Hans Joas Kirche als Moralagentur?

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Inhaltsangabe zu „Kirche als Moralagentur?“ von Hans Joas

Die Kirchen in Deutschland können sich gegenwärtig nicht über einen Mangel an öffentlicher Aufmerksamkeit beklagen. Es lässt sich allerdings auch eine skeptische Haltung vor allem gegenüber der Institution Kirche feststellen. Wir befi nden uns in einer Lage, in der eine neue sozialwissenschaftliche und theologische Reflexion auf das, was Kirche ist, notwendig ist. Hans Joas geht der Frage nach: Ist Kirche bloß eine Moral-Agentur der Gesellschaft und sollte sie sich überhaupt als eine solche verstehen?

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  • Reflexion über das, was Kirche war, ist und demnächst (wieder) sein sollte

    Kirche als Moralagentur?

    michael_lehmann-pape

    07. February 2017 um 12:33

    Reflexion über das, was Kirche war, ist und demnächst (wieder) sein sollte Aufmerksamkeit haben sie schon, die christlichen Kirchen. Und durchaus gefragt wären, sind sie, gerade in der aktuellen Diskussion, in der politische Kräfte auf die „Werte des christlichen Abendlandes“ rekurrieren. Daneben aber ist ein stetiger Mitgliederschwund zu verzeichnen, Anfragen in Bezug auf Moral und Ethik (bei denen Joas ansetzt und hier kritisch und überaus berechtigte Fragen nach dem „Wesen der Kirche stellt“, die sich eben nicht in äußeren, moralischen Diskussionen erschöpfen sollte und sich eben nicht von außen auf diese eher „gesellschaftlich stützende“ Rolle festlegen lassen sollte. Und zudem ist zu beobachten, dass gerade die sozialen Einlassungen der großen Denominationen oft als schwammig, wenig konkret und damit wenig „handfest“ bewertet werden. Was aber wäre ein „angemessenes Verständnis von Kirche in unserer Zeit“? Dies setzt Joas als Kernfrage und schreitet den Horizont dieser Frage in ruhigem und sachlichem Tonfall knapp, aber durchaus differenziert ab. Und das gerade auf dem Hintergrund der beschriebenen Spannung zwischen „keinen Sinn darin sehen, einer (Kirche) anzugehören)“ und der dennoch gewichtigen Rolle der Kirchen in den moralischen und politischen des öffentlichen Diskurses. Im Kern baut Joas im Verlauf seiner Darlegungen auf eine „Synthese zwischen Theologie und Sozialwissenschaften“, die von Theologen wie Ernst Troeltsch bereits vor Jahrzehnten angedacht und zu je ihrer Zeit formuliert wurden. „Ein unversalistisches Ideal auf Dauer“ stellen zu können, das ist, was nicht nur seit alters her konziliar festgesetzt und im apostolischen Glaubensbekenntnis sprachlich in Form gegossen wurde, sondern was es, immer wieder neu für die konkrete Zeit, wiederzuentdecken und auszuformulieren gilt. Ohne dabei in eine „jenseitige Innerlichkeit“ zu verfallen, sondern jenes Ideal konkret in die Lebenswirklichkeit je hinein zu „übersetzen“. „…kann die Botschaft des christlichen Glaubens nur durch eine neue Sprache und eine mutige Elementarisierung seiner Botschaft neu artikuliert werden“. Um sich eben nicht in die (unlebendige und gut formbare) Rolle einer situierten „Moral-Agentur“ freiwillig und bequem einzurichten oder sich passiv in dieses Drängen zu lassen und damit Instrument gesellschaftlicher Strömungen und politischer Absichten zu werden oder zu bleiben. Weg somit gilt es aus „ewigen Nachhutgefechten“ und hin zu einem offenen, mutigen, neuen Erkennen, Erzählen und Umsetzen des „universalistischen Ideals“ von der diesseitigen und jenseitigen Erlösung und Freiheit des Menschen, die von den „Mächten der Welt“ sich nicht den Lebensrahmen bestimmen lässt, sondern in Kooperation mit dieser immer wieder neue Wege in Gemeinschaft zu suchen hat.

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