Hans von Luck Mit Rommel an der Front - Stationen eines bewegten Lebens

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Inhaltsangabe zu „Mit Rommel an der Front - Stationen eines bewegten Lebens“ von Hans von Luck

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  • An Rommels Seite durch den Krieg

    Mit Rommel an der Front - Stationen eines bewegten Lebens
    Stefan83

    Stefan83

    26. October 2011 um 10:25

    Der Zweite Weltkrieg ist und bleibt ein schier unerschöpfliches Thema, das vor allem von deutschen Autoren immer noch weidlich ausgeschlachtet wird. Kein Büroangestellter aus Hitlers Kreis, über den nicht schon eine Biographie erschienen ist. Kein ehemaliger Wehrmachtssoldat, der nicht von seinen Erlebnissen von der Front zu berichten weiß. Das Angebot an Büchern über diese dunkle Epoche der deutschen Geschichte ist inzwischen nicht mehr zu überblicken. Für die heutige Generation wird es dadurch immer schwieriger, die wirklich guten Werken aus dieser Masse herauszufischen und Autoren zu finden, welche tatsächlich etwas zu sagen haben. Das gilt insbesondere für die Militärhistorie, die, entweder von Fanatismus getrübt oder durch pauschale Verurteilung aller Beteiligter verwässert, einen wahren Blick auf die Geschehnisse zumeist verwehrt. Insofern sind die Memoiren von Hans von Luck, erschienen unter dem Titel „Mit Rommel an der Front – Stationen eines bewegten Lebens“, eine erfrischende und erfreulich ehrliche Abwechslung. Hans von Luck beschreibt in seinem autobiographischen Buch das Leben eines jungen Menschen in einer Zeit, die Europa und fast die ganze Welt veränderte. 1911 als Sohn eines Marineoffiziers alter schlesischer Abstammung geboren, toleriert er zunächst wie viele seiner Zeitgenossen den heraufziehenden Nationalsozialismus mit Hitler an der Spitze. Mit Beginn des Krieges und seiner Eskalation aber ändert sich seine Einstellung. Er fühlt sich mehr und mehr als Gefangener seines Fahneneides, dem zu folgen preußisch-deutscher Tradition entspricht. Von Luck erlebt dabei den Krieg auf fast allen wichtigen europäischen Kriegsschauplätzen (Polen 1939, Frankreich 1940, Russland 1941, Nordafrika 1942, Normandie 1944 und Berlin 1945), als Kommandeur einer Panzeraufklärungs-Abteilung und später eines Panzergrenadier-Regiments. Rommel, sein Taktiklehrer auf der Infanterieschule, ist an vielen Fronten sein Kommandeur. Mit ihm kämpft er, sieht in ihm ein Vorbild. Seine Schilderung des Taktikers und Menschen Rommel darf als seltene Nahaufnahme des 1944 tragisch zu Tode Gekommenen gelten. Aber Vorsicht: Wer hier nun ausführlichen Einblick in die Lebensgeschichte des beliebten Generalfeldmarschalls erwartet, wird sich gänzlich enttäuscht sehen. Rommels und Lucks Wege laufen zwar weitestgehend parallel und kreuzen sich vielerlei. Der Rückblick des Autobiographen konzentriert sich jedoch in erster Linie auf die selbst erlebten Ereignisse. Die Nahaufnahmen Rommels sind selten und (wer sich da viel von versprochen hatte) leider etwas kurz gehalten. Bis man sich damit als Leser abgefunden hat, dauert es eine Weile. Immer wieder zieht man das Lesetempo an, um vielleicht doch noch einen etwas näheren Blick auf den Wüstenfuchs zu erhaschen, bis man schließlich realisiert, dass der Weg das Ziel ist. Denn: Hans von Lucks Anekdoten sind nicht minder interessant, ja, werfen einen ungeschönten, tiefen Blick in die Seele des für die Heimat kämpfenden Soldaten, der Hitler genauso viel Sympathie entgegenbringt wie die heutigen Geschichtsschreiber. Das Buch zeugt von einer ungeheuren Authentizität, schildert schonungslos die Grausamkeiten und hässlichen Seiten des Krieges. Keine Glorie, kein Heldenpathos. Sondern ein erbitterter Kampf, der gegen Ende nur noch des eigenen Überlebens wegen geführt wird. Erstaunlich dabei ist die Fairness, die von Hans von Luck an den Tag gelegt wird. Bedankt man, welche entsetzlichen Dinge der Autor in den letzten Kriegswochen und in der russischen Gefangenschaft im Kaukasus erleben musste, so muss man den Hut ziehen vor der respektvollen Art, in der Luck über seine Gegner schreibt. „Mit Rommel an der Front“ ist ein Bericht aus dem Kriege von einem Mann der letztendlich seinen Frieden gefunden hat. Und besonders dieses Ende des Buches wirkt lange nach. Lucks Appell an die nachfolgende Generation mag von nimmermüden Kritikern abfällig belächelt werden. Mich persönlich hat sie bewegt und berührt, weil es neben all den Gräueln und den kriegerischen Konflikten der Gegenwart doch auch diesen Hoffnungsschimmer lässt, dass alle Grenzen überwunden werden und aus erbitterten Feinden echte Freunde werden können. Nicht weil sie jemand zu zwingt, sondern aus eigenem Antrieb. Aufgrund des Willens zur Vergebung. Ganz sicher wird nicht jedermann mit diesem Buch warm werden. Viele werden bemängeln, dass Luck nie konkret auf die Vernichtung der Juden eingeht, andere kritisieren, warum er nicht Befehle verweigert und sich im Kreise Stauffenbergs gegen Hitler gewandt hat. Aus der Distanz und im Verlaufe der Zeit dies anzumerken, nach Lügen oder zurückgehaltenen Wahrheiten zu suchen, ist sicher einfach. Das Angeprangerte wirklich in die Tat umsetzen zu können, wird sich erheblich schwerer dargestellt haben, denn Hitlers Herrschaft war eine totalitäre, die keinerlei Widerstand erlaubte und im Keim erstickte. Die Wahl einfach die Waffen niederzulegen, wurde besonders gegen Ende des Krieges zunehmend unmöglich. Lucks Schilderungen von Erschießungen der eigenen Männer durch faschistische Kommandotruppen, welche die Wehrmacht zum Endsieg peitschen wollten, zeigen deutlich, wie sich damals die Lage darstellte. Damit ist keine Gräueltat entschuldigt, kein genommenes Judenleben gesühnt. Aber, und dieses aber muss einem Deutschen erlaubt sein: Es war nicht ganz Deutschland, das den Krieg wollte. Es war nicht jeder Soldat, der schändete, folterte und mordete. Es war nicht jeder Offizier ein überzeugter Nationalsozialist. Das viele sich im Nachhinein von ihrer Schuld rein waschen wollen, steht außer Frage. Hans von Luck wird sich von ganz kritischen Lesern sicherlich auch diesen Vorwurf gefallen lassen müssen. Wer aber zwischen den Zeilen liest, den wachsenden Widerwillen des Autors bemerkt und die Wertschätzung des ehemaligen Feindes zur Kenntnis nimmt, wird erkennen, dass Luck aus dem Herzen geschrieben hat. Sein Schreibstil wirkt nicht gestelzt oder gestellt. Nichts einstudiert oder aus der Luft gegriffen. So kann es und so wird es wohl gewesen sein. Düstere Ereignisse werden ebenso wenig ausgeklammert, wie die kleinen Lichtblicke. Wie seltsam mutet es an, zu lesen, wie Deutsche und Engländer im Zuge des Afrikafeldzugs kameradschaftlich miteinander umgingen und das „Fairplay“ lebten. Auch nach der Niederlage des Afrikakorps ging diese Wertschätzung nicht verloren, wie ein Brief beweist, denn Luck direkt im Anschluss an die Evakuierung Tunesiens zugestellt bekam: „Royal Dragoons Der Kommandant Lieber Major von Luck, wir hatten andere Aufgaben, konnten daher die Verbindung zu Ihnen nicht halten. Der Krieg in Afrika ist entschieden, bedauerlicherweise nicht zu Ihren Gunsten. Ich möchte daher Ihnen und allen Ihren Leuten im Namen meiner Offiziere und Mannschaften für das Fairplay danken, mit dem wir auf beiden Seiten miteinander gekämpft haben. Ich und meine Abteilungen wünschen Ihnen allen, dass sie heil aus dem Krieg zurückkehren und wir einmal die Möglichkeit finden, uns unter besseren Bedingungen wiederzusehen. Hochachtungsvoll ...“ Welch eine Geste der Achtung von einem Gegner, dessen Heimat sich immer noch nächtlichen Bombenangriffen ausgesetzt sah und von Churchill zum Sieg über Hitler-Deutschland angetrieben wurde. Den Schrecken des Krieges nimmt Luck damit dem Buch nicht. Ganz im Gegenteil: Tagelange Kämpfe mit Amerikanern in kleinen Dörfern an der Deutsch-Belgischen oder Deutsch-Französischen Grenze zeigen deutlich die Sinnlosigkeit des Kriegsführens, welche beide Seiten aufreibt. Männer, die sich unter anderen Umständen vielleicht sogar mögen und schätzen würden. Luck beschreibt diese Kämpfe, Truppenbewegungen und Taktiken mit der detaillierten Schärfe eines Experten, weshalb der nur sacht geschichtlich interessierte Leser wohl seine Probleme mit dem Buch haben dürfte. Freunde der Militärhistorie bekommen hier dafür beinahe schulmeisterlich eine ganze Palette von Panzerkampftaktiken serviert, von denen einige selbst heute noch vom Heer der Bundeswehr angewandt werden. Insgesamt ist „Mit Rommel an der Front“ das eindringliche und nachhaltige Werk eines deutschen Offiziers mit praktischen Einblick, der sich im Gegensatz zur üblichen Schwarz-Weiß-Schreiberei nicht zu Verallgemeinerungen hinreißen lässt und den von ihm erlebten Krieg so schildert, wie er sich für ihn eben darstellte. Als eine Katastrophe, dessen Wiederholung er niemanden wünscht und aus der er Lehren für sich gezogen hat, die er späteren Generationen weitergeben möchte. Der überzeugendste ehrliche Bericht des Kriegsschauplatzes Europa, den ich bis hierhin gelesen habe.

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