Hans Zengeler In einer erdfernen Welt

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Inhaltsangabe zu „In einer erdfernen Welt“ von Hans Zengeler

"Sie geben keine Auskunft, es ist fast unmöglich, ihnen Fragen zu stellen, die eine sucht ihren Bruder in Schränken und Schubladen, die andere muss in die Fabrik, Wagenseil hat seinen gelben Fleck, die Türkin beherrscht nur noch eine Silbe, die Serviettenfrau erzählt nur ihrer Serviette etwas..." §Ein feinfühlig, aber auch konkret verfasster, gleichwohl schonungsloser Bericht aus dem Innern einer Anstalt, in der die Insassen, erstarrt und sprachlos geworden, vor sich hindämmern. §"Zengelers Buch ist durch und durch ungeschönt und trotzdem irgendwie schön." (A. Killinger, LKZ)

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  • Rezension zu "In einer erdfernen Welt" von Hans Zengeler

    In einer erdfernen Welt
    karen_janssen

    karen_janssen

    19. March 2011 um 15:43

    Der Autor hat mich mitgenommen in eine Welt fernab meines bisherigen Lebens, erdfern; er hat mich konfrontiert mit dem Schicksal des Herrn Sonderberg, ein Schicksal, das jeden von uns plötzlich ereilen kann. Dabei geht es nicht nur um das Altwerden und Kranksein, sondern auch um die Vereinsamung von Menschen, egal, ob mit oder ohne Famiie und hinterlässt bei mir die Frage, ob nicht so mancher Demenzkranker nur flieht aus einem erdgebundenem Leben in Einsamkeit in eine erdferne eigene Wirklichkeit. Hans Zengeler prangert die schlechten Zustände in unseren Pflegeheimen an, kritisiert indirekt das Verhalten des Personals und der Anverwandten ohne wirklich zu verurteilen und macht so den Weg für den Leser frei, sich selber einen Spiegel vorzuhalten und sein (mögliches) Verhalten zu überdenken und das in jeder beteiligten Rolle. Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen, diese Lesung war mit Sicherheit nicht das einzige Mal, dass ich dieses Buch gelesen habe.

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  • Rezension zu "In einer erdfernen Welt" von Hans Zengeler

    In einer erdfernen Welt
    immediator

    immediator

    08. February 2011 um 10:04

    In den vergangenen Jahren lasen, hörten, sahen wir immer wieder Berichte aus Alten- und Pflegeheimen: Reportagen oder Insiderprotokolle von schauderhaften Verhältnissen waren das, Geschichten von Übergriffen gegen wehrlose Patienten, von Gewalt und elendem Siechtum, von einsamem Absterben in sterilen oder verwahrlosten Häusern, wo überfordertes, unterbezahltes Personal menschliche Zuwendung durch forsche Sprüche und gnadenlose Routine ersetzt. Man mochte es nicht mehr lesen, hoffte zugleich inständig, dank eigenen familiären Rückhalts oder hinreichender finanzieller Vorsorge die letzten Lebenstage nicht in einer solchen Anstalt verdämmern zu müssen. Hans Zengeler legt mit “In einer erdfernen Welt” den Beweis vor, dass es in Wirklichkeit nicht so schlimm ist. Es ist schlimmer. Die Heime sind, wie wir sie uns eingerichtet haben. Zengeler führt diesen Beweis anhand eines 69jährigen Schauspielers, der sich, vom Schlaganfall getroffen, an den Rollstuhl gefesselt in einem solchen Heim wiederfindet. Er hat als Held eines Stadttheaters wenig unternommen, menschliche Bindungen zu pflegen; zu spät sieht er ein, dass er damit einem Verhaltensmuster seiner Mutter folgte, die von Menschen unabhängig sein wollte, am Ende vereinsamt starb. Ihm widerfährt nun dasselbe. Er ist abgemeldet. Kein Kollege, kein Freund kommt zu Besuch. Die Ämter haben ihn in Verwahrung genommen. Schreibend, die Verhältnisse um sich herum beschreibend, ringt der halbseitig gelähmte um sein psychisches Überleben. Natürlich ist Zengelers Heim auch eine Metapher. Natürlich sind die in der Demenz bisweilen erleuchtet erscheinenden Moribunden keine armen Opfer. Zengeler fühlt mit den in die Erdferne Gesperrten, aber er ergeht sich nicht in Mitleidsritualen. Er sitzt mittendrin, und er führt den Leser hinein, dass er sehe, was das Personal so wenig sehen kann, wie die bisweilen auftauchenden, bestürzt, befremdet, peinlich berührt – jedenfalls hilflos - reagierenden Besucher: dass sie bald schon selbst da sitzen und einen gelben Fleck an der Wand anstarren könnten, verloren gegangen einer Welt, in der sich alle bemühen, nicht von anderen Menschen abhängig zu sein, statt sich von den Dingen ab- und dem Menschen zuzuwenden. Sie können es sich nicht vorstellen, die Angestellten vom Pflegedienst, die Besucher der “erdfernen Welt”, dass sie selbst als nächste auf der Warteliste für einen Platz darinnen stehen, weil sie ihr menschliches Umfeld mit ihren Gebrechen überfordern könnten. Sie kehren den Wirren den Rücken, schaffen Distanz und beten des Abends zu St. Florian. Zengeler wäre nicht er selbst, wäre da nicht ein Funken Hoffnung, wären da nicht Lichtblicke menschlicher Nähe, wäre da nicht Bitternis und sarkastische Pointe. Das Buch ist eine ausgezeichnete Altersvorsorge, genauer gesagt: es hält dazu an, fürs eigene Alter vorzusorgen - so lange man sich noch von den Sachen ab- und den Menschen zuwenden kann.

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  • Rezension zu "In einer erdfernen Welt" von Hans Zengeler

    In einer erdfernen Welt
    Anne-Kuhlmeyer

    Anne-Kuhlmeyer

    25. January 2011 um 14:45

    Das Schicksal hat Sonderberg, DEN Sonderberg, Schauspieler am Stadttheater und mit 69 in der Blüte seiner Karriere, seiner Sprache beraubt und mittels Halbseitenlähmung an den Rollstuhl geschmiedet. Eben noch im NATHAN gefeiert, rebelliert er, das Schreiben wiedererlernend, gegen sein Vergessen, gegen seine Entmündigung durch gnadenlose Institutionen, gegen unendliche Hoffnungslosigkeit, gegen das Verdämmern der Wahrnehmung. Absurdes, wie Herrn Wagenseils Faszination des gelben Flecks, wird zum Symbol für die Reduktion der Menschen in der Demenzstation. Doch nicht nur die Alten und Gebrechlichen sind festgezurrt in diesem System, die Pflegenden verwalten mit Resignation, Zynismus und Ignoranz den Mangel an Humanität. In einer wunderbar genauen Sprache erzählt der Autor die Geschichten von Menschen, die durch Alter und Krankheit abgekoppelt, auf einer Insel der Verzweiflung gestrandet sind, alles Aufbegehren versandet ungesehen, ungehört, unwidersprochen im Nichts. Dieser Roman trifft den Leser an einer empfindlichen Furcht, einer, die wir lieber noch ein wenig ausblenden, ein wenig verschieben würden - bis ins Alter vielleicht, denn das kommt ohnehin. Und wenn es uns in eine ERDFERNE WELT katapultieren sollte (was wir alle nicht hoffen wollen), dann merken wir es doch sicher nicht mehr. Oder? Fazit: Der Roman ist eine dringende Empfehlung an alle, die sich trauen, sich möglichen Realitäten zu stellen.

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