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Rezension zu "Balkan durchs Schlüsselloch: Reportagen aus dem Südosten" von Hans Tröbst

Der etwas andere Balkan
annluvor einem Jahr

Karl May saugte sich die Geschichten aus den Fingernägeln, während wir bloß hineinzupacken brauchen ins volle Albanerleben, und wo wir es auch packen mögen, es bleibt immer interessant!

In den 1920/30er Jahren zieht der Journalist Hans Tröbst durch den Balkan und schreibt für deutsche Zeitungen Berichte und Feuilletons. Das Buch stellt eine Auswahl von ihnen vor – kritisch, humorvoll, dann wieder sachlich gibt er Einblicke in die Politik und die Lebenswelt des Südosten, die zwar schon achtzig Jahre zurückliegen, dennoch in vielem immer noch wahr sind. Ergänzt werden die Reportagen durch zeitgenössische Fotos, die an manchen Kapiteln angehängt sind.


Hans Tröbst stellte 1932 eine Auswahl von Artikeln zusammen, die er in den davorliegenden Jahren als Balkan-Korrespondent deutscher Zeitungen für seine Leser geschrieben hatte. Im darauffolgenden Jahr sollte das Buch erscheinen. Da er mit den Zensurierungen der neuen Nazipartei nicht einverstanden war, blieb es lange unveröffentlicht.

Die Zusammenstellung umfasst Berichte – wie den um seine Eindrücke des modernen Sparta – kritische Beschreibungen – wie die Beschreibung der „demokratischen“ Wahlen und der Korruption in vielen Ländern – humorvolle Abhandlungen – wie die Geschichte um die albanische „Flotte“ -, Beschreibungen wichtiger Ereignisse – wie der Mord Raditschs im jugoslawischen Parlament – und geheimnisvoll angehauchte Begegnungen – wie sein Aufeinandertreffen mit einem Friedhofswächter.

Von der ersten Anekdote an bringt er auch Klischees mit ins Spiel. Dennoch hatte ich nie das Gefühl, dass das Herrenrassendenken bei ihm schon angekommen war, zeigte er doch in vielen seiner Arbeiten neben Kritik an der Gesellschaft und Politik auch Respekt vor den einfachen Menschen.

Alles in allem habe ich die leichte Erzählweise genossen und hatte viel Spaß am kritischen Humor, der oft genug auftauchte. Eine Lektüre, die mir den Balkan auf eine ganz andere Weise näher gebracht hat, als es bisherig gelesenen Büchern gelungen ist.

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