Hans Keilson Da steht mein Haus

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Inhaltsangabe zu „Da steht mein Haus“ von Hans Keilson

'Mit der Veränderung der Persönlichkeit ändert sich auch die Qualität der Erinnerung.' Diesen Satz zitiert Hans Keilson gleich zu Beginn seiner rückblickenden Erzählung. Es sind Spiegelungen und Splitter, leise und zweifelnde Betrachtungen, die in diesen ebenso bewegenden wie heiteren Erinnerungen aufscheinen.

Die Jugend in Brandenburg, das Studium und das rauschende Leben in Berlin, das Exil in Holland – das sind die äußeren Stationen dieses Lebens. Wirtschaftskrise, Antisemitismus, Krieg, aber auch Freundschaft, Musik und Hoffnung bilden den Rahmen dazu.

Entstanden in den neunziger Jahren, findet Hans Keilson in diesem Buch einen literarischen Ton, der seinem grandiosen und weltweit übersetzten Werk eine weitere Facette hinzufügt.

An Stelle eines Nachworts findet sich am Schluss des Bandes ein ausführliches Gespräch über 'hundert Jahre' Lebens- und Schaffenszeit.

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  • Rezension zu "Da steht mein Haus" von Hans Keilson

    Da steht mein Haus

    WinfriedStanzick

    15. August 2011 um 09:57

    Kurz bevor er am 31. Mai 2011 im 102. Lebensjahr in Holland verstarb, konnte er das Erscheinen seines letzten Buches noch miterleben. Hans Keilson, 1909 in Bad Freienwalde geboren, und 1933 mit seinem auch damals schon bei S. Fischer erschienenen Roman „Das Leben geht weiter“ sehr erfolgreich, emigrierte 1936 nach Holland, wo er die Nazizeit überlebte und nach dem Krieg bis kurz vor seinem Tod als Psychoanalytiker mit Überlebenden des Holocaust und deren Nachkommen arbeitete und dazu auch wegweisende Bücher veröffentlichte. Aber er war nicht nur Arzt und Therapeut, sondern auch Schriftsteller, den der S. Fischer Verlag im Jahr 2005 mit einer zweibändigen Werkausgabe ehrte. Die nun hier vorliegenden Erinnerungen „Da steht mein Haus“ sind schon 1990 mit kurzen, epigrammatischen Aufzeichnungen begonnen worden, und waren dann lange liegen geblieben. Im Rahmen der Herausgabe eines Essaybandes unter dem Titel „Kein Plädoyer für eine Luftschaukel“ fielen dem Autor und seinem Lektor diese Aufzeichnungen wieder in die Hände und beide beschlossen, sie in eine Ordnung zu bringen und zu veröffentlichen. Die zum Teil nur kurzen Texte blicken auf ein bewegtes Leben zurück. Die Kindheit und Jugend, das Bewusstwerden dessen, was es in Deutschland hieß, ein Jude zu sein, die Emigration nach Holland. Immer wieder beklagt Hans Keilson, dass er es nicht verhindern konnte, dass seine Eltern im KZ umgebracht wurden. Seine Texte reflektieren immer wieder das Thema „In der Fremde zu Hause sein“, ein alter jüdischer Topos. Ganz am Schluss des Buches teilt Hans Keilson seinen Lesern eine Lesefrucht mit, die mir neu war, und die zeigt, wie schon in der ältesten jüdischen Überlieferung dieses Thema interpretiert wird. „Unlängst las ich in einem kleinen Essay von Emmanuel Levinas eine Erklärung: Abraham habe, als er auf Geheiß Gottes seine Heimat in Ur- Kasdim verließ und sich auf Wanderschaft begab, in der Wüste einen Baum gepflanzt, eine Terebinthe. Dem Talmud zufolge sind die drei in diesem Wort vorkommenden Konsonanten TRB die Anfangsbuchstaben der hebräischen Worte für Getränk, Nahrung und Wohnung. Abraham war in der Wüste zu Hause.“ „Da steht mein Haus“ ist ein letztes literarisches Zeugnis eines beeindruckenden Menschen und gleichzeitig ein zeitgeschichtliches Dokument. Es motiviert, auch die anderen Bücher von Hans Keilson zu lesen.

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  • Rezension zu "Da steht mein Haus" von Hans Keilson

    Da steht mein Haus

    Clari

    02. May 2011 um 18:09

    Leben und Überleben in grausamer Zeit. Hans Keilson ist ein ungewöhnlicher Zeitzeuge des 20. Jahrhunderts. Er ist berühmt und bekannt durch seinen Roman "Das Leben geht weiter", seine Berichte und sein Engagement als Therapeut für Kinder von Opfern des Holocausts. Er ist ein weiser Mann, der in seinem hier vorliegenden kurzen Lebensabriss einen Einblick gibt in sein Leben, das ganz unter dem Zeichen der beiden Weltkriege und der Judenverfolgung stand. 1922 in Freienwalde geboren wuchs er gut bürgerlich und behütet auf. Brandenburg mit seiner Landschaft, den Seen und der unübertroffenen Weite löst in ihm sichtbar Erinnerungen aus, die an gute Zeiten gemahnen. In zurückhaltenden Worten spricht er über seine Vorfahren und das langsam erst in sein Bewusstsein gerücktes Dasein als Jude. Man war in der Familie nicht streng orthodox, hielt aber die jüdischen Feste in Ehren. Als in Deutschland die Lage für Juden brenzlig wurde, zog er 1936 nach Holland und holte auch seine Eltern dorthin. Ihm gelang mit falschem Pass das Überleben, seine Eltern endeten in Birkenau. Er erzählt ohne Hass und Ressentiment mit leisen Worten über seine Jugendzeit und sein Überleben. Die einzelnen Teile seiner Erinnerungen reihen sich lose aneinander. Mit feinem Gespür weiß er über jene zu berichten, die, freiheitlich im Denken, ihm nahe standen und die wussten, vor wem man sich hüten musste. In einem Gespräch mit dem Herausgeber des kleinen Büchleins, Heinrich Detering, wird uns bewusst, wie Hans Keilson mit Hilfe der Psychoanalyse selber seine Trauer zu bewältigen trachtete und diese in Anwendung bei der Hilfe von Opfern des Naziregimes zur weiteren Bewältigung nutzte. Wer Hans Keilson je selber erlebt hat, der wird sich für immer an seine sanfte und zutiefst von Mitmenschlichkeit geprägte Gestalt erinnern. Er lebt im biblischen Alter von 101 Jahren in Holland, dem Land, das ihm in dunkler Zeit Heimat und Zuflucht geworden war.

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