliche „Heldin“ ist für mich seine Frau „Lämmchen“, die mich mit ihrer herzlichen und gutmütigen, dennoch aber anpackenden Art einfach begeistert hat. Daneben wirkt Johannes, „Junge“, immer etwas rat- und hilflos – man hat den Eindruck, ohne sein Lämmchen würde er in dieser Zeit richtig untergehen. Aber trotzdem ist er in seiner unbedarften und hilflosen Art auch sympathisch, und ich habe mit den beiden in ihren Nöten richtig mitgelitten.

    Auch wenn der Schreibstil eher locker und leicht, manchmal sogar beschwingt daherkommt, die Geschichte ist es nicht – sie hat mich eher traurig gemacht und zum Nachdenken angeregt. Auch das Ende, das eher offen gehalten und keinesfalls ein „Happy-end“ ist, hat mich etwas bedrückt – aber es macht die ganze Geschichte sehr authentisch. Ich habe mich beim Lesen tatsächlich in die damalige Zeit versetzt gefühlt, weil Hans Fallada nicht nur die Gefühle und Gedanken der Protagonisten gut eingefangen hat, sondern weil er mit seinen Beschreibungen und Orten, an die er den Leser entführt, ein wunderbares Bild Berlins in den 30ern gezeichnet hat.

    Im Anschluss an die eigentliche Geschichte folgt der sehr ausführliche Anhang, den ich mit großem Interesse gelesen habe. Er beschreibt, was seinerzeit bei Ersterscheinung alles verändert und gekürzt wurde und beleuchtet auch die Hintergründe, warum der Text mehrfach geändert bzw. angepasst wurde. Das hat die Aussage des Buches für mich noch mal mehr verändert und mich auch nach Beenden noch lange über die Geschichte und die damalige Zeit nachdenken lassen.

    Mein Fazit
    Hans Fallada hat mit diesem Buch ein interessantes Stück Geschichte eingefangen, nämlich die Situation des „kleinen Mannes“ im Berlin der 30er Jahre. An den eher lockeren und beschwingten Schreibstil, der so gar nicht zur Geschichte zu passen scheint, musste ich mich erst gewöhnen, dann aber hat mich die Geschichte gepackt und ich habe mit den sympathischen Protagonisten gefiebert. Die ist die erstmals in der Originalfassung erschienene Ausgabe, und der knapp 70seitige Anhang erklärt sehr gut, warum und welche Kürzungen es zuvor im Buch gegeben hat. Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, auch wenn es im Ende offen bleibt – aber es hat sehr glaubhaft das Leben zur damaligen Zeit vermittelt. Ich gebe ihm 4 von 5 Sternen.

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    MissWatson76vor 2 Jahren
    Ehrlich und warmherzig und aktueller denn je

    Ich kann nicht genau sagen, was gegenüber in der damaligen Ausgabe gekürzt wurde, aber ich habe das Buch damals auch nicht gelesen. Aber jetzt nach der Neuerscheinung kam ich doch nicht mehr so einfach daran vorbei. 

    Und ich muss sagen, es ist eines dieser Bücher, die einen nicht so einfach los lassen. Dabei scheint das Buch in einer Zusammenfassung gar nicht so wirklich aufregend zu sein. Es fließt kein Blut, es wird niemand umgebracht, es geht eigentlich nur ein ein ganz normales Leben zwischen Liebenden und Eheleuten und dem Beginn eines neuen Lebens dabei. Gut, es waren damals nicht ganz normale Verhältnisse, wenn man sich das Zeitgeschehen und die Politik und Gesellschaft anschaut. Aber mal ehrlich, haben wir heutzutage denn "normale" Verhältnisse, bei dem was alles so um uns herum passiert?
    Pinneberg und Lämmchen sind sehr einfache aber herzlich und warmherzige Personen, die man sehr gerne hat. Man kann nicht immer alles nachvollziehen, was sie tun und denken, aber man mag sie. Und man ist immer mit dem Herzen bei ihnen, wenn man sieht, wie es ihnen langsam immer mal ein wenig besser und doch schlechter geht. Sie lernen wie es ist zusammenzuleben, einen Haushalt zu führen und ein Kind zu bekommen und das in den ärmsten Verhältnissen und dann eigentlich auch mit Nichts in der Hand. Aber doch lassen sie sich nicht unterkriegen und sie verlieren die trotz allem die Hoffnung nicht. 

    Vielleicht ist das auch die Botschaft des Buches. Ein sehr schönes Buch und mutig gewesen, es zu schreiben, ehrlich und offen. Und ich denke aktueller denn je. 

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