Hans Rudolf Vaget Seelenzauber

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Inhaltsangabe zu „Seelenzauber“ von Hans Rudolf Vaget

Keine andere Kunstform hat Thomas Mann so sehr bewegt und bestimmt wie die Musik, angefangen bei den Opernbesuchen in der Kindheit bis hin zur Begegnungen mit großen Persönlichkeiten wie Bruno Walter oder Arnold Schönberg. Die Musik war für Thomas Mann zentraler Bestandteil der deutschen Kultur und dadurch mitverantwortlich für die große Katastrophe des 20. Jahrhunderts. Auf dieser Grundlage analysiert und beschreibt Hans Rudolf Vaget die Bedeutung der Musik im Werk Thomas Manns. Sei es in der Bewertung des deutschen Kunstlieds oder in der Auseinandersetzung mit Furtwängler, sei es Thomas Manns Wagner-Bild oder die Zusammenarbeit mit Adorno – diese fundierte Studie bündelt kulturgeschichtliche Zusammenhänge und erschließt immer wieder neue Gänge durch das Werk Thomas Manns.

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  • Rezension zu "Seelenzauber" von Hans R. Vaget

    Seelenzauber

    Wulf_Rehder

    24. January 2012 um 03:10

    Seelenzauber mit finsteren Konsequenzen Dieses subtile, gelehrte, aber auch temperamentvolle Buch mit seinem schönen romantischen Titel hätte eigentlich „Seelenzauber mit finsteren Konsequenzen“ heissen müssen, und ein sperriger Untertitel wie „Der Nexus von Musik und Politik bei Thomas Mann“ hätte den Leser gewarnt, dass es hier nicht um Thomas Manns Lieblingsmusik geht, etwa Wagners „Tristan“ oder Schuberts „Lindenbaum“, sondern um die Aufhellung des dunkelsten Kapitels in der deutschen Geschichte, in der der Seelenzauber guter Musik böse Politik „ermöglicht und begünstigt“ hat. Dabei darf sich ein bloss „kulinarischer Leser“ zunächst auf äusserst anregende Kapitel freuen: Thomas Manns Begegnung mit Opern und Kunstliedern; Einfluss von Wagners „Ring“ auf die Architektur der „Buddenbrooks“; Thomas Manns überaus kritische Haltung zum Mitläufer Furtwängler; ein bewegendes Porträt Bruno Walters, der ein seltener Duz-Freund und der wichtigste musikalische Mentor Thomas Manns war, bevor Theodor Adorno der „wirkliche Geheime Rat“ für die Musikpassagen im „Doktor Faustus“ wurde. Spannend wird beschrieben, wie sich dieses Beraterverhältnis erwärmt, aber doch immer die Distanz wahrt, wobei im Hintergrund Adornos Kritik an Wagner und Schönbergs Abneigung gegen Adorno für Dissonanzen sorgen. Kakophonien werden laut auch im dritten Teil des Buches. Unter der Überschrift „Wehvolles Erbe, dem ich verfallen“ (Amfortas Worte aus dem Parsifal) geht es um die zwiespältige Haltung Thomas Manns zu Bayreuth und um seinen für „die stehengebliebene Wagnerei“ skandalösen Aufsatz „Leiden und Grösse Richard Wagners“ von 1933. Der darauf folgende Protest des Münchner Musik-Establishments um Knappertsbusch, Richard Strauss und Pfitzner veranlasste Thomas Mann, nach einer Vortragsreise nicht wieder nach Deutschland zurückzukehren. Sein Exil und die zwölf Jahre des tausendjährigen Reichs hatten begonnen. Die Verknüpfung von Thomas Mann individuellem Geschick mit dem Schicksal Deutschlands seit 1933 wird in dem Roman „Doktor Faustus“ zum Zentralthema gemacht – allerdings nicht in dem recht primitiven allegorischen Sinne, wonach ein unschuldiges Deutschland sich dummerweise auf einen Vertrag mit dem Teufel, Hitler, einlässt und dafür bestraft wird, während gute Deutsche wie Thomas Mann es immer schon gewusst und vom Exil aus vor den katastrophalen Folgen gewarnt hätten. Emphatisch wendet sich Vaget dagegen, wenn Leverkühns Teufelverschreibung nicht historisch ernst genommen, sondern, wie bei dem Musikkritiker Joachim Kaiser, höchstens als eine poetisch „plausible Metapher für den scheiternden Genius unseres Volkes“ gesehen und im nachhinein mit allerlei ökonomischen und soziologischen Faktoren der Zeit erklärt und entschuldigt wird. Weit gefehlt, sagt Hans R. Vaget. Seine These lautet, dass der nationalsozialistische Imperialismus schon in einem seit der Romantik herrschenden Kulturimperialsmus angelegt war – genauer, in der als selbstverständlich angenommenen Vorrangstellung der deutschen Musik spätestens seit Beethoven und Schubert, über Brahms zum Kulminationspunkt Wagner, und, nach Schönbergs Voraussage, sogar „für die nächsten 100 Jahre“. Besonders der weltweite Triumph Wagners galt als Ausdruck einer kulturellen Hegemonie, die durch Hitler und sein (auch intellektuelles und kulturbeflissenes) Gefolge in einen Anspruch auf politische Hegemonie, auf Weltherrschaft umfunktioniert und verhunzt wurde. Diese mentalitätsgeschichtliche Deutung besagt, dass die Musik als „Seelen- und Geistesvefassung“ eine ganz konkrete Nazi-Barbarei, die „finstere Konsequenz“, nicht nur „antizipiert“, sondern sogar „legitimiert“ hat, und so sei das im Roman zitierte Bibelwort „Wer da Wind säet, wird Sturm ernten“ zu verstehen (was sich nicht mehr nur wie ein „Nexus“ anhört, sondern eine kausale Verursachung suggeriert). Zur tiefen persönlichen Ironie gehört es, wenn Thomas Mann keineswegs verschweigt, dass auch er im Banne Wagners stand und in dessen Namen in den „Betrachtungen eines Unpolitischen“ für den gerechten, notwendigen Krieg Deutschland gegen den feindlichen Rest der Welt argumentiert hatte. (Übrigens gibt es auch heute noch die nationale Arroganz, das Bewusstsein, besser zu sein als der Rest der Welt: man denke nur an den amerikanischen Erwähltheitsdünkel, den exceptionalism.) In allen Kapiteln dieses höchst bemerkenswerten Buches wird dafür plädiert, unsere jüngere Vergangenheit mentalitätsgeschichtlich zu deuten, wie es, nach Vaget, Thomas Mann mit dem „Doktor Faustus“ vorgemacht habe. Der engagierte Leser sieht sich fünf Fragen gegenüber: (1) Präsentiert Vaget seine These überzeugend, d.h., sind die textlichen Belege aus dem „Doktor Faustus“ konsistent mit seiner mentalitätsgeschichtlichen Interpretation? (2) Hat Thomas Mann sein Werk, insbesondere den „Doktor Faustus“, tatsächlich so gemeint, wie Vaget es interpretiert, d.h., gibt es ausserhalb des „Doktor Faustus“ hinreichende Unterstützung für eine solche Absicht des Dichters? Die Rede „Deutschland und die Deutschen“ (1945) spraeche dafür. (3) Gibt es, unabhängig von Dichtung und Interpretation, Bestätigungen aus der realen, gelebten Geschichte (sagen wir, von 1850 bis 1950) dafür, dass das Bewusstsein einer Vorrangstellung der deutschen Musik ursächlich gewesen ist für das Streben nach politischer Hegemonie und, wichtiger, für die Naziherrschaft und die nachfolgende Katastrophe und Schande? (4) Wenn auf diese letzte Frage die Antwort „Ja“ lautet, bedeutet dies, zugespitzt, dass es ohne Wagner keinen Hitler und keinen zweiten Weltkrieg gegeben hätte? (5) Und schliesslich: Genossen nicht auch Chemie und Physik – Justus von Liebig über Einstein und Planck bis Heisenberg – in Deutschland eine herausragende Stellung in der Welt? Ist denn auch dieser wissenschaftliche Zauber in einen Ungeist umgeschlagen? Es ist ein Beweis für den hohen Rang dieses Buches, dass, nachdem die Buchdeckel zugeklappt sind, viele Fragen beantwortet und viele neue hinzugekommen sind. Als Bonus gibt es mehrere gekonnten Wendungen, die der amerikanisierte Autor wohl als „tongue in cheek“ bezeichnen würde. Zum Beispiel: Wenn Thomas Mann auf Druck von Katia und Erika die Lobpreisung Adornos für dessen Assistenz bei den musikalischen Passagen im Faustus um 120 Zeilen kürzt, dann kommentiert Vaget, dies sei „ein melancholisches Beispiel mehr für die Opferung der Wahrheit auf dem Altar des Familienfriedens.“ An anderer Stelle wird Thomas Manns Art zu philosophieren mit Felix Krulls Tennisspiel verglichen, in dem dieser sich bemühte, mit „Entschlossenheit [...] auf augenverblendende Weise meinen Mann zu stehen in einem Spiel, das ich zwar angeschaut und in mich genommen, in Wirklichkeit aber nie geübt hatte.“ Für den stilempfindlichen Leser bietet Vaget überdies einige Proben aus dem Kathederjargon des Professor Unrat, indem er zum Beispiel 78 mal das steife Füllwort „durchaus“ (übrigens eine Lieblingsfloskel Thomas Manns) benutzt, wie in: „Thomas Mann war sich durchaus bewusst, dass ...“. Man darf sich auch über fremssprachliche Perlen wie „oeuvre“, „Gravamina“, „quantité négligeable“ und Homers „epitheton ornans“ freuen. In diesem Seelenzauberbuch mit seinen feinsinnigen Spurensicherungen, pointierten Polemiken und mutigen Interpretationen wirken diese Eigentümlichkeiten aber eher charmant, wie Sommersprossen auf einem sympathischen und klugen Gesicht.

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