Hans Rudolf Vaget

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Thomas Mann, der Amerikaner

Thomas Mann, der Amerikaner

 (4)
Erschienen am 08.06.2011
Seelenzauber

Seelenzauber

 (1)
Erschienen am 09.12.2011

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Rezension zu "Seelenzauber" von Hans Rudolf Vaget

Rezension zu "Seelenzauber" von Hans R. Vaget
Wulf_Rehdervor 7 Jahren

Seelenzauber mit finsteren Konsequenzen

Dieses subtile, gelehrte, aber auch temperamentvolle Buch mit seinem schönen romantischen Titel hätte eigentlich „Seelenzauber mit finsteren Konsequenzen“ heissen müssen, und ein sperriger Untertitel wie „Der Nexus von Musik und Politik bei Thomas Mann“ hätte den Leser gewarnt, dass es hier nicht um Thomas Manns Lieblingsmusik geht, etwa Wagners „Tristan“ oder Schuberts „Lindenbaum“, sondern um die Aufhellung des dunkelsten Kapitels in der deutschen Geschichte, in der der Seelenzauber guter Musik böse Politik „ermöglicht und begünstigt“ hat. Dabei darf sich ein bloss „kulinarischer Leser“ zunächst auf äusserst anregende Kapitel freuen: Thomas Manns Begegnung mit Opern und Kunstliedern; Einfluss von Wagners „Ring“ auf die Architektur der „Buddenbrooks“; Thomas Manns überaus kritische Haltung zum Mitläufer Furtwängler; ein bewegendes Porträt Bruno Walters, der ein seltener Duz-Freund und der wichtigste musikalische Mentor Thomas Manns war, bevor Theodor Adorno der „wirkliche Geheime Rat“ für die Musikpassagen im „Doktor Faustus“ wurde. Spannend wird beschrieben, wie sich dieses Beraterverhältnis erwärmt, aber doch immer die Distanz wahrt, wobei im Hintergrund Adornos Kritik an Wagner und Schönbergs Abneigung gegen Adorno für Dissonanzen sorgen. Kakophonien werden laut auch im dritten Teil des Buches. Unter der Überschrift „Wehvolles Erbe, dem ich verfallen“ (Amfortas Worte aus dem Parsifal) geht es um die zwiespältige Haltung Thomas Manns zu Bayreuth und um seinen für „die stehengebliebene Wagnerei“ skandalösen Aufsatz „Leiden und Grösse Richard Wagners“ von 1933. Der darauf folgende Protest des Münchner Musik-Establishments um Knappertsbusch, Richard Strauss und Pfitzner veranlasste Thomas Mann, nach einer Vortragsreise nicht wieder nach Deutschland zurückzukehren. Sein Exil und die zwölf Jahre des tausendjährigen Reichs hatten begonnen.

Die Verknüpfung von Thomas Mann individuellem Geschick mit dem Schicksal Deutschlands seit 1933 wird in dem Roman „Doktor Faustus“ zum Zentralthema gemacht – allerdings nicht in dem recht primitiven allegorischen Sinne, wonach ein unschuldiges Deutschland sich dummerweise auf einen Vertrag mit dem Teufel, Hitler, einlässt und dafür bestraft wird, während gute Deutsche wie Thomas Mann es immer schon gewusst und vom Exil aus vor den katastrophalen Folgen gewarnt hätten. Emphatisch wendet sich Vaget dagegen, wenn Leverkühns Teufelverschreibung nicht historisch ernst genommen, sondern, wie bei dem Musikkritiker Joachim Kaiser, höchstens als eine poetisch „plausible Metapher für den scheiternden Genius unseres Volkes“ gesehen und im nachhinein mit allerlei ökonomischen und soziologischen Faktoren der Zeit erklärt und entschuldigt wird.

Weit gefehlt, sagt Hans R. Vaget. Seine These lautet, dass der nationalsozialistische Imperialismus schon in einem seit der Romantik herrschenden Kulturimperialsmus angelegt war – genauer, in der als selbstverständlich angenommenen Vorrangstellung der deutschen Musik spätestens seit Beethoven und Schubert, über Brahms zum Kulminationspunkt Wagner, und, nach Schönbergs Voraussage, sogar „für die nächsten 100 Jahre“. Besonders der weltweite Triumph Wagners galt als Ausdruck einer kulturellen Hegemonie, die durch Hitler und sein (auch intellektuelles und kulturbeflissenes) Gefolge in einen Anspruch auf politische Hegemonie, auf Weltherrschaft umfunktioniert und verhunzt wurde.

Diese mentalitätsgeschichtliche Deutung besagt, dass die Musik als „Seelen- und Geistesvefassung“ eine ganz konkrete Nazi-Barbarei, die „finstere Konsequenz“, nicht nur „antizipiert“, sondern sogar „legitimiert“ hat, und so sei das im Roman zitierte Bibelwort „Wer da Wind säet, wird Sturm ernten“ zu verstehen (was sich nicht mehr nur wie ein „Nexus“ anhört, sondern eine kausale Verursachung suggeriert). Zur tiefen persönlichen Ironie gehört es, wenn Thomas Mann keineswegs verschweigt, dass auch er im Banne Wagners stand und in dessen Namen in den „Betrachtungen eines Unpolitischen“ für den gerechten, notwendigen Krieg Deutschland gegen den feindlichen Rest der Welt argumentiert hatte. (Übrigens gibt es auch heute noch die nationale Arroganz, das Bewusstsein, besser zu sein als der Rest der Welt: man denke nur an den amerikanischen Erwähltheitsdünkel, den exceptionalism.)

In allen Kapiteln dieses höchst bemerkenswerten Buches wird dafür plädiert, unsere jüngere Vergangenheit mentalitätsgeschichtlich zu deuten, wie es, nach Vaget, Thomas Mann mit dem „Doktor Faustus“ vorgemacht habe.

Der engagierte Leser sieht sich fünf Fragen gegenüber: (1) Präsentiert Vaget seine These überzeugend, d.h., sind die textlichen Belege aus dem „Doktor Faustus“ konsistent mit seiner mentalitätsgeschichtlichen Interpretation? (2) Hat Thomas Mann sein Werk, insbesondere den „Doktor Faustus“, tatsächlich so gemeint, wie Vaget es interpretiert, d.h., gibt es ausserhalb des „Doktor Faustus“ hinreichende Unterstützung für eine solche Absicht des Dichters? Die Rede „Deutschland und die Deutschen“ (1945) spraeche dafür. (3) Gibt es, unabhängig von Dichtung und Interpretation, Bestätigungen aus der realen, gelebten Geschichte (sagen wir, von 1850 bis 1950) dafür, dass das Bewusstsein einer Vorrangstellung der deutschen Musik ursächlich gewesen ist für das Streben nach politischer Hegemonie und, wichtiger, für die Naziherrschaft und die nachfolgende Katastrophe und Schande? (4) Wenn auf diese letzte Frage die Antwort „Ja“ lautet, bedeutet dies, zugespitzt, dass es ohne Wagner keinen Hitler und keinen zweiten Weltkrieg gegeben hätte? (5) Und schliesslich: Genossen nicht auch Chemie und Physik – Justus von Liebig über Einstein und Planck bis Heisenberg – in Deutschland eine herausragende Stellung in der Welt? Ist denn auch dieser wissenschaftliche Zauber in einen Ungeist umgeschlagen?

Es ist ein Beweis für den hohen Rang dieses Buches, dass, nachdem die Buchdeckel zugeklappt sind, viele Fragen beantwortet und viele neue hinzugekommen sind. Als Bonus gibt es mehrere gekonnten Wendungen, die der amerikanisierte Autor wohl als „tongue in cheek“ bezeichnen würde. Zum Beispiel:

Wenn Thomas Mann auf Druck von Katia und Erika die Lobpreisung Adornos für dessen Assistenz bei den musikalischen Passagen im Faustus um 120 Zeilen kürzt, dann kommentiert Vaget, dies sei „ein melancholisches Beispiel mehr für die Opferung der Wahrheit auf dem Altar des Familienfriedens.“ An anderer Stelle wird Thomas Manns Art zu philosophieren mit Felix Krulls Tennisspiel verglichen, in dem dieser sich bemühte, mit „Entschlossenheit [...] auf augenverblendende Weise meinen Mann zu stehen in einem Spiel, das ich zwar angeschaut und in mich genommen, in Wirklichkeit aber nie geübt hatte.“

Für den stilempfindlichen Leser bietet Vaget überdies einige Proben aus dem Kathederjargon des Professor Unrat, indem er zum Beispiel 78 mal das steife Füllwort „durchaus“ (übrigens eine Lieblingsfloskel Thomas Manns) benutzt, wie in: „Thomas Mann war sich durchaus bewusst, dass ...“. Man darf sich auch über fremssprachliche Perlen wie „oeuvre“, „Gravamina“, „quantité négligeable“ und Homers „epitheton ornans“ freuen. In diesem Seelenzauberbuch mit seinen feinsinnigen Spurensicherungen, pointierten Polemiken und mutigen Interpretationen wirken diese Eigentümlichkeiten aber eher charmant, wie Sommersprossen auf einem sympathischen und klugen Gesicht.

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Rezension zu "Thomas Mann, der Amerikaner" von Hans Rudolf Vaget

Rezension zu "Thomas Mann, der Amerikaner" von Hans R. Vaget
Wulf_Rehdervor 7 Jahren

Auf der Überholspur der Geschichte

Zwei ganz verschiedene Liebschaften machten es möglich, dass Thomas Mann von einem Exilanten zu einem Amerikaner wurde.

Da war zuerst der schmachtende Enthusiasmus, mit dem die einundfünfzigjährige Agnes Meyer ihrem dreiundsechzigjährigen Idol Thomas Mann begegnete. Ihre Verliebtheit hatte sich an erotischen Szenen im Roman Joseph in Ägypten entzündet, und nun suchte sie entschlossen die Nähe des berühmten Autors, um an seiner Grösse teilzuhaben und ihren Kulturhunger zu stillen. Ihre ekstatisch-direkte Annäherung erschreckte Thomas Mann, der sich mit Mühe aus der Affäre zog, seine Verehrerin aber über viele Jahre hinweg in unzähligen Briefen und Gesprächen an seinen politischen und literarischen Gedanken teilnehmen liess. Sie belohnte diese Vertrautheit mit einem grosszügigen Mäzenatentum – ihr Einfluss verschafften ihm die Anstellungen in Princeton und an der Library of Congress, ihr Geld half mit der Bürgschaft für sein Haus in Kalifornien, und sie assistierte bei seiner Einbürgerung. Literarisch war sie ein Modell für die Frau von Tolna im Doktor Faustus, und sie selbst erkannte sich in der Verführerin Thamar des Joseph-Romans wieder.

In der zweiten Romanze war Thomas Mann der Bewunderer, der Verehrte Franklin D. Roosevelt, amerikanischer Präsident von 1933 bis 1945. Diesen an Kinderlähmung leidenden, aber lebensfrohen, geselligen aristokratischen Demokraten und Architekten des New Deal bewunderte Thomas Mann über alles. In ihm sah er den mystischen Helden, der als „Caesar im Rollstuhl“ das Monster Hitler besiegen würde und dessen Genius er, Thomas Mann, mit Vorträgen und Radioansprachen bis zum bitteren Ende zu unterstützen versprach. Thomas Mann war zweimal Gast im Weissen Haus; aber wegen seiner mangelnden Englischkenntnisse ist es nicht wahrscheinlich, dass es zu einem Gespräch zwischen Autor und Präsidenten kam. Ebenso zweifelhaft ist es, dass Roosevelt je ein Buch von Thomas Mann geöffnet hat. Obwohl also Roosevelt Thomas Manns loyale Hingabe nicht erwiderte, bekam Joseph der Ernährer, der in den USA geschrieben wurde, Züge von Roosevelt, dem „Gesegneten“, und dessen New Deal wurde das Vorbild für Josephs Wirtschaftspolitik in Ägypten.

Ähnlich wie in diesen beiden Kapiteln über Agnes Meyer und Präsident Roosevelt beleuchtet Hans R. Vaget in diesem Buch neun weitere Themenbereiche, darunter Thomas Manns fünf ausgedehnten Vortragsreisen in den USA zwischen 1938 und 1943; seine Erfahrungen an amerikanischen Universitäten und in Hollywood (zu gerne hätte er den Joseph-Roman verfilmt gesehen, mit Robert Montgomery in der Titelrolle!); die beängstigende Berührung mit dem Komitee über „unamerikanische Umtriebe“ und dem FBI, wobei Thomas Mann schon früh sah, wie Amerikas Anti-Nazismus sich in einen grobschlächtigen Anti-Kommunismus wandelte, der den Nährboden für den kommenden kalten Krieg bildete.

Der eigentliche Ehrgeiz dieses Buches offenbart sich aber erst im letzten Drittel des Buches. Dort geht es dem Autor um die These, dass Thomas Mann (der bekanntlich bei seiner Ankunft 1938 in New York noch gesagt hatte „Wo ich bin, da ist Deutschland“) in Amerika eine Perspektive auf Deutschlands geschichtliche Schuld und schwierige Zukunft gewann, die ihn im Vergleich zu den Daheimgebliebenen und der Inneren Immigration auf die „Überholspur der Geschichte“ brachte: „Thomas Mann gewann in den Jahren des amerikanischen Exils einen Vorsprung an historischer und politischer Erkenntnis, die sich in einer von keiner falschen Vaterlandsliebe vernebelten Aussenperspektive auf Deutschland kundtat.“ In Reden und Aufsätzen wie „Deutschland und die Deutschen“ habe er aufgezeigt, dass Hitler und der Nationalsozialismus weit in die deutsche Geistesgeschichte zurückgehen, zur Innerlichkeit der Romantik, zu Nietzsche, ja bis zu Luther. Das böse Deutschland, so heisst es, sei das fehlgegangene gute. (Das ist auch die Ein-Deutschland-Theorie, die dem Doktor Faustus zugrunde liegt.) Daraus folge die historische Schuld des gesamten Deutschtums, auch des „deutschen Geistes“. Die Zerstörung der Städte und das Leiden der Menschen im Krieg sei letztlich selbstverschuldet. Jedenfalls könne man sich moralisch nicht entrüsten angesichts der vorangegangenen Zerstörungen englischer Städte, von dem Holocaust ganz zu schweigen. Nachkriegs-Deutschland müsse wissen, dass auch während seiner allmählichen Rehabilitierung vor der Welt die Krematorien der Konzentrationslager auf lange Sicht als das „Denkmal des Dritten Reiches“ im Gedächtnis der Menschen fortleben würden.

Man muss sich erinnern, dass Thomas Mann diese heute so selbstverständlich klingenden Vorbedingungen für eine Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit schon vor sechzig oder siebzig Jahren ausgesprochen hat.

Trotz solcher tiefernsten Konklusion ist dieses Buch auch unterhaltsam. Thomas Manns Flucht vor Agnes Meyer, die ihm die Furcht vor Frauen nehmen wollte, ist überaus amüsant beschrieben. Hier und da hebt der Verfasser die Stimme, um ein paar polemische Seitenhiebe auf andere Autoren auszuteilen, wie es Professoren nun einmal tun. Auch für den fachkundigen Leser gibt es noch Entdeckungen zu machen, etwa dass Thomas Mann sich bei dem „Movie-Gesindel“ in Hollywood wohler fühlte als bei den Talaren in Princeton, oder wie seine Harvard-Promotion arrangiert wurde, oder wie es zu einer bemerkenswerten Gedankenverwandschaft zwischen Thomas Mann und Willy Brandt kam.

Wulf Rehder

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Rezension zu "Thomas Mann, der Amerikaner" von Hans Rudolf Vaget

Rezension zu "Thomas Mann, der Amerikaner" von Hans R. Vaget
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Exiljahre

Seit dem, inzwischen vielfach gesendeten, umfassenden Film von Heinrich Breloer über die Manns ist die Zeit zwischen 1938 und 1952, jene Exiljahre Manns in Amerika, besser und bildlicher beleuchtet als in den langen Jahrzehnten zuvor. Jahrzehnte, in denen sich gerade die deutsche kulturelle Landschaft, aber auch die Politik, lange Zeit schwer taten mit dieser „Stimme Deutschlands“, die sich in Übersee entwickelt hatte.
Nicht zuletzt daher klaffte bisher eine gewisse Lücke, was diese Jahre für den Schriftstellter Thomas Mann, sein Werk, aber auch seine kulturelle Identität betreffen.

Exiljahre auch, die den Selbstmord seiner Schwägerin, die Entwurzelung gerade seiner Kinder Klaus und Erika vorantrieben, für Klaus Mann ebenfalls mit dramatischen Folgen, später. Die seinen Bruder Heinrich, zu Zeiten durchaus im Erfolg fast Thomas fast ebenbürtig, in Armut stürzten und die enge Unterstützung durch Thomas Mann nötig machte.

Eine Zeit aber auch, in der seit Anfang der 40er Jahre vielfaches von Thomas Mann in Wort und Ton erhalten ist. Seine in Kalifornien aufgezeichneten Schallplatten zum Zwecke von Radiosendungen für die Kampfgebiete in Europa enthalten bis heute sprachlich wie inhaltlich intensive Gedanken und Aufrufe über den Frieden, den Menschen, das gemeinschaftliche, würdige Zusammenleben der Völker. Thomas Mann, der 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt, legte diese nicht mehr ab und starb, letztendlich, in Europa als amerikanischer Staatsbürger. Ein Umstand, der, obwohl ursächlich nicht selbst gewählt, doch einen Keil der Entfremdung zwischen Mann und gewisse Kreise in Deutschland auch späterhin trieb. In diesen Jahren in Amerika ging es also durchaus gewichtig um die Frage der kulturellen Identität des Schriftstellers und um den Vorgang einer Entwurzelung, die spürbare Folgen für sein Denken und auch für sein Werk nach sich zog.

Gerade seine vielfachen Mahnungen in Fragen der deutschen Schuld und deutschen Verantwortung zeigen zum einen seine Sicht der Dinge, in der Reaktion aber auch die Schwierigkeiten, mit denen er als einer der größten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts in der Heimat zu kämpfen hatte. Jene „Schicksalsirrtümlichkeit“, als die Mann sein erzwungenes Exil betrachtete, führte lange zu einer solitären Stellung Thomas Manns.

Umstände, die durchaus veränderten und Einfluss nahmen, die letztlich aber nicht am Kern des Selbstbewusstseins Thomas Manns rührten. Weltweit aufgestellt finden sich in vielen seiner Äußerungen diese selbstbewusste Haltung eines Mannes wieder, der sich selber auf der „richtigen Seite“ wusste. Auch dieses Selbstbewusstsein, im Vorfeld bereits angelegt, ist in dieser Ausprägung Teil seiner Entwicklung in den amerikanischen Jahren. Er wurde zum weltweit geachteten „Repräsentanten deutscher Kultur“. Der „anderen“ deutschen Kultur-

In vielfachen Betrachtungen, Anekdoten, Begegnungen, in der Betrachtung des Verhältnisses Manns zu Kollegen, zur amerikanischen Kultur, gerade auch zu den amerikanischen Germanisten, aber auch im Blick auf das private Leben Manns in Amerika vollzieht Vaget diese Entwicklung des geachteten Nobelpreisträgers zum internationalen Symbol einer Kultur auf gut 500 Textseiten und einem überbordenden Anhang nach. Der Weg ins Exil, die Auseinandersetzug mit der amerikanischen Politik, seine enge Beziehung zu Agnes Meyer gerade während der Schaffensperiode zu „Dr. Faustus“ sind hier ebenso ausführlich einer Betrachtung zugeführt, wie das Verhältnis Manns zum universitären Leben (diverse Ehrendoktorwürden wurden ihm verliehen, Vorlesungen hielt er), aber auch seine spielerischen Verbindungen nach Hollywood. Der Bogen reicht bis hin zu den erwähnten Reibungen und Abstoßreaktionen im Nachkriegsdeutschland mitsamt seiner politischen Kultur, die sich schwer tat mit Thomas Mann, dem Amerikaner.

Alles in allem ein umfangreiches Bild der amerikanischen Jahre, sowohl, was die äußeren Stationen angeht, vor allem aber mit einem Schwerpunkt auf die innere Entwicklung Manns, seinen erklärten und gelebten Antinationalsozialismus und sein politisches und künstlerisches Schaffen und Denken. Mit diesem Buch ist eine biographische Lücke beredt und fundiert geschlossen worden. In der Sprache stellt sich Valet als eher trocken und beschreibend dar, weniger als flüssig und romanhaft, vor allem aber als hoch informativ und Querschlüsse der Entwicklung offenlegend.

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