Hans Herbjørnsrud Die Brunnen

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Inhaltsangabe zu „Die Brunnen“ von Hans Herbjørnsrud

Fünf Meistererzählungen Die Erzählungen des preisgekrönten norwegischen Autors lesen sich wie rätselhafte Sagen aus einer anderen Zeit - und sind doch ganz gegenwärtig. Hans Herbjørnsrud ist Schriftsteller und Bauer, und diese Doppelexistenz spiegelt sich in seiner Literatur: Seine Erzählungen sprengen die Grenzen der Realität, öffnen sich dem Irrationalen, der Welt der Träume und Visionen, zielen auf die blinden Flecken unseres Denkens und unserer Seele. Gleichzeitig sind sie bodenständig und der konkreten ländlichen Umgebung verhaftet, in der sie entstehen: der Telemark, eines Landstrichs im Süden Norwegens. Hier entzündet sich z.B. im Jahre 1835 an einem falschen Grenzstein ein Streit zwischen Brüdern, der zum Brudermord führt, welcher den romantischen Dichter Wergeland zu einem visionären Gedicht inspiriert und ihn letztlich in Wahnsinn und Tod treibt. Ein Lehrer, der sich anschickt, das alles aufzuschreiben, versiegelt schließlich das Beweismaterial im Brunnenschacht vor dem Haus, weil er fürchtet, die Welt sei noch nicht bereit für die Wahrheit … In jeder der fünf Geschichten in Hans Herbjørnsruds neuem Erzählband durchdringen sich Reales und Imaginäres, und in jeder taucht ein Brunnen auf; er kann ein Abgrund sein, der in die tiefsten Schichten der menschlichen Seele führt, aber auch ein Ort des Übergangs in andere Zeit- und Bewusstseinsschichten, eine Tür für Assoziationen und Träume.

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  • Rezension zu "Die Brunnen" von Hans Herbjørnsrud

    Die Brunnen
    Thaila

    Thaila

    04. January 2012 um 14:43

    Der Band "Die Brunnen" von Hans Herbjornsrud besteht aus fünf Erzählungen, die nur schwer zusammenzufassen sind, fällt doch zunächst ihre Unterschiedlichkeit auf. Auf ganz unterschiedliche Weise steht das norwegische Landleben dabei im Mittelpunkt, so in einer Geschichte, die in einer Dorfschule spielt und in der ein sagenumwobenes Gedicht über einen Brudermord jeden Leser in den Wahnsinn trifft. Nicht nur in diesem Text fühlt man sich an Schauergeschichten des 19. Jahrhunderts erinnert. Und nicht nur hier vermischen sich volkstümliche Vorstellung vom Phantastischen mit einer modernen Skepsis an der Wirklichkeit der Welt. Immer wieder vermengen sich Fiktion und Realität, wie in der Geschichte, in der eine Grenzführung in einem Text des Ich-Erzählers den Zorn seines Nachbarn erweckt, der darin eine Finte sieht, tatsächlich die Grenzen zwischen beiden Grundstücken zu verschieben. Die Natur spielt im Werk Herbjornsrud eine ebenso beiläufige wie entscheidene Rolle, was vielleicht kein Wunder ist, da der Autor tatsächlich Landwirt ist. Verschiedene Leitmotive durchziehen die verschiedene Texte, das herausrragende ist der, bereits im Titel benannte, Brunnen, der für einen Eingang in eine anderen Welt, einen anderen Bewusstseinszustand steht. Sehr unterschiedlich ist jedoch der Ton der einzelnen Texte, so sind einige Geschichten heiter, andere düster bis ins Kroteske, dass offensichtlich an Kafka angelehnt ist. Herausgekommen ist ein höchst eigenwilliges, anregendes Stück Literatur, das dem Leser einiges abfordert.

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  • Rezension zu "Die Brunnen" von Hans Herbjørnsrud

    Die Brunnen
    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    Stadtbuecherei_Wuerzburg

    28. May 2010 um 10:27

    Hans Herbjörnsrud wurde 1938 in der Telemark in Norwegen geboren. Mit vierzig Jahren kehrte er auf den Bauernhof seiner Eltern zurück, wo er seitdem lebt und eine Doppelexistenz als Landwirt und Schriftsteller führt. Dieses Doppelleben spiegelt sich auch sehr stark in seiner Literatur wider. Die hier versammelten fünf Geschichten spielen in der Tradition seines Landes und sind daher stets der konkreten Ländlichkeit der Telemark verhaftet. Dennoch kippen die Geschichten leise und scheinbar unmerklich ins Unheimliche und Phantastische. Der raffinierten Erzählstrategie des Autors ist es zu verdanken, dass den Erzählungen die Verflechtung von bäuerlichem Leben und schriftstellerischer Phantasie mühelos gelingt. Somit erzählt Herbjörnsrud mit viel Sinn für das Unheimliche im Heimeligen, oszilliert zwischen Alltag und Magie. In den Erzählungen werden die Menschen von ungeheuerlichen Begebenheiten heimgesucht, die sie aus der Bahn werfen, weil die Macht der Fiktion und Imagination die Realität verschleiert. In allen Geschichten taucht immer ein Brunnen auf, der als Symbol, als Metapher, als Allegorie die Öffnung in eine andere Welt markiert, oder den Ort eines Übergangs. „Die Brunnen“ ist eine Sammlung von faszinierenden und sprachlich versierten Erzählungen, die den Leser mit einem leichten Schauer zurück lassen. In den Schilderungen des bäuerlichen Landlebens, das von Einsamkeit und Entbehrung gekennzeichnet ist, erinnern die Geschichten oft an Knut Hamsun. Doch wenn die Atmosphäre des Unheimlichen heraufbeschworen wird, fühlt man sich sofort an Kafka oder Edgar Allan Poe erinnert. Dennoch wird hier nicht nur Unheimliches durch die reichen Überlieferungen an Sagen und Legenden des Landes heraufbeschworen, sondern der Autor verrät dabei einiges über den Schreibprozess, die phantastischen Auswüchse, Gefahren, aber auch Möglichkeiten der Kreativität und darin erinnern diese Geschichten wiederum an den japanischen Schriftsteller Haruki Murakami. Hans Herbjörnsrud ist bereits mit vielen Preisen der skandinavischen Literaturszene ausgezeichnet worden und gilt im hohen Norden nicht umsonst als Meister der gruseligen Kurzgeschichte. Man kann nur hoffen, dass dieser Autor auch bei uns viele Leser finden wird.

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