Hans Rudolf Vaget Thomas Mann, der Amerikaner

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Inhaltsangabe zu „Thomas Mann, der Amerikaner“ von Hans Rudolf Vaget

'Mein Deutschtum ist in dem kosmopolitischen Universum, das Amerika heisst, am richtigsten untergebracht.' Thomas Mann Thomas Mann lebte vierzehn Jahre in Amerika. Diese dramatischste Periode seines Lebens war dem Kampf gegen Hitler und dem Nachdenken über Deutschland gewidmet; er wurde US-Bürger und war gleichzeitig der angesehenste Repräsentant deutscher Kultur. In seiner facettenreichen Studie erhellt H. R. Vaget das politische und kulturelle Umfeld dieser Jahre. Zwei längere Kapitel stellen das Verhältnis zu Thomas Manns wichtigsten Bezugspersonen dar: Präsident Roosevelt und Agnes Meyer, seine Gönnerin. Weitere Kapitel befassen sich mit verschiedenen Aspekten des literarischen und politischen Kontexts. Abschließend wird Thomas Manns Rolle in der deutschen 'Vergangenheitspolitik' neu zur Diskussion gestellt.

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  • Rezension zu "Thomas Mann, der Amerikaner" von Hans R. Vaget

    Thomas Mann, der Amerikaner

    Wulf_Rehder

    20. July 2011 um 20:02

    Auf der Überholspur der Geschichte Zwei ganz verschiedene Liebschaften machten es möglich, dass Thomas Mann von einem Exilanten zu einem Amerikaner wurde. Da war zuerst der schmachtende Enthusiasmus, mit dem die einundfünfzigjährige Agnes Meyer ihrem dreiundsechzigjährigen Idol Thomas Mann begegnete. Ihre Verliebtheit hatte sich an erotischen Szenen im Roman Joseph in Ägypten entzündet, und nun suchte sie entschlossen die Nähe des berühmten Autors, um an seiner Grösse teilzuhaben und ihren Kulturhunger zu stillen. Ihre ekstatisch-direkte Annäherung erschreckte Thomas Mann, der sich mit Mühe aus der Affäre zog, seine Verehrerin aber über viele Jahre hinweg in unzähligen Briefen und Gesprächen an seinen politischen und literarischen Gedanken teilnehmen liess. Sie belohnte diese Vertrautheit mit einem grosszügigen Mäzenatentum – ihr Einfluss verschafften ihm die Anstellungen in Princeton und an der Library of Congress, ihr Geld half mit der Bürgschaft für sein Haus in Kalifornien, und sie assistierte bei seiner Einbürgerung. Literarisch war sie ein Modell für die Frau von Tolna im Doktor Faustus, und sie selbst erkannte sich in der Verführerin Thamar des Joseph-Romans wieder. In der zweiten Romanze war Thomas Mann der Bewunderer, der Verehrte Franklin D. Roosevelt, amerikanischer Präsident von 1933 bis 1945. Diesen an Kinderlähmung leidenden, aber lebensfrohen, geselligen aristokratischen Demokraten und Architekten des New Deal bewunderte Thomas Mann über alles. In ihm sah er den mystischen Helden, der als „Caesar im Rollstuhl“ das Monster Hitler besiegen würde und dessen Genius er, Thomas Mann, mit Vorträgen und Radioansprachen bis zum bitteren Ende zu unterstützen versprach. Thomas Mann war zweimal Gast im Weissen Haus; aber wegen seiner mangelnden Englischkenntnisse ist es nicht wahrscheinlich, dass es zu einem Gespräch zwischen Autor und Präsidenten kam. Ebenso zweifelhaft ist es, dass Roosevelt je ein Buch von Thomas Mann geöffnet hat. Obwohl also Roosevelt Thomas Manns loyale Hingabe nicht erwiderte, bekam Joseph der Ernährer, der in den USA geschrieben wurde, Züge von Roosevelt, dem „Gesegneten“, und dessen New Deal wurde das Vorbild für Josephs Wirtschaftspolitik in Ägypten. Ähnlich wie in diesen beiden Kapiteln über Agnes Meyer und Präsident Roosevelt beleuchtet Hans R. Vaget in diesem Buch neun weitere Themenbereiche, darunter Thomas Manns fünf ausgedehnten Vortragsreisen in den USA zwischen 1938 und 1943; seine Erfahrungen an amerikanischen Universitäten und in Hollywood (zu gerne hätte er den Joseph-Roman verfilmt gesehen, mit Robert Montgomery in der Titelrolle!); die beängstigende Berührung mit dem Komitee über „unamerikanische Umtriebe“ und dem FBI, wobei Thomas Mann schon früh sah, wie Amerikas Anti-Nazismus sich in einen grobschlächtigen Anti-Kommunismus wandelte, der den Nährboden für den kommenden kalten Krieg bildete. Der eigentliche Ehrgeiz dieses Buches offenbart sich aber erst im letzten Drittel des Buches. Dort geht es dem Autor um die These, dass Thomas Mann (der bekanntlich bei seiner Ankunft 1938 in New York noch gesagt hatte „Wo ich bin, da ist Deutschland“) in Amerika eine Perspektive auf Deutschlands geschichtliche Schuld und schwierige Zukunft gewann, die ihn im Vergleich zu den Daheimgebliebenen und der Inneren Immigration auf die „Überholspur der Geschichte“ brachte: „Thomas Mann gewann in den Jahren des amerikanischen Exils einen Vorsprung an historischer und politischer Erkenntnis, die sich in einer von keiner falschen Vaterlandsliebe vernebelten Aussenperspektive auf Deutschland kundtat.“ In Reden und Aufsätzen wie „Deutschland und die Deutschen“ habe er aufgezeigt, dass Hitler und der Nationalsozialismus weit in die deutsche Geistesgeschichte zurückgehen, zur Innerlichkeit der Romantik, zu Nietzsche, ja bis zu Luther. Das böse Deutschland, so heisst es, sei das fehlgegangene gute. (Das ist auch die Ein-Deutschland-Theorie, die dem Doktor Faustus zugrunde liegt.) Daraus folge die historische Schuld des gesamten Deutschtums, auch des „deutschen Geistes“. Die Zerstörung der Städte und das Leiden der Menschen im Krieg sei letztlich selbstverschuldet. Jedenfalls könne man sich moralisch nicht entrüsten angesichts der vorangegangenen Zerstörungen englischer Städte, von dem Holocaust ganz zu schweigen. Nachkriegs-Deutschland müsse wissen, dass auch während seiner allmählichen Rehabilitierung vor der Welt die Krematorien der Konzentrationslager auf lange Sicht als das „Denkmal des Dritten Reiches“ im Gedächtnis der Menschen fortleben würden. Man muss sich erinnern, dass Thomas Mann diese heute so selbstverständlich klingenden Vorbedingungen für eine Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit schon vor sechzig oder siebzig Jahren ausgesprochen hat. Trotz solcher tiefernsten Konklusion ist dieses Buch auch unterhaltsam. Thomas Manns Flucht vor Agnes Meyer, die ihm die Furcht vor Frauen nehmen wollte, ist überaus amüsant beschrieben. Hier und da hebt der Verfasser die Stimme, um ein paar polemische Seitenhiebe auf andere Autoren auszuteilen, wie es Professoren nun einmal tun. Auch für den fachkundigen Leser gibt es noch Entdeckungen zu machen, etwa dass Thomas Mann sich bei dem „Movie-Gesindel“ in Hollywood wohler fühlte als bei den Talaren in Princeton, oder wie seine Harvard-Promotion arrangiert wurde, oder wie es zu einer bemerkenswerten Gedankenverwandschaft zwischen Thomas Mann und Willy Brandt kam. Wulf Rehder

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  • Rezension zu "Thomas Mann, der Amerikaner" von Hans R. Vaget

    Thomas Mann, der Amerikaner

    michael_lehmann-pape

    01. July 2011 um 12:11

    Exiljahre Seit dem, inzwischen vielfach gesendeten, umfassenden Film von Heinrich Breloer über die Manns ist die Zeit zwischen 1938 und 1952, jene Exiljahre Manns in Amerika, besser und bildlicher beleuchtet als in den langen Jahrzehnten zuvor. Jahrzehnte, in denen sich gerade die deutsche kulturelle Landschaft, aber auch die Politik, lange Zeit schwer taten mit dieser „Stimme Deutschlands“, die sich in Übersee entwickelt hatte. Nicht zuletzt daher klaffte bisher eine gewisse Lücke, was diese Jahre für den Schriftstellter Thomas Mann, sein Werk, aber auch seine kulturelle Identität betreffen. Exiljahre auch, die den Selbstmord seiner Schwägerin, die Entwurzelung gerade seiner Kinder Klaus und Erika vorantrieben, für Klaus Mann ebenfalls mit dramatischen Folgen, später. Die seinen Bruder Heinrich, zu Zeiten durchaus im Erfolg fast Thomas fast ebenbürtig, in Armut stürzten und die enge Unterstützung durch Thomas Mann nötig machte. Eine Zeit aber auch, in der seit Anfang der 40er Jahre vielfaches von Thomas Mann in Wort und Ton erhalten ist. Seine in Kalifornien aufgezeichneten Schallplatten zum Zwecke von Radiosendungen für die Kampfgebiete in Europa enthalten bis heute sprachlich wie inhaltlich intensive Gedanken und Aufrufe über den Frieden, den Menschen, das gemeinschaftliche, würdige Zusammenleben der Völker. Thomas Mann, der 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft erhielt, legte diese nicht mehr ab und starb, letztendlich, in Europa als amerikanischer Staatsbürger. Ein Umstand, der, obwohl ursächlich nicht selbst gewählt, doch einen Keil der Entfremdung zwischen Mann und gewisse Kreise in Deutschland auch späterhin trieb. In diesen Jahren in Amerika ging es also durchaus gewichtig um die Frage der kulturellen Identität des Schriftstellers und um den Vorgang einer Entwurzelung, die spürbare Folgen für sein Denken und auch für sein Werk nach sich zog. Gerade seine vielfachen Mahnungen in Fragen der deutschen Schuld und deutschen Verantwortung zeigen zum einen seine Sicht der Dinge, in der Reaktion aber auch die Schwierigkeiten, mit denen er als einer der größten deutschen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts in der Heimat zu kämpfen hatte. Jene „Schicksalsirrtümlichkeit“, als die Mann sein erzwungenes Exil betrachtete, führte lange zu einer solitären Stellung Thomas Manns. Umstände, die durchaus veränderten und Einfluss nahmen, die letztlich aber nicht am Kern des Selbstbewusstseins Thomas Manns rührten. Weltweit aufgestellt finden sich in vielen seiner Äußerungen diese selbstbewusste Haltung eines Mannes wieder, der sich selber auf der „richtigen Seite“ wusste. Auch dieses Selbstbewusstsein, im Vorfeld bereits angelegt, ist in dieser Ausprägung Teil seiner Entwicklung in den amerikanischen Jahren. Er wurde zum weltweit geachteten „Repräsentanten deutscher Kultur“. Der „anderen“ deutschen Kultur- In vielfachen Betrachtungen, Anekdoten, Begegnungen, in der Betrachtung des Verhältnisses Manns zu Kollegen, zur amerikanischen Kultur, gerade auch zu den amerikanischen Germanisten, aber auch im Blick auf das private Leben Manns in Amerika vollzieht Vaget diese Entwicklung des geachteten Nobelpreisträgers zum internationalen Symbol einer Kultur auf gut 500 Textseiten und einem überbordenden Anhang nach. Der Weg ins Exil, die Auseinandersetzug mit der amerikanischen Politik, seine enge Beziehung zu Agnes Meyer gerade während der Schaffensperiode zu „Dr. Faustus“ sind hier ebenso ausführlich einer Betrachtung zugeführt, wie das Verhältnis Manns zum universitären Leben (diverse Ehrendoktorwürden wurden ihm verliehen, Vorlesungen hielt er), aber auch seine spielerischen Verbindungen nach Hollywood. Der Bogen reicht bis hin zu den erwähnten Reibungen und Abstoßreaktionen im Nachkriegsdeutschland mitsamt seiner politischen Kultur, die sich schwer tat mit Thomas Mann, dem Amerikaner. Alles in allem ein umfangreiches Bild der amerikanischen Jahre, sowohl, was die äußeren Stationen angeht, vor allem aber mit einem Schwerpunkt auf die innere Entwicklung Manns, seinen erklärten und gelebten Antinationalsozialismus und sein politisches und künstlerisches Schaffen und Denken. Mit diesem Buch ist eine biographische Lücke beredt und fundiert geschlossen worden. In der Sprache stellt sich Valet als eher trocken und beschreibend dar, weniger als flüssig und romanhaft, vor allem aber als hoch informativ und Querschlüsse der Entwicklung offenlegend.

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