Hans Magnus Enzensberger Hammerstein oder Der Eigensinn

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Inhaltsangabe zu „Hammerstein oder Der Eigensinn“ von Hans Magnus Enzensberger

Kurt von Hammerstein war Chef der Heeresleitung – bis ihm Adolf Hitler im Februar 1933 seine Pläne offenbarte: Nach dem Geheimgespräch nahm Hammerstein seinen Hut und wurde fortan politisch geschnitten. Ergänzt wird das Personal in dieser fesselnden Familienbiographie durch seine drei Töchter, die zum Kommunismus neigen und sich in Juden verlieben; nicht zu vergessen zwei seiner Söhne, die sich dem Widerstand anschließen. Regisseurin Christiane Ohaus („Der Steppenwolf“) lässt Akten sprechen, zitiert widersprüchliche Zeugenberichte, orchestriert Totengespräche – und gießt so Hans Magnus Enzensbergers dokumentarisches Hörspiel in ein subtiles Kunstwerk. Fantasie und Wirklichkeit umfangen den Hörer und ziehen ihn mit in den Untergang zweier deutscher Reiche. 3 CD, Hörspiel, Sprecher: Friedhelm Ptok, Hans-Michael Rehberg, Gisela Trowe u. v. a.

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  • Rezension zu "Hammerstein oder Der Eigensinn" von Hans Magnus Enzensberger

    Hammerstein oder Der Eigensinn
    Ritja

    Ritja

    11. November 2012 um 13:35

    Man muss sich für Geschichte und speziell für diese Zeit interessieren, sonst wird es sehr schnell anstrengend und trocken. Wer keine Vorkenntnisse hat, wird es schwer haben, den Handlungen und Erzählungen zu folgen. Ich interessiere mich für diese Zeit und deren Fragen und trotzdem fand ich manchmal die Passagen mit den Militärgesprächen und politischen Strategien recht anstrengend und langatmig. Doch sind sie notwendig, um das Handeln von Hammerstein zu verstehen und evtl. nachvollziehen zu können. Die Gespräche mit den Kindern von Hammersteins sind verständlicher und man kann den interessanten Erzählungen gut folgen. Vieles wußte ich noch nicht, war erstaunt, welche Rolle von Hammerstein in dieser Zeit spielte, denn in den allgemeinen Geschichtsbüchern taucht er nur selten auf. Die Sprecher fand ich gut und deren Stimmen haben es geschafft mich einzufangen und zu fesseln. Allerdings die Zwischenmusik war nichts für mich und meine Ohren. Ich empfand sie als störrend und nervig quietschend. Es lohnt sich das Booklet vor dem Hören zu lesen, damit man mit den Personen schon etwas vertraut ist. Die Informationen helfen zu einem besseren Einstieg in die Geschichte. Insgesamt ein zu empfehlendes Hörbuch, welches etwas Zeit und Aufmerksamkeit verlangt (nichts, was im Hintergrund laufen kann).

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  • Rezension zu "Hammerstein oder Der Eigensinn" von Hans Magnus Enzensberger

    Hammerstein oder Der Eigensinn
    HeikeG

    HeikeG

    16. August 2008 um 18:36

    Das Schweigen der Hammersteins Im Januar dieses Jahres legte Hans Magnus Enzensberger sein wohl umstrittenstes Buch vor: "Hammerstein oder der Eigensinn". Es ist die Lebensgeschichte eines klugen, weder autoritäts-, noch obrigkeitsversessenen, aber auch eigensinnigen Charakters und dessen Familie - des aus altem westfälischem Adel stammenden, heutzutage kaum mehr bekannten Kurt von Hammerstein-Equord, General der Reichswehr. Als Adolf Hitler 1933 bei einer Zusammenkunft in Hammersteins Haus seine Weltkriegspläne enthüllte, entschied sich der Chef der Heeresleitung gegen einen Militärputsch und quittierte seinen Dienst. Hammersteins Töchter und Söhne wählten jedoch den aktiven Widerstand. Die Mädchen hauptsächlich im kommunistischen Untergrund: Helga zum Beispiel war mit Leo Roth liiert, einem Spitzenagenten des illegalen M-Apparats der KPD und sie spionierte auch selbst. Die Motorrad fahrende Maria Therese heiratete einen Halbjuden und führte ein abenteuerliches Exilleben, unter anderem in einem Kibbuz. Marie Luise, die Älteste, ging nach dem Krieg sogar in die DDR, wurde SED-Mitglied und Anwältin, gerüchteweise sogar KGB-Agentin. Ludwig und Kunrat wiederum waren direkt Involvierte des Hitlerattentats am 20. Juli 1944. Enzensberger ist fasziniert von Hammerstein (1878-1943). Er konstruiert ihn tragendes Grundgerüst in seine Geschichte und flicht seine Handlung um ihn herum an. Er hält den Stoff des Autors zusammen "Es gibt keine gründliche Publikation über diesen Mann, der immerhin der erste Mann in der Reichswehr war, vor dem Machtantritt Hitlers. [Eine Figur], die eine ganze deutsche Geschichte in ihrer Breite, in ihrer Vielfältigkeit, in ihren Nuancen, in ihren Widersprüchen" darstellt, so Enzensberger in einem Interview. Er hat überlegt, wie er sich diesem Mann literarisch nähern könnte. Einen Roman wollte er nicht schreiben, genauso wenig wie eine wissenschaftliche Abhandlung. Der historischen Wahrheit wollte er jedoch unbedingt nachleuchten und hat dies souverän bewältigt. Doch "von den Leuten, die damals gelebt haben trennt uns, die wir das nicht erlebt haben, gewissermaßen auch ein Erlebnisabgrund", so Enzensberger. Die noch lebenden Familienmitglieder bezweifelten zwar, dass sich diese Geschichte überhaupt und die der Familie im Besonderen von einem Außenstehenden darstellen lässt, nicht zuletzt, weil es von Versionen und Widersprüchen wimmelt. Doch der Autor hat den schwierigen Spagat großartig geschafft. Er sich einer alten literarischen Technik bedient - dem fiktiven Totengespräch, der posthumen Erzählung. Enzensberger zitiert aus Akten und widersprüchlichen Zeugenberichten, er unterhält sich mit den Toten, integriert Meinungen von Zeitgenossen und greift erklärend ein, wo es geboten scheint: eine präzis-kühle, aber spannende Collage aus vielfältigen Meinungen und Tatsachen. Dies ist geradezu prädestiniert für die gewählte Hörspielfassung, die mit achtzehn hervorragenden Sprechern - unter ihnen solch großartige Schauspielern wie Gisela May, Dietmar Mues oder aber Hans-Michael Rehberg, der den General persönlich intoniert. Für die Rolle des Autors, des Interviewenden, zeichnet sich Friedhelm Ptok mit seiner markanten und charismatischen Stimme besonders aus. Er fungiert hierbei überaus beeindruckender und souveräner Gesprächsführer, der die Fäden während der ganzen Zeit unfehlbar und eigenständig in der Hand behält. Er stellt seine stimmlichen Fertigkeiten in den Dienst des Textes, dessen Substanz er erkenntnisklar zum Vorschein bringt. Und so ist eine äußerst wertvolle Hörspielproduktion entstanden, die eine streitbare Familie beleuchtet. Der Zweifel jedoch bleibt bestehen, ob die Nachgeborenen über genügend Vorstellungskraft verfügen, um dem was vor vielen Jahrzehnten geschah, gerecht zu werden. "Wie dem auch sei, jedenfalls herrscht bei den Hammersteins ein Schweigen besonderer Art. Wer in Zeiten der Diktatur lernen musste, dass es gefährlich sein kann, alles zu äußern, was einem durch den Kopf geht, dem mag ein solches Training zur zweiten Natur werden und er wird nicht leicht davon ablassen.", intoniert Friedhelm Ptok am Ende der Produktion. "Es bleibt ein ungesagter Rest, den keine Biografie auflösen kann. Und vielleicht ist es dieser Rest, auf den es ankommt." Als harmonisches Bindeglied fungieren sparsame Musikeinspielungen. Ein Booklet mit den wichtigsten Daten Kurt und Maria von Hammersteins sowie deren sieben Kindern und ein Stammbaum der Familie ergänzen das eindrucksvolle Hörspiel. Fazit: Enzensberger hat ein ungemein spannendes Buch vorgelegt, welches anhand von Biografien - die der von Hammersteins - ein Zeitalter der Extreme in komprimierter, verdichteter Form analysiert und so ein facettenreiches Bild über eine nicht einfach zu beurteilende Persönlichkeit - und deren Familie entstehen lässt. Besonders angenehm ist hervorzuheben, dass Hans Magnus Enzensberger nicht urteilt, sondern eine unverbindliche Distanz zu seinen Figuren hält. Die Umsetzung als Hörspiel ist großartig gelungen.

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