Die Nachhut

von Hans Waal 
3,9 Sterne bei100 Bewertungen
Die Nachhut
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Neue Kurzmeinungen

Positiv (67):
knacks1965s avatar

Klug, witzig, böse, skuril, absurd ... und doch hart an der Realität (vgl. "Er ist wieder da ..." = ... sie waren nie richtig weg ...)

Kritisch (9):

Auf einen Korrekturleser scheint der Verlag allerdings komplett verzichtet zu haben. Ärgerlich...

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Inhaltsangabe zu "Die Nachhut"

Josef, Otto, Konrad und Fritz hat man blutjung und noch ohne Feindberührung kurz vor Kriegsende 1945 zur Waffen-SS eingezogen. Ihr Auftrag: den ultrageheimen Stützpunkt im Brandenburgischen warm halten, falls der Führer einen Rückzugsraum benötigt.
Als sechzig Jahre später der letzte Büchsenöffner abbricht, kommt es in dem vergessenen unterirdischen Bunker nahe dem heutigen Autobahndreieck Wittstock zur Meuterei: Nach weit mehr als einem halben Leben tief unter der Erde, trotz unzähliger Durchhalteparolen und gegenseitiger Beförderungen ist die eiserne Disziplin der mittlerweile steinalten Männer endgültig aufgebraucht, und sie beschließen den Ausstieg. Ans Tageslicht treten vier Don Quichotes der deutschen Vergangenheit, die ein heilloses Chaos anrichten.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746625584
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:0 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:19.11.2009

Rezensionen und Bewertungen

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    Duffys avatar
    Duffyvor einem Jahr
    Gratwanderung

    Wer den Rückentext liest, wird sofort die Assoziation zu "Er ist wieder da" knüpfen. Doch der Plot klingt interessant genug, um sich einem weiteren Werk zum unerschöpflichen Thema NS-Zeit und ihre Folgen zu widmen.
    In einem unterirdischen Bunker halten auch 60 Jahre nach Kriegsende drei SS-Leute die Stellung, ohne zu wissen, dass die Schlacht schon längst geschlagen ist. Als es zu Differenzen kommt, beschließt man "aufzutauchen" und so kommt man als uniformierte Geister einer vergangenen Zeit in die heutige Welt. Die Drei beschließen, in der "Reichshauptstadt" neue Befehle zu empfangen und nach ihrer Entdeckung geht die Hatz los. Medien, Geheimdienste, Polizei, alle machen Jagd nach den Opas, die einer Welt gegenüberstehen, die sie weder verstehen noch fassen können.
    Waal macht es dem Leser nicht leicht. Während bei "Er ist wieder da" die tragikkomischen Momente überwiegen und sich das Satirische durchsetzt, ist das hier nicht ganz so einfach, denn wie auf dem Cover angekündigt, ist das Buch keinesfalls so witzig, wie man es erwartet. Im Gegenteil, manches Lachen bleibt einem im Hals stecken und das sind die stärksten Momente. Die finden sich in erster Linie bei der Behandlung dieses Themas durch die Medien und da hat es schon fast ein wenig dokumentarischen Charakter. Das Dilemma des Autors ist sein Anspruch. Auf der einen Seite diese Medienhype kritisch zu beleuchten (was ihm recht gut gelingt) und auf der anderen die absurde Ausgangssituation möglichst satirisch und "komisch" aufzubereiten. Das ist dünnes Eis und so manches Mal knackt es an der Oberfläche. Die Erzählweise aus drei Perspektiven ist nicht immer zuträglich und unterbricht oft den Fluß. Schade, dass sich Waal nicht auf einen Schwerpunkt konzentrieren konnte. So hinterlässt das Buch einen zwiespältigen Eindruck, weil man als Leser das Gefühl hat, oft nur oberflächlich in die Szenen eintauchen zu können, denn immer wenn es viel tiefer gehen könnte, zwingt man sich schon in die nächste Katastrophe.
    Die Idee, die allgemeine Wahrnehmung und der Umgang der Presse mit dem Thema Nationalsozialismus in der heutigen Zeit zu verarbeiten, ist fünf Sterne wert. Am Stil des Autors lässt sich nichts aussetzen, aber die Struktur des Buches und die Umsetzung ist irgendwas zwischen 3 und 4 Sterne. Eher drei, denn der Rezensent ist ein wenig enttäuscht, wie der gute Ansatz leichtfertig stellenweise "verschrieben" wurde.

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    TheSilencers avatar
    TheSilencervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Lange vor "Er ist wieder da": rechts wie links wird bloßgestellt: sehr gut!
    Ein Muß in jedem Bücherschrank!

    Als der letzte funktionsfähige Büchsenöffner abbricht und die Konserven sich mit aufgesetztem Bajonett nur mühselig knacken lassen, beschließen vier SS-Offiziere ihren Bunker zu verlassen und sich zur Reichshauptstadt durchzuschlagen.

    Grundsätzlich keine besondere Geschichte, würde der Kalender nicht das Jahr 2004 schreiben.

    Die vier Greise haben in einem luxuriösen Bunker das Kriegsende verpennt; im Grunde genommen ihr komplettes Leben. Denn noch immer den Idealen, der Moral und der Logik eines Führers unterworfen, waren sie von der Umwelt abgeschnitten, strikt auf den Endsieg wartend.
    So staunen sie nicht schlecht, wie die "Kriegswirren" der Gegenwart auf sie wirken.

    Dieses Buch ist schlicht wunderbar.

    Waal weiß den braunen Schwachsinn wie den zahnlosen Tiger der "Gegen-Rechts"-Bewegung bloßzustellen. 

    Und das tut einfach mal gut.

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    francismohrs avatar
    francismohrvor 5 Jahren
    genialer Plot

    Ich habe das Buch verschlungen. Der Plot ist kurvenreich gestaltet und steuert ohne Überlängen zum Finale. Die kleine Liebesgeschichte hätte es nicht nötig gehabt. Ich habe das Buch oft verschenkt und immer ein Hurra dafür geerntet. Es ist deutlich besser als Timur Vermes "Er ist wieder da", das ja im gleichen Plotgenre verankert ist.

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    H
    halbkreisvor 6 Jahren
    Rezension zu "Die Nachhut" von Hans Waal

    Eine Art Zeitreise ohne Zeitsprung. Hat richtig viel Spaß gemacht. Sehr clever, charmant und mit jeder Menge intelligentem Humor, der sehr oft ans Makabre grenzt, einfach aus dem Grund, weil die alten Herren viele Dinge der Jetzt-Zeit mit ihren eigenen, verboten-ideologisch verklärten Augen sehen. Und ja, darüber darf man lachen ;)

    Sehr positiv die drei verschiedenen Erzähler, die nicht nur viel frischen Wind in die ohnehin schon recht rasant-unterhaltsame Story bringen, sondern - und wie Waal das macht, ist extrem clever - drei völlig verschiedene Herangehensweise an den Umgang mit der NS-Zeit symbolisieren, entsprechend denken, handeln und argumentieren. Die alten Männer, die noch "live" in dieser Zeit leben, die rebellischen Alt-68er, denen Widerstand über alles geht und die Jungen, die sich eigentlich gar nicht kümmern (wollen). Die Argumentation zwischen den Generationen webt Waal durch den ständigen POV Wechsel so geschickt ins Geschehen ein, dass man kaum merkt, wie man sogar beim Kichern ständig denkt und grübelt.

    Klasse Buch. Und die Idee an sich ist riesig - und sehr glaubwürdig erzählt!

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    Emil-Tischbeins avatar
    Emil-Tischbeinvor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Nachhut" von Hans Waal

    Ich kann nur hoffen, dass das Buch auch mal verfilmt wird!!!

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    ArnieQs avatar
    ArnieQvor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Nachhut" von Hans Waal

    Hätte ich nach zwei Dritteln aufgehört zu lesen, wär's ein knappes Fünf-Sterne-Buch geworden. Aber dann... :-(

    Ein schwieriges Thema ist das ja, aber zumindest in den ersten zwei Dritteln hat der Klappentext nicht zuviel versprochen. Witzig, dennoch nachvollziehbar und mit einem Schuss Ironie bin ich gut unterhalten worden. Danach aber wird's eher nicht mehr nachvollziehbar, geradezu verworren und auch ein bisschen unübersichtlich. Das was vorher noch humorvoll wirkte, wurde m. E. überstrapaziert und war dann dadurch eher anstrengend.

    Vielleicht war es auch einfach ein schlechtes Lekorat?

    Ich weiß nicht so recht, daher jetzt drei Sterne. Kann man gut lesen, muss man aber auch nicht unbedingt.

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    Golondrinas avatar
    Golondrinavor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Nachhut" von Hans Waal

    Habe das Buch durch eine Freundin empfohlen bekommen, deren Urteil ich sehr schätze - in der Buchhandlung hatte ich es zuvor nach einem Blick auf die Inhaltsangabe schnell wieder auf den Stapel gelegt.
    4 Soldaten der Waffen-SS klettern 60 Jahre nach Kriegsende nördlich von Berlin aus ihrem Bunker und versuchen, sich zur "Reichshauptstadt" durchzuschlagen. Die Geschichte wird aus 3 Blickwinkeln erzählt - einmal die Tagebucheinträge von Fritz, dann die Sicht des Kameraassistenten Ben und die von Evelyn - Leiterin einer Sonderkommission zur Bekämpfung von Neonazis.
    Satire - ja, aber wohldosiert. Dazwischen genug Platz für Nachdenkliches. Sei es die Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit oder der aktuelle Umgang mit fremdenfeindlichen Tendenzen in den Medien und der Politik.
    Da steckt viel mehr drin, als der Klappentext vermuten ließ!

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Nachhut" von Hans Waal

    Man darf sich nicht von dem Firlefanz der da auf dem Cover und auf der Rückseite des Buches geschrieben steht beeindrucken lassen. Hinter all dieser Phrasendrescherei der Zeitungen und Gazetten steht eigentlich nichts anderes als die Peinlichkeit nicht aussprechen zu dürfen was eh jeder weiss:
    In deutschen Unterhaltungsromanen ist es nicht erwünscht das ein deutscher Autor sich über die deutsche Vergangenheit lustig macht und ja nicht zu sehr an diesem braunen Morast herumrührt. Das mag man nicht und deswegen schreiben die Meisten Schriftsteller auf eine künstlich dumme, blöde vor sich hin kalauernde Art damit ja kein NeoNationalsozialist auf die Idee kommt zB. den Wagen eines Herrn Waals mit ner Brandbombe in die Luft zu jagen.
    Und exakt diese Zensurschere ist es die in den Köpfen der Menschen steckt und deutsche Literatur, zumindest jene die den Menschen Kurzweil verschaffen soll, eigentlich uninteressant macht. Statt dem -Absurden, Bösen, Witzig, Klugen- Buch ist es eher wie unsere vier Hauptcharaktere. Blass, Zahnlos und sehr Klapprig. Es macht einfach keinen Spaß es zu lesen weil man von immer absurderen Situationen in noch absurdere stolpert. Zwei Altnazis stolpern in Dreharbeiten zu einem Hollywoodfilm. Natürlich ne WWII Schwarte wo die Deutschen den Russen grad ordentlich die Hucke voll hauen. Eh klar das einige Statisten, nach dem unsere Opas mit ihren Karabinern eingerückt sind, nicht mehr selbstständig laufen konnten. Oder ne verbitterte Mittvierzigerin deren einziges Problem zu sein scheint das sie auf 20 Jahre jüngere Männer vielleicht nicht mehr ganz so knackig wirken könnte...usw.
    Es waren zwar nette Seitenhiebe auf Coca Cola oder Guido Knopp dabei aber das langte einfach nicht um 370 Seiten zu füllen. Auch hat Waal geschickt den Generationenkonflikt angeschnitten, wo der zweiten Generation durch einem Rabbiner eine Absolution erteilt wurde, aber wie gesagt, das langt nun mal nicht.
    Aber, das soll nun nicht heißen das Hans Waal ein schlechter Schriftsteller wäre. Ganz im Gegenteil. Er ist ein hervorragender Erzähler. Er schreibt flott und sehr schmissig. Kniet sich auch in sein Thema rein und bringt das exakte Quantum an Geschichte mit ohne zu langweilen.
    Was ihm aber nicht liegt ist das Thema im allgemeinen.
    Es war seltsam ein Buch zu lesen zu dem der Handwerkliche Stil einfach nicht passte. Entweder war das Buch richtig gut geschrieben aber mit beknacktem Thema als Grundlage oder er hat ein sehr interessantes Thema aufgegriffen aber Stilistisch total danebengegriffen.

    Ich würde mir wünschen wenn Herr Waal sich dazu durchringen könnte vielleicht mal ins Krimi- oder Thrillergenre zu wechseln wo sein wirklich deutlich sichtbare Talent für Unterhaltungsliteratur mit Sicherheit besser aufgehoben wäre.

    Unterm Strich ist [b]Die Nachhut[/b] ein netter Roman für lange Nachmittage am Baggersee, aber auch nicht mehr.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Nachhut" von Hans Waal

    Ein absolut witziges Buch das am Schluss aber doch sehr zum nachdenken anregt.Manchmal etwas verwirrend weil man manchmal nich genau weiß um wem es grad geht.Aber trotzdem ein wunderbar gelungenes Werk.Die Geschichte an sich sollte man aber nicht ganz so ernst nehmen.

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    Ovidias avatar
    Ovidiavor 8 Jahren
    Rezension zu "Die Nachhut" von Hans Waal

    Vier Männer in SS-Uniformen schießen auf einen Bus mit Jugendlichen aus den USA, es droht ein internationaler Skandal. Dabei handelt es sich bei den Männern nicht um irgendwelche Spinner. Nach 60 Jahren haben sie einen geheimen Bunker verlassen und das nur, weil der letzte Dosenöffner abgebrochen war. Dass der Krieg vorbei und der Führer tot ist können sie nicht glauben. Das führt zu aberwitzigen Begegnungen mit Dorfbewohnern, Polizisten, jugendlichen Glatzen und Funktionären rechter Parteien.

    Zufällig begegnet ein Fernsehteam den Greisen und wittern ihre Chance, doch nicht allen ist an der Berichterstattung gelegen...

    Hans Waal schreibt einfach großartig, wahnsinnig komsich und mitreißend. Ich verdanke ihm einen großartigen Nachmittag im Bett, den noch nicht einmal die aufkommende Erkältung verderben konnte; das Buch MUSS man einfach gelesen haben!

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