Hans Weber Bin ich Moses?,

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Inhaltsangabe zu „Bin ich Moses?,“ von Hans Weber

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  • Rezension zu "Bin ich Moses?," von Hans Weber

    Bin ich Moses?,

    Heike110566

    24. August 2010 um 11:36

    Zum ersten Mal las ich das Buch vor fast genau 30 Jahren. Ich bekam es damals zur Jugendweihe geschenkt. Damals faszinierte mich dieses Roman. Das Leben darin war mir nicht fremd, waren doch die Probleme des jugendlichen Moses sehr verwandt mit dem, was mich beschäftigte. - Nun bin ich inzwischen 44 Jahre und trotzdem oder vielleicht auch gerade deshalb: das Buch faszinierte mich auch jetzt. Viele Jahre hatte ich nicht mehr über den Inhalt dieses Buches nachgedacht, aber als ich es nun wieder las, da musste ich an so mancher Stelle über mein heutiges Leben nachdenken. Nachdenken darüber, was von dem geblieben ist, mit dem man einst ins Erwachsenenleben startete. Damals wollte ich Spuren in dieser Welt hinterlassen - nun schaute ich in den Sand der Zeit und nach den Fussabdrücken von mir, die ich da bislang hinterlassen habe oder glaube hinterlassen zu haben. Und nach der erneuten Lektüre weiß ich nun auch (wieder), dass ich noch einiges vor mir habe, denn bei weitem noch nicht alles ist vollbracht von dem, weswegen ich einst mein Leben antrat. Der Roman erschien in seiner Erstauflage 1976. Hans Weber (1937-1987) legte damit einen Jugendroman vor, der seinerzeit sehr erfolgreich war und auch verfilmt wurde. Die Bilder des Films, obwohl es fast genauso lang her, dass ich ihn sah, liefen während des Lesens immer wieder vor meinen geistigen Auge ab. Eine sehr Geschichte um diesen Moses. Moses, eigentlich Frank Mosmann ist die Hauptfigur des Romans, der sich in drei Teile untergliedert. Im ersten ist Moses 13 und er wird langsam erwachsen. Er ist voller Phantasie, gestaltet sich seine Welt, als wäre es ein Film, in dem er lebt. Und er fragt sich: Wer bin ich? Bin ich Moses? Moses der Schiffsjunge, wie der auf dem Dampfer nach Virginia oder gar der Moses der Bibel? - Immer wieder versinkt in seine Gedanke und philosophiert sozusagen drauflos. Und dabei kommt ihn so manche Erkenntnis, während er auf der Suche nach dem "wahren Leben" ist. Schittweise bekommt er dabei mit, dass das Leben kein Film ist, keine heile Traumwelt, wie in so manchen Streifen. Hautnah bekommt er mit, wie die Familie, die er für eine gute hielt, zerbricht. Sein Bruder, fünf Jahre älter, zieht aus, als er achtzehn geworden - will sein eigenes Leben leben. Die Eltern haben sich in all den Jahren auseinander gelebt und trennen sich. Und dann ist da noch Dinah, die Tochter der Nachbarn, in die sich Moses verliebt und die er verlassen muss, weil er mit seiner Mutter aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. Im Mittelteil ist Moses dann 15, steht kurz vorm Abschluss der 10. Klasse. Die Eltern sind inzwischen geschieden und Moses lebt mit seiner Mutter in einer Neubauwohnung. Gedanklich kommt er aber von Dinah nicht los. Er geht zurück in die alte Gegend, aber das Haus ist inzwischen abgerissen. Ein Neubaugebiet ist dort im Entstehen. Er fühlt sich verloren, seine Vergangenheit ist plötzlich weg. Was er liebt: weg. Und keiner kann ihm sagen, was aus seiner Dinah geworden ist. Während der Feier zum 50. Geburtstag des Künstlers Timm Brock, mit dem einst die Mutter in ihrer Jugend befreundet war, sieht er im Atelier ein unfertiges Bild, dass er eingehend betrachtet: "Seltsamerweise kam es mir nie so vor, als wäre das Bild im Entstehen (kursiv), im Gegenteil, mir war, als zöge es sich zurück, als nähme es jemand Pinselstrich für Pinselstrich von der Leinwand - so, wie man die Bilder der Kindheit langsam vergißt." - Er merkt: Seine Kindheit geht zu Ende. Aber was wird das Leben bringen, dieses "wahre Leben". Welche Spuren wird er, der von Robert Koch begeistert ist, einst hinterlassen? Wo ist sein Platz im Leben? Im Abschlussteil geht seine Sinnsuche weiter. Nach der Schule beginnt er nun eine Baufacharbeiterlehre. Er baut Häuser. Er erschafft, damit andere Menschen ein schönes Zuhause bekommen. Er ist eigentlich stolz auf sich. Sein Bruder Jost arbeitet inzwischen an seiner Dissertation, einer Arbeit über Literaturkritik und die Bedeutung selbiger auf das Werk Theodor Fontanes. Eine völlig andere Welt, denn sein Bruder Jost schafft geistig. Und Jost fragt Moses, wann er denn nun anfange endlich zu arbeiten. Moses ist erstaunt, er arbeitet doch. Und das hart. Für seinen Bruder ist das keine Arbeit. Wertvorstellungen prallen aufeinander und immer größer wird die Distanz zwischen den Brüdern. - Mutter und Vater versöhnen sich aber wieder. Auch hier fragt sich Moses, wie er das bewerten soll: ist die Mutter nur inkonsequent, weil sie den Mann, der sie betrogen hat, wieder aufnimmt oder ist sie konsequent, konsequent in ihrer Liebe zu dem Mann, trotz er sie betrogen hat? Es bleibt ihm noch ein Rätsel. - Aber auch bei ihm passiert etwas in Liebesdingen: er begegnet Dinah wieder, seine große Liebe. Sie inzwischen in der 9. Klasse und wirkt auf ihm wie eine Schauspielerin, die nur noch eine Rolle spielt, die sich selbst verleugnet, um den anderen Altersgenossen zu gefallen. Er ist enttäuscht, glaubt sie endgültig verloren. Aber er beschließt, sich mit ihr auszusprechen. --- Was dabei herauskam bleibt offen. Offen bleibt so manches - logisch, denn ein 17-jähriger ist natürlich noch kein fertiger Mensch, wenn es sowas wie einen fertigen Menschen überhaupt gibt. Aber er ist auf dem Wege und er erkennt: Ich bin nicht Moses - weder der Schiffsjunge noch der aus der Bibel. Er sit Frank Mosmann, genannt Moses. Diese sehr schöne Geschichte hat Hans Weber in einem sehr unterhltsamen Stil geschrieben, bei dem ich auch heutzutage beim Wiederlesen schmunzeln musste. Es ist ein Jugendroman, aber eben einer aus der DDR. Die Darstellungen sind sehr realistisch, was die Lebensweise betrifft. Ob es aber für heutige Jugendliche als Lektüre geeignet ist, ist eine schwierige Frage. Natürlich ist es auf die Wertvorstellungen ausgerichtet, die man jungen Menschen fördern wollte damals. Mir haben diese Wertvorstellungen nicht geschadet und sie haben mich in meinem Leben bis heute begleitet. Von daher ist es schon auch für junge Menschen und natürlich auch für Erwachsene heutzutage durchaus lesenswert. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass einige Stellen unverständlich erscheinen könnten, da wir heute in einer völlig anderen Gesellschaft leben als unser Moses und ich damals. Andererseits: vielleicht wäre es auch gerade deshalb wieder interessant!?

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