Dällebach Kari, eigentlich Tellenbach Karl, Berner Stadtoriginal, 1877 – 1931. Er war Coiffeurmeister, hatte eine Hasenscharte, war ein Sprücheklopfer und zuweilen auch Aussenseiter. Zu Ehren seines 75. Todestages erschien dieses Buch. Mit einem Vorwort von Roland Jeanneret.
Erster Eindruck: Ein gebundenes Buch, viele schwarz-weisse Fotos vom echten Kari Dällebach und von Theateraufführen und Filmaufnahmen – gefällt mir gut.
Dällebach Kari – wer war das überhaupt? Das werden sich wohl viele Leser:innen fragen, denn die wenigsten werden ihn noch persönlich kennengelernt haben. In der Schweiz, insbesondere in Bern, ist die Erinnerung an ihn wahrscheinlich noch am präsentesten. Es gibt einen Film (1970) über ihn, den ich jedoch nicht kenne, aber sehr wohl die „Ballade“ vom schweizweit bekannten Mani Matter. Des Weiteren gibt es etliche Theateraufführungen. Auf der Thuner Seebühne wurde zudem im 2010 ein Musical aufgeführt – das habe ich gesehen und viele Tränen vergossen!
Das Vorwort wurde von Roland Jeanneret geschrieben, der Journalist war und für viele als „Mister Glückskette“ bekannt wurde.
Um Dällebach Kari ranken sich etliche Mythen, einige meinten sogar, dass es ihn gar nie gegeben hätte. Was aber so nicht stimmt. Er war der Zweitjüngste von neun Kindern einer armen Bauernfamilie aus dem Emmental. Nur er und der jüngste Bruder wuchsen zu Hause auf, die älteren Brüder wurden Verdingkinder und die Schwestern Haushaltshilfen. Kari wurde immer gehänselt, da er eine Hasenscharte und dadurch einen Sprachfehler hatte. Er machte seinen Weg und wurde zum Coiffeurmeister (Friseurmeister). Der Beruf führte ihn sodann in die Bundesstadt Bern.
Witziges Detail am Rande: In der Einleitung des Autors wird explizit für die Zürcher, Basler, Bündner und anderen Schweizer, die die Berner oft als wenig humorvoll betrachten, auf das beigefügte berndeutsche Wörterverzeichnis verwiesen – herrlich! Mir haben die zahlreichen berndeutschen Passagen sehr gut gefallen, aber mir ist bewusst, dass das geschriebene Berndeutsch für viele nicht einfach sein wird. Aber erst diese Mundart-Passagen lassen die Geschichte real erscheinen. Kari war zeitlebens ein Suchender – der Witz, für den er bekannt war, versteckte seine innere Traurigkeit. Das Buch erhält von mir 5 Sterne.
Kari, ein Suchender


