Hans Zengeler Das letzte Geheimnis: Bloch III (Bloch-Trilogie)

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Inhaltsangabe zu „Das letzte Geheimnis: Bloch III (Bloch-Trilogie)“ von Hans Zengeler

Der Antiheld Bloch ist gezwungen, seine Mutter Anna, 86 Jahre alt, bei sich aufzunehmem. Anna hat ein Geheimnis, über das sie nicht sprechen kann. Ob Bloch es noch schafft, dieses zu lüften? Ob beide es schaffen, sich auszusöhnen?

Hans Zengeler ist ein begnadeter, fein beobachtender und sinnlicher Erzähler. Großartiges Buch!

— DorisKrausze
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  • berührend und komisch

    Das letzte Geheimnis: Bloch III (Bloch-Trilogie)

    Anne-Kuhlmeyer

    03. April 2014 um 21:58

    Mit „Das letzte Geheimnis“ liegt der letzte Teil der Bloch-Trilogie (Teil 1: „Gestorben wird später“, Teil 2: „Die größte Liebe aller Zeiten“, von Hans Zengeler vor. In Rhythmus und Ton so bitterkomisch wie die Vorgänger nur in der Farbe einige Nuancen dunkler beginnt der Roman mit einer Katastrophe für Josef Bloch. Der hat grundsätzlich Erfahrung mit Katastrophen und mit seiner Nichtehefrau Ira eine Partnerin an der Seite, die ihm hindurch hilft. Josefs neuerliche Katastrophe heißt Anna. Normalerweise handelt es sich bei Josefs Katastrophen regelhaft um Frauen. Doch Anna ist eine ganz Besondere. Autonom, abweisend, ängstlich, bedürftig, kalt, 85 Jahre alt und seine Mutter, die er nie Mutter nennt, schon gar nicht seine, so verzwickt ist das Verhältnis zu ihr. Über die Jahrzehnte haben sie sich in einem Schweigen eingerichtet, das beide davor bewahrt hat, einander die Köpfe einzuschlagen oder in „Liebe“ zu ersticken. Doch nun ist Anna krank und okkupiert Josefs Rückzugsgebiet, das Obergeschoß mit der Tagtraumcouch, auf der er sich übelicherweise in eine Freiheit hineinträumt, die sein Brotjob als Korrektor von Lokalblättchen ihm nicht bietet. Anna ist die personifizierte Zerstörung. Mit ihrer Präsenz walzt sie die brüchige Normalität nieder, in der sich Josef eingerichtet hat. Damit, dass sie sterben würde, wenn Josef nicht tut, was ihr gefällt, droht sie, seit seiner Kindheit. Das klingt vielleicht nicht so spektakulär, ist aber ein gängiges Bindungsmittel selbstunsicherer Eltern, mit dramatischen Folgen. Zumal Kind auch noch für Leben oder Tod des (zwangsweise) geliebten Elternteils verantwortlich gemacht wird, was dessen eigene Existenz, ist es jung genug, gefährden würde. Josef, der sich lange gemüht hat, sich seiner Geschichte zu entziehen, wird erinnert. An die Hand, die schlug und koste, zeitgleich. Die klassische Doublebind-Kommunikation. Josef hat sie bis auf ein paar normalneurotische Schrullen überlebt, was man längst nicht von jedem sagen kann. Spannenderweise werden neben der glasklaren Darstellung des Phänomens selbst Ressourcen abgebildet, die ihm das ermöglichten – neben offenem Widerstand, Rückzug, frühes Entfernen von der Familie, Schweigen. So problematisch das Schweigen, das die ganze Familie so hartnäckig kultiviert, auch ist, so nützlich ist es ihr zum Überleben. Denn es gibt starre moralische Prinzipien, tiefe Scham und ein Geheimnis. Anna hat es und behält es. Oder nicht? Josef versucht, um seines Seelenfriedens Willen, diesem Geheimnis beizukommen. Schon allein seine Entscheidung, Schriftsteller zu werden, wendet sich gegen das Schweigen. Man könnte Anna für eine bösartige Person halten, wie sie ihre Umwelt tyrannisiert und ihren Willen aufzwingt. (Sie hört einfach auf zu essen.) Josef fühlt sich, wie er sich immer in Gegenwart von Anna gefühlt hat, ambivalent. Wie kann man so herzlos sein und die eigene Mutter hassen, noch dazu, wo sie krank ist, möglicherweise bald sterben wird? Oder ist das wieder eine ihrer Finten, mit denen sie Josef immer schon gekriegt hat? Ganz wunderbar erzählt der Autor, wie sich Josef dem Charakter der Mutter nähert. Wie er ihr Sosein verstehen lernt, wenngleich er es nicht billigt. Hans Zengeler zeichnet die Charaktere so vielschichtig und komplex, in so komischen Szenen, dass einem nur das Lachen bleibt, wenn man nicht heulen möchte. Wer noch nicht wusste, dass Familien durchaus gefährliche Orte sein können, erfährt es in diesem Roman. Anna ist keine Hexe, die ihrem Sohn Böses will. Sie ist eine Frau, die unter konkreten gesellschaftlichen Bedingungen mit einer verlogenen Moral und ökonomischen Abhängigkeiten auskommen musste. Diese Erfahrungen hat sie in ihrer eigenen Familie gelebt. Mit Josef, seiner Schwester, dem gewalttätigen „Erzeuger“ und dem Stiefvater von Josef, seiner Tante, den Großeltern ... Anna hat versucht zu überleben. Und sie hat es lange geschafft. In ihrer Funktion als Mutter hat sie zumindest teilversagt. Als Mensch mit einer Biographie, die sie zu dem gemacht hat, was sie ist, lernt Josef Anna verstehen und das Eine von dem Anderen zu unterscheiden. Und was ist nun mit dem Geheimnis? Das verrät der Roman.

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