Hans Neuenfels Das Bastardbuch

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Inhaltsangabe zu „Das Bastardbuch“ von Hans Neuenfels

Die Lebenserinnerungen des herausragenden deutschen Opernregisseurs

Hans Neuenfels ist einer der profiliertesten deutschen Opernregisseure, dessen Inszenierungen, zuletzt „Lohengrin” in Bayreuth, stets für heftige Kontroversen sorgen. Im „Bastardbuch” zieht er die vorläufige Bilanz seines Lebens und seines Schaffens als Theater- und Opernregisseur, als Schriftsteller, Dramatiker und Filmemacher. Seine Karriere begann 1964 am Theater am Naschmarkt in Wien. Als maßgeblicher Begründer des Regietheaters ist er dem Anspruch der gesellschaftlichen und politischen Auseinandersetzung auf der Bühne bis heute treu geblieben. Als kreativer Künstler war er zudem stets ein Grenzgänger. In Paris war er Assistent des Malers Max Ernst, und Schreiben war neben dem Inszenieren für ihn von jeher ein Kernbedürfnis. Das „Bastardbuch” ist ein sprachgewaltiges, scharfsichtiges Werk, das ein persönliches Bild mit dem einer ganzen Generation verbindet.

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  • Rezension zu "Das Bastardbuch" von Hans Neuenfels

    Das Bastardbuch

    michael_lehmann-pape

    19. September 2011 um 13:02

    Lebensschau Der Bastard, jahrhundertlang ein Schimpfwort, Synonym für einen, der als „Unfall“ gilt, verschwiegen wird, „da draußen“ sein Dasein zu fristen hat und der dennoch verbunden ist, nicht wegzuleugnen, wenn es darauf ankommt. Im Anblick dieser prallen, gefüllten, intensiven Lebensgeschichte der Kunst, des Theater, der Oper, die Hans Neuenfels gelebt und erlebt hat und von der er nun auf fast 460 Seiten in Bild und Wort kündet, liegt Neuenfels mit diesem Wort als Programm nicht daneben. Immer umstritten, mal lauthals, mal leisere Pfiffe, doch immer ist eine Reibung an seinem Werk, seinen Inszenierungen vorhanden. Er, der die Krone deutscher Regiearbeiten schon längst erlangt hatte, der den Wagner in Bayreuth in intensiven, anderen Formen auf die Bühne brachte (und bringt), der auch dort Reibung erzeugt, aber Unvergessliches zu hinterlassen versteht, hat eine lange Geschichte mit vielen Episoden zu erzählen, beginnend in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts und, nicht nur in den Anfängen, untrennbar verbunden mit Person und Werk des Max Ernst. Seine bildhafte Stärke, sein immer zu spürender Zug zur aufweckenden, ergänzenden Visualisierung seiner Theaterarbeit, das wird ihn seit diesen Anfangsjahren nicht loslassen und eines seiner Markenzeichen sein. Ebenso wie ein, durchaus in Teilen, ausuferndes Leben, ganz auch Klischees der „wilden Kunst“ erfüllend. Daneben aber spürt man dem Buch auch die intensiven Momente ab, nicht nur in der Kunst, auch in der Liebe. Die Schauspielerin Elisabeth Trissenaar ist der rote Faden im Leben von Hans Neuenfels, ein roter, ihn bindender, Faden, den er ohne Umschweife zu Papier bringt, der sich durch seine „autobiografischen Stationen“ (so der Untertitel des Buches), begleitet. Neben diesen ruhigen Tönen, die das Fundament des Menschen Neuenfels in den Fokus mit rücken, lebt das Buch von einer vielfältigen Rückschau auf Erfolge, Provokationen, Streitereien, die im Nachgang manches Mal eher absurd erscheinen und, eben, vor allem, Werke, Arbeit, Aufführungen, Erläuterungen. So kann, was Neuenfels charakterististisch über seine Frau zu sagen weiß, fast ungeschmälert auch für ihn übernommen werden:“ Das Verletzliche paart sich mit unbeirrbarer Willenskraft, tarnte sich sogar mit ihr. Besessener Fleiß und eine Disziplin, die bis zum ...... Zusammenbruch führte.“ Eine Lebensreise, die ihn vom Theater bis hin zum Film und zu Operninszenierungen (bereits in den 70er Jahren) führte und in der auch seinen Ruf als Musikregisseur Formen anzunehmen begann. Immer treu am Werk und immer anders in der Darbietung. Inszenierungen, die, folgt man dem Buch und den verschiedenen Rezeptionen der Aufführungen, immer auch in die menschliche Tiefe vordrangen und emotionale Reaktionen genauso hervorrufen wollten, wie emotionales Erleben als Teil der Inszenierung begriffen wurde. Sprachlich ist das Buch flüssig zu lesen und bietet einen intensiven Blick in die deutsche Theatergeschichte vor allem der letzten Jahrzehnte. Sicherlich benötigt es hier auch ein grundsätzliches Vorinteresse des möglichen Lesers. Neben so manchen Anekdoten und einer durchaus offenen Darstellung der eigenen Person mit ihren problematischen Seiten, dreht sich das Buch doch zu weiten Teilen um das Theater, die Oper, die Stücke, die Orte, die Arbeit der Inszenierung und verbindet das vielfach menschliche und biografische mit diesen Orten und Arbeiten. Zudem schwingt natürlich durchaus ein Teil aufregender Zeitgeschichte hinter den biografischen Erinnerungen mit. Die 60er und 70er Jahre waren Zeiten des Aufbruchs, des Experiments, der Auflösung konservativer Strukturen am Theater. Innovatives, das sich eng mit dem Namen Neuenfels verbindet und im Buch erkennbar nachvollzogen werden kann. Vor allem da, wo es Neuenfels, die „Reibung des Missverständnisses“ zu Gehör bringt. Jene Diskrepanz zwischen den herrschenden Erwartungen und seiner konkreten Umsetzung, die oft und oft zu skandalträchtigen Reaktionen geführt haben. Im Gesamten für den Theater- und kunstinteressierten Leser durchaus informativ und dicht zu lesen, ohne persönliche Abstürze und wesentliche Elemente des persönlichen Lebens auszusparen.

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