Hans Peter Duerr Die Fahrt der Argonauten

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Inhaltsangabe zu „Die Fahrt der Argonauten“ von Hans Peter Duerr

Auf der Suche nach der im Mittelalter in der Nordsee versunkenen Stadt Rungholt machen der Ethnologe Hans Peter Duerr und seine Studenten im Frühjahr 1994 eine ungewöhnliche Entdeckung. Im nordfriesischen Watt zwischen den Inseln Pellworm und Nordstrand stoßen sie unterhalb einer bronzezeitlichen Moorschicht auf seltsame Keramikscherben, Brocken von Duftharz, exotische Muscheln und später auf ein Siegel, einen Lapislazuliblock und andere Objekte, wie sie nördlich der Alpen noch nie gefunden worden waren. Erst eine Neutronenaktivierungsanalyse an der Universität Bonn sowie chemische Untersuchungen und C14-Altersbestimmungen an weiteren deutschen und englischen Forschungsinstituten lassen den Verdacht zur Gewißheit werden: Die Keramik wurde um 1300 v. Chr. im südlichen Kreta und in Palästina gebrannt und muß um diese Zeit gemeinsam mit dem Weihrauch, dem afrikanischen Kopalharz und den anderen Funden auf minoischen Schiffen an die Nordseeküste gelangt sein. Dort wurden die Objekte anscheinend von den Seefahrern geopfert als Dank an die wohlwollende Meeresgöttin, deren Name auf der Rückseite des Serpentin-Siegels in minoischer Linear-A-Schrift unter der Gravierung eines Schiffes eingeschnitten ist. Solche Siegel und dieses ist das erste, das jemals außerhalb der Ägäis gefunden wurde waren kein Handelsgut, und deshalb gelten sie als Beweis für die Anwesenheit ihres Besitzers am Fundort. Dies bedeutet wiederum, daß eine Expedition aus dem östlichen Mittelmeer tausend Jahre vor dem Griechen Pytheas, der als Entdecker der Nordsee gilt, auf der Suche nach Zinn und Bernstein weit über die Grenzen der damaligen Welt hinausgefahren ist. Ein Unternehmen wie dieses war gewiß das Vorbild für die späteren Legenden von den Irrfahrten des Odysseus oder die Suche der Argonauten nach dem Goldenen Vlies.

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  • Forschungsbericht über die Argonauten der Antike

    Die Fahrt der Argonauten
    Sokrates

    Sokrates

    01. September 2014 um 20:17

    Der mittlerweile emeritierte Ethnologe Hans Peter Duerr dokumentiert und wertet in dieser sehr umfangreichen Monographie seine Funde aus dem nordfriesischen Watt aus. Er und sein Forscherteam entdeckten bei der Suche nach dem sagenhaften, aber verschwundenen mittelalterlichen Rungholt im nordfriesischen Wattenmeer Scherben antiker römischer Keramik, aber auch Bernstein und minoischer Schmuckreste. Die Forscher fragen sich, wie Reste dieser Kulturfragmente an den Strand der Nordsee gelangt sind, wenn doch die Reiserouten der damaligen Schifffahrt bei Weitem weder im Handel noch bei Expeditionen solche Distanzen zurückzulegen im Stande waren. Duerr schafft es in sehr opulenter Weise, einen Indizienprozess zu führen: mithilfe europäischer Mythologie deckt Duerr mögliche Verbindungen auf, die Rückschlüsse darauf zulassen, dass es Minoern doch gelungen war, bereits in der Bronzezeit bis in die Nordsee zu segeln. Anlass hierfür sieht Duerr unter anderem im Versiegen der Bernsteinvorkommen in der Mittelmeerregion. Duerr hält es für nicht ausgeschlossen, dass es den Minoern gelang, die lange Seestrecke schadfrei zu überstehen. Für weniger realistisch hält er indes die von anderen Forschern präferierte Variante des Landhandels, über den Brennerpass der Alpen. Auch sei im mediterranen Sagenschatz eine Menge zu finden, die darauf Rückschlüsse zulässt, dass die Minoer ihr im Atlantik und der Nordsee erworbenen Erfahrungen in Sagen des klassischen Altertums verarbeiten. Die Sagen von Jason oder vom Goldenen Flies will Duerr im Kern in Reiseerfahrungen der bronzezeitlichen Kulturen wiederfinden, die schrittweise durch jede Kultur in entsprechend eigener Art und Weise modifiziert und weitergegeben wurden. Ich fand das Buch an manchen Stellen zu weit ausschweifend. Allerdings ist dies wohl zweierlei Gründen geschuldet: einerseits der Tatsache, dass Duerr als Ethnologe insbesondere den weltanschaulichen Hinterlassenschaften unserer Vorfahren nähere Beachtung schenken möchte und daher Sagen in allen Formen und Varianten durchspricht. Sondern auch, dass er minutiös alle Belege für seine Interpretation der Funde dokumentieren möchte. Beide Ansinnen sind nachvollziehbar und sollten den Leser besänftigen, der sich durch 500 Seiten manchmal quälende Sagenvergleiche liest. Wer möchte, kann absatzweise weiterlesen; man wird in der Regel merken, wenn ein neuer Gedanke bearbeitet wird, da Duerr strukturiert arbeitet. Wer Hans Peter Duerr lesen möchte, sei vorgewarnt: Der Ethnologe versucht zwar seine Forschungsergebnisse außerhalb der gängigen Fachzeitschriften für ein größeres Publikum zugänglich zu machen, jedoch verzichtet er hierbei nicht auf wissenschaftliche Darstellungsweise. Zum Verständnis muss jeder Leser daher unbedingt ur- und frühgeschichtliche Grundkenntnisse des Mittelmeerraumes mitbringen sowie einen Fundus an Sagenfakten parat haben. Ansonsten lassen sich die Randfakten, die selbst noch gar nichts mit dem eigentlichen Fund Duerrs im nordfriesischen Watt zu tun haben, im Gesamtkontext einbetten. Nicht erschrecken darf der Leser auch, wenn er sieht, dass der eigentliche Text lediglich die Hälfte des immerhin 1110 Seiten (!) starken Opus ausmacht: Duerr hat seinem Buch nicht nur ein Stichwortverzeichnis beigegeben, sondern auch einen riesigen Endnotenapparat sowie ein opulent wirkendendes Literaturverzeichnis.

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