Hans Platzgumer Am Rand

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Inhaltsangabe zu „Am Rand“ von Hans Platzgumer

Ein Mensch steigt früh am Morgen auf einen Berg. Sobald es dunkel ist, will er einen letzten Schritt tun. Schon immer lagen der Tod und das Glück für Gerold Ebner nah beieinander. Als Kind hat er seinen ersten Toten gesehen. Später hat er zwei Menschen eigenhändig den Tod gebracht: Er erlöste seine Mutter vom terrorisierenden Großvater und seinen besten Freund von dessen Leiden. Doch ist er damit zum Mörder geworden? Noch einmal entscheidet sich Gerold gegen das Gesetz und findet so sein eigenes Glück, das ihm der Tod wieder nimmt ... Fesselnd bis zum Schluss schildert der Ich-Erzähler die Ereignisse, die ihn an den Rand eines Felsens geführt haben.

Ein geniales Werk, das mich begeistert und überrascht zurücklässt.

— LillianMcCarthy

Nichts für zarte Gemüter. Eine Geschichte, die nachdenklich stimmt, auch wenn sie hier und da etwas schwerfällig wird.

— Anke_Ackermann

Mörderische Geschichte – mal anders

— Rebecca1120

Bemerkenswert - wirft Fragen auf, die nicht leicht zu beantworten sind!

— Karin_Kehrer

Tragisch. Lesenswert trotz kleiner Schwächen. Hat mir jedenfalls insgesamt sehr gut gefallen.

— wandablue

Brillante Sprache und einzigartiger Plot!

— Agnes13

„Was immer wir erinnern, wir haben es nicht gegoogelt, sondern erlebt.“ S. 51

— StefanieFreigericht

Trotz ruhiger erzählweise entwickelt das Buch einen Sog, der mich nicht mehr losgelassen hat.

— himbeerbel

Gibt es den gerechten Tod? Und wie bestimmt der Tod das Leben? Interessante Ansichten hoch oben auf dem Berg.

— miss_mesmerized

Ein wahnsinns Roman eines Musikers oder Multitalents, erschienen in einem mir bisher noch unbekannten Verlag.

— BookBroker

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Gulan

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  • Beichte am Berg

    Am Rand

    Estrelas

    29. January 2017 um 12:59

    Ein Mann steht am Abgrund - am Rand - auf einem Berg und lässt den Leser von dort aus an seiner Lebensgeschichte teilhaben. Ganz ruhig erzählt, geht es dabei um Freundschaft und Liebe, aber auch um Mord und Sterbehilfe. Der Ich-Erzähler will die Last der Vergangenheit loswerden, fordert den Leser sogar auf, Dinge zu überprüfen, damit sie ans Licht kommen. Dies und die Ähnlichkeit der Namen des Autors und einer Figur lassen das Geschehene sehr real wirken. Die Entwicklung des Romans ist unerwartet und außergewöhnlich. Somit ist er eine Empfehlung für jeden, der anspruchsvolle Literatur schätzt.

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  • LovelyBooks Romane-Challenge 2016: Die Challenge mit Niveau

    aba

    LovelyBooks lädt im neuen Jahr wieder zu spannenden Challenges ein.Und auf euch warten tolle Gewinne.Die anspruchsvolle Gegenwartsliteratur ist 2016 wieder dabei!Liest du gerne Bücher mit Niveau?Dann ist diese Challenge genau das Richtige für dich.15 anspruchsvolle Romane möchten wir vom 01.01.2016 bis 31.12.2016 lesen.Es gelten Bücher - Gegenwartsliteratur -, die in diesem Zeitraum erscheinen (Ersterscheinungen) und an diesem Beitrag angehängt sind.Auch Neuauflagen – 2016 erschienen - von Klassikern.Die Regeln: Melde dich mit einem kurzen Beitrag hier im Thread an. Einstig ist jederzeit möglich. Und du kannst dich jederzeit wieder abmelden. Du verpflichtest dich zu nichts. Schreibe bitte zu jedem Buch, das du für die Challenge gelesen hast, eine Rezension bei LovelyBooks, und verlinke diese in einem einzigen Beitrag in diesem Thread. Dieser Beitrag, wird von mir unter dem entsprechenden User-Namen in der Teilnehmerliste verlinkt. Das wird dein Sammelbeitrag für deine Rezensionen sein. Es gelten nur Bücher, die an diesem Beitrag angehängt sind! Bitte beachten: Die Liste der Bücher erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.Nimmst du die Herausforderung an?Unter allen Teilnehmern, die es schaffen, 15 Romane mit Niveau bis zum 31.12.2016 zu lesen und zu rezensieren, wird ein tolles Buchpaket verlost.Natürlich mit den passenden Büchern zum Thema.Ich freue mich auf viele Anmeldungen!Teilnehmer:19angelika63AgnesMAmayaRoseanushkaArizonaaspecialkateban-aislingeachBarbara62BlaetterwindblauerklausbonniereadsbooksBookfantasyXYbookgirlBuchgespenstBuchinaBuchraettinCara_EleaCaroasCorsicanacrimarestricyranaczytelniczka73Deengladia78DieBertadigraEeyoreleerinrosewellFarbwirbel FederfeeFornikaFrauGonzoFrauJottfreiegedankenfrlfrohsinngefluegeltermondGela_HKGetReadyGinevraGirl56GruenenteGwendolinahannelore259hannipalanniHeldentenorIgelaInsider2199JoBerlinK2kkatrin297krimielselenikslesebiene27LesefantasieleselealesenbirgitleseratteneuLibriHollylisibooksLiteraturmaria1Marika_RomaniaMaritzelmarpijeMartina28MauelaMercadoMiamoumiss_mesmerizednaddoochNadja_KloosnaninkaNepomurksNightflowerNilNisnispardenPetrisPocciPrinzessinAuroraschokoloko29serendipity3012SikalsofiesolveigsommerleseStefanieFreigerichtsternchennagelSumsi1990suppenfeesursulapitschiTanyBeeTintenfantasieTochterAliceumbrellavielleser18wandabluewiloberwortjongleurzeki35

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    • 2951

    miss_mesmerized

    11. November 2016 um 20:13
    TochterAlice schreibt Mal was anderes: ich habe jetzt drei Bücher von der Buchpreis-Longlist gelesen: Drehtür, Die Witwen und Widerfahrnis (gefiel mir von den dreien am wenigsten). Was mir sehr aufgefallen ist: das ...

    Hool fand ich richtig gut. Völlig unerwartet positiv überrascht hat mich die Erziehung des Mannes: ...

  • Mörderische Geschichte – mal anders

    Am Rand

    Rebecca1120

    05. November 2016 um 16:48

    Das Buch liest sich sehr flüssig und wenn man erst einmal angefangen hat, kann man es nicht mehr aus der Hand legen. Völlig ohne Emotionen oder Rechtfertigung erzählt hier Gerold Ebner seine Lebensgeschichte, wobei er gedanklich zwischen Vergangenheit und Gegenwart immer hin und her „wandert“. Einfach war sein Leben sicher nie. Wie es der Buchtitel treffend ausdrückt – er stand immer am Rand. Mich hat das Buch stark beeindruckt. Ein derartiger Lesestoff, noch dazu fast als Geständnis geschrieben, ist mir bisher noch nicht unter die Finger gekommen. Toll fand ich auch immer, wenn Ebner mich als Leser direkt ansprach und mir Aufträge erteilt hat – für den Fall wenn ich bei ihm zu Hause vorbeigehe. Dass der Protagonist seine Schicksalsschläge, Handlungen und Taten so emotionslos schildert, fand ich nicht ganz nachvollziehbar. Am liebsten hätte ich mit ihm darüber diskutiert. Wenn man sich als Leser auf die Schilderungen einlässt, ist diese Lektüre durchaus eine sehr gute Unterhaltung.

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  • Der Tod hat viele Gesichter

    Am Rand

    Karin_Kehrer

    01. November 2016 um 15:25

    Gerold Ebner hat zwei Menschen getötet und was er sich an Lebensglück erhofft, nimmt ihm der Tod. Am Ende bleibt ihm nur noch, auf einen Gipfel zu steigen und, sobald es dunkel ist, den letzten Schritt zu tun. Sein einziges Bedürfnis ist noch das Verfassen seines Lebensberichtes als eine Art Rechtfertigung für sein Handeln. Seine Mutter war Südtirolerin, eine Prostituierte, seinen Vater kannte Gerold Ebner nicht. Die Kindheit geprägt vom Schweigen der Mutter und von Jungenfreundschaften. Der Tod ist zum ersten Mal präsent, als die mumifizierte Leiche des Nachbarn gefunden wird, den ein Jahr lang niemand vermisst hat. Das Auftauchen des Großvaters, vor dem seine Mutter geflohen ist, stört die scheinbare Idylle. Der Großvater stirbt. Schon hier stellt sich die Frage, wie sein Tod einzuschätzen ist. Eigentlich Mord bedeutet er Erleichterung und Erlösung für alle.Jahre später wird Gerold erneut vor eine wichtige Entscheidung gestellt, als ihn sein bester Freund um Sterbehilfe ersucht. Soll man ihn deshalb verurteilen? Ein unglückseliger Zwischenfall nimmt ihm die Lebensgefährtin und das Kind, das ihnen sozusagen „zugefallen“ ist. Nun bleibt ihm nichts mehr wofür es sich zu leben lohnt.In klarer, einfacher Sprache wird das Leben des Ich-Erzählers vor dem Leser ausgebreitet. Die berührende Lebensbeichte eines Mannes, der sich vor allem fügt, mit sich tun lässt, sich den Mitmenschen verschließt, die er nicht versteht. Intensive Naturbeschreibungen runden diese bemerkenswerte Geschichte zu einem Ganzen ab. Ein Roman, der noch lange nachwirkt!

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  • Überkonstruiert - trotzdem lesenswert.

    Am Rand

    wandablue

    26. October 2016 um 09:23

    Überkonstruiert - trotzdem lesenswert. Gernot hat es mit seiner alleinerziehenden Mama, die buchstäblich beides ist, aber hintereinander, Hure und Heilige, nicht leicht. Seine Kindheit ist eine wilde, gefährliche und selbständige. Gernot ist ein Eigenbrötler. Nun sitzt er auf dem Berg und schreibt sein Leben auf. Danach will er sich in die Tiefe stürzen. Das kann man verraten, das steht im Klappentext. Aber warum? Der Autor spielt auf charmante Art mit biografischen Anteilen. Denn sein Protagonist, der sich ebenfalls im Schreiben versucht, hat als Protagonisten einen Hans Platzgummer ausgesucht, den er in seiner Jugend mal flüchtig gekannt hat und der schon in jungen Jahren in die USA auswanderte, äh, wie Platzgumer eben. Diese spielerische Ebene im Roman hat mir sehr gut gefallen. Auch andere ironische Elemente, die dem tragischen Roman jedoch nur wenige Aufhellungen einbringen, die aber auch nicht vermisst werden, machen das Lesen zu einem Erlebnis. „Am Rand“ ist ein tragischer Roman über das Zerbrechen und will auch gar nichts anderes sein und das wäre wunderbar, wenn nicht in der Mitte ein Bruch entstünde, der die Glaubwürdigkeit der Geschichte in Frage stellt und die Struktur gar zu direkt enthüllt, so dass ich aus der Story gerissen werde und darüber nachdenke, wie man Drehbücher schreibt. Zunächst wird sehr fein erzählt. Von einem Mann, der ist, wie er ist, und der geworden ist, wie eben jetzt ist. Dazu gibt es anschaulich erzählte Details, die Südtirolersiedlung, also beinahe ein Ghetto, ein Leben am Rand jedenfalls, titelgebend, autoritärer Karateunterricht, in dem Selbstbeherrschung und Unterordnung gelehrt wird, ohne dass dies die Protagonisten hätte fertigmachen können, das Leben und seine Zufälligkeiten tun es, sie vollenden die Arbeit, die Vernachlässigung, soziale Isolation und Perspektivlosigkeit angefangen haben. Was treibt Gernot letztlich dann doch über den Rand, ist die Frage, die den Leser von Anfang an begleitet. Und dann finden Gernot und Elena, die inzwischen ein Paar sind, ein Kind und nehmen es mit. Der Autor glaubt dieses Geschehnis zu brauchen. Bis hierher war die Erzählung organisch, sich seiner Tragik unaufhaltsam entgegenschiebend, wie eine schwere Lore auf einem vorgegebenen Gleis. Jetzt ist da ein Bruch. Auch in der Atmosphäre des Romans. Hätte der Autor diese Kindsache nicht eingeflochten, der Roman hätte für mich einen Guß ergeben. Doch ein Detail zuviel, und die Sterne fallen vom Himmel. Fazit: Gut gemachter und gut geschriebener Roman, der aber für die Plausibilität der Handlung unnötige Elemente einbaut und überkonstruiert. Kategorie: Anspruchsvoller Roman Verlag: Zsolnay, 2016, Longlist 2016

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    • 4
  • Hätte Platz auf der shortlist zum Buchpreis 2016 verdient gehabt

    Am Rand

    Devona

    25. October 2016 um 08:10

    Obwohl ich mich generell mit zeitgenössischer Literatur im Allgemeinen und insbesondere meist mit den für den deutschen Buchpreis nominierten Büchern aus diversen Gründen recht schwer tue, habe ich in diesem Jahr wirklich mal ein komplettes Buch (und nicht nur die Leseproben) von der Longlist gelesen. Von Haus aus mag ich den Verlag und das seltsame, aber gut passende Coverbild hatte mich angesprochen. Desweiteren auch die Vita des Autors, der bisher mehr im musikalischen Bereich erfolgreich war. Hans Platzgumer hat ein ruhiges Buch geschrieben, welches sich im Stil durch nichts exponiert und gerade deshalb wunderbar zu lesen ist – es fesselt den Leser durch seine Schlichtheit, auch wenn die Grundstimmung eher düster ist. Frühmorgens ganz zeitig ist er auf den Berg gestiegen, der Gerold Ebner, gut geplant ist sein letzter Tag. Über den Rand der Klippe will er springen am Ende des Tages, wenn er sein letztes Vorhaben -sein Leben aufzuschreiben- abgeschlossen hat. Elf Stunden wird es hell sein, für eine weitere kurze Zeit werden Taschenlampenbatterien helfen. Gerold hat keine Zeit für Nebensächlichkeiten. In karger, aber nicht poesiebefreiter Sprache beschreibt Ich-Erzähler Gerold distanziert, gefasst und schnörkellos sein Leben, welches ihn hierher an den Rand führte. Ohne sich zu rechtfertigen, ohne kitschige Sentimentalität entfalten sich vor dem Leser all die durchschnittlichen Lebensstationen des ebenso durchschnittlichen Protagonisten, der keine Ansprüche an das Leben stellt und alles nimmt, wie es kommt. Nur an einigen wenigen Stellen bittet er selbstmitleidsfrei darum, dass man ihn nicht allzu leicht verurteilen möge, dafür WIE er dieses Leben genommen hat. Er erscheint mit sich im Reinen an diesem letzten Tag – nicht zuletzt auch deshalb, weil er jegliche Verantwortung abgibt an den Leser, der seine Niederschrift findet. Denn der möge doch bitte noch das Licht im Schlafzimmer abschalten, was Gerold morgens beim Losgehen vergessen hat. Viele Szenen in „Am Rand“ sind aufgrund der sehr distanzierten, aber auch detaillierten Beschreibung von Gerold nicht einfach zu lesen oder erschüttern vielleicht grade deshalb. Besonders die Todesszenen seiner Freunde ( einer davon ist ein Unfalltod durch Starkstrom) und des von ihm ermordeten Großvaters sind sehr lang und detailreich. Allerdings auch frei von Effekthascherei, Hans Platzgumer zeigt hier wirklich, wie man mit einem Minimum an Stil und Sprache maximale Effekte beim Leser erzielen kann. Die Beliebigkeit und Profanität in Gerolds Leben, dieses völlig Belanglose animieren den Leser immer wieder über Sinn und Unsinn des Lebens nachzudenken, ohne dass im Mittelpunkt ein schillerndes, aber gescheitertes, tragisches Über-Ego steht. Auch Gerold selbst bleibt ebenso belanglos wie alles Andere, entfaltet aber gerade deshalb als Projektionsfläche faszinierende Wirkung. Mich haben ausufernde, poetische Sprachexperimente mit denen ich mich u.a. vom letztjährig auf der Longlist stehenden Buch „Winters Garten“ von Valerie Fritsch quasi mental und auch fast schon körperlich erschlagen fühlte, ohne dass mir auf weiten Strecken Inhalte vermittelt wurden, abgeschreckt. Die Art und Weise, wie Hans Platzgumer seinen Gerold mit einfachen Worten den winzigen, kleinen Moment beschreiben lässt, in dem sein Leben im wahrsten Sinne des Wortes vor seinen Augen wegbricht und nichts, aber auch gar nichts mehr bleibt, entwickelt eine Wucht, die man kaum beschreiben kann. Zumal Gerold auch hier keinerlei Verantwortungsbewusstsein erkennen lässt und nicht einmal auf den Idee kommt, darüber nachzudenken, ob er diesen Moment nicht hätte verhindern können oder sogar müssen. Wie alles in seinem Leben nimmt Gerold auch das hin und re-agiert lediglich. Fassungslos und auch ansonsten emotional gebeutelt saugt der Leser jede Zeile auf. Wie gesagt: „Am Rand“ ist ein ruhiges, aber gerade deshalb einen süchtigmachenden Sog entwickelndes Buch, welchem ich persönlich einen Platz auf der shortlist zum Buchpreis 2016  gegönnt hätte. Ein Buch, welches ich auch guten Gewissens an Leser verschenken würde, von denen ich weiß, dass sie auch abseits des mainstreams und abseits diverser Hypes lesen. Ein Buch, welches vielleicht auch für Buchhändler ein geeigneter Kandidat für einen Preis wäre, das Echo von Lesern und Buchhändlern auf diverse Buchpreisgewinner war ja wohl in den letzten Jahren eher verhalten. Fazit: Ich gebe eine ganz klare Leseempfehlung. Ich würde mich über weitere Bücher von Hans Platzgumer freuen. www.buchimpressionen.de

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  • Angekommen im Dazwischen

    Am Rand

    StefanieFreigericht

    21. September 2016 um 08:20

    „Irgendwann …[hat jeder] den Punkt erreicht, wo jedes Leben dem anderen zu gleichen beginnt, jedes ein ähnlich mickriges wird, aber keines mickrig genug, und jedes sowohl zu lang als auch zu kurz.“ S. 7 So erzählt es der Ich-Erzähler dem Leser, spricht ihn häufig direkt an „Eigentlich wollte ich, bevor ich die Wohnung verließ, Sarahs Nachtlicht löschen, wie ich es tagsüber immer tat, aber das habe ich in der Aufregung vergessen. Ich bitte Sie, schalten Sie das Lichtchen für mich ab. Ein kleiner Schiebeschalter an der rechten Seite, Sie werden ihn finden.“ S. 9f Der Mann, der hier mit mir spricht, heißt Gerold Ebner – das erfahren wir erst auf Seite 20, der Name wird selten wiederholt, er scheint nicht wichtig zu sein. Wir beobachten ihn bei einer Bergtour samt ihrer Vorbereitungen, zielgerichtet, geordnet, ohne Hast – fokussiert. Er besteigt den Bocksberg in Österreich, im Vinschgau – und dort, am Rand zum Abgrund, beginnt er, sein Manuskript zu schreiben. Das, was da stattfindet, ist eine Art schriftgewordener Meditation, ein Geständnis, eine Beichte. Die Sprache ist bildhaft „Ab einer gewissen Höhe frisst das Weiß des Himmels das Grün von den Berghängen, enden Wiesen und Bäume, nur karge Schotterflächen ziehen sich noch weiter hinauf zu den der Sonne entgegengestreckten Gesteinsglatzen.“ S. 20 Die Geschichte zieht mich in ihren Sog, lässt mich hinterher atemlos zurück – begeistert von der Erzählweise, aber herausgefordert von der Geschichte Gerold Ebners. Gerold – der Herrscher mit dem Speer, geboren 1969, Sohn einer ehemaligen Prostituierten, die sich für dieses Kind entschieden hatte, danach fromm im Kloster arbeitet. Sie ist Südtirolerin. Wir lesen über die ausgrenzende Siedlung der Landsleute, die es seit dem Pakt zwischen Hitler und Mussolini vielfach in Österreich gibt. Es gibt Bandenkriege unter den Jungs, wilde Mutproben, Freundschaften. Die Jobs, die es für die Jungs von dort gibt, sind selten gesund für sie. Wir lesen von Gerolds Tätigkeit als Schriftsteller, seinem Versagen dabei, den Aushilfsjobs. Wir lesen über den Tod. Autor Hans Platzgumer platziert so einige Besonderheiten in diesem Roman, wie ein hineingemogeltes alter ego „Hansi Platzgummer“ (laut Wikipedia ist „Johann Platzgummer“ der Geburtsname des Autors), Musiker, in New York als Musiker tätig gewesen (beides wie der Autor). Ein bisschen „meta“, aber noch originell. Wir lesen von Schrödingers Katze und weitere Erörterungen über Physik, alle Kapitel beginnen mit „Hitotsu“, erstens, wie die Grundsätze des häufig bemühten Karate, bei denen alles gleich wichtig ist – aber da sind wir noch nicht im Ansatz am Kern der Geschichte. Gerold Ebner sitzt auf dem Berg und legt eine Beichte ab. Er stellt zur Diskussion, wann es gerechtfertigt ist, einen anderen Menschen zu töten. Dabei ist Sterbehilfe, eingefordert vom Jugendfreund, nur eines – Ebners Darstellungen des Erstickens eines Menschen erinnern mich irgendwie an den Hitchcock-Film „Torn Curtain“ in ihrer Dauer und Vehemenz (auch wenn dort erwürgt wird). Der Leser bekommt Fragen aufgeworfen zu (unterstütztem) Selbstmord, zu Liebe, Ausbrechen aus Gewohnheiten, Familie. Ein Roman, den man erst einmal sacken lassen muss, wenn klar wird, welche verschiedenen Kulminationspunkte die Andeutungen im Verlauf der Geschichte finden. Hier der Trailer zum Buch mit Sounds unterlegt von Hans Platzgumer: http://www.youtube.com/watch?v=0w8n148qWi0 Ich hänge noch die Fragerunde an, die es hierzu auf lovelybooks gab: https://www.lovelybooks.de/autor/Hans-Platzgumer/Am-Rand-1209573881-w/buchverlosung/1317934466/

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  • Deutscher Buchpreis – Die Longlist: Fragerunde mit Hans Platzgumer zu "Am Rand"

    Am Rand

    TanjaMaFi

    Fragerunde mit Hans Platzgumer zu "Am Rand" Auch in diesem Jahr habt ihr wieder die Möglichkeit, Autoren der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 Fragen zu ihren Werken zu stellen und ihre Bücher zu gewinnen. Welches Buch ist euer Favorit? Hier könnt ihr abstimmen!Bei unserer Fragerunden-Aktion zum Deutschen Buchpreis dürfen wir auch Hans Platzgumer begrüßen. Sein neuer Roman "Am Rand" erzählt die Geschichte von Gerold Ebner, für den es schon immer eine Verbindung zwischen Tod und Glück gegeben hat. Als er eines Tages auf einen Berg steigt und am Abend nur noch einen einzigen Schritt zu machen hat, teilt er uns seine bewegte und nicht immer ganz legale Lebensgeschichte mit.Mehr zum InhaltEin Mensch steigt früh am Morgen auf einen Berg. Sobald es dunkel ist, will er einen letzten Schritt tun. Schon immer lagen der Tod und das Glück für Gerold Ebner nah beieinander. Als Kind hat er seinen ersten Toten gesehen. Später hat er zwei Menschen eigenhändig den Tod gebracht: Er erlöste seine Mutter vom terrorisierenden Großvater und seinen besten Freund von dessen Leiden. Doch ist er damit zum Mörder geworden? Noch einmal entscheidet sich Gerold gegen das Gesetz und findet so sein eigenes Glück, das ihm der Tod wieder nimmt. Fesselnd bis zum Schluss schildert der Ich-Erzähler die Ereignisse, die ihn an den Rand eines Felsens geführt haben.Mehr zum AutorHans Platzgumer wurde als Johann Platzgummer 1969 in Innsbruck geboren. Er arbeitet als Schriftsteller, Musiker und Komponist. Nach einem Studium der Elektroakustik an der Wiener Musikhochschule zog Platzgumer nach Berlin und 1989 nach New York und Los Angeles, wo er Filmmusik studierte. 1995 zurück in Deutschland schließt er sich den "Goldenen Zitronen" an. In den folgenden Jahren veröffentlichte er zahlreiche CDs und LPs, veranstaltete Konzerte und schrieb Opern, Romane und Essays. Sein erster Roman "Expedition" erschien 2005. Nach weiteren Veröffentlichungen erschien im Frühjahr 2016 das Buch "Am Rand", das für den Deutschen Buchpreis nominiert ist.Gemeinsam mit Paul Zsolnay verlosen wir unter allen Fragestellern ein Exemplar von "Am Rand". Außerdem haben alle, die an den Fragerunden teilnehmen, die Chance auf ein großes Buchpaket mit allen Titeln, die auf der Longlist des Deutschen Buchpreises stehen!Bitte beachtet, dass Hans Platzgumer eure Fragen am Freitag, 16. September zwischen 14 und 18 Uhr beantwortet und wir die Fragerunde dementsprechend schließen werden!Ich bin gespannt auf eure Fragen und wünsche euch viel Spaß!Bitte beachtet auch unsere Richtlinien: http://www.lovelybooks.de/info/richtlinien-lr-bv/

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    • 87
  • "...irgendwo am Rand der Menschheit..."

    Am Rand

    himbeerbel

    15. September 2016 um 17:49

    Beim Lesen des Klappentextes hatte ich eigentlich einen krimiähnlichen Roman erwartet, wurde stattdessen aber mit einer fesselnden Lebensbeichte der besonderen Art überrascht. Der 42jährige Südtiroler Gerold Ebner steigt frühmorgens auf den Bocksberg, um niederzuschreiben, was ihn dorthin geführt hat: Er erlöste seine Mutter von ihrem terrorisierenden Vater, seinen besten Freund von dessen Leiden und außerdem wurde ihm sein großes Glück vom Tod genommen. Fesselnd bis zum Schluss schildert der Ich-Erzähler die Ereignisse, die ihn seit seiner Kindheit an den Rand der Gesellschaft und schließlich zum Rand des Felsens geführt haben. Gleich zu Beginn wird man als Leser von dem oft lethargisch und dem Schicksal einfach nur ergeben wirkenden Ich-Erzähler persönlich angesprochen und ins Vertrauen gezogen. Ein Privileg, das man erst zu würdigen weiß, wenn man nach und nach den Protagonisten kennen und verstehen lernt – warum er sich von der Gesellschaft abgrenzt, kaum menschliche Nähe zulassen kann, mehr oder weniger funktioniert ohne Besonderes zu leisten oder dies anstreben zu wollen. Fast könnte man ihm verzeihen, dass er auch komplett aus der Rolle fallen und menschlichem Leben gewaltsam ein Ende setzen kann. Und doch fragt man sich, ob es sich hierbei tatsächlich um Mord oder doch eher einen Gefallen handelt. Aber es gibt in diesem Roman generell kein schwarz oder weiß, sondern viel Stoff zum Überlegen. So konnte Gerold Ebner rückblickend schließlich zwar auch Nähe zulassen, was in diesem von nachdenklicher grauer Stimmung geprägten Roman zwar ein Lichtblick ist, der aber wiederum nicht ohne Schatten daher kommt. Obwohl dieser Roman eher ernster Natur ist, lässt sich das Buch leicht lesen und entwickelt dabei trotz der ruhigen erzählweise einen Sog, der mich nicht mehr losgelassen hat. Mit „Am Rand“ hat es Hans Platzgumer auf die Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 geschafft. Für alles weitere drücke ich beide Daumen! 

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  • Hans Platzgumer - Am Rand

    Am Rand

    miss_mesmerized

    13. September 2016 um 18:59

    Gerold Ebner macht sich früh am Morgen auf in Richtung Gipfel des Bocksbergs. Er hat etwas zu erledigen, das will er alleine und in Ruhe tun. In Etappen geht es bergauf und in Etappen lässt er sein Leben Revue passieren. Zunächst seine Herkunft, die Mutter, die als Prostituierte arbeitet und nicht weiß, wer sein Vater ist. Sein Großvater, herrisch und bestimmend und dessen Tod eine Erleichterung für die gebeutelte Mutter ist. Seine Liebe zu Elena, die nie in einer Ehe oder richtigen Familie mündete. Und seine Freundschaften, die von der Kindheit bis in den Tod halten. Der Tod ist es auch, der den Takt und die Einschnitte bestimmt und der am Ende als letzter auf den Protagonisten noch wartet. „Am Rand“ – für mich eher am Abgrund, ein Leben immer an der Grenze, kurz vor dem Absturz, nie wirklich in den ruhigen Fahrwassern in der Mitte. In gelassenem Ton lässt Platzgumer seinen Protagonisten erzählen, die äußere Chronologie ebenso wie die seines Daseins gliedern die Erzählung und so passt ein ganzes Leben in einen einzigen Tag. Auch der Gegenspieler des selbigen schlägt seine Pflöcke ein und sucht schon früh die Bekanntschaft mit dem Protagonisten, der sich die Frage stellen muss, ob es gerechtfertigte Tode gibt und ob man Mitschuld immer als etwas Negatives sehen muss – kann dies nicht auch Befreiung sein? Die Mutter befreit er von dem übermächtigen Großvater, den Freund vom aussichtslosen Leiden, die Geliebte von der unerfüllten Mutterschaft und sich selbst? Es ist absehbar, worauf die Handlung von der ersten Seite an hinsteuert, es bleibt die Frage nach dem Warum, die gleich mehrfach beantwortet wird und sich am Ende umformuliert in die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Lebens und der Menge an Kraft, die es lohnt aufzubringen – oder eben nicht.Hans Platzgumer wurde für seinen Roman mit der Nominierung auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis 2016 honoriert. Thematisch reißt er die ureigenen Fragen nach dem Dasein des Menschen und dem Sinn des Lebens auf – allemal eine Nominierung wert. Interessant ist die Deutung der Frage nach der Schuld; der Autor wagt es die üblichen Wege in schwarz-weiß zu verlassen und stimmt der Leser mit seinem Protagonisten ein, macht er sich womöglich mitschuldig. Gibt es einen gerechtfertigten Mord? Dürften oder sollten wir ihn dann überhaupt Mord nennen? Trotz der Schwere und Bedeutung der Thematik liest sich der Roman jedoch recht eingängig und nur leicht melancholisch, wir dürfen uns den angerissenen Fragen stellen, werden aber nicht von diesen erschlagen, was ein wahrhaftiges Kunststück ist.

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  • Deutscher Buchpreis 2016: Fragerunden mit den Autoren der Longlist

    TanjaMaFi

    Seit dem 23. August steht die Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 fest! Die Jury hat aus allen Einsendungen 20 Bücher ausgewählt, die in ihren Augen die begehrte Auszeichnung verdient hätten. Welche 20 Titel es auf die Longlist geschafft haben, seht ihr hier in der kompletten Liste! Vielleicht erinnert ihr euch noch an unsere Aktionen zum Deutschen Buchpreis aus den letzten Jahren? 2016 möchten wir euch auch wieder etwas besonderes zu diesem Anlass bieten: Ihr habt in den ersten Septemberwochen die Möglichkeit, einigen der Autoren, die es mit ihren Büchern auf die Longlist geschafft haben, Fragen zu stellen und ihre Bücher zu gewinnen! Hier die Termine und Autoren, die euch eure Fragen beantworten: Montag, 05. September 2016Peter Stamm – "Weit über das Land"Hier geht es zur Fragerunde Mittwoch, 07. September 2016Philipp Winkler – "Hool"Hier geht es zur Fragerunde Montag, 12. September 2016Anna Weidenholzer – "Weshalb die Herren Seesterne tragen"Hier geht es zur Fragerunde Mittwoch, 14. September 2016Michelle Steinbeck – "Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch"Hier geht es zur Fragerunde Freitag, 16. September 2016Hans Platzgumer – "Am Rand"Hier geht es zur Fragerunde Sonntag, 18. September 2016Dagmar Leupold – "Die Witwen"Hier geht es zur Fragerunde Sobald die Fragerunden starten, findet ihr hier die entsprechenden Links. Ihr könnt den Autoren dann an dem Tag eure Fragen stellen. Bitte achtet darauf, dass ihr die Fragen in die Fragerunde postet und nicht hier in das Thema. Die Autoren werden dann auch dort alle Fragen beantworten. Da manche Autoren nicht den ganzen Tag für Fragen zur Verfügung stehen, solltet ihr euch die Beschreibung der Fragerunden noch einmal durchlesen. Wir werden in den Fragerunden auch eins bis drei Exemplare des jeweiligen Buchs verlosen. Wenn ihr an der Verlosung teilnehmen möchtet, postet eure Frage bitte, indem ihr den blauen “Jetzt bewerben” Button nutzt. Unter allen Teilnehmern verlosen wir außerdem ein großes Buchpaket mit allen 20 Titeln, die auf der Longlist des Deutschen Buchpreises 2016 stehen: Philipp Winkler – "Hool" Gerhard Falkner – "Apollokalypse" Bodo Kirchhoff – "Widerfahrnis" Dagmar Leupold – "Die Witwen" Eva Schmidt – "Ein langes Jahr" Michael Kumpfmüller – "Die Erziehung des Mannes" Katja Lange-Müller – "Drehtür" Joachim Meyerhoff – "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" Michelle Steinbeck – "Mein Vater war ein Mann an Land und im Wasser ein Walfisch" Hans Platzgumer – "Am Rand" Akos Doma – "Der Weg der Wünsche" André Kubiczek – "Skizze eines Sommers" Thomas Melle – "Die Welt im Rücken" Arnold Stadler – "Rauschzeit" Thomas von Steinaecker – "Die Verteidigung des Paradieses" Ernst-Wilhelm Händler – "München" Reinhard Kaiser-Mühlecker – "Fremde Seele, dunkler Wald" Peter Stamm – "Weit über das Land" Sibylle Lewitscharoff – "Das Pfingstwunder" Anna Weidenholzer – "Weshalb die Herren Seesterne tragen" Zwar könnt ihr den Autoren hier im Thema keine Fragen stellen, dafür aber miteinander wunderbar diskutieren! Habt ihr schon eines oder sogar mehrere der Bücher gelesen? Kennt ihr andere Bücher der nominierten Autoren? Welches ist euer Favorit für den Buchpreis? Wie findet ihr die Fragerunden hier auf LovelyBooks? Nun ist auch die Shortlist des Deutschen Buchpreises 2016 heraus! Philipp Winkler – "Hool", Bodo Kirchhoff – "Widerfahrnis", André Kubiczek – "Skizze eines Sommers", Thomas Melle – "Die Welt im Rücken", Reinhard Kaiser-Mühlecker – "Fremde Seele, dunkler Wald", Eva Schmidt – "Ein langes Jahr" Wer ist euer Favorit? Hier könnt ihr darüber abstimmen! Wenn ihr auf euren Buchblogs über den Buchpreis oder unsere Fragerunden mit den Autoren berichtet, freuen wir uns über eure Links! Ich wünsche euch viel Spaß bei den Fragerunden und bin gespannt auf eure Meinungen!

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    • 91
  • An den Rand gepresst

    Am Rand

    BookBroker

    31. July 2016 um 13:56

    Hans Platzgummers (übrigens auch ein Pseudonym, wenn auch nur leicht vom bürgerlichen Namen abgewandelt) Roman Am Rand hat es in sich. Am Ende der Erzählung angelangt, müsst man wohl wieder von vorn beginnen, um die Hinweise richtig zu deuten und die Zusammenhänge von Beginn an zu erkennen. In dem Roman geht es nicht - wie vielleicht von einigen vermutet - um das Bergsteigen (zumindest nicht vordergründig). Ich persönlich dachte, der Protagonist Gerold Ebner würde wohl am Berg ein paar Menschen zum Tod verhelfen. Nein, all das passiert in der Südtirolersiedlung, in der der Halb-Südtiroler aufwächst. Gerold erzählt in der Ich-Form von seinem Leben, als Kind und als Erwachsener, als Kurzzeit-Vater, als Schriftsteller und Bauarbeiter oder Getränkelieferant. Er erzählt von Mutproben, wie das waghalsige Kacken von einem Baukran bis zu nicht mehr aufhörendem Sex mit seiner Liebe im Maisfeld. Das zentrale Motiv des Romans ist aber der Tod, der ihm im Leben immer wieder begegnet und an die Grenzen seiner Existenz treibt. Dabei leistet er, wenn man so will, Sterbehilfe – dessen Berechtigung aber nicht weiter diskutiert wird. Offiziell ist er höchst kriminell unterwegs, wenn auch alles sehr nüchtern geschildert wird. Gerold, der seine Biografie an einem Tag am Bocksberg niederschreibt, gliedert sie in verschiedene Lebensetappen, die alle gleich wichtig sind; deshalb lautet der Titel jedes Kapitels Hitotsu. Erst mit der Zeit wird klar was es mit dem Begriff auf sich hat, dass er aus der Sportart Karate stammt und so viel wie „Erstes“ bedeutet. In dem Video, das ich unten verlinkt habe, wird übrigens sehr deutlich, dass Hans Platzgummer die Regeln der Kampfsportart perfekt in der Ursprungssprache aussprechen kann (beeindruckend!). Sehr spannend am Erzählstil des Romans sind die Passagen in denen der Ich-Erzähler direkt zu uns spricht. „Ich bin kein Monster. Wenn Sie sich ein Urteil über mich bilden, vergessen Sie nicht, dass es nicht gerecht sein kann, weil über andere zu urteilen bloß selbstgerecht ist.“ (Platzgummer 2016, S. 123) Am Ende sind wir diejenigen, die sein Manuskript am Bocksberg gefunden haben und gerade lesen und den letzten Schritt müssen wir uns auch vorstellen. Mit tragisch lässt sich die Handlung sehr gut beschreiben! Ein wahnsinns Roman eines Musikers oder Multitalents, erschienen in einem mir bisher noch unbekannten Verlag.  Einmal gelesen, müssen wir die Frage, ob er ein Mörder ist, selbst beantworten. Der Roman tut es nicht.

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  • Ringen nach Liebe endet im Todestanz

    Am Rand

    Monsignore

    05. March 2016 um 18:01

    Es geht auf Leben und Tod. Nichts Geringeres - und leise, fast behutsam beginnt es in den Morgenstunden, als sich der Erzähler durch dunklen Wald auf den Weg zum Berggipfel macht. Oben angekommen, hat er nur noch Zweierlei vor sich: Aufzuschreiben, wie es soweit kommen konnte und sich dann in den sicheren Tod zu stürzen. Wer ist dieser Mann? Der Leser wird hin- und hergeworfen und erfährt von einem großen Liebenden und einen mehrfachen Mörder. In einer Person kumuliert eine ungeheure menschliche Dramatik. Geschickt aufgebaut und großer Dynamik schreit hier alles nach Erlösung. Doch als man denkt, dass es nicht mehr tiefer hinunter gehen kann in das geschundene Menschenleben, da kommt es besonders hart ... Der Autor fasst die Dramatik in einem Satz zusammen: "Wie die Geburt ein brutaler Akt hinein ins Leben ist, so ist der Tod der brutale, wenngleich aussichtslose Kampf aus ihm hinaus."

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