"Weisheit sollte mit dem Unvorhergesehenen rechnen."
Zum ersten Mal stieß ich auf Chesterton (und auf 4, 5 andere großartige Autoren) in Borges Inquisitionen . Dies fabelhafte Werk und andere spätere Erwähnungen von Borges machten mich neugierig auf diesen Autor, der mit dem Humanismus, der Philosophie und vor allem dem katholischen Glauben, eine breite Palette von Leidenschaften vorzuweisen hatte. Borges hatte mich bisher noch nie enttäuscht und so holte ich mir diesen ersten Band der Father Brown Storys (in der wirklich gelungenen Übersetzung von Hanswilhelm Haefs).
"Das unglaublichste an Wundern ist, dass sie geschehn."
Father Brown dürfte den meisten Deutschen (leider) nur als respektierliche Fernsehfigur bekannt sein. So stark, wie es immer propagiert wird, unterscheidet sich der Buchcharakter zwar nicht von seinem Televisions-Ego, aber die Geschichten (und somit auch Father Brown) selbst haben eine viel feinere und komplexere Grundlage und spielen gewiss nicht nur auf dem englischen Land, sondern haben mannigfaltige Orte und Umgebungen, vom Hotel in der City, bis zum einsamsten Schloss im verwitterten schottischen Hochland.
In der Kriminalliteratur gibt es mittlerweile unzählige Subgenres. Father Brown und sein Autor Chesterton gehören noch zu der Linie, die geradewegs von Poe ausgeht und nachfolgend noch in Autoren wie Agatha Christie oder Ellery Queen hervortrat; dem Genre in dem ein genialer/scharfsinniger Detektiv einen Mordfall, der zunächst eine bestimmte (im Fall dieser Geschichten eine irrationale, sogar mystische oder übernatürliche) Lösung nahe legt, klug rekonstruiert und die einzig mit allen Fakten übereinstimmende Lösung präsentiert, die meist zugleich verblüffend und folgerichtig ist. Und da Chesterton um die Jahrhundertwende lebte, kommt hin und wieder natürlich auch der Witz durch die Feder und auch die viktorianisch-englische Gesellschaft hat ihren Einstand.
"Mr. Audley, der Präsident, war ein liebenswürdiger älterer Herr, der immer noch Gladstone-Kragen trug; er war eine Art Symbol jener gauklerischen und doch starren Gesellschaft. Er hatte niemals irgendetwas getan - nicht einmal etwas Falsches."
Ich persönlich bin ein Fan dieses Genres und wer dergleichen auch schätzt und vielleicht auch die ein oder andere theologische oder philosophische Andacht ertragen kann (und wen das Alter der Geschichten nicht stört) wird mit den Father Brown Storys wenig falsch machen können.
Die Father Brown Storys wurden in dieser Insel-Ausgabe in 5 Bänden chronologisch herausgebracht. Die Bände in der weiter richtigen Reihenfolge lauten: 2. Father Browns Weisheit , 3. Father Browns Ungläubigkeit , 4. Father Browns Geheimnis , 5. Father Browns Skandal .
Inhalt dieser Ausgabe:
1. Das blaue Kreuz
2. Der verborgene Garten
3. Die sonderbaren Schritte
4. Die flüchtigen Sterne
5. Der unsichtbare Mann
6. Die Ehre des Israel Gow
7. Die falsche Form
8. Die Sünden des Prinzen Saradine
9. Der Hammer Gottes
10. Das Auge Apollos
11. Das Zeichn des zerbrochenen Säbels
12. Die drei Werkzeuge des Todes
Zwei sehr schöne Zitate:
"Wenn Sie wirklich verrückt wären, würden Sie sich einbilden, Sie seien normal."
"Das Problem des Kapitalismus ist nicht, dass es zu viele, sondern dass es zu wenige Kapitalisten gibt."








