Hans Sahl Die Wenigen und die Vielen

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Inhaltsangabe zu „Die Wenigen und die Vielen“ von Hans Sahl

Hans Sahls wahrhaft großer Roman: Eines der wichtigsten Werke der deutschen Exilliteratur
In seinem einzigen Roman erzählt Hans Sahl die Geschichte eines Schriftstellers, der zur Flucht aus Nazi-Deutschland gezwungen wird, kreuz und quer durch Europa gehetzt wird und bei seiner glücklichen Ankunft in New York das eigenartige Gefühl nicht abschütteln kann: Das Exil werde ich nie mehr hinter mir lassen …
»Ich bin kein Held. Ich habe Angst vor Ratten und vor Schlangen. Ich gehe ungern durch einen dunklen Wald. Ich liebe es nicht, misshandelt zu werden. Schlachtenlärm und Weltuntergänge sowie alle historischen Ereignisse, die sich geräuschvoll abspielen, sind mir unsympathisch. Ich liebe Bücher und Bilder, gute Musik und gute Weine …« So beginnt Georg Kobbe in Hans Sahls 1959 erstmals publiziertem Roman »Die Wenigen und die Vielen« von sich zu erzählen. Es ist die abenteuerliche Geschichte eines Berliners Dichters, der, weil er die falschen Bücher las und schrieb, vor allem aber, weil er ein Jude war, durch halb Europa gejagt wurde, bis er sich schließlich in Amerika in Sicherheit bringen konnte.Hans Sahls Roman, der vom Untergang einer ganzen Welt erzählt, gehört zu den wichtigsten Zeugnissen der Geschichte des deutschen Exils.

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  • Rezension zu "Die Wenigen und die Vielen" von Hans Sahl

    Die Wenigen und die Vielen

    Clari

    19. May 2010 um 10:41

    Ein Leben auf der Flucht und in Einsamkeit... Dass er kein Held sei und keine Ratten mag, steht am Beginn der Überlegungen eines Überlebenden des Dritten Reichs. Mit einer elegisch – melancholischen Betrachtung über sein Leben, wie es hätte sein können, wenn alles anders gekommen wäre, beginnt Hans Sahl seinen Roman über einen Schriftsteller, der mit Mühe dem Dritten Reich entkommen konnte und in Amerika ein Exilleben begann. Georg Kobbe heißt der Held der Geschichte, die zurück führt in das 20. Jahrhundert in Europa als nach und nach zuerst die bürgerliche Ordnung und zuletzt der ganze Kontinent in Stücke zerfiel. Wie gut lebte es sich in einer wohl situierten Familie zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland! Zwar hatte das Ende des Ersten Weltkriegs gesellschaftlichen Zerfall, Hunger und Not gebracht, und die Monarchie hinweg gefegt. Noch jedoch zeigten sich die Gefahren der kommenden bösen Zeit nur schüchtern am Horizont. Juden waren fest integriert in ihren Unternehmen oder wissenschaftlichen Berufen. Einen Hauch des großbürgerlichen Wohlstands und der Lebensart spürt man in den Erinnerungen Georg Kobbes, dessen Schwester Katharina einen reichen jüdischen Unternehmer mit Kriegsauszeichnungen geheiratet hatte. Im Elternhaus der Geschwister wusste man gut zu leben; dazu gehörten die spätabendlichen Musikdarbietungen der Mutter am Klavier und die Zigarre des Vaters. Die ersten unheimlichen Anzeichen des dritten Reichs zu Ende der zwanziger und Beginn der dreißiger Jahre lassen aufhorchen und steigern sich zur Bedrohung. Gefahrenmomente mit Ungewissheit und in Angst werden zu Begleitern des täglichen Lebens. Mitte des Zweiten Weltkriegs findet man Kobbe in Amerika, wo Schwester und Schwager wie er selbst mühsam ihr Leben fristen. In assoziativen Impressionen beschreibt Kobbe den Aufbruch aus dem Elternhaus, der durch den Zorn zwischen Vater und Sohn gekennzeichnet war. Großbürgerlicher Kaufmannshaushalt und die angestrebte Schriftstellerlaufbahn des Sohnes gingen nicht zusammen. Wie der Autor in diesem Roman in einer Art Abgesang auf das vergangene Jahrhundert mit seiner Totenklage den Untergang aller menschlichen Würde und Wahrhaftigkeit vereint, das zeigt ihn als einen Poeten, der mit visionärer Kraft zu erzählen weiß. Mit Brechts Worten: „Unglücklich das Land, das keine Helden hat“ und „Unglücklich das Land, das Helden nötig hat“ aus Brechts „ Das Leben des Galilei“ möchte man hoffen, dass Zeiten wie die beschriebene nie wiederkehren mögen. Hans Sahl war in den zwanziger Jahren Literatur - und Kunstkritiker bis ihm nach einer Flucht kreuz und quer durch Europa die Emigration nach Amerika gelang. Er gilt als einer der gewichtigsten Zeugen für den Glanz und Niedergang einer Zeit, die mit den goldenen Zwanzigern begann und mit dem Ende des zweiten Weltkriegs seinen Schlussakt erlebte. Zuletzt lebte Hans Sahl in Tübingen, wo er 1993 starb.

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