Er wird bald 97 und hat den Zeichenstift noch nicht aus der Hand gelegt. Warum auch, wenn die Ideen immer noch sprudeln. Dichten und Denken hält jung. Hans Traxler hat mit seinem subversiven Witz, seinen an Wilhelm Busch geschulten Versen und den aufs Wesentliche reduzierten Zeichnungen einen Stil geschaffen, den man sofort wiedererkennt. Und noch etwas ist ganz typisch für ihn: Traxler ist ein Menschenfreund. Selbst bei der Religion versteht er Spaß, da können sich die Religiösen gerne eine Scheibe abschneiden. Oder zwei. Aber keine Sorge, bei der besonders empfindlichen Religion hält Traxler den Stift immer brav im Zaum, denn auch das verlängert das Leben, wenn der Gegner die Toleranz nur im Munde führt. Traxler ist durch und durch Humanist: ein Aufklärer, ein Spötter und gebildet ist er auch. Seine Leser sollten aus ähnlichem Holz geschnitzt sein.
„Die“ Bildergedichte klingt ein bisschen nach Enzyklopädie, es ist aber „nur“ eine Auswahl der 100 besten. Wie viele Tausend Zeichnungen er gemacht hat, weiß der Mehrfachbegabte selber nicht, in jedem Fall hatte der Herausgeber die Qual der Wahl. Ein bisschen so, als müsste man entscheiden, welche Bücher zur Bibel gehören; da hat man ja auch nicht gesagt „das ist alles gut!“. Das, was Nikolaus Heidelbach ausgesucht hat, vereint Klassiker („Die Dünen der Dänen“, köstlich!) und Neues, Böses und Versöhnliches und ich habe jetzt sogar eine romantische Ader bei Traxler entdeckt. Wer hätt’s gedacht?












